Lieder die uns berühren

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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fille
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Lieder die uns berühren

#1

Beitrag von fille » Di 9. Okt 2018, 22:45


Ein kleines Lied

Ein kleines Lied! Wie geht's nur an,
Daß man so lieb es haben kann,
Was liegt darin? erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
Ein wenig Wohllaut und Gesang
Und eine ganze Seele.
(Marie von Ebner-Eschenbach)

Liebe Liederfreunde,

gerade habe ich einen Artikel gelesen - über Lieder...
Die durchschnittliche Länge eines Lieds beträgt 3 Minuten und 15 Sekunden,
Es hat vielleicht drei Akkorde, ein paar Strophen, einen Refrain und sonst nicht viel.
ABER darin kann alles stecken: der Blitzschlag der Liebe, Quellen der Erkenntnis,
pure Lebensfreude, Wehmut oder Verlust.
...
Kann ein Lied tatsächlich so etwas wie die Essenz von Wahrheit, großen Gefühlen
oder bittersüße Erfahrung beinhalten?

Es gibt belanglose Musik, aber manchmal, in einem beglückendem Moment, ist ein
Stück dabei, das uns kalt erwischt. Plötzlich erhebt sich eine Stimme, die uns zu kennen
scheint. Ein Stimme, die das ausspricht, das fühlt, was wir auch empfinden. Wie kann es sein,
dass ein wildfremder Mensch das zum Ausdruck bringen kann, was sich in uns regt und
von dem wir selbst noch gar nicht genau sagen können, was es eigentlich ist.
Das ist ein Auszug aus dem wöchentlichen Artikel "Auf eine Minute bitte". Praktisch das
Vorwort meiner Fernsehzeitung (ja, so etwas haben wir noch). Geschrieben hat es der
Chefredakteur, Uwe Bockelmann).

Wie kann es sein, dass ein wildfremder Mensch das zum Ausdruck bringen kann,
was sich in uns regt und von dem wir selbst noch gar nicht genau sagen können,
was es eigentlich ist.


Hattet ihr schon mal so ein Erlebnis? Ich schon!

Unter anderem wie ich zum ersten Mal dieses Lied gehört habe:



Da bin ich wahrscheinlich nicht die Einzige :-) Ich weiß noch genau, wie ich dachte:
"Das ist genau das, was ich fühle und niemals in Worten ausdrücken könnte.

Habt ihr auch solche Lieder?

Liebe Grüße, Marianne
Dieser Beitrag enthält 319 Wörter


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Westwind
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Re: Lieder die uns berühren

#2

Beitrag von Westwind » Di 9. Okt 2018, 23:55

Liebe Marianne,

klar, das passiert doch in fast jedem Lied, das einen irgendwie anspricht.

Sowas kennt doch, behaupte ich mal, jeder, daß man sich durch Musik (sei es instrumentale Musik oder mit Gesang) oder eben durch Textzeilen angesprochen fühlt. Ist ja auch der Sinn des Liederschreibens bzw. des Komponierens.

Statt "Viertel vor sieben" würde ich da eher "Welch ein Geschenk ist ein Lied" von Reinhard Mey anführen, wo er dies genau beschreibt. Es gibt soviele Lieder, wo genau dies thematisiert wird. "Ein paar Worte, ein paar Töne" von Udo Jürgens, "Music" von John Miles oder eben "Lieder, immer wieder Lieder" von Stephan Graumann seien nur ein paar Beispiele.

Der rein musikalische Aspekt, von irgendeiner Melodie oder Harmoniefolge angesprochen zu werden, wurde bereits in der Antike entdeckt und mündete im Barock in der sogenannten Affektenlehre (wikipedia). Sowas habe ich als Kind schon kennengelernt, daß mich bestimmte Harmoniefolgen oder Melodien emotional berührten.

