Gerd Schinkel - Trockenes Lied

Stell uns Deinen Lieblingskünstler vor, informiere uns über seine neue CD oder schreibe einen Konzertbericht. In diesem Forum kannst Du das tun, auch wenn es für Deine/n Liedermacher/in (noch) kein eigenes Forum gibt.

Beschreibung © by migoe | Foto © by Pixabay.com
Antworten
Benutzeravatar
Gesch
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 608
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04
Danksagung erhalten: 4 Mal
Alter: 69
Kontaktdaten:

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#1

Beitrag von Gesch » So 21. Jun 2009, 19:54

Hallo zusammen,
Charlotte Roche, die Pfadfinderin durch die Feuchtgebiete, hat einen neuen Bildschirm-Job: Sie wurde zur Nachfolgerin von Amelie Fried als Talkerin bei "3 nach 9" auserkoren. Das konnte ich nicht unbesungen lassen. Wer mag, kann es sich anhören und sehen:
http://www.youtube.com/profile?user=Ger ... iew=videos
herzlich
Gerd Schinkel
Dieser Beitrag enthält 55 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Benutzeravatar
Clemens
...hat schon mal ein LT organisiert
Beiträge: 1807
Registriert: Mo 24. Feb 2003, 23:01
Danksagung erhalten: 2 Mal
Alter: 60
Kontaktdaten:

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#2

Beitrag von Clemens » Mo 22. Jun 2009, 18:39

Hallo Gerd,
nun ist es also geschaft - einen echten Schinkel gehört :-).
Mein Internetanschluß erlaubte es mir in "nur" 55 Minuten das Lied herunterzuladen, dann konnte ich das Drainage-Angebot für die Feuchtgebiete am Stück und ohne "Buffer"-Pause anhören/sehen.
(Übrigens auch für viele andere Lieder und Videos ein großes Hemmnis; wenn wir denn wirklich einmal DSL-Ausbau erfahren sollten, habe ich einiges an Angeboten nachzuholen.)
Am besten hat mir die musikalische Gestaltung gefallen, welche nicht nur von jahrelanger Profession zeugt, sondern für mich einige angenehme Überraschungen brachte. Der Text kommt, gut gesetzt, schon mit Witz und Biss daher. Nur erreicht er mich nicht wirklich, weil mir diese Welt sehr weit entfernt liegt. Will sagen, dass ich eine ernsthafte und somit länger währende Auseinandersetzung (für mich!) als verschwendete Zeit ansehe.
herzliche Grüße von Clemens :-)
Dieser Beitrag enthält 145 Wörter


...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)
Was Du verschenkst, Momo, bleibt immer Dein Eigen; was du behältst, ist für immer verloren! (Eric-Emmanuel Schmitt)

Benutzeravatar
JuergenF
Beiträge: 527
Registriert: Di 4. Mär 2003, 20:34

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#3

Beitrag von JuergenF » Mo 22. Jun 2009, 21:12

Hallo Gerd!
Mir geht´s ähnlich wie Clemens. Ich sag mal:
Hätte es einen Liederbewettbewerb zum Thema "Charlotte wechselt von Feuchtgebieten zur Talkshow" gegeben, hättest du bestimmt gewonnen. :-) Und zurecht.
Warum aber nun freiwillig so ein Thema? Darüber darf spekuliert werden, außer du hilfst uns ;)
Liebe Grüße
Jürgen
Dieser Beitrag enthält 54 Wörter


Wo ich hin will :-)
14.11.12 Hannes Wader in Kirchheim/Teck, Stadthalle
21.2.13 Uta Köbernick in Bietigheim Bissingen, Rommelsmühle
15.3.13
Annett Kuhr in Landau, Kreuz und Quer
3.5.13 Holger Saarmann, Tübingen

Reino
Beiträge: 585
Registriert: Fr 27. Jan 2006, 06:25

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#4

Beitrag von Reino » Mo 22. Jun 2009, 23:04


JuergenF schrieb:
Hätte es einen Liederbewettbewerb zum Thema "Charlotte wechselt von Feuchtgebieten zur Talkshow" gegeben, hättest du bestimmt gewonnen. :-) Und zurecht.
Was für ein Wechsel? Roche gilt schon seit Jahren bei der seriösen Presse als eine der besten Interviewerinnen in Deutschland.
"Bohlen wechselt von DSDS ans Mischpult" wäre auch keine sonderlich aufregende Meldung.

