Deutsche Phonoverbände nehmen Stellung zur Novellierung des Urheberrechtsgesetzes

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Piet
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Deutsche Phonoverbände nehmen Stellung zur Novellierung des Urheberrechtsgesetzes

#1

Beitrag von Piet » Di 21. Feb 2006, 16:28

Hallo,
heute haben die deutschen Phonoverbände eine Stellungnahme zur Novellierung des Urheberrechtsgesetzes veröffentlicht.
Unter folgendem Link kann die Pressemitteilung eingesehen werden. Auf dieser Seite können auch zwei ausführlichere Stellungnahmen downgeloadet werden.
http://www.ifpi.de/news/news-694.htm
Unter anderem möchten die Verbände auch die Privatkopie drastisch beschränken.
Vielleicht steht ja demnächst nicht nur ein Herr von der GEZ vor meiner Tür (der bei mir sowieso vergebens gucken kommen würde), sondern ein Vertreter des IFPI, der meine CD Sammlung durchschaut und einen Beweis von mir verlangt, das ich die Kopie auch wirklich nur gemacht habe, damit ich zur Sicherheit ein zweites Exemplar habe, falls mein Original mal kaputtgeht.
:frage: :gruebel: :-? :-(
Piet
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Diana
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#2

Beitrag von Diana » Di 21. Feb 2006, 17:05

Hallo Piet!
Na, da hast du ja was ausgegraben... :-(
Gestolpert bin ich z.B. auch über Punkt 3 der Forderungen, wo es um Internet-Radios geht - die wollen die Herrschaften von der Phono-Akademie nämlich gerne komplett verbieten...
Gruss, Diana
... die ja unterstellt, dass die Umsatzeinbussen der Musikindustrie durchaus in Zusammenhang mit der Qualität der Produktionen stehen.
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Piet
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#3

Beitrag von Piet » Mi 22. Feb 2006, 00:44

Liebe Diana,
... die ja unterstellt, dass die Umsatzeinbussen der Musikindustrie durchaus in Zusammenhang mit der Qualität der Produktionen stehen.

Und der doch relativ hohen Preise für die Tonträger stehen.
Punkt zwei bereitet mir auch Bauchschmerzen. Darf ich dann keine Musiksendung mehr aus dem Radio (per Kasette, wie altmodisch?!) aufnehmen und zeitversetzt hören.
Aber vielleicht ist das alles nur ein Missverständnis
:frage:
Liebe Grüße
Piet
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Skywise
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#4

