Man hört Deutsch ...

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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#1

Beitrag von Barde »

... so ist es zumindest dem Inhalt dieses Online-Artikels zu entnehmen.
Man hört Deutsch - Stern.de
Wer weiß - vielleicht heißt es dann auch in nicht allzu ferner Zukunft wieder: "Man hört Liedermacher"?
Liebe Grüße
Barde
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Klampfenkrieger
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#2

Beitrag von Klampfenkrieger »

Hey Barde,
interessanter Artikel. Schön zu lesen das die deutschsprachige Musik wieder etwas Oberwasser gewinnt.
Auch wenn ich kein großer Fan von Rosenstolz bin ;)

Der Barde:
Wer weiß - vielleicht heißt es dann auch in nicht allzu ferner Zukunft wieder: "Man hört Liedermacher"?

Tja, ob es das wirklich irgendwann heißt, wage ich zu bezweifeln. Man darf nicht vergessen das Liedermacher nicht von heute auf morgen zum Pop wechseln werden und solange das nicht passiert -und ich will schwer hoffen das das nicht passiert- wird es wohl für die breite Öffentlichkeit auch nicht heißen: "Deutschland hört Liedermacher!" Was mich allerdings auch nicht wirklich traurig macht. Ich bin mir nämlich nicht sicher ob es der Musik nicht schaden könnte wenn der Musiker nur noch seinen Bekanntheitsgrad im Auge hat.
Liebe Grüße
Klampfi
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Westwind
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#3

Beitrag von Westwind »

Es freut mich auch, daß auf diversen Radiosendern inzwischen vermehrt deutschprachige Titel zu hören sind (und der Zustand bei vielen Sendern oftmals nicht mehr ganz so extrem ist, wie Reinhard Mey es singt : "Und du merkst erst beim Verkehrslagebericht: das ist das Land, in dem man angeblich deine Sprache spricht").
Ich würde bei der Thematik aber genau wie Ihr auf jeden Fall zwischen den Genres Liedermacher und Deutsch-Pop unterscheiden. Denn deutschsprachige Liedermacher hört man im Radio nach wie vor nur ganz selten bis gar nicht.
Nach wie vor wundere ich mich aber immer noch, warum so viele Texter aus Deutschland fremdsprachige, meist englische, Texte verfassen, und somit zu diesem Umstand beitragen.
Ich brauche mich mit meinem Englisch bestimmt nicht zu verstecken, aber ich würde mir niemals anmaßen, ein Lied in englischer Sprache zu texten. Beim Texten jongliert man ja gerne mit Wörtern, baut Redewendungen ein und um, und greift so manchen modernen Ausdruck auf. Dies jedoch auch mit einer Fremdsprache zu versuchen, um genau das auszudrücken, und möglichst noch Reime daraus zu machen, setzt aus meiner Sicht schon ein sehr hohes Maß an Sprachkenntnis voraus.
Letzten Sommer hatte ich in Schottland in einem Pub einen kurzen Dialog mit einem Herrn neben mir. Ich erzählte ihm, daß ich auch irische/Schottische Lieder spiele und singe, und er fragte mich, weshalb ich das tue, es gäbe doch bestimmt genug gute deutschsprachige Lieder. Ich habe zwar etwas von der nicht so sehr ausgeprägten Identifikation vieler Deutschen zur Geschichte und Sprache ihres Landes geantwortet, mir aber hinterher eingestanden, daß der Mann recht hat. Warum sollte meine Identifikation zu "meiner" Sprache und zu "meinem" Land geringer sein als zu Irland/Schottland ?
Das würde ich deutsche Texter gerne mal fragen, die ihre Lieder auf Englisch schreiben, was die Gründe sind. Kommerzieller Erfolg ? Identifikation mit England / USA ? Kann er sich in englischer Spache besser als in deutscher ausdrücken ?
Daß die deutschsprachige Liedermacher-Szene aber von den meisten Radiosendern völlig ignoriert wird, ist schon bitter. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß, außer in dedizierten Radiosendungen, schon mal ein deutschsprachiges Lied eines Liedermachers gespielt wurde, wo nur Mensch+Gitarre/Klavier zu hören war. Aber vielleicht höre ich ja nur die falschen Sender und hab den ultimativen Liedermacher-Sender nur noch nicht vom Satelliten abgegriffen :-)
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#4

Beitrag von Barde »