Die Gabe, Dinge, die jeder kennt, in Worte zu kleiden, wie man es selbst niemals könnte, haben so manche Dichter und Liedertexter. Ich habe da eine Lieblingsstelle von Reinhard Mey, wo er etwas beschreibt, was jeder kennt und schon mal gesehen hat, aber was ich niemals so gut hätte beschreiben können:
"In Spinnweben über den verwitterten Fenstersprossen zittern glitzernde Tautropfen im späten Sonnenlicht."
Es gäbe sicherlich sehr viele Beispiele, vermutlich auch noch bessere von anderen Künstlern, aber so eine Beschreibung würde ich niemals hinbekommen, auch wenn es gar nicht so schwierig scheint.

Optimal ist es natürlich, wenn Musik und Text eine Einheit bilden. Dies ist natürlich sehr individuell und eine äußerst subjektiv empfundene Kombination. Aber es gibt Lieder, wo es mir an manchen Stellen schon kalt über den Rücken läuft, allerdings vor Freude bzw. innerer Aufgewühltheit.

Ach so, für mich gibt es nicht DAS Lied. Das ist bei mir wirklich tagesformabhängig. Mir fallen im Alltag spontan soviele Liedtext-Passagen oder Melodien ein, egal, wo ich gerade bin und was ich gerade mache. Als hätte ich ständig mein inneres Radio, das mir zu meiner inneren Stimmung das passende Lied spielt oder zumindest einen Auszug daraus.

Als Abschluss meiner Antwort zitiere ich mal John Miles:

"Music was my first love, and it will be my last" :-)

Georg
Dieser Beitrag enthält 389 Wörter


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es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will."
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Helmut
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Re: Lieder die uns berühren

#3

Beitrag von Helmut » Mi 10. Okt 2018, 09:19

Hallo

Ich glaub, es ist an die 15 Jahre her, da stellte ich eine CD zusammen, von 18 Liedern, die mich am meisten berührten. von jedem Künstler nur eines. Die meisten haben weltanschaulichen Charakter (klar, bei mir spielt der Text eine wichtige Rolle).

Das vielleicht erste Lied, das mich sehr, sehr lange gefangen hielt, hat es wegen Überlänge nicht auf die CD geschafft, es war der "Willy" von Konstantin Wecker.

auf der meiner CD finden sich u.A.
Ape Beck Brinkmann - und trotzdem weiter
Pur - neue Brücken
Sepp Raith - Utopie
v. Veen - Signale
Wecker - sage nein
S. Werger - dann bin i frei
STS - es fangt genau so an
Ringsgwandl - nix mitnehma
Danzer - Traurig aber wahr

Ich glaube, es ist an der Zeit dass ich mir mal eine zweite CD zusammenstelle, mit Liedern aus den 3. Jahrtausend.

:teufel:
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fille
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Re: Lieder die uns berühren

#4

Beitrag von fille » Fr 26. Okt 2018, 16:04

Hallo liebe Liederfreunde,

ein Lied, das mich besonders berührt, ist "quatre murs et un toit" von Bénebar.
Einfach, weil es so wahr ist.

Es erzählt die Geschichte eines Hauses und einer Familie vom unbebauten Grundstück,
über dem ersten, zweiten und dritten Kind. Dem "Hotel Mama", davon dass die Kinder
ausgezogen sind, beengt in Paris wohnen, wo doch hier so Platz ist.

Dass die Enkelkinder kommen und der Speicher zum letzten Mal seine Schätze zeigt, das Eis im Kühlschrank usw.
Bis hin zum Verkauf des Hauses, weil es niemand von der Familie mehr braucht.
Es spukt etwas darin, aber fürchten Sie nichts Madame, grinsen Sie nicht Monsieur,
es sind freundliche Gespenster und die Stimmen
sagen: "Hast du deine Hausaufgabe gemacht?", "Lass' deinen Bruder in Ruhe!", "Kinder zu Tisch!".



