Einheitsbrei im Radio

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

Beschreibung © by migoe | Foto © by Pixabay.com
Antworten
Benutzeravatar
Agrippina
Beiträge: 113
Registriert: Mi 1. Jun 2005, 14:18

Einheitsbrei im Radio

#1

Beitrag von Agrippina » Fr 9. Sep 2005, 20:19

Folgenden Zeitungsartikel fand ich vor einer Weile im Pressespiegel meines Arbeitgebers und habe ihn mal runtergetippt. Er ist zwar schon vier Wochen alt, aber deshalb nicht weniger interessant. Zumal er eine von vielen Antworten darauf geben kann, warum's die Liedermacher hierzulande so schwer haben.
Berliner Zeitung vom 09.08.2005, Seite 26
Wie kommt es eigentlich, dass in allen Radioprogrammen die selben Titel laufen?
Es gibt wohl nur wenige Menschen, die regelmäßig von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen fahren. Dennoch spielt diese Strecke eine nicht unbedeutende Rolle, wenn sich die Diskussion um die musikalische Vielfalt beziehungsweise Einfalt in der deutschen Radiolandschaft dreht. Wer von Flensburg nach Garmisch reist, bekommt zwar viele Sender zu hören, aber immer wieder das selbe Musikprogramm. Aktuelle Hits, nicht tot zu kriegende Evergreens, Mainstream - das ist der Standard im Bundesgebiet. Wie aber kommt es zu der weit verbreiteten Auffassung, daß dieser Einheitsbrei besonders schmackhaft ist?
Schuld sind mal wieder die Amerikaner. Anfang der 50er-Jahre begann eine Radiostation in Omaha, nur noch wenige angesagte Songs zu spielen. Die Hörer reagierten dermaßen entzückt auf diese Selbstbeschränkung, daß immer mehr Sender dem Beispiel folgten. Ohne mit der Wimper zu zucken, reduzierten einige Radiomacher ihre Playlist auf 40 Titel plus ein paar Hits.
150 Titel am Tag
Mittlerweile sind mehr als 50 Jahre vergangen, und bei vielen deutschen Radiosendern sind es immerhin zwischen 150 und 350 Titel, mit denen das Tagesprogramm bestritten wird. Der Zufall wird bei der Zusammenstellung dieser Playlists kategorisch ausgeschlossen. Grundregel 1: Weil die durchschnittliche Verweildauer bei einem Sender lediglich 20 Minuten beträgt, muß in dieser Zeit jedes Genre durchgenudelt werden, mit dem die Radiostation auf Hörerfang geht. Zwei Balladen hintereinander? Zu viele Sängerinnen in zu kurzer Zeit? Mensch und Computer wissen das zu verhindern. Der Begriff "Formatradio" kommt eben nicht daher, daß der Sender Format hat, sondern von dem Wort "formatieren".
Wie aber schafft es ein Titel auf die Playlist? Eine zentrale Rolle spielen dabei die Hörerbefragungen. Mindestens monatlich fragen die Radiomacher ausgewählte Zuhörer, welche Songs sie mögen und welche nicht. Heben nur drei von zehn Leuten anerkennend den Daumen, landet das Lied auch schon im Archiv. Ein entscheidendes Kriterium ist zudem die Frage: Was spielen die anderen? Es soll Sender geben, die ihren Mitarbeitern Bleistift und Papier in die Hand drücken und sie auffordern, dem Konkurrenzprogramm zu lauschen. Einfacher ist der Blick auf die Charts, die von der Firma Nielsen Music Control Woche für Woche ermittelt werden. Ausgewertet wird vollautomatisch das Programm von 113 Mainstream-Sendern, von denen 76 für die Chartliste berücksichtigt werden. Welche das sind, bestimmt ein Gremium aus Vertretern der Plattenindustrie.
Nur die Top 100
Bewertet werden die registrierten Songs nach einem Punktsystem, das aktuelle Songs bevorzugt. Um in die Top 10 zu kommen, muß ein Titel zwischen 500 und 600 Mal pro Tag gespielt werden. Bei 76 berücksichtigten Sendern kann sich jeder ausrechnen, wie oft ein und derselbe Titel bei und derselben Station läuft. Zudem gilt: Je schneller ein Song in den Charts vorrückt, desto mehr Sender kommen auf die Idee, das Liedchen in ihr Repertoire aufzunehmen. Es gibt sogar Radios, die grundsätzlich nur das spielen, was bereits in den Top 100 gelandet ist. Auf diese Weise potenziert sich das Einerlei. Der derzeitige Spitzenreiter ist übrigens Daniel Powter mit "Bad Day" - bereits seit Wochen. Das heißt: Man muß noch nicht mal von Flensburg nach Garmisch fahren, um auf diesen Song allergisch zu reagieren.
(Marcus Bäcker)

