Brauchen wir eine Liedermacher-Avantgarde?

Stell uns Deinen Lieblingskünstler vor, informiere uns über seine neue CD oder schreibe einen Konzertbericht. In diesem Forum kannst Du das tun, auch wenn es für Deine/n Liedermacher/in (noch) kein eigenes Forum gibt.

Beschreibung © by migoe | Foto © by Pixabay.com
Antworten
Benutzeravatar
Guest
Beiträge: 1177
Registriert: Do 26. Aug 2004, 14:36

Brauchen wir eine Liedermacher-Avantgarde?

#1

Beitrag von Guest » Do 16. Okt 2003, 18:40

Liebe Liedermacherfreunde,
seit ein paar Tagen stöbere ich schon im Liedermacherforum auf verschiedenen Seiten. Forenbeiträge wie: "Was kommt nach den alten Dinos?", Artikel wie der von der Konzert-CD Mey/Wader/Wecker aus der "Jungen Welt" und der Eintrag "Liedermacher" im Forenlexikon haben mich zu dieser Frage veranlasst.
Ich selbst beantworte sie mit "nein" und "ja". Nein, weil ich glaube, dass sich seit den 60er Jahren schon eine Menge bewegt hat und innerhalb der Liedermacherszene wiederum ein breites, wenn auch nicht unbedingt bekanntes Spektrum existiert. Ja, weil es das Liedermachergenre m. E. bisher nicht geschafft hat, aus seinem eigenen Schatten zu treten. Ich frage mich, ob es nicht möglich ist, das zu ändern!
Dass so etwas möglich ist, hat man in den letzten Jahren im Bereich Comedy beispielhaft erleben können. Damit aber etwas Neues entstehen kann, müssen Freiräume und Möglichkeiten der Entfaltung geschaffen werden. Ich habe dazu schon einige Ideen, ein neues Forum, über das ich in Kürze berichten möchte.
Jetzt warte ich erst einmal gespannt auf eure Reaktionen, Gedanken und Meinungen!
Grüße aus Jena,
Bianca

Dieser Beitrag enthält 187 Wörter



Benutzeravatar
Nordlicht
Beiträge: 645
Registriert: So 16. Feb 2003, 22:31

Brauchen wir eine Liedermacher-Avantgarde?

#2

Beitrag von Nordlicht » Sa 18. Okt 2003, 02:24

Liebe Bianca !
Ich glaube, daß man Deine Frage tatsächlich nur mit "Ja" UND "Nein" beantworten kann. Das hört sich zwar zunächst mal dusselig an, aber...
"NEIN" sage ich dann, wenn Du "Avantgarde" im Zusammenhang mit "elitär" oder "besonders" siehst. Denn das kann ja nur bedeuten, daß gewisse, gesellschaftliche Gruppen von der Musik der Liedermacher ausgeschlossen werden sollen. Und dabei ist es egal, ob es sich um eine Musik für die "werktätige Bevölkerung" oder für "Akademiker" handelt. Musik ist ja im Wesentlichen eine Art von "klassenloser" Kommunikation - so soll es sein und auch bleiben.
"JA" sage ich dann, wenn ich sehe, daß sich die Liedermacherszene im Großen und Ganzen kaum weiterentwickelt. Klar, auch ein Herr Mey setzt seit einigen Jahren auf seinen Produktionen Samples ein ("Sei wachsam", "Vernunft breitet sich aus..." etc.pp.), also elektronische Versatzstücke. Aber im Großen und Ganzen ist ja die "Liedermacherei" im Wesentlichen auf der Alltags- Beschreibung, der Geselllschaftkritik und der Friedensbewegung stehen geblieben. Nun sind das ja keine verwerflichen Ziele, im Gegenteil, nur fehlt mir dabei ein wenig die Entwicklung. Nichts gegen Mey, Wader und alle anderen - aber 2, 3 Takte langen, um die Musik dem "richtigen" Interpreten zuzuordnen. Ein "Crossover", wie wir ihn teilweise bei der Klassik erleben (Vanessa Mae u.ä.) findet im Bereich "Liedermacher" kaum oder garnicht statt. Und dadurch ist es m.E. auch bedingt, daß keine "neuen" Liedermacher auf die Bühne treten. Bleibt es so, befürchte ich wirklich den Niedergang des kompletten Genres. Zwar nicht unbedingt morgen, aber über kurz oder lang. Und das wäre schade, denn das haben die "Lieder" nicht verdient.
Liebe Grüße aus Lübeck,
ANDREAS.
(...der trotz allem "wie ein Verrückter an die Zukunft" der Liedermacherei glauben würde...)
Dieser Beitrag enthält 297 Wörter


"But as long as I can see the morning,
in miracles, much more than I can say,
it´s enough to keep me still believing
in drifting hearts, so far away."

