paris

Du hast selber ein Lied geschrieben und willst ein ehrliches Feedback? Dann sei mutig und teile Deine Gedanken und Ideen mit uns. Wir können nicht versprechen, dass wir alles gut finden, aber wir werden uns um ein ehrliches und konstruktives Feedback bemühen.
Beschreibung © by migoe | Foto © by Pixabay.com
Antworten
Benutzeravatar
Gesch hat dieses Thema gestartet
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 652
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04
Themen: 98
Danksagung erhalten: 2 Mal
Alter: 70
Kontaktdaten:

paris

#1

Beitrag von Gesch »

ihr lieben,
vielleicht ist dies ein diskussionsthema in der flaute...
ich hab am vergangenen freitag spät nach meinem konzert mit liedern zum jakobsweg von den schrecklichen ereignissen in paris erfahren. samstag hatte ich in waldshut ein weiteres konzert ohne eingrenzende thematische festlegung. ich konnte und wollte nicht so tun, als wenn nichts passiert wäre. in paris waren alle veranstaltungen abgesagt worden. in waldshut war die bedrohungslage anders, doch die betroffenheit genauso groß wie überall. ich hab mein konzert gegeben und mit meinem lied "charlie hebdo" begonnen. immer wenn ein lied einen anknüpfungspunkt bot, hab ich einen zusammenhang mit den ereignissen von paris hergestellt. ein aktuelles lied dazu hatte ich da noch nicht.
darf / kann / soll/ muss man singen trotz derartig schrecklicher ereignisse? was meint ihr?
am montag auf der kundgebung der gegner des bahnprotzprojektes stuttgart 21 hab ich dann ein neues lied zu paris gehabt und gesungen, wenn auch nicht in der inzwischen redigierten version, sondern in einer ersten fassung. die neue ist diese:

PARIS

Ein Abend erschüttert Paris
entstellt einen herbstlichen Tag,
ändert das Leben total,
mehr als man wahrhaben mag.
Was grad so normal noch erschien,
ist nun nicht mehr so wie es war.
Nie wird es jemand verstehn,
ein Wahnsinn wird keinem je klar.

Schrecken und Angst lähmt die Stadt,
die das Leben so liebt.
Kann sie dieselbe je sein -
ob es eine gleiche mal gibt...
Brutal ohne Skrupel gequält
hat sie doch überlebt.
Ihr Lichtermeer niemals erlischt -
neuer Glanz bald schon über ihr schwebt.

Jede Wunde verheilt,
auch wenn sie niemand vergisst.
In Schmerzen, mit andern geteilt,
man bald schon das Leben vermisst.
Was Leid lindern kann, ist Musik,
in Trauer hilft oft schon ein Lied,
So tröstet vielleicht ein Gesang,
der den Seelen die Schmerzen entzieht.

Lasst Paris nun im Leid nicht im Stich,
diese Stadt, die die Liebenden liebt,
sie an sich drückt, herzt und verwöhnt,
ihnen schönste Erinnerung gibt.
Wer liebt, schaut nach vorne und lebt!
Wer dem Hass in den Weg sich nun stellt,
wärmt mit Liebe die Stadt an der Seine,
und Paris seine Seele behält.
herzlich
gerd
Dieser Beitrag enthält 359 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Benutzeravatar
Saitensprung
Beiträge: 38
Registriert: So 30. Sep 2012, 21:02
Themen: 0

paris

#2

Beitrag von Saitensprung »

Lieber Gerd,
ich bin nun nicht aktiv hier im Forum, doch es gibt einfach Ereignisse, die nach einer Stellungnahme schreien. Die Ereignisse in Paris gehören dazu.
Du fragst:
Zitat:
darf / kann / soll/ muss man singen trotz derartig schrecklicher
ereignisse? was meint ihr?
Zitat Ende.
Eine Antwort erübrigt sich: man darf/kann/soll/muss sich dazu in unserem Land (und der restlichen freien Welt) in der Weise äußern, die man beherrscht, in deinem Falle gehört „singen“ zu den dir gegebenen Möglichkeiten.
Die Ereignisse von Paris sind so schrecklich, die Menschenverachtung der Verantwortlichen so unfassbar, dass jeder freiheitsliebende Mensch seinen Standpunkt gegen den IS und dessen Anhänger äußern sollte.
Gruß
Theo
Dieser Beitrag enthält 116 Wörter


Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich nicht, wenn ich muss.
Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll,
dann kann ich, wenn ich muss.
Denn: Die die können sollen, müssen wollen dürfen.

