Hanns Dieter Hüsch ist gestorben

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zodiak
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Hanns Dieter Hüsch ist gestorben

#1

Beitrag von zodiak » Di 6. Dez 2005, 14:41

Hanns Dieter Hüsch ist laut Agenturmeldungen in der Nacht zum Dienstag in seinem Haus nahe Köln gestorben.
Möge er, wo immer er nun ist, mit Hagenbuch und seinen anderen tollen Kumpanen glücklich sein.

...Ich sing für die Verrückten
Die seitlich Umgeknickten
Die eines Tags nach vorne fallen
Und unbemerkt von allen
An ihrem Tisch in Küchen sitzen
Und keiner Weltanschauung nützen
Die tagelang durch Städte streifen
Und die Geschichte nicht begreifen
Die sich vom Kirchturm stürzen
Die Welt noch mit Gelächter würzen
Und für den Tod beizeiten
Sich selbst die Glocken läuten
Die an den Imbißtheken hängen
Sich weder vor- noch rückwärtsdrängen
Und still die Tagessuppe essen
Dann alles wieder schnell vergessen
Die mit den Zügen sich beeilen
Um nirgendwo zu lang zu weilen
Die jeden Abschied aus der Nähe kennen
Weil sie das Leben Abschied nennen
Die auf den Schiffen sich verdingen
Und mit den Kindern Lieder singen
Die suchen und die niemals finden
Und nachts vom Erdboden verschwinden
Die Wärter stehen schon bereit mit Jacken
Um werkgerecht die Irrenden zu packen
Die freundlich auf den Dächern springen
Für diese Leute will ich singen
Die in den großen Wüsten sterben
Den Schädel schon in tausend Scherben
Der Sand verwischt bald alle Spuren
Das Nichts läuft schon auf vollen Touren
Die sich durchs rohe Dickicht schieben
Vom Wahnsinn wund und krank gerieben
Die durch den Urwald aller Seelen blicken
Den ganzen Schwindel auf dem Rücken
Ich sing für die Verrückten
Die seitlich Umgeknickten
Die eines Tags nach vorne fallen
Und unbemerkt von allen
Sich aus der Schöpfung schleichen
Weil Trost und Kraft nicht reichen
Und einfach die Geschichte überspringen
Für diese Leute will ich singen...
HDH
Dieser Beitrag enthält 309 Wörter


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Maren
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Hanns Dieter Hüsch ist gestorben

#2

Beitrag von Maren » Di 6. Dez 2005, 23:49

... und sein berühmtes Harmonium für alle spielen, die ihm verbunden sind und waren! Ach, ja, der Hüsch!! Ich habe ihn noch im Ohr mit "Hettpich, Hettpich, juchzte ich dann"
Schade um einen großen kleinen Mann.
Maren :cry:
Dieser Beitrag enthält 40 Wörter


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Nordlicht
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Hanns Dieter Hüsch ist gestorben

#3

Beitrag von Nordlicht » Mi 7. Dez 2005, 02:05

Hallo, Freunde !
Nach der langen Krankheit von HDH leider keine gänzlich unerwartete, dennoch eine umso traurigere Nachricht. Mit ihm ging ein Urgestein und einer der wirklich Großen der Kabarett- Zunft.
"...und ich mach dummes Zeuch..." - das aber richtig und mit Substanz, im Gegensatz zu manch "heutigem".
Um HDH mit RM nachzurufen: "Schade, daß Du gehen mußt, ausgerechnet heut´..."
Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...der ihn vermissen wird, obwohl er schon lange vermißt wurde...)
Dieser Beitrag enthält 77 Wörter


"But as long as I can see the morning,
in miracles, much more than I can say,
it´s enough to keep me still believing
in drifting hearts, so far away."