Grüße vom Rhein
Tina
Dieser Beitrag enthält 593 Wörter


"Beweg Dein Herz zum Hirn ..." (Stoppok in "Tanz")
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist."
(Victor Hugo)

Benutzeravatar
Ninette
Beiträge: 116
Registriert: Do 1. Sep 2005, 17:31

Einheitsbrei im Radio

#2

Beitrag von Ninette » Sa 10. Sep 2005, 10:12

Tja, das ist mir auch schon aufgefallen, daß die Sender immer nur die gleichen Songs spielen. Wenn ich jeden Morgen, den Gott werden läßt, immer dasselbe hören muß,fällt mir auf, daß ich Songs die mir anfangs ganz gut gefielen, ich dann mit der Zeit beginne zu hassen. Und das kann doch nicht der Sinn des Ganzen sein?
Kann man da was dagegen machen?
Dieser Beitrag enthält 67 Wörter


"Ich hab Sehnsucht nach Leuten, die mich nicht betrügen, die mir nicht mit jeder Festrede die Hucke vollügen"
(Reinhard Mey: "Sei wachsam")

Benutzeravatar
Agrippina
Beiträge: 113
Registriert: Mi 1. Jun 2005, 14:18

Einheitsbrei im Radio

#3

Beitrag von Agrippina » Sa 10. Sep 2005, 13:23


Ninette schrieb:
Kann man da was dagegen machen?

Sischer dat. Besagte(n) Sender einfach nicht mehr einschalten.
Wenn sich die Konsumenten hierzulande einfach mal darüber bewußt würden, daß sie es in der Hand haben, über Angebote zu bestimmen (indem sie z. B. das boykottieren, was ihnen nicht gefällt, oder an den zuständigen Stellen einfach mal ihren Unmut kundtun), sähe manches anders aus.
Leider sind viele Menschen zu bequem geworden oder lassen sich von Argumenten wie "Das nutzt ja doch nichts" leiten und bilden damit die schweigende Mehrheit, so daß sich manches eben nicht ändert, weil die Produzenten das Heft in der Hand behalten und sagen können, wo's langgeht.
Ich bin da eher für's Klappeaufmachen bzw. konsequente Abstrafen durch Nichtnutzen von Angeboten (gleich, ob Medien oder andere Produkte). Das, was mir nicht gefällt, kommt mir nicht in Augen, Ohren und Tüte, punktum. Ob's schlußendlich hilft, die Gesamtsituation zu ändern, bleibe dahingestellt, aber ich tue mir bestimmte Dinge einfach nicht mehr an und lebe eigentlich ganz wunderbar damit.
Die Entscheidung liegt bei jedem selbst. Radios und Fernseher haben einen entscheidenden Vorteil: Aus- und Umschaltknöppe ... :-D
Grüße
Tina
Dieser Beitrag enthält 200 Wörter


"Beweg Dein Herz zum Hirn ..." (Stoppok in "Tanz")
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist."
(Victor Hugo)

Benutzeravatar
Nordlicht
Beiträge: 645
Registriert: So 16. Feb 2003, 22:31

Einheitsbrei im Radio

#4

Beitrag von Nordlicht » So 11. Sep 2005, 10:15

Liebe Tina !
Das könnte ja mal wieder eine interessante Diskussion in diesem Thread werden.
Du schreibst:
Sischer dat. Besagte(n) Sender einfach nicht mehr einschalten.