Beitrag von Skywise » Mi 22. Feb 2006, 04:18

Nun ja, wenn's das allein wäre ...
Irgendwie scheint mir dieses gesamte Konzeptpapier nicht sonderlich gut durchdacht. Um genau zu sein, glaube ich sogar, daß eine 1:1-Umsetzung der geforderten Punkte ausgerechnet der Phonoindustrie mehr schadet als es der aktuelle Stand je könnte. Man muß sich ja nur einmal klar machen, daß man die Musik mit diesen Maßnahmen in Ketten legt - ich übersetz' mal schnell die einzelnen Punkte:
1. Behalt' die Musik, die Du besitzt, ausschließlich für Dich!
2. Schneide möglichst das Radioprogramm nicht mit!
3. Höre ausschließlich das, was wir vorgeben!
4. Wenn Du Dich bei einem Vergehen erwischen läßt - MACH DEIN TESTAMENT, DU SAU!
Ich bilde mir ein, in den letzten sechs oder sieben Jahren eine deutliche Marktverschiebung wahrgenommen zu haben - weg von der stupiden Gute-Laune-Disco-Mukke und dem Yow!-Yow!-Hip-Hop hin zu rettenden Einzelinseln im großen weiten Ozean der Musik, will heißen: die Superstars von gestern verkaufen heute weniger Alben, weil sich die einstige Kundschaft in alle Winde zerstreut hat.
Mit den oben genannten Maßnahmen beschneidet man enorm die Möglichkeiten der kleinen Interpreten, jenen "Einzelinseln", die sich zwar aus dem Schatten spielen könnten, denen aber ein Rückhalt der Plattenfirmen fehlt. Das Urheberrecht der Vergangenheit räumte einen gewissen Spielraum ein, der dafür sorgte, daß man selbst in seinem Freundeskreis Werbung für bestimmte Interpreten machen konnte, ohne von der Phonoindustrie auf die Finger zu bekommen. Für die Plattenfirmen war das eine schöne Möglichkeit, ohne zusätzliche Investitionen an neue Interessenten für die eigenen Produkte zu kommen - setzen wir der Einfachheit halber "Interessenten" mit "potentiellen Kunden" gleich. Und diese Möglichkeiten sollen jetzt nicht nur eingeschränkt, sondern praktisch vollständig gestrichen werden? Keine Tröster-CD mehr für moralisch angeschlagene Familienmitglieder? Keine "Ey, das könnt' Dir gefallen"-mp3 mehr vom besten Freund? Keine individuelle Valentinstag-Schmuse-Cassette mehr für die Frau seines Herzens? Alles plötzlich illegal? Und alles mit einem Mal ausgerichtet auf die Wünsche und Plattformen, die von der Phonoindustrie kontrolliert werden können?
Entschuldigung, lieber Phonoverband, aber durch solche Maßnahmen werden nicht die Kreativen gefördert, sondern den kreativen Querdenkern große Chancen verbaut, ein Publikum zu gewinnen, da die Mund-zu-Mund- oder besser Cassette-vom-Freund-Propaganda für viele Leute die einzige wirtschaftlich unabhängige Plattform bot.
Das Internet als Alternativ-Plattform ist nicht so stark, um diese Rolle zu übernehmen. Kostenlose Demos oder Downloads auf diversen Künstlerseiten in allen Ehren, aber selbst dort wird sowohl Kreativen als auch Usern das Leben mitunter sehr schwer gemacht und die Leute mit langsamer oder gar fehlender Internetverbindung werden mit einem Schlag aus den Reihen der Musikinteressenten verstoßen.
Und was das Argument
Der Musikmarkt hat in den letzten Jahren Umsatzeinbußen von mehr als 40% hinnehmen müssen. Ursache hierfür sind die ungebremste Ausweitung privater Vervielfältigungen durch neue digitale Technologien sowie die durch das Internet ausgelöste Flutwelle von Piratierie.
angeht - ich finde es seltsam, daß in den Zeiten, in denen die Privatkopie anscheinend noch kein Problem war (also: den 70ern, 80ern und frühen 90ern) ein solcher Boom im Musikbereich über's Land ziehen konnte, wenn die Privatkopie wirklich so böse Folgen hat.
Noch vier kleine Anmerkungen:
a) Den unreflektierten Umgang mit irgendwelchen nichtssagenden Zahlen empfinde ich als na, zumindest halbwegs mündiger Bürger als Augenwischerei. Eine Prozentzahl ohne Ausgangswert ist nichts Anderes als heiße Luft, so auch die hier angegebenen "40 %".
b) Sonderbar, daß ständig von "Umsatzeinbußen" gesprochen wird, während das Wort "Gewinneinbußen" nirgendwo auftaucht - also scheint die Phonoindustrie anscheinend doch noch einen Gewinn zu haben, wenn sie ihn bei so einem Vorhaben nicht erwähnt, hm?
c) Gibt es eigentlich irgendjemanden in der Phonoindustrie, der in jüngster Zeit mal einen Blick auf den aktuellen Arbeitsmarkt geworfen hat? Es ist doch wohl der Gipfel der Naivität zu glauben, daß in Zeiten des Sparens, Hamsterns und der Arbeitslosigkeit ebenso große Umsätze gefahren werden können wie in dem gleichen Land zu Zeiten der Vollbeschäftigung. Die schönsten Statistiken nutzen nichts, wenn man die Begleitumstände nicht berücksichtigt.
d) Wenn durch die Industrie Künstler ins Rampenlicht gewuchtet werden, die ihre Halbwertzeit bereits wieder hinter sich haben, noch ehe deren erste CD im Presswerk aufhört zu rotieren, sollte man sich als Verantwortlicher fragen, ob der schnelle Euro den kleinen, aber beständigen Einnahmen wirklich vorzuziehen ist.
Nur mal so meine Meinung zur frühen Morgenstund' ...
Gruß
Skywise
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Diana
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#5

Beitrag von Diana » Mi 22. Feb 2006, 08:37

Lieber Sky!