(''Book of golden stories''/ RUNRIG)

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Hanns Dieter Hüsch ist gestorben

#4

Beitrag von Nordlicht » Do 29. Dez 2005, 08:36

Hallo, Freunde !
Auf der Heimat- Seite von Dieter Nuhr, der ja ebenfalls ein begnadeter Muttersprachler und scharfer Beobachter ist, leider aber viel zu schnell in die Schublade "Comedian" geworfen wird, habe ich einen Text gefunden, in dem Nuhr auf ureigenste Weise von Hüsch Abschied genommen hat. Ich denke, man sollte diesen Text niemandem vorenthalten:
(13.12.2005 - 18:06 Uhr)
Zum Tod von Hanns Dieter Hüsch :
Hüsch hat jetzt zugegeben, daß er nicht mehr an diesem Leben teilnehmen möchte. Er gehe jetzt, so Hüsch. Hüsch, so sein langjähriger Adjutant Hagenbuch, Hüsch habe konstatiert, ohnehin nie so ganz ernst dabei gewesen zu sein, bzw. Hüsch habe ohnehin niemals großartig unterschieden zwischen dem Leben vor und dem Leben nach dem Ereignis, das man gemeinhin als Ende bezeichnet, das für ihn, Hüsch, aber niemals ein Ende, sondern höchstens ein Übergang gewesen sei, schließlich habe er, so Hüsch, das Leben nach dem so genannten Ende bereits weit vor seinem Tod in Angriff genommen, Jahre scheinbarer Krankheit dazu genutzt, um seine Seele schon mal nachspähen zu lassen, wie es auf der anderen Seite aussieht, weil er die Unwissenheit nicht mehr ertragen konnte. Hüsch, bzw. seine Seele habe, so Hagenbuch, sich dann mit dem lieben Gott in Dinslaken getroffen, um Fragen des Dies- und des Jenseits zu erörtern, und sei am Ende zu dem Schluss gekommen, daß es im Jenseits wesentlich gemütlicher sei, da es dort keinen Tod gebe. Hüsch berichtete vielmehr, so Hagenbuch, er habe im Jenseits vorzügliche Suppen niederrheinischer Art vorgefunden – und festgestellt, daß man dort Fleisch, Kartoffeln und andere Beilagen einfach untereinander mischen dürfe, ohne daß mahnende Stimmen Einhalt gebieten, denn diese Suppen und Kartoffeln seien ohne Materie, vielmehr reine Suppen und reine Kartoffeln, geistige, poetische Suppen und Kartoffeln – und das gleiche gelte für Schwarzbrot und Brötchen, die im Jenseits niemals auf die Marmeladenseite fallen, weil es kein unten und kein oben gebe, sondern nur ein Drumherum und vor allem ein Miteinander, wie es Hüsch immer geliebt habe. Hüsch, so Hagenbuch, habe von jenem Jenseits so häufig geschwärmt, daß er, Hagenbuch, nun gedenke, ihm zu folgen, um auch diesen unendlichen, jenseitigen Niederrhein kennen zulernen, der sich hinter dem Leben aus Fleisch und Blut verberge. Dem geistigen Niederrhein, dem reinen Niederrhein, der überhaupt nur noch im Jenseits existiere, und dessen diesseitige Form mit Hüsch ein bißchen mitgestorben sei. Hüsch, so Hagenbuch, lasse zuletzt noch mitteilen, daß er gemeinsam mit dem lieben Gott, der ja bekanntlich ebenfalls gerne Geknatschtes zu sich nimmt und deshalb auch Niederrheiner sein muß, daß er gemeinsam mit jenem Gott nun drüben auf uns warten würde, bis wir alle nachkommen – alle ! Das werde lustig, so Hüsch. Hagenbuch meinte, es gebe nun Hoffnung auf ein besseres Jenseits, ein lustigeres Jenseits. Und ging dann seines Weges, wohin, das läßt sich nur vermuten.

Da fehlt an Hüsch´scher Qualität doch wirklich nicht mehr viel, oder ? In diesem Sinne liebe Grüße aus OÖ,
ANDREAS.

(...der mit diesem Beitrag beweisen möchte, daß er auch zu zivilisierten Zeiten Beiträge verfassen kann...)
Dieser Beitrag enthält 534 Wörter


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Hanns Dieter Hüsch ist gestorben

#5

Beitrag von Clemens » Do 29. Dez 2005, 10:38

Lieber Andreas,
hab Dank für diesen Beitrag. :haende:
Es ist wirklich gut unter der Flut der "Komiker" einzelne Leuttürme zu wissen.
Liebe Grüße von Clemens,
für den es des Beweises nicht bedurft hätte . :-)
Dieser Beitrag enthält 38 Wörter


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