Laß Dir von mir, der ich selber sehr lange Radio "gemacht" habe, - übrigens kein "Formatradio", das ich zutiefst verachte - sagen, daß es einem Redakteur zunächst einmal höchst schnuppe ist, ob Du oder ich sein Programm hören. Denn es ist leider so, daß "Radio" heutzutage nur mehr als Hintergrundbeschallung verwendet wird. Ich nenne es auch gern "akustische Umweltverschmutzung". Wer hört denn eigentlich noch bewußt ? Und, selbst wenn, wo gibt es etwas, das sich lohnt, bewußt zu hören ?
Das Radioprogramm selber ist letztlich immer nur ein Spiegelbild der Benutzer, sprich: der Hörer. Und der Normalsterbliche registriert vielleicht am Morgen beim Duschen oder Rasieren noch den einen oder anderen Titel, aber für den Rest des Tages bildet der Einheits- Musik- Brei nur noch den Büro- Grundgeräusch- Pegel. Nur bei der Werbung, um die es ja letztlich nur geht, merkt man auf, weil die in aller Regel lauter ist als das Programm, damit die Sprüchlein und Melodiechen der Waschmittel- Mafia auch schön im Hirn hängenbleiben.
Auf der Nachhausefahrt ist es dann ähnlich: Interessant sind vielleicht gerade noch die Verkehrsdurchsagen. Der Rest wird einfach nebenbei gehört.
Und abends ist dann ehe das Pantoffel- Kino angesagt, das ist einfacher als hinzuhören. Wobei ich auf Anhieb nicht einmal wüßte, wann ich wo das letzte Radio- Hörspiel gehört hätte...
Solange die Zielgruppe der Radio- Macher ohnehin zumeist in der werbe- relevanten Bevölkerungsgruppe der 14- bis 29jährigen (oder wo auch immer...) liegt, wirst Du auch mit einem einzelnen Konsum- Verzicht nicht wirklich etwas erreichen. Denn was hat seinerzeit der Shell- Boykott erreicht ? Ein riesiges Medien- Echo, aber kaum Umsatzrückgänge. Was bringt der Aufruf, Ami- Produkte zu boykottieren ? Weiter gute Zahlen bei McDonalds.
Viel entscheidender wäre, die Herren in den "oberen" Entscheidungsgremien zu einem Umdenken zu bewegen. Aber mach das mal, die Werbe- Heinis haben da das höhere Budget.
Was uns fehlt, das sind unabhängige Anbieter, das sind Bürgerrundfunk, "offene Kanäle". Und das sind Verbraucher, die auf diese hingewiesen werden und diese auch nutzen. Aber leider haben ja gerade die "konservativen" Parteien bewiesen, daß sie an derlei Bürgerbeteiligung auch nicht wirklich interessiert sind. Denn gerade die Schwarzen haben in den letzten Jahren verstärkt Mittel zusammengestrichen und gekürzt und entzogen. So mancher "OK" ging da den Bach runter.
Über den Einfluß des allmächtigen öffentlich- rechtlichen Rundfunks mit seinen Monster- Sendeanstalten will ich mich zu dieser Stunde und an dieser Stelle lieber gar nicht auslassen...
Liebe Grüße aus OÖ von
ANDREAS.

(...der sich damit übrigens auch gleich aus dem Urlaub zurückmeldet...)
Dieser Beitrag enthält 470 Wörter


"But as long as I can see the morning,
in miracles, much more than I can say,
it´s enough to keep me still believing
in drifting hearts, so far away."

(''Book of golden stories''/ RUNRIG)