4. Wenn Du Dich bei einem Vergehen erwischen läßt - MACH DEIN TESTAMENT, DU SAU!


Ich danke dir vielmals für den herzlichen Lacher, den du mir heute morgen damit beschert hast, trotz des eigentlich ja eher traurigen Hintergrunds! :kiss:
ich finde es seltsam, daß in den Zeiten, in denen die Privatkopie anscheinend noch kein Problem war (also: den 70ern, 80ern und frühen 90ern) ein solcher Boom im Musikbereich über's Land ziehen konnte, wenn die Privatkopie wirklich so böse Folgen hat.

Ja, ich erinnere mich auch an heftige Diskussionen, als Leercassetten populär wurden. Und an die Schwierigkeiten, die Radiomoderatoren bekamen, wenn sie nicht am Anfang und am Ende in die Lieder reinquatschten, damit man ja keine saubere Aufnahme bekam! Aber offenbar hat das ja der Musikindustrie damals nicht so sehr geschadet, dass man sich seine Lieblingsmusik auf Cassetten zusammenstellen konnte.
(Ich persönlich halte z.B. immer noch eine Cassette in Ehren, die mir jemand, als ich 14 war, aufgenommen hat und liebevoll mit einem Lötkolben verziert hat, mit einem Herzchen... :rotwerd: ;-) Natürlich besitze ich inzwischen längst die Original-Alben auf CD! :-D )
Lieber Piet!
Und der doch relativ hohen Preise für die Tonträger...

Ja, ich denke du hast Recht, das spielt auch eine grosse Rolle. Wenn eine neue CD 17,99 € kostet, überlege ich mir auch dreimal, ob ich sie mir gleich kaufe oder nicht lieber warte, bis der Preis auf verträglichere 12,99 € fällt. Oder ich kaufe sie gar nicht... und ich bin sicher, dass es anderen ebenso geht, vor allem, wenn immer mehr Menschen jeden Cent zweimal umdrehen müssen. :-?
Gruss, Diana
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Mickey
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#6

Beitrag von Mickey » Mi 22. Feb 2006, 10:15

Hallo zusammen
Ich verstehe beide Seiten: selbstverständlich sollen Privatkopien erlaubt sein (aufgrund einer solchen begann ich mich erst für A. Hammond zu interessieren, und ich habe all sein Zeugs ja brav nachgekauft), allerdings sehe ich auch, dass gerade im jüngeren Rezipientenkreis das Gefühl des Unrechts nicht sehr stark ausgeprägt ist, wenn der eine dem anderen ganze Musiksammlungen kopiert bzw. diese zum allgemeinen Download online stellt. Dies scheint mir in der Tat ein Problem zu sein.
Auch wenn ich nicht besonders viel Geld habe, bin ich gerne bereit, für eine gute CD 17 oder 18 Euro zu bezahlen - allerdings möchte ich mir dann schon sicher sein, dass mir die CD auch wirklich gefällt. Deshalb ist es für mich eine wichtige Bedingung, dass ich vor dem (potentiellen) Kauf in die CD reinhören kann, und diese Bedingung wird ja immer häufiger erfüllt. In diesem Sinne bin ich ziemlich zufrieden.
Liebe Grüsse
Reto
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Skywise
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#7

Beitrag von Skywise » Mi 22. Feb 2006, 13:02

Auf laut.de finden sich erste journalistische Äußerungen zu diesem Thema.
Gruß
Skywise
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Nordlicht
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#8

Beitrag von Nordlicht » Mi 22. Feb 2006, 22:46

Hallo, Ihr Lieben !
Dies Thema ist ein fürwahr weites Feld, das natürlich massig Raum für kontroverse Diskussionen zu bieten in der Lage ist. Fast nirgends ist deutlicher zu erkennen, wie sehr wirtschaftliche Interessen von Lobbyisten und Gesetzgebung Hand in Hand gehen. Verräterisch ist da schon der Satz
...Wir erwarten schnelle und nachhaltige Verbesserungen...