Hallo zusammen,
bei dem Thema muss ich zuvorderst immer an zwei Dinge denken: einen Urlaub, den ich mit Heike 2007 in Doolin in Irland verbrachte und was mir von Liederjan bekannt ist, die bekanntlichermaßen mit englischen und irischen Liedern als die Gruppe "Tramps and Hawkers" ihre Laufbahn begannen.
Tja, Doolin - ein tolles Erlebnis: Abende im Pub mit excellenter Livemusik, vorgetragen von 3 Musikern, die eine tolle Stimmung verbreiteten. Traditionelles Liedgut, aber auch neuere Songs. Und dann sich selbst die Frage stellend, warum wir Deutschen es so schwer haben "Volks-Musik" im Sinne des Wortes zu machen, so wie es die Iren auch haben. Da kommt ganz schön Neid auf. Gott sei Dank haben wir durch Zupfgeigenhansel, Liederjan, Hannes Wader u.a.m wieder die Möglichkeit alte Volkslieder zu singen, ohne in die rechte Ecke gestellt zu werden. Aber von Verhältnissen wie in Irland kann man nur träumen. Der Deutsche, der lebendige Musik in Deutschland erleben will, geht hier in einen Irish Pub und kann die Texte von "The star of the county down" auswendig, muss aber bei deutschen Volksliedern oft schon nach einer halben Strophe passen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Traditionelle irische Musik ist toll - aber ... warum haben wir soviel Schwierigkeiten mit unserer eigenen musikalischen Tradition und Sprache?
Und Liederjan? - Die haben erkannt, dass es eigentlich nicht sehr sinnvoll sein kann, eine fremde Musikkultur nachzuahmen (auch wenn es noch so professionell und gut klingen mag). Da wurde dann bewusst umgeschaltet von Irisch/Englisch auf Deutsch.
Dies betrifft erstmal nur das Thema Volks-/Folk-Musik. Was die Thematik der englischen Texte überhaupt angeht, vermute ich rein monetäre Gründe. Der Erfolg soll ja über Deutschland hinausgehen. Und unsere Jugendlichen sind immer noch auf Anglo-Pop konditioniert. Da wird eben das von Musikern angeboten, was die Radiosender - im unheilvollen Verbund mit der Musik-Industrie (auch Musik-Mafia genannt) als Geschmacksvorgabe aufzwingen. Der Zwang geht aber noch über die erzwungene englische Sprache hinaus. Die Musiker und Produzenten werden gleichfalls gezwungen, die Lieder konsumierbarer zu gestalten, so dass ganz konkrete Vorgaben zu Länge, Dynamikumfang, Arrangement usw. gemacht werden. Ein "Child in time" von 15 Minuten Länge oder eine deutsche Liedermacherballade mit 12 Strophen hat heutzutage keinerlei Chancen mehr. Da müsste man sich auf die Musik konzentrieren oder den Texten lauschen. Dies ist eigentlich nicht mehr gewünscht. Die Musik soll nebenher "konsumiert" werden, wenn Mutti bügelt und Vati Auto fährt und nicht stören. Wieviel Leute hören denn nebenher bei der Arbeit stundenlang Radio und lassen sich berieseln? Ich werde dann immer verrückt und bin genervt, weil ich mich absolut nicht auf Dauer konzentrieren kann.
Und Liedermacherei? SängerInnen gab es schon seit Jahrtausenden und Geschichten und Balladen wurden schon immer vorgetragen. Es wird nicht aussterben. Dies schafft selbst die Musikindustrie nicht ...

... denkt Barde :gitarre:
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Westwind
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#5

Beitrag von Westwind »

Urlaub, den ich mit Heike 2007 in Doolin in Irland verbrachte

Cool.
Doolin bin ich '92 mit dem Rad nur durchgekommen (ohne einen Pub-Abend), für dieses Jahr hab ichs mir fest vorgenommen, da den ein oder anderen Abend zu verweilen...
Zupfgeigenhansel, Liederjan, Hannes Wader u.a.m wieder die Möglichkeit alte Volkslieder zu singen
Joana nicht zu vergessen. Ich hab zwar noch nicht die entsprechende CD, aber sie hat glaube ich auch einige alte Lieder wiederbelebt.
geht hier in einen Irish Pub und kann die Texte von "The star of the county down" auswendig, muss aber bei deutschen Volksliedern oft schon nach einer halben Strophe passen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Traditionelle irische Musik ist toll - aber ... warum haben wir soviel Schwierigkeiten mit unserer eigenen musikalischen Tradition und Sprache?

Das geht mir zu 100% genauso...
Und genau das ist eben aus meiner Sicht ein allgemeines deutsches Problem. Sobald man sich zu etwas Tradition bekennen will, wird man entweder von außen in eine entsprechende Schublade gesteckt oder man hat die Befürchtung, daß das passiert, oder man hat zumindest irgendwie Bedenken, Schamgefühle oder zumindest ein zwiegespaltenes Verhätnis dazu. Die 100%ige Identifikation mit gutem Gewissen fehlt mir.
Die anderen Ausführungen bezüglich Berieselung durch die Musikindustrie und Meinungsbildung durch dieselbige nehme ich auch wahr. Als ob die Bevölkerug dazu erzogen werden sollte, nicht mehr genau hinzuhören.
Aber das ist vermutlich auch genau der Grund, weshalb es gerade die Liedermacherei besonders schwer hat, wahrgenommen zu werden. LiedermacherInnen haben ein ausgewähltes Publikum, das zuhören und sich nicht berieseln lassen will, sie werden oft assoziativ in politische Schubladen gesteckt (egal ob sie überwiegend sozialkritische oder überwiegend Liebes(leid)lieder machen), gelten nicht als "Mainstream"-Bediener, die für Quote sorgen, sondern werden zwischen den Medienzeilen nicht selten erstmal vorurteilsbehaftet als kritisch, unbequem und ketzerisch eingestuft.
Womit wir wieder beim Thema: "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" sind :-)
Und Liedermacherei? SängerInnen gab es schon seit Jahrtausenden und Geschichten und Balladen wurden schon immer vorgetragen. Es wird nicht aussterben. Dies schafft selbst die Musikindustrie nicht ...