(''Book of golden stories''/ RUNRIG)

Benutzeravatar
greymagicvoice
Beiträge: 765
Registriert: So 5. Okt 2003, 13:21
Alter: 58
Kontaktdaten:

Brauchen wir eine Liedermacher-Avantgarde?

#3

Beitrag von greymagicvoice » Sa 18. Okt 2003, 15:08

Hallo Andreas (Nordlicht) und Mitleser,
daß keine "neuen" Liedermacher auf die Bühne treten. Bleibt es so, befürchte ich wirklich den Niedergang des kompletten Genres

Nur ein kurzer Gedanke, der mir beim Lesen durch den Kopf ging ...
Ich glaube nicht an den "Untergang" der Liedermacherei. Ich sehe Liedermacher als Geschichtenerzähler, als Kommentatoren ihres eigenen Lebens und das ihrer Mitmenschen. Und sie bedienen sich dabei der ältesten Methode überhaupt: ihrer Stimme und eines Begleitinstrumentes (deshalb liebe ich Life auch viel mehr als die Studioproduktionen ...). Auf diese Weise geschah in der Vorzeit sogar Informationsübertragung und Geschichtsschreibung. Liedermacher sehe ich in der Tradition von Minnesängern, Bänkelsängern und wer auch immer Lieder gesungen hat im Verlaufe der Geschichte. Das ist für mich eine ganz ursprüngliche, beinahe archaische Form des Musizierens und Kommunizierens. Mir ist gar nicht bange, denn Menschen, die sich hinaussingen, denen ein Lied notwendig ist zum (auch durchaus im Wortsinne) Überleben wird es nach meiner festen Überzeugung immer geben. Das Singen von Liedern nur mit Stimme und einfachster Begleitung gibt es in allen Kulturen und es wird erst mit der Menschheit selbst aussterben.
freundliche Grüße
Stephan
Dieser Beitrag enthält 193 Wörter


auf und ab vor und zurück
das leben ist ein einzelstück
und nicht für geld zu haben
es steht dir bei und stellt dich bloß
vergnügen pur und kummer groß
vom schoß bis zum begraben
S.G.

Benutzeravatar
Guest
Beiträge: 1177
Registriert: Do 26. Aug 2004, 14:36

Brauchen wir eine Liedermacher-Avantgarde?

#4

Beitrag von Guest » So 19. Okt 2003, 16:56

Lieber Andreas,
"NEIN" sage ich dann, wenn Du "Avantgarde" im Zusammenhang mit "elitär" oder "besonders" siehst.

Da stimme ich mit dir überein. Ich meine mit Avantgarde vor allem einen Raum für das kreative Potential, das vorhanden ist, denn die Liedermacherei kann ja viel mehr sein, als das "Abkupfern" von Stilen, die andere Liedermacher (einer bestimmten Zeit) geprägt haben. Dazu passt ja auch deine Äußerung:
Aber im Großen und Ganzen ist ja die "Liedermacherei" im Wesentlichen auf der Alltags- Beschreibung, der Gesellschaftkritik und der Friedensbewegung stehen geblieben. Nun sind das ja keine verwerflichen Ziele, im Gegenteil, nur fehlt mir dabei ein wenig die Entwicklung. Nichts gegen Mey, Wader und alle anderen - aber 2, 3 Takte langen, um die Musik dem "richtigen" Interpreten zuzuordnen.

Ich habe den stillen Traum, dass man die Liedermacherei mehr als eine Form der Kleinkunst wahrnehmen lernt, in den es die unterschiedlichsten Stilrichtungen gibt und in der man wieder experimentierfreudiger ist.
Ich habe schon öfter bei Auftritten unseres Duos erlebt, dass Leute nach den Veranstaltungen überrascht auf uns zukamen, weil sie unter "Liedermacherduo" etwas gänzlich anderes erwartet hatten. (Wir haben viele lyrische und tonmalerische Stücke in unserem Programm.) Deshalb fällt es schon fast schwer, sich als Liedermacherduo zu bezeichnen und man kommt in Erklärungsnöte, wenn man nicht wie Mey, Wader oder Wecker klingt.
Was sind denn deine Vorstellungen von neuen Liedermachern? (Ist ja auch oft eine Frage des persönlichen Geschmacks.)
Grüße aus Jena,
Bianca
Dieser Beitrag enthält 248 Wörter



Antworten