der ja quasi die Drohung "...sonst müssen wir leider, leider Arbeitsplätze abbauen..." schon in sich trägt.
Und wenn ich dann noch erfahre,
...Ursache hierfür sind die ungebremste Ausweitung privater Vervielfältigungen durch neue digitale Technologien sowie die durch das Internet ausgelöste Flutwelle von Piratierie...

dann schlägt das sozusagen dem Faß die Krone ins Gesicht. Ursache des, wie Skywise völlig richtig ausführte, Umsatz(!)rückganges sind nachgewiesenermaßen eben NICHT die angeführten Gründe. Die Ursachen liegen viel tiefer: Die immer mehr und immer schneller sinkende musikalische Qualität der Erzeugnisse spielt da ebensosehr hinein wie der Preis für das Endprodukt. (In Korea beispielsweise kostet eine aktuelle (!!!) CD durchschnittlich 7 €.) Bei Herstellungspreisen, die pro Stück (selbst für relativ kleine Auflagen) maximal 1,50 € bis 2,-- € betragen - hierzulande !!! - darf, muß und sollte man natürlich schon fragen, inwieweit Verkaufspreise von mehr als 10 € überhaupt gerechtfertigt sind oder nicht schon in den strafrechtlich relevanten Tatbestand des Wuchers hineinlangen. (Daß nebenbei bei immer noch steigenden Preisen die technisch- akustische Qualität sinkt und Hersteller wie z.B. "Sony" nebenbei noch PC´s mit zweifelhaften Dateien infizieren, will ich in diesem Zusammenhang noch nicht einmal thematisieren !)
Natürlich soll jeder Künstler das vom Kuchen bekommen, was ihm zusteht. Nur: Das berechnet sich in aller Regel nicht mehr über die Verkaufszahlen. Liegt die CD nämlich erst einmal im Regal, hat der Künstler seinen entsprechenden Obolus längst kassiert. (Wer erinnert sich nicht mehr an die Millionen- Deals im Zusammenhang mit Michael Jackson- Alben ?) Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer und schnalzt: Die Industrie ist natürlich in allerhöchstem Maße daran interessiert, derartige "Vor- Finanzierungen" über entsprechende Verkaufszahlen und Preise wieder "einzuspielen". Daß da der kleine Internet- User nur mehr stört, ist klar und in "kapitalistischer" Hinsicht ja sogar nachvollziehbar. (Ich nehme hier einmal ausdrücklich das gewerbsmäßige Schwarz- Kopieren aus !) Aber glaubt jemand wirklich ernsthaft daran, daß 3, 5 oder auch 79 heruntergeladene Stücke den angeführten "Umsatzrückgang" begründen könnten ?
Das wirklich Traurige an dieser Sachlage ist für mich die absolute Willfährigkeit des Gesetzgebers, der in vorauseilendem Gehorsam eine Gesetzeslage schafft, die der Industrie äußerst genehm ist, wenn die entsprechenden Vorlagen nicht sogar komplett aus den Vorstandetagen dieser Unternehmen stammen.
Und insofern ist für mich klar, daß ich zwar weiterhin interessante CD´s käuflich erwerben werde - aber eben auch die Vorteile einer digitalen Sicherungskopie und einer entsprechenden "Privat- Kopie" nutzen werde. Es ist einerseits eine Art Protest gegen das "Management" - nennt es ruhig "Establishment"... -, andererseits aber auch Selbstschutz und Notwehr gegen eine Abzocker- Mentalität höchsten Ausmaßes und reinsten Wassers. Und dieses "Recht" - auch wenn es selbst definiert ist - nehme ich mir ganz einfach heraus ! Insofern hält sich ein eventuelles "Unrechtsbewußtsein" wirklich in äußerst engen Grenzen.
Liebe Grüße aus Oberösterreich,
ANDREAS:

(...dem bei mancher Argumentation der Phono- Industrie ganz einfach nur der Kamm schwillt... :-x )
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(''Book of golden stories''/ RUNRIG)