Genau, weil die Zielgruppe der Minnesänger, Troubadours und Liedermacher eben nicht jedes Publikum ist, sondern jenes, was zuhören will.
Daher wird es sich die Liedermacherei leider vermutlich nie auf die Fahne schreiben können, an der Tendenz "Man hört Deutsch" wesentlich beizutragen.
Ich glaube zwar nicht daran, aber genau dies, daß sich die Liedermacherei das auf die Fahne schreiben kann, wünsche es mir trotzdem weiterhin.
:gitarre2:
(Cooler Smiley, den hab ich bisher übersehen, mache ihn mir aber gleich zueigen :-) )
Der Forenhansi
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Harald
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#6

Beitrag von Harald »

Ich glaube, wir Deutschen haben - bdingt durch die politische Vergangenheit - ohnehin ein Problem mit der Identifikation als Deutscher. Sage ich, ich bin stolz, ein Deutscher zu sein, stelle ich mich dabei ja schon in die rechte Ecke. Wie soll ich da mit deutschem Liedgut umgehen?
Entweder, diese Musik wird in katastrophler Weise verkitscht, siehe die diversen Volksmusik-Sendungen im TV, oder aber sie bekommt den Touch des deutsch-nationalistischen, siehe z.B. Heino.
So eine wirkliche Idee habe ich auch nicht, wie man in Deutschland "Volksmusik" wieder zur "Musik des Volkes" machen kann.
Ob deutschsprachige Popsongs da der richtige Weg sind? Mir geben viele dieser Titel leider nicht sehr viel und bei Pop höre ich nach wie vor lieber englische Titel. Aber vielleicht wird das ja noch ...
Harald.
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Christoph
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#7

Beitrag von Christoph »

Also ich hab zwar davon erzählt bekommen, dass z.B. u.a. „Zupfgeigenhansel“ und die damalige Szene damit begonnen hat, das deutsche Liedgut aus der rechten Ecke zu holen, aber erlebt hab ich eine solche solche Einordnung noch nie. Bei den Sessions und Musikstammtischen, die ich öfter besuche, existieren gemütliche zusamtaler landler neben jiddischen Liedchen, irischen Tänzen, Jazzstandards, selbst gestrickten und gecoverten Songs, um nur mal ein paar Beispiele zu nennen.
Die verkitschte volkstümelnde Variante, wie sie im Fernsehen zelebriert wird, hab ich zwar schon mal zur Kenntnis genommen, aber eine bayerische Polka ist für mich (und die musikalische Szene zu der ich mich zähle) genauso zum Tanzen da wie eine Mazurka aus Frankreich, ein Hanter Dro aus der Bretagne oder ein „Schottischer“ aus Holland
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Olaf
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#8

Beitrag von Olaf »

Ich glaube aber auch, dass viele den Begriff "Volksmusik" falsch einordnen.
Damit ist nämlich nicht die Humtata-Musik à la Mutantenstadl gemeint.
Die nennt man nämlich "Volkstümliche Musik".
"Volksmusik bezeichnet zum einen die traditionelle, häufig schriftlos überlieferte Musik. Sie ist für bestimmte Regionalkulturen charakteristisch oder wird dafür gehalten. Sie umfasst Volkslieder, instrumentale Stücke und Musik für Volkstanz." (Quelle: Wikipedia)
"Volkstümliche Musik bezeichnet allgemein den Bereich der populären Unterhaltungsmusik, der stark mit Anleihen aus der Volksmusik arbeitet und kommerziell auch unter diesem Begriff angeboten wird.
Von der Volksmusik unterscheidet sich die volkstümliche Musik neben musikalischen Unterschieden unter anderem dadurch, dass sie von namentlich bekannten Musikern stammt und kommerziell vermarktet wird. Sie zeichnet sich durch die Konzentration auf rührselige, fröhliche und heimatbezogene Themen aus, während sich in der tradierten Volksmusik daneben auch traurige, zornige, politische oder obszöne Lieder finden. Volkstümliche Musik entsteht unter modernen Produktionsbedingungen, arbeitet mit akustischen Effekten, die Lieder sind neu und haben keinen geschichtlichen Hintergrund." (Quelle: Wikipedia)
Ich selber mag wohl Volksmusik, jedoch keine Volkstümliche Musik.
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Liebe Grüße
Olaf :kiss:

LIEBE findet sich nur einmal im Grundgesetz - im Wort KriegshinterbLIEBEne :-(

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