Ein Wiedersehen mit Thomas Friz und Erich Schmeckenbecher

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Marc
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Ein Wiedersehen mit Thomas Friz und Erich Schmeckenbecher

#1

Beitrag von Marc » So 17. Apr 2016, 20:21

Ihr Lieben,
ich bin bei Youtube über ein rührendes Filmchen gestolpert, das eine Begegnung von Erich Schmeckenbecher und Thomas Friz im März 2016 zeigt. Während ich von Erich Schmeckenbecher immer mal wieder, aber letztlich doch viel zu selten etwas höre oder lese, habe ich Thomas Friz nach vielen Jahren zum ersten Mal wiedergesehen.
Gesundheitlich sichtlich angeschlagen und mit gebrochener Stimme singt Thomas Friz in weiteren Videos des Youtube-Kanals von Kornelius Friz, dem Neffen von Thomas, einige Lieder. Sehr rührend, sehr sehenswert.
Erich Schmeckenbecher schreibt zu den Videos auf seiner Facebook-Seite:
WAS SAGT MAN DAZU?
Vergangenen Montag hatte ich seltenen Besuch.
Thomas, mein alter Partner aus vergangenen Zupfie-Zeiten, sein Neffe Kornelius, samt einem kleinen Medienteam, waren zu Gast. Kornelius arbeit an seinem Bachelor-Abschluss im Fach Kulturwissenschaften an der Uni Hildesheim. Und den will er über die Karriere seines Onkels machen, wie er sagt. Dabei spielt natürlich die Zupie-Zeit eine große Rolle, sodass er auch mich dazu am Rande befragen und medial "verewigen" wollte. Zudem waren sie auch auf der Suche nach einer passenden Kulisse für Film und Fotos. Und so sind sie also letzlich bei mir zuhause gelandet, verständlicherweise.
Es war ein lustiger, angenehmer Nachmittag, schwelgend in Erinnerungen gemeinsamer Erlebnisse mit teils identischen, teils unterschiedlichen Wahrnehmungen - wie das halt nach über 40 Jahren mit all den alten Geschichten ja quasi der Fall sein muss. Nach 30 JAHREN mal wieder länger "zusammen zu hocken" (1986 letztes Konzert mit Pete Seeger in Bochum) und zu plaudern, das hat großen Spass gemacht. Aber auch deutlich, dass nach den 12 Jahren gemeinsamer ZUPFEREI eben auch jeweils 30 Jahre anschließender SOLO-ZUPFEREI liegen. Das hat aber der angenehmen Stimmung am sonnigen Montag-Nachmittag keinen Abbruch getan. Im Gegenteil! - Schöne Sache... gerne wieder!
Offen bleibt, was nun Kornelius nebst Team aus dem Material machen. Wir werden sehen...
Erich Schmeckenbecher auf Facebook, 10.03.2016

Lieben Gruß!
Marc
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Ein Wiedersehen mit Thomas Friz und Erich Schmeckenbecher

#2

Beitrag von Reino » Mo 18. Apr 2016, 05:44

Ich hab Thomas Friz Ende 1973 bei einem Folksongmeeting im erwähnten Laboratorium kennengelernt (vorher hatte ich ihn mal in einem spärlich besuchten Konzert im Renitenztheater gehört). 1974 zog das Folksongmeeting ins Forum 3 in der Innenstadt um. Und dort stellten Thomas und Erich ihre neu einstudierten Lieder vor, noch bevor sie ein ganzes Konzertprogramm hatten.
Die Lieder aus Thomas' Liedermacherzeit erinnerten stark an Reinhard Mey (er besang den Kleinen Schloßplatz und eine Begegnung unter Regenschirmen und vertonte auch ein paar Texte von Jan Weber). Als ich ihn 1973 besuchte, schwärmte er von Wolf Biermann. Und kurz darauf begann schon die Zusammenarbeit mit Erich.
Sie haben dazu "den Steinitz" durchgearbeitet, und über den Umweg über Schwaben gelangten so die Lieder aus dieser DDR-Publikation in das Repertoire vieler ostdeutscher Folkgruppen. Der größte Einfluß war aber sicher Peter Rohland, der fast alle Lieder aus dem Pepertoire von Zupfgeigenhansel aufgenommen und teils selber aus dem Volksmund herausgebrochen hatte (so wird "Wir zwei, wir gehn jetzt auf die Walze [Auf Wiedersehn, Marie]" seit dieser Zeit als Volkslied geführt, obwohl es von Kurt Tucholsky geschrieben wurde). Sowohl die Lieder deutscher Demokraten als auch die Vagabundenlieder und nicht zuletzt die Lieder der Ostjuden kann man bei Peter Rohland finden (und es gibt wenige Lieder aus diesen Bereichen, die Rohland nicht schon zuvor gesungen hat). Nur von Villon-Balladen, dem vierten Programm von Rohland, haben die Zupfis die Finger gelassen.
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Barde
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#3

Beitrag von Barde » Mo 18. Apr 2016, 16:32

In meiner Jugendzeit habe ich sie oft erlebt und gehört und es gab praktisch keinen Gitarrenspieler in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, der nicht von ihnen beeinflusst war. Thomas Friz hatte eine herausragende Stimme, was die Konzerte zum Erlebnis machte. Es hat schon etwas sehr Tragisches an sich, die Spuren des Schicksals im Gesicht von Thomas Friz zu sehen. Dies gilt vor allem, wenn man die Zupfis von früheren Begegnungen her gut kennt.
Reino schrieb:
Der größte Einfluß war aber sicher Peter Rohland, der fast alle Lieder aus dem Pepertoire von Zupfgeigenhansel aufgenommen und teils selber aus dem Volksmund herausgebrochen hatte (so wird "Wir zwei, wir gehn jetzt auf die Walze [Auf Wiedersehn, Marie]" seit dieser Zeit als Volkslied geführt, obwohl es von Kurt Tucholsky geschrieben wurde). Sowohl die Lieder deutscher Demokraten als auch die Vagabundenlieder und nicht zuletzt die Lieder der Ostjuden kann man bei Peter Rohland finden (und es gibt wenige Lieder aus diesen Bereichen, die Rohland nicht schon zuvor gesungen hat). Nur von Villon-Balladen, dem vierten Programm von Rohland, haben die Zupfis die Finger gelassen.

Gibt es irgendeinen Künstler auf der Welt, der nicht auf irgendeine Art und Weise von anderen beeinflusst worden ist? Und haben die Zupfis nicht deshalb soviel Popularität erlangt, weil sie ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt haben, der zu recht erfolgreich wurde? Und dies mit Liedern, die allen zugänglich sind und waren.
Abgesehen davon war auch genug Innovatives und Kreatives in ihren Werken vorhanden. Die Theodor-Kramer-Vertonungen, um nur ein Beispiel zu nennen, werden sicherlich nicht vergessen werden.

Gruß
Barde :barde:
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