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#9

Beitrag von zodiak » Do 23. Feb 2006, 10:29

Hallo zusammen!
Dank dir, Piet, für diesen aufschlussreichen Link, der wieder mal beweist, dass die führenden Vertreter der Phonoindustrie die Hälse nicht voll kriegen können. Wer Grund- und Bürgerrechte wie das Recht auf die Privatkopie dergestalt beschneiden bzw. letztendlich eliminieren will, vertritt extremistische Positionen und weiß das auch.
Das Fatale an dieser Situation ist, dass diese starke Lobby einen ebenso starken Fuß in der Legislative hat, sodass davon auszugehen ist, dass diese zutiefst antidemokratischen Fesseln über kurz oder lang in entsprechende Gesetze münden werden.
Skywise hat es ja schon auf den Punkt gebracht: Die Branche jammert seit Jahren auf extrem hohem Niveau. Beispiel Sony/BMG: Laut "Heise online" sank der Umsatz dieses Joint Ventures im Geschäftsjahr 2005/2006 zwar um knapp ein Prozent, der Nettogewinn stieg aber um 157 Millionen US-Dollar!
Solche Zahlen stehen natürlich nicht in der Bravo oder im Musik-Express, nein, da muss man schon tief im Wirtschafts-Innenteil z.B. der "Welt" graben, um zu erfahren, wie es tatsächlich um die "enormen Verluste" bestellt ist. Dort gibt Maarten Steinkamp, Deutschland- und Europachef von Sony/BMG, unumwunden zu Protokoll, dass die Musikfirma im Jahre 2005 (dem ersten Jahr nach der Sony-BMG-Fusion) 25% mehr Gewinn (!) als Sony Music und BMG im Jahre 2004 zusammen erwirtschaftet hat. Angesichts solcher Zahlen stellt man doch gern eine Rendite (und nur um die geht es nämlich) von 15% in Aussicht.
Diese Sony/BMG-Zahlen spielen sich vor dem Hintergrund der Tatsache ab, dass Steinkamp & Friends in der jüngsten Vergangenheit einer ganzen Reihe Künstlern den Stuhl vor die Studio-Tür gesetzt haben, weil sie ihnen aus ihrer kurzsichtigen Marketingsicht heraus nicht rentabel schienen.
Die Tradition der 60er und 70er, nämlich Künstlern Zeit und Unterstützung zur Entwicklung und damit auch zweite Chancen einzuräumen, ist diesen grauen renditeorientierten Herren fremd wie ein guter Song. Alles, was nicht gleich in den Kinderzimmern funzt und sich zu Klingeltönen versimplizieren lässt, wird achtkant rausgekegelt.
Firmen, die sowohl ihre Künstler, von denen sie leben, schlecht behandeln und darüber hinaus ihre Kunden als Feinde und potentielle Rechtsbrecher betrachten, sind es meiner Ansicht nach nicht wert, unterstützt zu werden.
Ich überlege mir heute zweimal, ob ich eine CD kaufen soll, von der ich sicher weiß, dass ein Teil ihres Erlöses z.B. dazu verschwendet wird, immer perfidere Kopierschutzmechanismen zu entwickeln.
Retos Einlassung in Sachen Unrechtsbewusstsein jüngerer Rezipientengruppen kann ich überhaupt nicht unterschreiben. Wie kann ich meinem Sohn glaubhaft etwas über Unrechtsbewusstsein erzählen, wenn sich die kopiergeschützte CD, die er soeben im Fachhandel für teures Geld erworben hat, nicht auf seinem CD-Player abspielen lässt? Oder wenn, wie geschehen, beim Einlegen der CD in den PC illegale Spyware installiert wird? Oder wenn, wie jetzt bekannt wurde, die Firma Sony/BMG gezielt und in krimineller Absicht Radiostationen besticht, um sich Plätze auf deren Playlists zu sichern? (der Staatsanwalt ermittelt übrigens in gleicher Sache auch gegen die Firmen Warmer, EMI und Universal).
Aber wie sieht es denn mit Alternativen aus? Die vielen kleinen innovativ und liebevoll gemanagten Label sind bislang scheinbar nicht in der Lage, sich effektiv und flächendeckend zu vernetzen und alternative Verkaufs- und Vertriebsstrukturen zu entwickeln, die den Großen wirklich gefährlich werden könnten.
Was sicherlich auch daran liegt, dass viele Promis "ihren" Companys in Vasallentreue ergeben bleiben. Wenn es um die Deutschquote, sprich Eigenwerbung geht, sind viele von ihnen vorneweg dabei. Aber die Politik ihrer Companys (öffentlich) kritisch zu werten, oder gar auf Alternativen zu setzen, traut sich dann keiner mehr.
Ich finde es auch schade, dass die vielversprechenden Diskussionen um eine Kulturflatrate offensichtlich im Sande verlaufen sind. Mit so einer flächendeckenden Abgabe aller Internetuser (angedacht war mal 5 Euro pro Monat) könnte man viele, wenn auch nicht alle Probleme lösen. Aber damit würde gleichzeitig auch die Macht der Lobby beschnitten und deshalb wird’s damit wahrscheinlich kurzfristig nichts.
Aber das ist wieder eine ganz andere Baustelle...