Hier der Originaltest und die deutsche Übersetzung:

https://songtext-ubersetzung.com/l/z/46 ... t-un-toit/
(allerdings eine schlechte maschinelle Übersetzung)

Liebe Grüße, Marianne
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Re: Lieder die uns berühren

#5

Beitrag von Petra » Mi 7. Nov 2018, 11:53

Helmut hat geschrieben:
Mi 10. Okt 2018, 09:19
Ich glaub, es ist an die 15 Jahre her, da stellte ich eine CD zusammen, von 18 Liedern, die mich am meisten berührten. von jedem Künstler nur eines.

Hm, von jedem Künstler nur eines ..... Sicherlich hat jeder Lieder, die ihn besonders berühren, wahrscheinlich sogar von dem einen oder anderen Künstler mehrere. Aber ich mag halt außerdem auch noch viele andere Lieder, manche sogar sehr. Und die kämen mir bei so einer Super-CD zu kurz. Wenn ich immer nur meine Lieblingslieder höre, verpufft die Wirkung mit der Zeit. Ich finde es viel wirkungsvoller, aus einem großen Pool von Liedern die Zufallswiedergabe auswählen zu lassen. Das hat den Vorteil, dass man nicht nur die 'Kracher' hört, sondern auch mal etwas, das man eher nicht selbst anklicken würde. Und wenn dann plötzlich einer der Favoriten erklingt, macht das Herz einen kleinen Freudensprung. Ja, so ist das bei mir.

Viele Grüße von Petra :ohr:
Dieser Beitrag enthält 173 Wörter


Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)

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Nordlicht
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Re: Lieder die uns berühren

#6

Beitrag von Nordlicht » Do 8. Nov 2018, 10:44

Hallo, Ihr Lieben,

zu diesem Thema muß ich doch auch mal wieder was sagen, obwohl das natürlich ein großes Thema ist. Was einen wirklich berührt, das hängt letztlich von der Tagesform ab, von der persönlichen Lage, von so vielem. Ein Lied, das mich aber immer wieder anrührt, ist in seiner ursprünglichen Version bereits 1969, also vor fast 50 Jahren, veröffentlicht worden, wurde aber erst in einer Neuaufnahme von 1974 wirklich bekannt und erfolgreich. Trotz dieser langen Zeit ist es für mein Empfinden heute aktuelle denn je. Was mir an Ralph McTells "Streets of London" so berührend vorkommt, das ist neben der textlichen Aussage die "Schlichtheit" der Melodie, die mit nur wenigen Harmonien auskommt und die - eigentlich - systemkritische Aussage nachhaltig unterstützt. Ich jedenfalls drehe dieses Stück bei jedem Hören lauter und drücke beim Autoradio auch schon einmal die "Repeat"- Taste.


Daß der Text Englisch ist, stört eigentlich kaum, er ist dennoch gut verständlich. Für diejenigen, die nichts mit dieser Sprache anfangen können, gibt es eine relativ gute, deutsche Textübersetzung in der Interpretation "Straßen unserer Stadt" von Jasmine Bonnin - ich allerdings bevorzuge nach wie vor das Original.



Liebe Grüße aus Ober- :ösi: von

ANDREAS.




(...der sich jetzt wieder noch Wichtigerem zuwenden muß...)
Dieser Beitrag enthält 219 Wörter


"But as long as I can see the morning,
in miracles, much more than I can say,
it´s enough to keep me still believing
in drifting hearts, so far away."

(''Book of golden stories''/ RUNRIG)

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Carsten K
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Re: Lieder die uns berühren

#7

Beitrag von Carsten K » Di 13. Nov 2018, 18:46

Hab grad nach langer Zeit mal wieder diesen BAP-Song gehört und bin sehr berührt:



Ihr Nicht-Rheinländer, versteht Ihr eigentlich solche kölschen Texte? Berührt Euch so ein Lied, auch wenn Ihr den Text nicht wirklich versteht?
Dieser Beitrag enthält 42 Wörter


"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)

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