cARSCHti am 3. August in Mainz – Support Bernd Barbe

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Petra
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cARSCHti am 3. August in Mainz – Support Bernd Barbe

#1

Beitrag von Petra » Di 13. Sep 2005, 04:07

jajaja, ich weiß: das ist schon verdammt lang her. Aber besser spät als nie. ;-)
Das Konzert fand in der ersten Ferienwoche statt, deshalb konnte ich meinen Sohn Philip mitnehmen, der sich darauf freute, seine Landeshauptstadt besuchen zu dürfen. Mein Problem war nur: Ich selbst war auch noch nie in Mainz gewesen, was sollte ich ihm bloß erzählen? Die Rettung nahte in Gestalt von Skywise, der in Mainz wohnt und über seine Stadt viel zu erzählen weiß. Er nahm sich schon nachmittags Zeit für uns, und die Frage war eigentlich nur, wie ausführlich die Exkursion sein sollte. Skywise fand ein gutes Maß, sodass es für Philip ein bisschen zu viel und für mich ein bisschen zu wenig war. Obwohl es sehr interessant war, hoffe ich, dass Sky nicht irgendwann auf die Idee kommt, mich abhören zu wollen. *schäm* Nach einem Abendessen holten wir das Auto aus dem Parkhaus, Skywise faltete seine reichlich zwei Meter zusammen, um auf dem Beifahrersitz Platz nehmen zu können, und wir fuhren in Richtung Uni-Gelände. Dort kommt man ohne Berechtigungsschein mit dem Auto nicht hinein, aber dank der ortskundigen Führung fanden wir einen günstig gelegenen Parkplatz.
Das Konzert im Q-Kaff sollte um 21 Uhr beginnen; als wir ankamen, war es etwa 20:30 h. An der Türe hing ein DIN-A-3-Plakat in Farbe, auf dem das Konzert angekündigt wurde. Wir trafen cARSCHti beim Stimmen der Gitarre an – oder was ein Musiker kurz vor dem Konzert so mit seinem Instrument anstellt. Um ihn nicht zu stören, wollten wir noch ein bisschen nach draußen an die frische Luft, wo einige Studenten diskutierten und zu lernen schienen, obwohl die Semesterferien bereits begonnen hatten. Auf dem Weg dahin begrüßte uns ein großer, schlaksiger, sympathischer junger Mann – huch, der kannte mich! :frage: Es war Bernd Barbe, der das Vorprogramm bestreiten sollte. Er kannte mich von Trebur, wo er als Zuschauer gewesen war, ich konnte mich leider nicht mehr an ihn erinnern. :roll: Sein Dialekt klang merkwürdigerweise schwäbisch, obwohl er aus Sachsen stammt und in Hessen wohnt. So langsam fragten wir uns, wo Doro wohl stecken mochte, die ebenfalls ihr Kommen angekündigt hatte. Zehn Minuten vor neun meldete sie sich per Handy. Sie stand wohl mit ihrem Auto am anderen Ende des Geländes und musste sich nun zu Fuß durchschlagen. Sie schaffte es nicht bis neun Uhr, aber welches Konzert beginnt schon pünktlich? Als sie endlich eintraf, gingen wir hinein und mussten uns redlich Mühe geben, unsere 2 € Eintritt loszuwerden. Zu diesem Zeitpunkt fing es an zu tröpfeln, sodass es alle nach drinnen zog.
Der Raum, in dem das Konzert stattfand, war mit kleinen, runden Tischen und Stühlen bestückt. Die Anzahl der Zuhörer war schwer zu schätzen, sie saßen ja nicht dicht an dicht, aber es mögen wohl zwischen dreißig und vierzig gewesen sein. Doro berichtete, dass sie bei ihrem Marsch durch das Uni-Gelände etliche dieser cARSCHti-Plakate gesehen hatte. Nun ja, Werbung ist alles im Show-Geschäft. *g*
Schließlich begann Bernd Barbe das Konzert. Er hatte vor allem mit technischen Problemen zu kämpfen, weil der ansonsten recht zuverlässige Tontechniker des Q-Kaff an diesem Abend der Veranstaltung fern blieb. So wirkte sein Gesang im Vergleich zur Gitarre unverhältnismäßig laut. Er sang seine Lieder Die Liedermacher sind zurück, Learning Hessisch I, Die arme Sau, Umsonst geplant und Wroclaw macht's für halbe Preis. Leider konnte ich über Bernd Barbes Homepage mein Gedächtnis nicht auffrischen. Sowohl seine Homepage als auch sein Repertoire sind noch im Aufbau, eine erste CD ist derzeit in Vorbereitung und soll im Oktober erscheinen. Er hat seine Sache sehr gut gemacht, haderte aber danach sehr mit sich, weil er zwei oder drei Texthänger hatte. (Lieber Bernd, sei doch nicht so streng mit Dir, kleine Pannen machen doch den Charme eines Live-Auftrittes aus. Ehrlich, an die Hänger selbst erinnere ich mich gar nicht mehr, nur daran, dass Du so unzufrieden mit Dir warst. Bleib dran und mach weiter so, das wird schon.) Nach gut zwanzig Minuten räumte er die Bühne mit den Worten: "Und jetzt kommt er, der Godfather of Liedermaching – cARSCHti!!"