Dieser Beitrag enthält 58 Wörter



Benutzeravatar
Gesch
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 608
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04
Danksagung erhalten: 4 Mal
Alter: 69
Kontaktdaten:

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#5

Beitrag von Gesch » Mo 22. Jun 2009, 23:17

Hallo Jürgen, hallo Clemens, hallo Mitleser,
die Motivation, dieses Lied zu schreiben, kam aus einer Initialzündung und einem "Hintergrundbeweggrund", der sich dann auch in den Vordergrund geschoben hat: Es geht schlicht um eine Reaktion auf eine - wenn auch nicht zentrale - Entwicklung in der kulturellen Landschaft dieses Landes. Die Motivation es zu posten kam aus einem aktuellen Anlass:
Zum hintergründigen Beweggrund zuerst:
Wer sich die Bestsellerlisten für Belletristik in Deutschland in den vergangenen Monaten in Erinnerung ruft und diese mit dem Ruf Deutschlands als der Nation der Dichter und Denker abgleicht, könnte am offenkundigen Leseinteresse der Deutschen verzweifeln: Die "Feuchtgebiete" haben über Monate hinweg ganz oben gestanden. Dass es sich dabei um qualitativ lesenswerte Literatur handeln könnte, ist von vergleichsweise wenig Kritikern ernsthaft behaupet worden. Gleichzeitig entstand um dieses Druckerzeugnis ein unglaublicher Medienhype, und die Autorin ist durch die Talkshows gereicht worden, als hätte sie ein Jahrhundertwerk geschrieben. Hat sie? Nach meiner Ansicht nicht.
Die Initialzündung: Auf der Rückfahr vom Festival auf der Burg Waldeck hab ich mal wieder im Radio den alten Hit der Dire Straits "Lady Writer" gehört: "Lady writer on the TV..." - nun: wer, wenn nicht diese Frau Roche, wäre es hier in Deutschland... und da hatte es bei mir pling gemacht. Allerdings hab ich dann keine Übersetzung versucht, sondern mich von meinem eigenen Einfall leiten lassen.
Der aktuelle Anlass für das Posting bei YouTube - und dann für den Hinweis hier im Forum - kam in der vergangenen Woche, als über die Agenturen die Meldung kam, dass Charlotte Roche nun als Nachfolgerin für Amelie Fried als Talkshow-Gastgeberin bei "3 nach 9" von Radio Bremen verpflichtet worden sei... Mithin, sie bleibt dem Bildschirm und den Fernsehzuschauern und damit auch einem bestimmten Zweig der angeblich anspruchsvolleren deutschen Kulturszene erhalten, ja wechselt sogar von der antwortenden Gastrolle in die der fragenden Gastgeberin. Immerhin gilt die Bremer Talkshow doch gewissermaßen als "Qualitätsprodukt" in diesem Genre.
Aber gab es vorher schon wenig Grund, die Bremer Talkshow einzuschalten, hat sich der Rest an Grund nun wohl auch verflüchtigt - oder findet sich die heimliche Begründung nun in einfachem Voyeurismus, wie sich die Feuchtgebiets-Autorin nun mit trockeneren Themen auseinanderzusetzen weiß?
Für mich alles ein hinreichender Grund, das Ventil, aus dem sich quasi dieses Lied "ergossen" hat, nicht mutwillig zu verschließen. So entstehen - zumindest bei mir - Lieder manchmal, und ich steuere diese Entstehungsprozesse auch nicht dadurch, dass ich mich mutwillig gegen Einfälle sperre. Immer erst mal sehen, was dabei rauskommt. So verfahre ich seit nunmehr 38 Jahren, wenn es ums Schreiben von Liedern geht. Und mich zumindest hat das Ergebnis in diesem "Feuchtgebiets-Fall" befriedigt, und meine Testhörer haben sich amüsiert und über das Thema reflektiert. Was will ich mehr. Ob es häufiger als ein- oder zweimal in meinem Konzertprogramm auftauchen wird, kann ich noch nicht absehen - hängt davon ab, wo ich spiele und wieviel Zeit ich habe...
Andere Inspirationen führen zu anderen Liedern, die andere Themen aufgreifen, auch private und persönliche, die mehr Potential bieten können, sich in ihnen wiederzufinden... auf meiner MySpace-Seite finden sich zehn davon, bei YouTube sind es nun fünf...
Soweit mal ein Blick in meine "Liederwerkstatt"...
;-)
herzlich
Gerd
Dieser Beitrag enthält 547 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Benutzeravatar
Clemens
...hat schon mal ein LT organisiert
Beiträge: 1807
Registriert: Mo 24. Feb 2003, 23:01
Danksagung erhalten: 2 Mal
Alter: 60
Kontaktdaten:

