CD-Besprechung "Mein Herz will tanzen" - Matthias Witzig Ensemble

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Anne1986
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CD-Besprechung "Mein Herz will tanzen" - Matthias Witzig Ensemble

#1

Beitrag von Anne1986 » Di 16. Jun 2015, 14:11

Liebe Liedermacherfreunde,
wer die CD noch nicht kennt, bekommt jetzt ja vielleicht Lust, reinzuhören... ;-) Eines meiner schönen Mitbringsel vom letzten Liedertreffen in Görlitz. Hier meine CD-Besprechung (an Johann und Gerd: noch ein bisschen Geduld, eure CDs kommen bald auch noch dran). Viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße, Anne.
„Mein Herz will tanzen“ (2014) - bei diesen schwungvollen und positiven Liedern machen die Füße gleich mit!
Album des Matthias-Witzig-Ensembles versteht es, durch Vielseitigkeit, Rhythmik und interessante Texte zu begeistern

Es ist nicht die erste CD, die Autor, Komponist und Musiker Matthias Witzig veröffentlicht hat – wohl aber in der Formation eines Ensembles, bestehend aus Günter Kellmer am Kontrabass, Michael Teichert mit verschiedenen Percussion-Instrumenten und ihm selbst als Gitarristen und Sänger. Seit seiner „Entdeckung“ 1979 als Liedermacher bei einem bundesweiten Wettbewerb der freien Jugendpresse in München, den er gewann, schreibt und präsentiert er eigene Musik, in unterschiedlichen Formationen. Als diplomierter Religionspädagoge haben viele seiner Texte aufmunternden und seelenstärkenden Charakter. Auch in der Neuen Kirchenmusik engagiert sich der vielseitige Künstler mit Textbeiträgen und Arrangements.
Nach längerem Aufenthalt in Frankreich (neun Jahre in Toulouse) fand Matthias Witzig zunächst zur ursprünglichen Liedinterpretation zurück und 2015 erstmals zum Liedertreffen in Görlitz. Dort erwies er sich als echte Bereicherung, nicht nur durch die Einblicke in einige Stücke seiner aktuellen CD zusammen mit seinem Sohn Fabian an der Trommel, sondern auch durch seine spontane untermalende Gitarrenbegleitung anderer Liedermacher in den Sessions. Damit scheint er sein Motto, Gesang und Lieder als Lebensinhalt, direkt in die Tat umzusetzen – doch dazu bei entsprechendem Ohrwurm mehr.
„Mein Herz will tanzen“ beginnt mit dem aufmunternden, schwungvollen Stück „Wenn du nicht weißt“, das insbesondere in seinem Intro eine spanisch klingende Gitarrenbegleitung aufweist. Es fordert dazu auf, der manchmal harten oder zumindest unsicheren Wirklichkeit „Löcher ins Hemd“ zu träumen. Der Phantasie und der Umsetzung jedes einzelnen sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ähnlich mitreißend (und zum Tanzen einladend) sind das im Flamenco-Rhythmus vorgetragene Loblied „Meine Welt“ sowie der Titelsong „Mein Herz will tanzen“, welches zum Aufbruch und zum Zeigen von Gefühlen ermutigt. An manchen Stellen geht mit den Musikern das Temperament wohl ein wenig durch, sodass die laute Begleitung das Textverständnis erschwert. Da hilft dann nur mehrmaliges, genaues Hinhören oder ein Blick in die auf der Homepage veröffentlichten Texte.
Anders sieht es bei den vielseitig vertretenen, ruhigen Balladen aus, bei denen der Gesang nicht übertönt wird. „Wellenkinder“ zählt hierzu, ein Lied über die Rückbesinnung auf die Kindheit, das Urvertrauen und die Leichtigkeit des Seins in einer schönen Urlaubsidylle am Meer. Der Einsatz des Regenmachers in der Percussion sowie der Spannungsbogen durch die Dynamik verfehlen ihre Wirkung nicht. Bald fragt sich auch der Zuhörer wie im Refrain: „Wo ist die Leichtigkeit geblieben, die das Leben tanzen lässt? Wann waren Flüge einfach wichtiger, als dass du eine weiche Landung setzt?