Benutzeravatar
Agrippina
Beiträge: 113
Registriert: Mi 1. Jun 2005, 14:18

Einheitsbrei im Radio

#5

Beitrag von Agrippina » Di 13. Sep 2005, 15:53

Hallo Andreas,
ja, dieser Faden könnte tatsächlich wieder interessant werden.
So einiges, das Du schreibst, bestätigt meine Auffassung. Zu viele Menschen hierzulande sind zu bequem geworden, sich ernsthaft mit Dingen zu befassen und auseinanderzusetzen. "Kritikloses Konsumieren" scheint das Motto zu sein, es wird zu Vieles einfach hingenommen. Klar wird auch gemosert und geschimpft, aber nur im stillen Kämmerlein. Zu wenige machen sich die Mühe, aktiv etwas zu unternehmen, und so bleibt es beim Jammern und Klagen, und so wiederum beruft sich der Produzent auf diese schweigende Mehrheit und bedient die Konsumenten weiter mit dem, das ihm das meiste Geld bringt. Das gilt nicht nur für die Medien, aber für sie ganz besonders.
Nur am Rande: Ich selbst bin beim Radio (öffentlich-rechtlich) beschäftigt, ein klein wenig Einblick habe ich also auch, auch wenn meine Tätigkeit nicht im redaktionellen Bereich liegt.
Deine Aussage, daß es einem Redakteur zunächst mal egal ist, ob und wer sein Programm hört, wage ich ein wenig anzuzweifeln. Wenn nämlich niemand sein Programm hört, mithin die Einschaltquoten sinken (und somit die Gebühren- oder Werbeeinnahmen), hat er ein ernsthaftes Problem, somit kann es ihm nicht egal sein. Mithin würde - und das meinte ich mit der "Macht", die Verbraucher ausüben könnten (Boykott ist da nur eine Alternative), wären sie sich ihrer bewußt bzw. nicht zu bequem sie auszuüben - ein konsequenter Konsumverzicht der breiten Masse schon etwas bewirken, würden sich nur genügend Menschen zusammen"rotten". Das tun sie aber nicht, Auswirkung siehe oben.
Wer hört denn eigentlich noch bewußt ?

Ich und einige, die ich kenne. Aber das sind leider nicht genug.
Und, selbst wenn, wo gibt es etwas, das sich lohnt, bewußt zu hören ?

Guckst Du z. B. hier: www.dradio.de:-D
(Übrigens der einzige Sender, der deutschlandweit und werbefrei sendet! Für Dich in OÖ natürlich schwierig ... ;-) )
Das Radioprogramm selber ist letztlich immer nur ein Spiegelbild der Benutzer, sprich: der Hörer.

Ich denke, das ist ein bißchen wie die Frage nach dem Huhn oder dem Ei. Nähmen die Hörer (bzw. genügend von ihnen) ihre Einflußmöglichkeiten wahr, sähe die das Angebot wahrscheinlich anders aus. Aus meiner Sicht ist die momentane Situation deshalb so, wie sie ist, weil den Machern freie Hand gelassen wird, bei dem, was sie produzieren. Das verkaufen sie dann als superhip und cool, und weil viele Menschen (gerade in der von Dir erwähnten Zielgruppe) so unreif (manchmal habe ich sogar den Eindruck gehirngewaschen) sind und es für sie wenig Schlimmeres gibt, als nicht auf der Welle zu schwimmen, geben sie sich diesem Mainstream hin. Das bestärkt den Produzenten in seiner Argumentation, doch stets das zu bieten, was der Konsument will (erwähnt aber dabei nicht, daß er ihnen tüchtig eingeredet hat, es unbedingt haben zu müssen). In diesem Zusammenhang fällt mir eine Passage aus dem Stoppok-Titel "Tanz" ein:
Wie das meiste, was dir auf dem Bildschirm erscheint,
Und du nur reagierst, weil irgendwer meint,
Daß man dieses oder jenes jetzt gut finden muß,
Und du dir das reinziehst bis zum Schluß,
Dann da sitzt völlig gelähmt
Wie ein Tiger im Zirkus - endgültig gezähmt
Wobei ich auf Anhieb nicht einmal wüßte, wann ich wo das letzte Radio- Hörspiel gehört hätte...

Siehe obigen Verweis … ;o) Da gibt's gute Hörspiele (und oft auch preisgekrönte aus eigener Produktion) in Hülle und Fülle.
(…) wirst Du auch mit einem einzelnen Konsum- Verzicht nicht wirklich etwas erreichen.

Sagte ich das nicht? (Mein Zitat: Ob's schlußendlich hilft, die Gesamtsituation zu ändern, bleibe dahingestellt, aber ich tue mir bestimmte Dinge einfach nicht mehr an und lebe eigentlich ganz wunderbar damit.) Und ich mache mir außerdem durchaus die Mühe, Dinge, die mir völlig gegen den Strich gehen, an entsprechender Stelle, sprich bei den zuständigen Menschen, zu kommentieren.
Denn was hat seinerzeit der Shell- Boykott erreicht ? Ein riesiges Medien- Echo, aber kaum Umsatzrückgänge. Was bringt der Aufruf, Ami- Produkte zu boykottieren ? Weiter gute Zahlen bei McDonalds.