Liebe Grüße
*Dirk*
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#10

Beitrag von Klampfenkrieger » Do 23. Feb 2006, 11:58

Ich finde das eine Frechheit. Ich hab nicht viel Geld und kann mir nicht jeden Monat eine neue CD leisten. Ich höre unteranderm auch "die Ärzte" und wenn man sich da mal die Preise ansieht. Da kosten sogar die alten CD noch 16 Euro. Aber das ist ´ne Sache die ja auch an der Band liegt. Aber deutsche Liedermacher sind eine andere Sache.
Ich kenne kaum welche und bin nur durch dieses Forum und Freunde auf die paar Namen gekommen die ich jetzt habe. Das liegt nur daran das sie sich nicht so gut vermarkten lassen wie Tokio Hotel und Co. Aber das muss ja hier eigentlich nich erwähnen denke ich.
Jetzt wollen sich auch noch die Internetradios beschneiden? wo soll das denn noch enden. In einem Jahr muss ich wohl auch noch aufpassen wenn ich was bei meinen Freunden auf der Gitarre spiele. Weil ich die zahllosen Anträge nicht vollständig ausgefüllt habe? :gruebel:
Was mich aber wirklich sauer macht ist die Hilflosigkeit vor der ich stehen. Was kann man da mavhen ausser abwarten? Ich bin eigentlich nicht der Typ der Abwarten will. Aber hier bleibt wohl nichts anderes Übrig :-(
Ich bin ja mal gespannt was da noch auch uns zukommt.
LG Malor
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#11

Beitrag von Skywise » Do 23. Feb 2006, 13:31


Malor schrieb:
Ich höre unteranderm auch "die Ärzte" und wenn man sich da mal die Preise ansieht. Da kosten sogar die alten CD noch 16 Euro. Aber das ist ´ne Sache die ja auch an der Band liegt. Aber deutsche Liedermacher sind eine andere Sache.
Weiß ich nicht. Aber sei doch froh, daß Du nicht regelmäßig Zeugs aus dem Ausland importieren läßt ... das geht manchmal ganz schön an die Substanz ... :roll:
Bei Liedermachern ist das vielleicht noch nicht mal so sehr eine andere Sache, wenn ich mir vor Augen halte, daß die "Live '84" von Reinhard Mey immer noch unverschämt teuer ist im Vergleich zu anderen (auch Live-)Alben, die sich schon gern mal ins Sonderangebot verirrt haben. Die "Live '84" hab' ich auf CD noch nie unter 25 Euro gesehen ...
Das liegt nur daran das sie sich nicht so gut vermarkten lassen wie Tokio Hotel und Co. Aber das muss ja hier eigentlich nich erwähnen denke ich.
Da bin ich mir nicht so sicher. Klar, Liedermacher haben in aller Regel ein ganz anderes Publikum als Tokio Hotel ... wenn ich mir überlege, daß auf den letzten Konzerten von TH mal 240 Mädels, mal 120 Mädels kollabiert sind ... ich stell' mir das gerade auf einem Hannes-Wader-Konzert vor ... :-D
Liedermacher muß man anders vermarkten als solche Chartnummern, das ist das Problem. Aber wenn man das richtig betreibt, erreicht man unter Umständen eine Interpretentreue, von der Tokio Hotel derzeit nur träumen können.
Was mich aber wirklich sauer macht ist die Hilflosigkeit vor der ich stehen. Was kann man da mavhen ausser abwarten? Ich bin eigentlich nicht der Typ der Abwarten will. Aber hier bleibt wohl nichts anderes Übrig :-(
Proteste ins Leben rufen. Ich glaube, da formt sich auch schon was. Wenn ich was Konkretes weiß, gebe ich mal Bescheid.
Gruß
Skywise
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#12

