Film-Tipp: „Der Erzpoet – die Compagnie – die Lange Nacht der Poesie“ (VÖ 2018)

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Marc
...hat schon mal ein LT organisiert
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Film-Tipp: „Der Erzpoet – die Compagnie – die Lange Nacht der Poesie“ (VÖ 2018)

#1

Beitrag von Marc » Di 1. Jan 2019, 21:25

Ihr Lieben,

meine aktive Forumszeit habe ich leise ausklingen lassen, aber seitdem ich den Konzertfilm „Der Erzpoet – die Compagnie – die Lange Nacht der Poesie“ gesehen habe, kribbelt es doch noch einmal in meinen Fingern. Der Film, im November 2018 bei keinem geringeren Musiklabel als Stockfisch Records erschienen, hat mich gleichermaßen bewegt, überrascht und verzaubert. Für mich ist der Film Momentaufnahme und Zeitdokument zugleich.

Erzpoet? Compagnie? Lange Nacht der Poesie? Hier im Liedermacher-Forum werden viele wissen, was mit den Schlagworten des Titels gemeint ist. „Erzpoet“ Manfred Hausin, niedersächsischer Dichter und Schriftsteller, Prädikat sympathisch, hat vor mehr als drei Jahrzehnten die „Compagnie Poesie“ ins Leben gerufen, jenen berühmtberüchtigten, sagenumwobenen Kreis von Musikern, Puppenspielern, Poeten, Varietékünstlern, Kabarettisten und Schauspielern. Wann immer sich diese bunte Truppe für eine „Lange Nacht der Poesie“ trifft, ist Unterhaltung mit Haltung garantiert.

Aufgezeichnet wurde der Film bereits im Januar 2010, die lange Reifezeit scheint wie bei einem guten Rotwein für ein harmonisches Bouquet zu sorgen. „Es ist leicht, ein Konzert zu filmen, aber es ist schwierig, eine Geschichte daraus zu machen“, erklärt Hans-Jörg Maucksch von Stockfisch Records, der – wie könnte es anders sein – auch bei dieser Produktion für eine hervorragende Bild- und Tonqualität gesorgt hat und sich – glücklicher Weise! – für eine völlig unaufgeregte, zurückhaltende Kameraführung entschieden hat, die das Wesentliche in den Mittelpunkt rückt, nämlich den Auftritt selbst.

Es erscheint schier unmöglich, eine Künstlerin oder einen Künstler dieser beiden Januarabende des Jahres 2010 herauszugreifen oder hervorzuheben, schließlich trägt jede und jeder seine ganz persönliche künstlerische Handschrift. Es scheint keine Konkurrenz, keinen Wettstreit zu geben, jede Darbietung ist individuell, liebevoll und professionell zugleich. Jeder Auftritt berührt auf andere Art und Weise, mal laut, mal leise, mal durch die Hintertür, mal direkt heraus, mal mit Worten, mal mit Gesten, mal klingen die Worte, mal die Töne. Was entsteht, ist ein buntes Mosaik, jedes Teilchen glänzt auf seine Weise und würde fehlen, nähme man es weg.

Manfred Hausin spielt mit Worten, Friedhart Faltin mit Puppen, es treten auf der Musikkabarettist Reiner Panitz, Geschichtenerzähler und Spieluhrenspieler Bernhard Lassahn, die Liedermacherin Joana mit Begleitung am Kontrabass und am Klavier, Schriftsteller Michael Augustin, der legendäre Gitarrist Werner Lämmerhirt, die Folkgruppe Liederjan, der Schauspieler Achim Amme, der Berliner Songschreiber Danny Dziuk, Liedermacher Eddy Winkelmann, Briefschreiber Winfried Bornemann, die Liedermacher-Urgesteine Bömmes, Black & Goly, die Singer-Songwriterin Mckinley Black, Helmut Volpers, der über die Philosophie der Compagnie Poesie nachdenkt, der Pantomime Peter Mim, Heino & Mäuse, Hannes Wader, der seinen Klassiker „Es ist schon viele Jahre her“ spielt, Fußtheaterspielerin Anne Klinge, die 5-köpfige Combo Front Porch Picking, Musiker Thomas Felder, Zauberkünstler und Feuerschlucker Matthias Wesslowski, Kerstin Blodig und Ian Melrose als „Kelpie“ sowie die Musiker des Trios Zebra Sommerwind. Zum Abschluss singen alle gemeinsam – mit weiteren Akteuren der „Compagnie“, darunter auch „unser“ Barde Michael – „Die Gedanken sind frei“. Bewegend!

Dass der Konzertfilm nach 83 Minuten zu Ende, ist ein Jammer und zugleich meine einzige handfeste Kritik an der Produktion. Allein eine 7-stündige Blu-Ray-Box mit allen ungekürzten Beiträgen beider Abende hätte der Compagnie Poesie und der Langen Nacht der Poesie gerecht werden können. Spaß beiseite – zum Trost kann man ja die „Lange Nacht der Poesie“ live erleben. Termine gibt’s unter www.lange-nacht-der-poesie.de. Der Film kann für 20 Euro direkt bei Manfred Hausin bestellt werden: www.manfred-hausin.de.

Lieben Gruß!
Marc
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So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.

Hannes Wader

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