Siehste, das belegt doch meine Auffassung, wie es um die Konsumenten in diesem Lande bestellt ist. Zu bequem, um Verzicht zu üben.
Und: Kann denn die Meinung "Das bringt ja eh nichts" ein ernsthaftes Argument dafür sein, sich alles gefallen zu lassen? Es kann sich nichts ändern, wenn sich niemand für oder gegen eine Sache engagiert.
Gut, es kann ja jeder machen, was er will, meinetwegen muß keiner Boykott-Aufrufen folgen, verzichten oder seine Meinung den Verantwortlichen kundtun. Dann aber sollen doch die Menschen, die untätig geblieben sind, auch bitteschön die Klappe halten und sich nicht beschweren.
Viel entscheidender wäre, die Herren in den "oberen" Entscheidungsgremien zu einem Umdenken zu bewegen.

Ich wiederhole mich: Wer bewegt sich denn, um sie zum Umdenken zu bewegen? Sie würden umdenken, bekämen sie zu spüren, daß sie mit ihrem "Schrott" keinen Umsatz mehr machen können. Es läßt sie aber niemand spüren, ergo …
Frage interessehalber: Tust Du was, und wenn ja was?
Was uns fehlt, das sind unabhängige Anbieter, das sind Bürgerrundfunk, "offene Kanäle". (…)

Ja, da wäre ein Mehr wirklich wünschenswert. Neben der finanziellen Seite gibt es aber allerdings auch noch technische Hürden zu nehmen (ich erwähne mal z. B. den heißen Kampf um Frequenzen, den z. B. auch unser recht kleiner Sender ständig ausfechten muß).
Über den Einfluß des allmächtigen öffentlich- rechtlichen Rundfunks mit seinen Monster- Sendeanstalten will ich mich zu dieser Stunde und an dieser Stelle lieber gar nicht auslassen...

Zugegeben, es gäbe wirklich einiges zu kritisieren an den Öffentlich-Rechtlichen, aber bitte schere da nicht alle über einen Kamm. Es gibt nicht "den" öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und insbesondere die kleinen Anstalten haben ordentlich zu kämpfen. Darüber hinaus wird das bißchen noch existente Qualität in der Radio- und Fernsehlandschaft (z. B. Kulturprogramme, seriöser Journalismus, gute Hintergrundberichterstattung), nur noch von ihnen geliefert.
Wie gesagt, bei allem Jammern und Klagen: Niemand wird gezwungen, sich etwas anzusehen oder anzuhören. Das, was wir derzeit zu sehen und hören kriegen, sind wir selber schuld.
Nochmal: Man kann durchaus was tun. Und ... Empfangsgeräte kann man im Zweifel um- oder ausschalten.
Liebe Grüße,
Tina
Dieser Beitrag enthält 1076 Wörter


"Beweg Dein Herz zum Hirn ..." (Stoppok in "Tanz")
"Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist."
(Victor Hugo)

Benutzeravatar
migoe
Webmaster
Webmaster
Beiträge: 1518
Registriert: Sa 1. Feb 2003, 13:00
Alter: 43
Kontaktdaten:

Einheitsbrei im Radio

#6

Beitrag von migoe » Di 13. Sep 2005, 20:59

Ich höre am Tag 1 Stunde Radio - auf dem Weg zur Arbeit und zurück je 30 Minuten - und "zappe" dabei genauso durch die Kanäle wie ich es beim Fernsehen tun. Für mich ist das nicht unbedingt ein Nachteil, schließlich wäre ein Sender, der "immer nur Anspruchsvolles" sendet mit der Zeit auch langweilig.
In meinem Breiten empfange ich fast 25 Sender unterschiedlichster Ausprägung und habe somit "eigentlich" genug Auswahl. Leider gibt es dabei vor allem ein Problem:
die Sender spielen nicht immer das, was ich zu der Zeit wo ich im Auto sitze und Zeit hätte, gerne hören würde! :?
Nun stellt sich mir die Frage: liegt es an mir, oder sind die einfach nur zu doof, um zu wissen, was sie gerade am besten spielen sollten? ;-)
Ich tendiere ja zur zweiten Antwort - sicherheitshalber nehme ich aber auch immer eine zu meiner Stimmung passenden CD mit. Dadurch geschieht es regelmäßig, daß ich das laufende Programm freiwillig und bewußt ignoriere - aber das ist den "Programmgestaltern" der Radioanstalten auch egal :-D
migoe, der meint, es war noch nie schwieriger als heute für die Radiomacher genau das zu spielen, was die Hörer möchten, weil es einfach zu wenig Hörer gibt - und diese mit zu vielen unterschiedlichen Erwartungen/Geschmäckern zuhören
Dieser Beitrag enthält 221 Wörter


Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
...
Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

Benutzeravatar
fille
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 2676
Registriert: Mo 27. Sep 2004, 10:56

Einheitsbrei im Radio

#7

Beitrag von fille » Di 13. Sep 2005, 21:09

Hallo ihr alle!
Auch ich höre fast nur im Auto Radio (wenn ich nicht eine Kassette einpresse). Allerdings bin ich schon lange dazu übergegangen, Bayern 2 zu hören.
Ich höre diesen Sender nicht wegen der Musik, sondern wegen den Informationen. Allerdings ist die Musik, die dazwischen kommt, viel interessanter wie von manch anderen Sendern. Man hört Stücke, die sonst nirgends gespielt werden. Ich habe sogar schon Renaud und Bénabar dort gehört.
Was will ich mehr? :-D
Marianne
Dieser Beitrag enthält 83 Wörter


There is a crack in everything
That's how the light gets in

Leonard Cohen

Benutzeravatar
migoe
Webmaster
Webmaster
Beiträge: 1518
Registriert: Sa 1. Feb 2003, 13:00
Alter: 43
Kontaktdaten:

Einheitsbrei im Radio

#8

Beitrag von migoe » Di 13. Sep 2005, 21:22

fille schrieb:
Allerdings bin ich schon lange dazu übergegangen, Bayern 2 zu hören.

Das ist auch einer meiner Favoriten, allerdings immer nur Abends, wenn ich nach Hause fahre (also meist ca. 21.30 Uhr), denn dann laufen häufig sehr interessante Hörbücher oder Dokumentationen/Hintergrundberichte
migoe
Dieser Beitrag enthält 49 Wörter


Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
...
Manche Menschen wollen lieber durch Lob ruiniert als durch Kritik gerettet werden.

Benutzeravatar
Skywise
Moderator/in
Moderator/in
Beiträge: 1597
Registriert: Di 28. Okt 2003, 23:52

Einheitsbrei im Radio

#9

Beitrag von Skywise » Fr 16. Sep 2005, 16:25

Musiker Peter Maffay kritisiert Radiosender
Freitag 16. September 2005, 14:13 Uhr -- Berlin (AP) Rock-Star Peter Maffay wünscht sich mehr deutsche Musik im Radio. Zwar habe sich die Situation für deutsche Künstler verbessert, «das Grundproblem ist aber geblieben», sagte Maffay am Freitag in Berlin. «Wir haben viele Nachwuchs-Musiker mit kreativem Potenzial, die Unterstützung brauchen.» Die Radiosender würden das Problem nicht einsehen, meinte Maffay. «Sie denken, dass wir mit einer Quote Kontrolle ausüben wollen.» Der 56-Jährige hatte im September 2004 mit Stars wie Udo Lindenberg und Xavier Naidoo mehr deutsche Musik im Radio gefordert.
Der in Rumänien geborene Künstler will mit seiner Band wieder auf Tournee gehen. Das erste Konzert der Hallentour findet am 1. November in Flensburg statt, 20 weitere Auftritte folgen bis zum 1. Dezember.
«Wir sind Gitarren-lastiger geworden», sagte Maffay und kündigte eine Konzertlänge von jeweils drei Stunden an. Vor allem die Songs seiner neuesten Platte «Laut und Leise» wolle er auf der Tour spielen. Doch auch die alten Hits sollen nicht zu kurz kommen. Für den Bühnenaufbau werden 21 Lastwagen benötigt.
Das Doppel-Album «Laut und Leise» stand Anfang des Jahres auf dem ersten Platz in den Musikcharts und wurde bislang mehr als 200.000 Mal verkauft. Seit 29. August ist die Platte auch als Doppel DualDisc erhältlich. Bei diesem System befindet sich auf der einen Seite die CD, auf der anderen eine DVD mit Videomaterial.
Quelle: Yahoo!