Beitrag von greymagicvoice » Do 23. Feb 2006, 18:54

Hallo,
diese Diskussion wird ja immer wieder an vielen Stellen im Netz geführt. Ich möchte mal ein kleines Beispiel für eine gelungene Alternative erzählen. Wenn man nicht auf jeden durchs Dorf getriebenen Esel aufspringen will/muss und es einem - wie mir beispielsweise - nur darum geht, aus den Genres, die man mag, gut gemachte, frische und unverbrauchte Musik zu hören, dann lohnt sich ein Blick nach www.magnatune.com, die mit dem Slogan "We are not evil" werben. Deren Geschäftsmodell ist denkbar einfach: die gesuchte oder gewünschte Musik kann komplett vorher online angehört werden, kann zum privaten Gebrauch gekauft oder für gewerbliche Zwecke lizensiert werden und man zahlt einen selbst gewählten Preis - was die Musik einem selbst eben wert ist - und die Künstler erhalten genau die Hälfte des Preises, die andere Hälfte Magnatune.
Wie gesagt, die gerade angesagten oder hippen Trällertussen oder meschuggen japanischen Hotelbewohner mit therapiepflichtigem Getue erhält man dort nicht. Wer sowas aber gar nicht erst sucht, wird für gutes Geld mit sehr guter Musik versorgt. Ich jedenfalls bin zufrieden.
So, wenn das nicht auch Schleichwerbung war ... ;-)
freundliche Grüße an alle
bis bald
hier oder woanders
Stephan
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#13

Beitrag von Skywise » Fr 24. Feb 2006, 00:09

Nun ja, ein paar vernünftige Leute scheint es noch zu geben.
Wie man hier nachlesen kann, wurden die Forderungen bezüglich Internetradio bereits abgeschmettert. Der Rest der Forderungen steht zwar anscheinend noch, aber immerhin ...
Gruß
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#14

Beitrag von migoe » Fr 24. Feb 2006, 11:00

Hallo lieber Stephan,
Wenn man nicht auf jeden durchs Dorf getriebenen Esel aufspringen will/muss und es einem - wie mir beispielsweise - nur darum geht, aus den Genres, die man mag, gut gemachte, frische und unverbrauchte Musik zu hören, dann lohnt sich ein Blick nach www.magnatune.com, die mit dem Slogan "We are not evil" werben.

vielen Dank für diesen grandiosen Netztipp - macht Laune da reinzuhören...
migoe
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#15

Beitrag von Klampfenkrieger » Fr 24. Feb 2006, 13:53

Hey Stephan,
da kann ich mich nur dem Webmaster anschließen: spitzen alternative ;-)
LG Malor
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#16

Beitrag von Piet » Di 28. Mär 2006, 15:41

Hallo,
im Kölner Stadtanzeiger wird heute über den Streit der GEMA mit der Musikindustrie wegen der Vergütung der Autoren berichtet. Es geht in diesem Beitrag auch um die nach Meinung der GEMA ungenügende Berücksichtigung der Autoren im Gesetzgebungsverfahren zum neuen Urheberrechtsgesetz.
Ich denke, dieser Artikel interessiert Euch auch :-) .
Link: http://www.ksta.de/html/artikel/1143027860552.shtml
LG
Piet
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