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#6

Beitrag von Clemens » Mi 24. Jun 2009, 20:43

Hallo Gerd,
Du hast, denke ich, das Positive in meiner Reaktion nicht überlesen.
Ich höre mir auch gerne mal ein Spott-Lied oder auch nur ein frivol, lustiges Lied einfach zum Zeitvertreib an. Neulich habe ich mich sogar hinreißen lassen ein Lied ("Auftragswerk" einer lieben Freundin) nur so zum Spaß hinzuschreiben.
Zum Grund meines Desinteresses am Thema will ich etwas ausführlicher werden:
Ich teile die sehr oft geäußerte Ansicht nicht, dass Literatur, Liedgut und Kunst im Allgemeinen nicht mehr angenommen würden, zudem wenn sie als anspruchsvoll gelten. Was die Lieder angeht ist mir dieser Hort hier beredter Beleg. In Radio und Fernsehen wird viel mehr Gutes angeboten, als in allen "Talkshows" zerredet werden könnte.
Ich bestreite nicht, dass eine immens gewachsene Menge an Müll das Gute überwuchert, auch nicht, dass es Mühe macht zu suchen; vielleicht sogar mal eine Nachtsendung aufzuzeichnen und sie zur "DSDS-Zeit" anzusehen.
Es könnte mir egal sein, ob Leute sich Müll "reinziehen" und ob sie sich darüber freuen, ärgern oder ereifern, vermutete ich nicht hinter dieser Maschinerie bewußte Ablenkung von den wirklichen Nöten und wichtigen Aufgaben unserer Zeit.
Wie kann es sein, dass (fast) keiner etwas davon hören will, geschweigedenn ein Lied davon singen, wo uns das über die Verhältnisse leben hinbringt. Dass nur Verzicht noch der Weg sein kann, wenn wir "die eine Welt" unseren Enkeln noch gönnen?
Für mich ein wichtiges Thema:
Warum werden Liedermacher wie Dirk Schulte oder Heinz Ratz so wenig gehört?
Ich habe das Rezept nicht, aber ich habe Hoffnung, wenn ich meine Söhne und deren Freunde gelegentlich ein gutes Buch lesen und Liedertreffen-CDs hören weiß.
Herzlich Clemens :-)
Dieser Beitrag enthält 290 Wörter


...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)
Was Du verschenkst, Momo, bleibt immer Dein Eigen; was du behältst, ist für immer verloren! (Eric-Emmanuel Schmitt)

Benutzeravatar
Gesch
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 608
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04
Danksagung erhalten: 4 Mal
Alter: 69
Kontaktdaten:

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#7

Beitrag von Gesch » Mi 24. Jun 2009, 23:56

Hallo Clemens,
ich bin auch nicht der Ansicht, dass Literatur, Liedgut und Kunst kein Publikum mehr finden. Doch es ist kaum zu leugnen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung - und ich unterstelle mal, es ist gegenüber früher, also sagen wir mal vor Start des Privatfernsehens, inzwischen ein stetig wachsender Teil - geringere Ansprüche an die Qualität stellt. Das kann man achselzuckend hinnehmen oder beklagen - oder sarkastisch, bissig, spöttisch oder zynisch aufspießen. Das hängt dann wohl vom Einfall ab.
Ich sehe mich auch ein wenig in der Tradition der "topical songwriter", die es in bestimmter Form ja in früheren Zeiten auch bei uns gegeben hat, als Markschreier und Verkünder von Neuigkeiten, gereimt in Versen, unterlegt mit Musik, zur Unterhaltung, Erbauung der Zuhörer, oder auch um sie das Gruseln zu lehren. Phil Ochs war in den USA in den frühen sechziger Jahren so ein Vertreter, Tom Paxton macht es - wenn auch nicht ausschließlich - bis heute, Bob Dylan hat es schon früh aufgegeben.
Du hast sicher Recht, wenn Du hinter dem Schrottangebot in vielen Sendern und Sendestrecken Absicht und Methode witterst, doch genau darum geht es doch auch, wenn man derartige Phänomene - und die Roche und das Hochjubeln ihres Buches ist so eins - aufspießt. Auch deshalb dieses Lied, um "nicht einfach nur zur Kenntnis zu nehmen". Natürlich kann man alles, was unbedeutend und klein ist, relativieren und auf das Megaproblem verweisen, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Doch ich denke, ein Mosaik aus Liedern wird nur dann bunt, ansehnlich und abwechslungsreich, wenn man sich auch Details widmet.
Warum dieser oder jener Liedermacher wenig gehört wird? Vielleicht liegts am Bekanntheitsgrad, vielleicht an der künstlerischen Qualität bzw am Graben zwischen der Qualitätserwartung jedes einzelnen Konsumenten und dem Qualitätsangebot der Künstler, vielleicht an der musikalischen Verpackung, vielleicht fühlt sich von der speziellen Darstellungsform nicht jeder gepackt. Vielleicht mangelt es an Toleranz, wenn das Gebotene nicht hundertprozentig mit dem übereinstimmt, was man erwartet hat.
Dirk Schulte kenn ich nicht. Heinz Ratz ist der von Strom und Wasser, nicht wahr? Ich hab ihn auf der Waldeck erlebt. Mich hat er - musikalisch, aber auch textlich - nicht so erreicht wie offenbar Dich, auch wenn ich einige seiner Songs beeindruckend fand. Vielleicht ist es auch eine Generationsfrage... ganz sicher eine Geschmacksfrage. Dota und die Stadtpiraten dagegen fand ich gradios, und Manfred Maurenbrecher sowieso. Ich hab einige meiner Eindrücke - wie ich es häufig mache - in feuilletonistischen Kritiken festgehalten, in der Weise, wie ich sie vor 30 Jahren zu Beginn meiner Berufszeit als Lokalredakteur einer kleinen Tageszeitung in Baden-Württemberg geschrieben hatte.
Bei Interesse: http://www.gerdschinkel.de/ddaumen.htm
herzlich
Gerd
Dieser Beitrag enthält 456 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Benutzeravatar
Clemens
...hat schon mal ein LT organisiert
Beiträge: 1807
Registriert: Mo 24. Feb 2003, 23:01
Danksagung erhalten: 2 Mal
Alter: 60
Kontaktdaten:

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#8

Beitrag von Clemens » Do 25. Jun 2009, 08:12

Hallo Gerd,
wir liegen doch sehr nah beieinander :-).
Natürlich kann man alles, was unbedeutend und klein ist, relativieren und auf das Megaproblem verweisen, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Doch ich denke, ein Mosaik aus Liedern wird nur dann bunt, ansehnlich und abwechslungsreich, wenn man sich auch Details widmet.

Ja, und ich gehe soweit, dass ohne die vermeintlich kleinen Dinge, an welchen wir ja möglicherweise manchmal sogar etwas ändern können, ein positiv ausgerichtetes Leben nicht zu führen ist.
Besorgt bin ich nur über das Ignorieren der Dinge,welche wir vermeintlich ja doch nicht ändern können. Sehr deutlich wird mir das zum Beispiel am "Narrenschiff" von R. Mey. Für mich ein Kassandralied. Die meisten Leute (so mein Eindruck) finden es toll aber sie hören nicht richtig hin, wenn es um die Lemminge geht...
herzlich Clemens
P.s.: Über Dirk Schulte findest Du hier einiges bis hin zum Netztip.
Also hier gehts auch schon :-)
Dieser Beitrag enthält 160 Wörter


...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)
Was Du verschenkst, Momo, bleibt immer Dein Eigen; was du behältst, ist für immer verloren! (Eric-Emmanuel Schmitt)

UweX
Beiträge: 181
Registriert: Di 18. Mär 2008, 00:55

Gerd Schinkel - Trockenes Lied

#9

Beitrag von UweX » Fr 26. Jun 2009, 13:14

Ganz große Klasse!!! Gefällt mir richtig gut :-D:-D
Dieser Beitrag enthält 9 Wörter


www.UweX-Musik.de
www.facebook.com/UweX.Schaefer

Antworten