Das Problem scheint also auch anderswo bekannt zu sein ;-)
Gruß
Skywise
Dieser Beitrag enthält 261 Wörter


"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"

Benutzeravatar
Beljon
Beiträge: 1
Registriert: Di 27. Sep 2005, 20:06

Einheitsbrei im Radio

#10

Beitrag von Beljon » Di 27. Sep 2005, 20:32

Den Beitrag aus der Berliner Zeitung zum Thema habe ich
auch gelesen, und zufaelligerweise habe ich dazu einen
Leserbrief verfasst, der dort auch auszugsweise veröffentlicht
wurde, und zwar betreffend Payola (Schiebung) im Radio.
Hat ein Leser hierüber noch weitere Informationen? Ich
erinnere mich auch etwas gelesen zu haben über einen
Skandal bei Fernsehsendungen der volkstümlichen Musik.
Infos auch vertraulich an Beljon(at)Beljon.de.
Payola im Radio
Wie kommt es dass sehr viele Radiosender immer nur wenige aktuelle Hits spielen (die sogenannte heavy rotation)? Ihr Herr Markus Bäcker hat einen wichtigen Grund dafür leider ganz vergessen. Bei den Radiosendern wird auch kräftig geschmiert.
Das kam neulich ans Tageslicht, als der Konzern Sony/BMG zugeben musste, diversen Radiosendern Geld für das Abspielen seiner Titel gezahlt zu haben. Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer teilte mit, dass Sony als Strafe zehn Millionen Dollar (!) zahlt und Besserung gelobt hat. Allerdings räumte Sony-Sprecher John McKay ein, dass das Schmieren von Radiosendern ?leider gängige Praxis der Radio-Promotion? sei. Im amerikanischen Englisch gibt es sogar einen speziellen Namen dafür, nämlich payola. Aus der Tatsache dass payola in den USA speziell gesetzlich verboten ist, darf man entnehmen dass das Problem dort schon länger bekannt ist.
Gibt es Schiebung im Rundfunk auch bei uns? Klar, da braucht man nur mal an den Betrugsfall beim deutschen Grand-Prix Beitrag zu denken, oder an die zahlreichen Skandale im Bereich Fernsehen. Der kritische Düsseldorfer Wirtschaftrechtler Theodor Baums meint dass das ?Dunkelfeld? von Korruption und Untreue in unserer Wirtschaft ?außerordentlich hoch? sei; und er fordert ein Berufsverbot für korrupte Manager.
Aber dies wird sich bei uns schwerlich durchsetzen lassen. Viel zu fest ist der Glaube an das ?magische? Funktionieren der Marktwirtschaft in den Köpfen der alten Eliten verankert. Der kritische Wirtschaftswissenschaftler Alexander Rüstow (Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus, Metropolis Verlag Marburg, Neuauflage 2001) hat schon vor Jahrzehnten dieses Denken als Ideologie und Aberglaube bloßgestellt. Jeglicher falsche Glaube aber lässt sich nur ganz schwer ablegen. Im verbissenen Wettbewerb der Glaubensysteme könnte nur ein neuer, guter Glaube ein Umdenken der Menschen bewirken. Das veraltete und oft unsinnige Christentum ist da nicht wettbewerbsfähig.
Die jungen, linken Monarchisten für die ich schreibe, stehen für einen neuen, besseren Glauben. Es ist der uralte Glaube, dass der Mensch sich mit der göttlichen Weisheit vertragen muss und dass es im Leben höhere Werte gibt als Eigentum und Wettbewerb, nämlich Qualität und Geschmack, Wahlfreiheit und Vielfalt, und natürlich Liebe!
Heute bestimmt in vielen Radiosendern der Computer, was gespielt wird. Aber in manchen jungen Sparten der Popmusik ist es anders. Da kommt der DJ mit seinen Platten an, und er bestimmt was in seinem Set für Musik läuft. Gerade bei der jungen, deutschen Techno-Musik ist das so. Auf diese Weise wird auch alternative und nicht so gängige Musik gespielt. Hier dominieren nicht allein die Konzerne, sondern es entsteht eine junge Sub-Kulturszene. Davon profitieren vor allem junge deutsche Künstler.
Liebe statt Kommert, dies war ja auch die Botschaft der leider gescheiterten Love-Parade. Gerade deswegen weil sie dieser Veranstaltung ihre Botschaft absprachen, haben ja die alten Eliten in Berlin diese Techno-Veranstaltung gekippt. Es zeigt sich jedoch nach und nach dass da doch eine Botschaft dahinter steckte, eine Botschaft die jedoch die Verantwortlichen in Kirche, Politik und Gesellschaft gar nicht wahrnehmen wollen. Diejenigen die die payola nicht mehr wollen, werden sich jedoch mit dieser Botschaft vom neuen, besseren Glauben noch intensiv auseinandersetzen müssen.
Mit freundlichen Grüßen, Beljon, www.BEljon.de
Dieser Beitrag enthält 605 Wörter