“ Möglicherweise lassen Märchenträume von den „Jahreszeiten“ dem entgegen wirken – unter diesem Titel gibt es auch ein Gedichtbüchlein mit Bildern von Ina Hiesener Kalcev. Diese romantische Ballade klingt in der Begleitung mittelalterlich, ein bisschen nach Spieluhrmelodie im Intro und wird mit der Strophe über den Winter eingerahmt. Ähnlich gefühl-, doch von der Textinterpretation geheimnisvoll klingt „Komm, süßer Morgen“ mit seinen eher düsteren Strophen im Kontrast zum Hoffnung stiftenden Refrain. Als Liebeslied und zugleich Wertschätzung der Lebenszeit kann das angenehm ruhige „Juliabend“ gelten, das mit Trommelrhythmus dezent und fließend begleitet wird: „Juliabend über'm Fluss, das Meer ist nicht mehr weit. Wenn ich morgen sterben muss, ist dennoch Zeit – noch Zeit!“ lautet der Refrain. Das Lied hat einen offenen Ausklang, textlich wie musikalisch. Die Offenheit hat es mit „Ca va“ gemeinsam, bei dem es, man weiß es nicht ganz sicher, um das Älterwerden und das Vergessen, vielleicht auch um das Leben mit Demenz geht, wobei man nicht aufgeben sollte: „Komm, alter Mann, nimm meine Hand. Lass uns ein paar Treppen steigen. Geh' durch die Wand, verlass das Grau ins Himmelblau, und lass uns zeigen, dass es geht, was noch geht, es geht – ca va!“ Das Lied endet mit der Anfangszeile „Wenn der Nebel weint“.
Mehrere Interpretationen lässt auch die tänzerische Ballade „Wer darin bleibt“ (...versteinert die Sehnsucht) zu. Inhaltlich geht es um den Stillstand in einem Dorf – das man sich durch seine Gedanken aber auch um sich selbst herum gebaut haben könnte. Dann wäre es der eigene Trott, dem es zu entfliehen gilt, nicht (nur) der Standort. „Das vorletzte Lied“ bittet hingegen darum, noch nicht aufzuhören, mit dem Gesang, mit der Musik, die so gut tut.
Natürlich gibt es auch Liebeslieder über menschliche Beziehungen auf der CD. Da ist zum einen das temperamentvolle und mutmachende „Engel in dir“ mit der Botschaft, sich doch zu trauen, anderen Menschen die Liebe zu zeigen – durch den Beistands des Engels in sich selbst kann man dabei gar nichts falsch machen. Zur Bekräftigung erklingt der Refrain in großen Teilen zweistimmig. Die Wertschätzung gegenüber allen Mitmenschen vermittelt der Reggae „Gleich“ (...gleich, gleich – ob du arm bist oder reich, hässlich oder schön – ich werde dich nie anders seh'n als gleich, gleich gleich welche Farbe, welches Land – wir sind Kinder aus einer Hand!“). Der zweite Reggae, „Frau“, beleuchtet hingegen ein ganz anderes Thema: Das Ende einer Beziehung, denn die Partner stehen sich gegenseitig im Weg und leben nicht mehr aufrichtig und authentisch zusammen. Während es anfangs noch heißt „Irgendeiner hält die Tür zu“ , kommt am Ende Entschlossenheit zum Ausdruck: „Du hältst die Tür zu!“
Das (subjektiv betrachtet) stärkste Lied des Albums stellt die Hymne „Tausend alte Lieder“ mit Ohrwurmqualität dar, das die eingangs erwähnte Philosophie „Lieder als Lebensinhalt – als Spiegel des Lebens“ oder wie Reinhard Mey so trefflich formulierte: „Musik ist nicht nur Lebensmittel, es ist Überlebensmittel!“ transportiert. „Sing aber sing, sing aber sing, bis sie alle mit dir singen, aber sing!“ erklang es daher auch mehrstimmig beim Liedertreffen.
Als begeisterter Hörer von Liedermachern lohnt es sich unbedingt, in „Mein Herz will tanzen“ hineinzuhören – ob man sich nun mit den vielschichtigen Texten und Stilen analysierend auseinandersetzen möchte oder nicht: Manch einem reicht vielleicht ja auch einfach der Schwung zum Tanzen und die Musik, die bedrückte Stimmung in den Hintergrund rücken lässt.
Informationen zu Künstler und CD gibt es auf der Homepage http://matthiaswitzig.jimdo.com
(Anne Drerup)
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Bardou
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#2