cARSCHti musste aufpassen, denn er durfte, bzw. konnte das Mikrofon nicht verstellen. Auf den Bildern, die Doro ins Bilderalbum gestellt hat, kann man es sehen: In Ermangelung eines vernünftigen Mikrofonständers hat man das Mikro mit Klebeband an einem Besenstiel befestigt, der seitlich eingeklemmt wurde und waagerecht auf die Bühne ragte. Am vorherigen Abend hatte eine Heavy-Metal-Band mit Schweineblut hantiert und dabei den Mikro-Ständer unbrauchbar gemacht, der musste erst einmal gründlich gereinigt werden. Aber cARSCHti ist ja bühnenerprobt und sollte nicht so leicht aus dem Konzept zu bringen sein. Trotzdem war er ungewohnt nervös, und das, obwohl er sich doch selbst als Rampensau bezeichnet, aber sein letzter Auftritt war nun auch schon wieder fünf Monate her. Ich finde es sympathisch, wenn ein Künstler nervös ist. Da fühlt man als Publikum doch gleich, dass man dem Mann da vorne nicht gleichgültig ist. Zu viel Routine wirkt leicht mal steril. Also lieber den einen oder anderen Texthänger als zuviel Perfektionismus.
Er eröffnete sein Programm mit Liedermacher sind demnächst wieder schwer im Kommen, dessen Titel ja deutlich cARSCHtis Hoffnung/Überzeugung ausdrückt.
In Unheilbar krank hörten wir, wie die Idee zur Abschiedstournée geboren wurde.
Zu dem Lied Eifel-Brot inspirierte ihn ein Aufenthalt in der Vulkan-Eifel, wo der Autor Jacques Berndorf wohnt, der die Eifel-Krimis geschrieben hat.
Endlich folgte Matula. Im Publikum befanden sich offensichtlich einige cARSCHti-Fans, die speziell dieses Lied schon von Anfang an forderten. Wer Matula ist, das brauche ich wohl niemandem zu erklären.
Dann kam Ein Stück weit ein Liebeslied, mein persönlicher Favorit. Hier beweist cARSCHti, dass er durchaus in der Lage ist, über sich selbst zu lachen. Das Lied müsste den Liedertrefflern des letzten Jahres eigentlich noch in guter Erinnerung sein. Natürlich ist es auch auf der CD, die vom Samstag-Abend-Konzert des Liedertreffens in Zell erstellt wurde. Es ist ein bisschen 'geklaut bei Reinhard Mey', wie cARSCHti ja auch offen zugibt.
Zu dem folgenden Lied Und mein Schiff wird kommen ist auf cARSCHtis Homepage nachzulesen: Das ist ein Lied über Frauen zwischen 30 und 40, aus der Sicht eines Mannes zwischen 30 und 40, der sich den Ansprüchen der Frauen zwischen 30 und 40 nicht mehr gewachsen fühlt.
Du musst sie dir nur einmal nackt vorstellen ist das, was man nach cARSCHtis Meinung tun sollte, wenn man an Politiker denkt.
Und gleich noch ein Lied über einen Politiker und eine unterdrückte Minderheit: Müntefering und seine SPD. Auch dieses Stück hat cARSCHti in Zell gesungen und ist deshalb etlichen von uns bekannt.
Mit dem Lied über Die Stasi-Akte von Angela Merkel endete der erste Teil des Konzertes.
Bei cARSCHtis Gesang war der Sound übrigens in Ordnung, obwohl er seine Reibeisenstimme einige Male sehr lautstark einsetzte. Hatte man mit Bernd Barbe eigentlich keinen Soundcheck gemacht?
In der Pause war Gelegenheit, cARSCHtis CDs zu erstehen. Seine zweite 40* *und wesentlich älter ist die DDR ja wohl auch nicht geworden, oder? hat er rechtzeitig zu diesem Konzert fertiggestellt. Sowohl Doro und Skywise als auch ich erstanden jeweils ein Exemplar, aber natürlich nicht nur wir….