Benutzeravatar
Nicky
Beiträge: 579
Registriert: Mo 7. Sep 2009, 11:46
Themen: 45
Alter: 44
Kontaktdaten:

paris

#3

Beitrag von Nicky »

Lieber Gerd,
ich sehe das genauso wie Theo. In solchen Zeiten darf man nicht nur singen, sondern man MUSS singen. Und wenn solche Texte, wie dein „Paris“ - Text dabei herauskommen, dann erst recht. Ist ein schönes, sehr passendes Lied geworden. :-)
Ich werde auch weiterhin zu Konzerten gehen, über Weihnachtsmärkte schlendern und U-Bahn fahren. Und da Musik - ob nun selbstgemacht, oder als Konsument- ein wichtiger Teil meines Lebens ist, freue ich mich über jeden, der der Angstschürerei trotzt und trotzdem singt.
Ich habe heute früh in der Zeitung Zitate von einigen Franzosen gelesen, die letzte Woche enge Angehörige verloren haben. Und die Zitate lassen darauf schließen, dass auch diese direkt Betroffenen weiter zu Konzerten gehen werden……… nach der Trauer………. oder eben auch zur Trauerbewältigung.
Um mit Bardou´s Worten zu schließen „Sing aber sing“….. :-)
Alles Liebe
Nicole

Dieser Beitrag enthält 145 Wörter


...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...

Benutzeravatar
Gesch hat dieses Thema gestartet
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 652
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04
Themen: 98
Danksagung erhalten: 2 Mal
Alter: 70
Kontaktdaten:

paris

#4

Beitrag von Gesch »

Ihr Lieben,
nun hab ich das Lied "Paris" auch bei Youtube
herzlich
Gerd
Dieser Beitrag enthält 13 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


Benutzeravatar
Barde
...hat schon mal ein LT organisiert
Beiträge: 846
Registriert: Mi 18. Feb 2004, 19:04
Themen: 81
Alter: 56
Kontaktdaten:

paris

#5

Beitrag von Barde »

Ob man über solche Ereignisse singen darf? Klar, man muss darüber singen. Ok, ich habe gesündigt und vor einigen Tagen schon mal bei Facebook darüber geschrieben :flücht: , dass es mich doch sehr beschäftigt, wie sehr dem IS das Singen verhasst ist. Wenn Lieder, Tanz und Bilder so schlimm für die Fanatiker sind, dass sie meinen, diese verbieten zu müssen, muss der Kunst eine starke Kraft innewohnen. Lieder verbinden.
Barde :barde:

Dieser Beitrag enthält 77 Wörter


"Wer die Musik liebt, kann nie ganz unglücklich werden" - Franz Schubert

Benutzeravatar
Carsten K
Verstorben
Verstorben
Beiträge: 1440
Registriert: Do 17. Jul 2003, 18:09
Themen: 275

paris

#6

Beitrag von Carsten K »

