Knut Kiesewetter (1941–2016)

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Skywise
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Knut Kiesewetter (1941–2016)

#1

Beitrag von Skywise » Mi 28. Dez 2016, 21:07

Multitalent Knut Kiesewetter ist tot. Er starb im Alter von 75 Jahren in Garding (Kreis Nordfriesland).
Während er selbst sich in verschiedenen musikalischen Bereichen probierte, sei es Folk (hier insbesondere mit verschiedenen Generationen von Familienmitgliedern), Soul, Gospel, Schlager oder die von ihm ins Scheinwerferlicht gerückten Lieder in plattdeutscher Mundart, galt seine große Liebe immer dem Jazz. Als von Jack Teagarden inspirierter Posaunist und Sänger begann er seine musikalische Karriere, und er beendete sie auch damit, nachdem er Mitte der Nuller Jahre verkündete, nicht mehr mit seinen Schlagern oder "Fresenhof"-Liedern auftreten zu wollen, sondern nur noch als Posaunist und Jazzsänger. Sein letztes Album erschien 1991, im Anschluss erschienen einige Kompilationen aus den Werken, an denen er die Rechte hatte.
Neben seinen eigenen musikalischen Aufnahmen machte er sich einen Namen als Witzeerzähler und als Entdecker und Produzent anderer Interpreten wie Volker Lechtenbrink, Fiede Kay und Hannes Wader, dessen ersten Plattenvertrag er der Legende nach aus den Verantwortlichen der Phonogram abrang, indem er androhte, anderenfalls keine weiteren Witzeplatten mehr auf den Markt bringen zu wollen.
In den letzten Jahren wurden ihm einige Ehrungen zuteil, so wurde er 2000 symbolisch zum Ritter geschlagen ob seiner Verdienste um den deutschen Jazz, darüber hinaus erhielt er 2012 für seine Verdienste um die niederdeutsche bzw. friesische Sprache den Verdienstorden des Landes Schleswig-Holstein.
Gruß
Skywise
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Knut Kiesewetter (1941–2016)

#2

Beitrag von Carsten K » Mi 28. Dez 2016, 21:30

Nun auch noch Knut Kiesewetter, ich dachte, irgendwann muss es für dieses Jahr auch mal genug sein... ;-(
Mir persönlich bleibt er vor allem als der Liedermacher in Erinnerung, der Lieder in plattdeutscher Mundart ins Scheinwerferlicht (und meine Aufmerksamkeit) gerückt hat...
Aber dieses Lied in hochdeutsch werde ich ebenfalls in Erinnerung behalten:
R.I.P. Knut Kiesewetter
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Knut Kiesewetter (1941–2016)

#3

Beitrag von Gesch » Mi 28. Dez 2016, 23:07

Ihr Lieben,

wirklich eine traurige Nachricht, die mich auch besonders trifft, hatte ich doch als junger Nachwuchs-Liedermacher in der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre in Knut einen sehr entgegenkommenden Produzenten meiner beiden Langspielplatten gefunden. So wie mich hat er eine ganze Reihe Liedermacher produziert, aber nur wenige konnten den Erfolg erzielen, den sie und er sich erhofft hatten. Dies jedenfalls war die Bilanz, die er bei unserem letzten Wiedersehen zog.

Knut hatte mir 1977 auf seinem Fresenhof sein Studio plus Techniker zur Verfügung gestellt und versierte Musiker wie John O'Brien-Docker und Manfred Jaspers für die Aufnahme meiner Lieder für meine erste LP "Kein Grund zur Aufregung" verpflichtet - sicher in meinem Falle keine lohnende Investition, im Unterschied zur Produktion der ersten LP von Hannes Wader. Ebenso war sicher auch 1979 die "sparsamerer" Produktion meiner zweiten LP "Abrechnung" ohne Studiomusiker eine Fehlinvestition. Aber er war das doppelte Wagnis eingegangen, und dafür danke ich ihm.

Auch meinen spektakulärsten Auftritt verdanke ich ihm, als er bei einem Großkonzert in Köln Ende der Siebziger Jahre krankheitsbedingt kurzfristig ausfiel und den Veranstaltern empfahl, diese Programmlücke mit mir zu füllen. So hatte ich die Ehre, damals in einem Bühnenprogramm mit Konstantin Wecker und Wolf Biermann zu spielen - und konnte es kaum fassen.

Nach meinem Berufsstart im Journalismus hatten wir uns dann aus den Augen verloren. Meine Festanstellungen erlaubten keine intensiveren musikalischen Ausflüge mehr. Noch im letzten Spätsommer hatte ich ihn - nach Jahrzehnten, in denen wir keinerlei Kontakt hatten - erstmals bei einem Besuch in Garding wiedergesehen. Etwa zwei Stunden hatten wir draußen am Gartentisch gesessen und über vergangenen Zeiten geredet, wobei ich mehr der Part des Zuhörers und Stichwortgebers übernommen hatte, denn nach meinem Eindruck schien ihm die Fähigkeit des Zuhörens genauso weitgehend verloren gegangen zu sein wie das echte Interesse an anderen Menschen, die ihm nicht ganz nahestanden. Über den Verlust seiner Frau Regine kam er offenbar nicht hinweg.

Es war ein Wiedersehen, das mich ziemlich deprimiert hatte, denn nach meinem Eindruck saß ich bei einem bitteren alten Mann, dem die Lebensfreude, wenn nicht gar der Lebenswille abhanden gekommen war, und der sich nur noch daran erfreuen konnte, denjenigen nachzugranteln, von denen er zu wissen glaubte, sie hätten ihn über den Tisch gezogen. Ich hatte mich sehr nachdenklich von ihm verabschiedet.

Ich hoffe, nun hat er seinen Frieden gefunden.
herzlich
Gerd
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Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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Knut Kiesewetter (1941–2016)

#4

Beitrag von Skywise » So 1. Jan 2017, 22:58

Die WDR 4-Schatzkiste hat ein Interview zwischen Dirk Schortemeier und Knut Kiesewetter aus dem Jahr 1979 ausgegraben - am kommenden Dienstag, 3. Januar, 20.00 bis 21.00 Uhr kann man es sich anhören.
Gruß
Skywise
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