Nach der Pause ging es weiter mit Tabuthemen, das von den Talk-Shows und ihren unsäglichen Themen handelt, die vor noch nicht allzu langer Zeit in vielen Programmen jeden Tag im Stundenrhythmus auf uns einprasselten. Inzwischen wäre es mal Zeit für ein Lied über die Gerichts-Sendungen, die wie Pilze aus dem Boden sprießen, was meinst Du, cARSCHti?
Sehr amüsant fand ich das Lied Schnarchen. Wer schon mal mit cARSCHti im selben Zimmer, im selben Stockwerk oder im selben Haus (oder gar in derselben Straße?) geschlafen hat, weiß, dass dieses Lied längst überfällig war. Ja, beim Schnarchen, da kennt er sich aus. *g*
In Gib mir Tiernamen bekamen wir eine grundlegende Erkenntnis mitgeteilt: 'Der häufigste Scheidungsgrund ist immer noch die Ehe!'
Es folgte Wenn ich allein bin, ein Lied über die Einsamkeit und die Sehnsucht nach Zweisamkeit.
In Servicewüste Deutschland ging es um Weihnachten, ein halbes Hähnchen und den Vergleich mit den Zuständen in einem islamischen Staat.
Zum 60. Geburtstag von Franz Beckenbauer am 11. September hat cARSCHti den Song Darmspiegelung geschrieben. Es wird erzählt, wie die Zeitungen sofort darüber berichten, sobald ein Prominenter auch nur einen Pups macht.
Und um beim 11. September zu bleiben: Das nächste Lied hieß Sabine Laden, die er an einem 11. September kennengelernt hat. Bei der Melodie handelt es sich um eine Anleihe bei Reinhard Meys Lied Zeugnistag, ansonsten haben die beiden Titel aber nichts miteinander zu tun.
Besoffen – zum Glück! ist eine Hymne auf die legale Droge aus dem Hause Krombacher, durch deren Konsum man auch noch für den Schutz des Regenwaldes kämpft. Mit diesem Lied wollte cARSCHti das Konzert beenden.
Er ließ sich aber noch zu einer Zugabe nötigen und wählte dafür Liedermaching ist wie Englischeinkaufen. Das ist nur was für hartgesottene Liedermaching-Kenner. Da wurden Sätze aneinandergereiht, die nur Spezialisten als Liederschnipsel erkennen. Hier eine Liste der Interpreten, die ich erkannt habe: Ina Deter, Heinz Rudolf Kunze, Marius Müller-Westernhagen, Karat/Peter Maffay, Reinhard Mey, Hannes Wader, Bettina Wegner, Joint Venture, Fred Timm, der Flotte Totte, Michael Günther, Vicki Vomit und cARSCHti.. Wenn das so ist, wenn Du auf Englisch einkaufst, lieber cARSCHti, dann wüsste ich nur zu gerne, was sich da am Ende so alles in Deinem Einkaufskorb findet. *ggg*
Inzwischen war es doch recht spät geworden, und das Publikum bekam Heimweh. Nach kurzer Zeit waren alle weg, und nachdem sich auch cARSCHti und Bernd Barbe verabschiedet hatten, blieben nur noch Doro, Skywise, ein müder Philip und ich übrig. Es war schon nach ein Uhr, als wir hinauskomplimentiert wurden, weil das Q-Kaff die Kassenabrechnung machen wollte. Da wir Doro nicht zu Fuß alleine in die Dunkelheit schicken konnten, beschlossen wir, sie zu ihrem Auto zu bringen. Das war schwieriger als vermutet, und wir kreisten ein paar Mal um das in Frage kommende Gebiet. Beim vierten oder fünften Mal Wenden auf dem Grundstück einer Tankstelle, bekam ich langsam Angst, dass der Tankwart auf uns schießen könnte. Letztlich wurde das Auto gefunden, Skywise zu Hause abgeliefert, und dann konnten auch Philip und ich uns auf den Heimweg machen.
Am 8. Oktober wird cARSCHti bei der '3. Nacht der Trubadöre' in Monheim spielen. Außer ihm kann man dort auch noch Bernd Barbe, Martingo, Jess Reisig, Ede Wolf und den Flotten Totte hören. Das wird das Ende seiner Abschiedstournée sein. Aber ob da das letzte Wort wohl schon gesprochen ist? Im Januar beim Liedermacher-Festival in Erfurt würde sich der Beginn der Comeback-Tournée anbieten. ;-)
Viele Grüße von Petra, die Skywise dafür dankt, dass er einige ihrer Gedächtnislücken schließen konnte. Vielen Dank auch an cARSCHti, dessen äußerst informative Homepage www.carschti.com geholfen hat, riesige Gedächtniskrater zu stopfen. :-D
Dieser Beitrag enthält 1911 Wörter


Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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#2

Beitrag von Doro1100 » Di 13. Sep 2005, 21:31

Hallo Petra,
hallo Liedermaching-Fans !
vielen Dank für deinen schönen Bericht. Auch nach mehr als einem Monat werden sich cARSCHti und Bernd sicherlich noch sehr über deinen "Kurzbericht" :-D freuen. Es war wirklich ein netter Abend, wobei ich zusätzlich die Irrfahrt durchs nächtliche Mainz (inkl. diverser Zwischenstopps auf der Tankstelle noch in besonders guter Erinnerung habe!!
Vielen Dank auch an cARSCHti, dessen äußerst informative Homepage www.carschti.com geholfen hat, riesige Gedächtniskrater

Dazu möchte ich noch anmerken, dass cARSCHtis Seite zu einer meiner "Lieblings-Homepages" gehört! Da steckt ganz viel Liebe, Arbeit + Mühe drin. Total witzig, originell und es gibt eine Menge zu entdecken!! Sehr empfehlenswert, auch für Anti-Liedermaching-Fans geeignet!!
Besonders schön auch die LInks ("cARSCHtis buntes Liedermacherlexikon") wo alles versammelt ist, was in der Szene Rang und Namen hat! Toll gemacht ! (Zumal auch mein Lieblings-Liedermacher vertreten ist !!!!!)
Und einen Link zu unserem Forum hier gibts natürlich auch - und zwar mit folgender Beschreibung: ;-)
Virtuelles Sammelbecken für LiedermacherInnen und ihre Fans

In diesem Sinne...
liebe Grüße
von Doro :-D
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#3

Beitrag von Carsten K » Mi 14. Sep 2005, 21:58

Wow! Das geht ja runter wie Honig! Danke, Petra, für diesen Bericht, und danke Doro für Dein Lob!
:kiss:
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