Lieber Gerd,
Danke für dieses Lied, und dass Du es auch nochmal bei Youtube reingestellt hast. Ein sehr guter und einfühlsamer Text, der ohne Phrasendrescherei auskommt, was in diesen Tagen ja auch nicht selbstverständlich ist. Kompliment!
Gleiches gilt übrigens auch für das Lied von Alex Diehl, das Helmut heute Morgen in den Nachbar-Thread gestellt hat, finde ich.
Mir ist seit Freitag noch kein entsprechender Liedtext zum Thema eingefallen, und es kann auch noch eine ganze Weile dauern, bis ich das, was mir in diesen Tagen alles durch den Kopf und durch die Seele geht, so auf den Punkt gebracht habe, dass ein angemessener Liedtext daraus entsteht. Ich glaube auch nicht, dass ich jetzt um jeden Preis ein Lied darüber schreiben MUSS, aber ich bewundere Leute wie Dich oder Alex Diehl, denen das in so kurzer Zeit in so überzeugender Weise gelingt.
Dein Lied ist eine Liebeserklärung an die Stadt Paris und das Lebensgefühl, das wir mit dieser Stadt verbinden.
Aber ich muss gleichzeitig auch an die unzähligen Kriegs- und Terroropfer in Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderswo denken, wo das, was am Freitag in Paris geschehen ist, tagtäglich passiert. Und ich muss daran denken, dass u. a. hier in Deutschland seit Monaten in übelster Weise gegen die (relativ wenigen) Menschen gehetzt wird, denen es unter gefährlichsten Umständen gelingt, vor dem Krieg und dem Terror in ihrer Heimat nach Europa zu flüchten. Ich muss daran denken, dass auch quasi direkt vor meiner Haustür in Berlin-Marzahn eine Unterkunft gebrannt hat, in der sich diese Menschen, die gerade vor Krieg und Terror geflohen sind, eigentlich endlich sicher fühlen sollten. Und ich muss auch daran denken, dass am vergangenen Wochenende Massen von Facebook-Nutzern ihr Profilbild blau-weiß-rot eingefärbt haben, die meisten ganz bestimmt aus ehrlicher Betroffenheit und aus ehrlichem Mitgefühl, aber auch nicht wenige, die in den vergangenen Monate nichts besseres zu tun tun hatten, als dort bei Facebook tagtäglich gegen Flüchtlinge, Muslime und sogenannte "Gutmenschen" zu hetzen.
Ja, ich habe Angst. Und ich bin nicht bereit, dies zu leugnen. Meine Angst hat sich durch die Ereignisse vom vergangenen Freitag in Paris auch sicherlich nochmal verstärkt. Aber ich hatte auch vorher schon Angst, nicht nur davor, möglicherweise selbst Opfer eines Terroranschlags zu werden, sondern vor allem vor dem Hass, der solchen Attentaten zugrunde liegt, jetzt in Paris, 2011 in Norwegen, über ein Jahrzehnt lang in Deutschland durch den NSU, seit Jahrzehnten in Israel und Palästina, London 2005, Madrid 2004, New York und Washington 2001... Ich könnte diese Auflistung endlos weiterführen und würde trotzdem bei weitem nicht alles erfassen, was tagtäglich, auch heute am 19.11.2015 in dieser Welt passiert...
Ja, ich habe Angst. Aber nicht meine Angst ist "geschürt", sondern der Hass, vor dem ich Angst habe, wird geschürt, und dies auch nicht erst seit letztem Freitag...
Was also tun? "Liebe ist die einzige Macht, die im Stande ist, einen Feind in einen Freund zu verwandeln.", sagt Martin Luther King. "Ich habe zu viel Hass gesehen, als dass ich selber hassen möchte." und "Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde.", sagt er ebenfalls. Was also tun? Den Hass versuchen, durch Liebe zu überwinden, ja, diese Botschaft habe ich verstanden. Aber es fällt mir gerade in diesen Tagen schwer, die Hasser, Hassprediger (ob Islamisten, Nazis oder nur "besorgte Bürger") selbst nicht zu hassen sondern zu lieben.
Was also tun? Na klar, als Liedermacher schreibe ich natürlich ein Lied, was sonst? Aber was soll Thema des Liedes werden? Ein Liebeslied für die Hassprediger kommt irgendwie nicht in Frage, klar. Ein Hasslied aber auch nicht. Vielleicht ein Lied über die Schwierigkeit, in Tagen wie diesen sich trotzdem nicht zum Hass hinreißen zu lassen, trotzdem zu lieben...
Ihr seht, vieles geht mir (nicht erst) seit Freitag durch den Kopf und durch die Seele, und ich finde auch Worte dafür, auch wenn seit Freitag noch kein Lied daraus geworden ist...
Ja, ich habe Angst, aber ich werde weiterhin zu Konzerten gehen, wenn ich es möchte, werde als Liedermacher auftreten und weiterhin neue Lieder schreiben. Und wenn ich verreisen möchte und es notwendig ist, werde ich auch weiterhin ein so potentielles Anschlagsziel wie den Berliner Hauptbahnhof dafür aufsuchen. Und wenn es mich wieder mal nach Paris, in die Stadt der Liebe, ziehen sollte, werde ich mich durch den vergangenen Freitag nicht daran hindern lassen, dorthin zu fahren...
In diesem Sinne
Liebe Grüße
Carschti
Dieser Beitrag enthält 777 Wörter


"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)

Benutzeravatar
jemflower
Beiträge: 41
Registriert: Mo 6. Nov 2006, 13:22
Themen: 0

paris

#7

Beitrag von jemflower »


Barde schrieb:
Ob man über solche Ereignisse singen darf? Klar, man muss darüber singen.


Das sagte sich auch die amerikanische Liedermacherin Janis Ian nach den Anschlägen vom 11.September:
Dieser Beitrag enthält 31 Wörter


Fäntelalterliedermaching: http://www.rottenfaenger.de
Irish Folk: http://www.raggle-taggle-gypsies.de

Antworten

Zurück zu „Die Umsetzung der eigenen Ideen“