Benutzeravatar
Suikerheks
Beiträge: 20
Registriert: Do 22. Sep 2005, 13:17

Einheitsbrei im Radio

#11

Beitrag von Suikerheks » Di 27. Sep 2005, 21:48

Ich schaue an sich nie TV, das macht mich müde.
Ich habe an sich nie das Radio an, es sei denn, ich höre irgendwo mit oder muss mich "fügen", weil mein Männe Radio hören möchte.
Im Auto (täglich mindestens 2 Stunden) höre ich in voller Lautstärke meine Lieblingsmucke oder CDs, die ich rezensieren muss. Da kann ich richtig genießen, einsaugen und zwischen den Zeilen hören, um mich drüber auszulassen :-)
Ein Freund von mir, Michy Reincke, schrieb vor einiger Zeit über "unser Radio" das Folgende, was mich sehr berührt hat, wozu ich nur heftig zustimmend nicken kann:
Immer Sonne ist Wüste
http://www.michyreincke.de/html/Schatz/ ... 59;ste.pdf
Dieser Leserbrief von Michy hat auch einiges an Würze zu bieten: Zu „Pop ohne Heimat“ von T.Gross/ Die Zeit-Feuilleton Nr. 42 7.10.04
Hamburg 09.10.04
Radio-Quote - was für ein häßliches Wort. Um wieviel herrlicher: Einschalt-Quote! Das einzig wirkliche Kriterium um Programm zu machen. Aber wenn nur Mehrheiten den Wert einer Sache bestimmen (wie originell!) & es den Redaktionen nicht gelingt, sich mit recherchierten kulturellen Informationen zu behaupten, sondern ihre Fähigkeit Qualität zu differenzieren einzig darin besteht, Quantitäten (Verkäufe, ausländische Charts, Umfrage-Ergebnisse) zu messen, wofür braucht man dann ihre Kompetenz, ihren Geschmack & ihre Leidenschaft?
Irritierend, dass es immer noch populäre Musik gibt, die nicht dazu geschaffen wird, um eine Hit-Single zu sein oder für die ausschließlich kommerziellen Aspekte des Radiomachens konzipiert wird.
Eine Musik, die nicht in einer Pose erstarrt. Deren geistiger & seelischer Nutzen für eine Gemeinschaft sehr groß sein & Identität schaffen könnte & vielfach in der Lage wäre Menschen klüger & empfindsamer zu machen.
Versuchen Sie doch einfach, die Forderung nach einer Radio-Quote als politisches Mittel zu sehen, eine notwendige Diskussion zu beleben, warum andere Länder eine Radio-Quote haben (man selbst in England ernsthaft darüber nachdenkt). Wie oder wo man zur Zeit über heimische Musik kompetent & umfassend informiert werden kann. & anlehnend an die kluge Idee dieser Zeit, dass eine Gesellschaft sich immer fordern & fördern sollte: bevor man den deutschen Musikern mit Häme begegnet, sollte man sich Zeit nehmen, um vorurteilsfrei herauszukriegen, was sie wirklich können.
Vielleicht haben sie Ideen, was man der Banalisierung eines Lebens durch Kommerz, entgegensetzen kann.
Dieser Beitrag enthält 401 Wörter



Antworten