Beitrag von Bardou » Di 23. Jun 2015, 14:47

Nur mal so - Annes CD-Besprechung zum Nachlesen, damit sie nicht völlig in der Versenkung verschwindet. :gitarre:
Falls ihr euch selbst eine Meinung bilden wollt, schicke ich euch gerne für satte 10, euros die hier besprochene CD und freue mich natürlich über entsprechend gute Kritiken... und natürlich auch weniger erfreuliche Kommentare... alles andere wäre unehrenamtlich :-D
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Bardou

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#3

Beitrag von Petra » Di 23. Jun 2015, 16:03

Da sieht man es mal wieder.... schade um den Bereich 'Rezensionen'. Dort fand man sie alle an einer Stelle. Im Forum versickern sie mit der Zeit und werden nicht mehr gefunden.
Gruß, Petra
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#4

Beitrag von migoe » Di 23. Jun 2015, 16:51

Petra am 23.06.2015 16:03 Uhr
schade um den Bereich 'Rezensionen'. Dort fand man sie alle an einer Stelle.

es ist ja noch nichts verloren, weil eine endgültige Entscheidung nicht gefallen ist, was mit den "alten" und im Moment ausgeblendeten Bereichen passiert. Es bleibt auf alle Fälle die Notwendigkeit, die Bereiche zu pflegen - und das ist nach wie vor die Schwachstelle.
Vielleicht braucht es keinen separaten Bereich für Rezensionen, sondern nur ein eigenes Forum dafür? Die Einträge daraus könnten dann wieder in einem extra Block untereinander angezeigt werden...
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
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Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

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#5

Beitrag von Skywise » Di 23. Jun 2015, 17:28


migoe schrieb:
es ist ja noch nichts verloren, weil eine endgültige Entscheidung nicht gefallen ist, was mit den "alten" und im Moment ausgeblendeten Bereichen passiert. Es bleibt auf alle Fälle die Notwendigkeit, die Bereiche zu pflegen - und das ist nach wie vor die Schwachstelle.
Vielleicht braucht es keinen separaten Bereich für Rezensionen, sondern nur ein eigenes Forum dafür? Die Einträge daraus könnten dann wieder in einem extra Block untereinander angezeigt werden...
Hm.
Mal ins Unfertige formuliert: im großen und ganzen weiß ich nicht, ob man einen Rezensionsbereich braucht, wenn keine Rezensionen geschrieben werden. Vielleicht wäre ein Bereich sinnvoller, in dem Informationen zu den einzelnen Liedermachern und ihren Veröffentlichungen hinterlegt sind und bei denen auch die Rezensionen untergebracht werden können.
Ich denke, es ist einfacher und weniger (hirnschmalz- und muse-)fordernd, Listen und Informationen zu einzelnen Interpreten und deren Veröffentlichungen zu hinterlegen als vollwertige Rezensionen. Mir ist natürlich klar, daß es solche Listen auch an anderen Stellen gibt, sofern es sich um einen namhaften oder einen immer noch aktiven Interpreten handelt, aber das Internet weiß bekanntlich auch nicht alles, auch wenn es so tut, und es gibt eine Menge Schattenbewohner, die teilweise noch nicht mal einen Wikipedia-Eintrag mitsamt einer aussagekräftigen Disco-/Film-/Bibliographie wert sind ...
Gruß
Skywise
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

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