Corona und die Musikbranche

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Rex2005 hat dieses Thema gestartet
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Corona und die Musikbranche

Beitrag von Rex2005

#21

migoe hat geschrieben: Mo 17. Aug 2020, 12:56 Ich kenne Menschen, die sagen, dass Künstler keinen Anspruch auf staatliche Hilfen oder Kredite haben sollten, um die Krise zu überstehen, weil sie sich bewusst für die "Selbstständigkeit" entschieden hätten und das dann "dazu gehören würde", sich alleine duchzuschlagen. Wer diesen Weg wählt, müsste halt damit rechnen, auch mal eine Krise zu überbrücken
Im Prinzip sehe ich Künstler auch als selbständige Unternehmer, die den Regeln des Marktes ausgesetzt sind. Sie müssen sich ebenso dem Angebot und der Nachfrage stellen, sich kranken-und rentenversichern und ihre Familien ernähren. Wenn es speziell für diese Corona-Zeit staatliche Hilfen gibt, muss es auch für alle Künstler Hilfe geben. Aber ich sage auch, was für alle anderen Unternehmer und Einzelselbständige gilt - wenn es nicht reicht, gibt es für alle und zu den gleichen Bedingungen Sozialhilfe, die jeder in Anspruch nehmen kann. Es gibt unzählige Männer und Frauen, die von anderen Jobs geträumt haben, als den, den sie vielleicht zur Zeit oder schon jahrelang machen, um einfach nur Miete und sonstige Kosten zu bezahlen und trotzdem auch noch auf Sozialhilfe angewiesen sind. Ich finde es manchmal gerade von Künstlern sehr überheblich und arrogant, zu sagen, Sozialhilfe beantragen wäre unter ihrer Würde. Heißt es doch, dass sie Teile ihres Publikums für würdelos halten. Was aber Corona sehr deutlich macht und dringend notwendig erscheint, ist das sich Künstler in einem (großen) Berufsverband organisieren müssen, um eine Lobby zu haben. Dazu fehlt eigentlich auch eine Definition, wer sich Künstler nennen darf und wer nicht. Es gibt ja nicht wenige - z.B. Musiker, die irgendwo für knapp 500 € angestellt sind um versichert zu sein, ansonsten aber selbständig sind. Da dürfte es schwierig sein, wenn man sich die vielen Egos vorstellt und die vielen Bereiche vom Kleindarsteller bis zum Großveranstalter, die unter einen Hut gebracht werden müssten. Die momentane Situation ist vergleichbar mit der Wende als die Künstler auch von einem Tag auf den anderen ohne Auftritte da standen. Da waren nur die ostdeutschen Künstler nicht systemrelevant, heute müssen alle erkennen, dass sie dem Staat und der Politik nichts aber auch gar nicht bedeuten.
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Viktor
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Corona und die Musikbranche

Beitrag von Viktor

#22

Hallo zusammen,

das Bundesministerium für Gesundheit hat kürzlich in vielen Zeitungen eine Anzeige geschaltet, über die ich jetzt in den sozialen Medien mehrmals gestolpert bin, weil Kulturschaffende in wirtschaftlichen Notlagen sich darin verhöhnt fühlen.

Das Motiv: Ein Künstler entspannt auf dem Rücken mit Gitarre zwischen anderen Instrumenten.
Tagline: "Ich will mein Publikum wieder live erleben. Dafür halt ich mich jetzt an AHA."
(AHA= Abstand/Hygiene/Alltagsmaske)
:abstand: :haendewaschen: :maske:

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Die hauptsächlichen Kritikpunkte, die ich so aufgeschnappt habe:
- "jetzt" hält der Beispielkünstler sich an die Regeln -- Das erweckt den Eindruck, als wäre er die gesamten Monate bislang verantwortungslos gewesen
- Wunsch nach Publikumserlebnis kommt eher als Vergnügung rüber, wobei es doch für viele um berufliche Existenz geht

Was meint ihr?

Schade ist es ja schon, dass mit so wenig Feingefühl gearbeitet worden ist - und das Marketingbudget wächst ja auch nicht auf Bäumen, sondern stammt aus Steuergeldern. Wer ist überhaupt die Zielgruppe? Künstler*innen, denen bislang nicht klar ist, worum es geht?

Ich will immer gern dem verallgemeinernden Politikerbashing etwas entgegenhalten, aber die Verantwortlichen machen es einem nicht gerade einfach.
Erst kürzlich wurde der Beruf meiner Freundin, die Gesundheits- und Krankenpflege, mit der teuer produzierten Unterhaltungssendung "Ehrenpflegas" vom selben Ministerium total verblödet dargestellt: Scheint ein Dauerbrenner zu sein, dass Fachleute vorher nicht gefragt werden...?

Viele Grüße
Viktor
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Marc
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Corona und die Musikbranche

Beitrag von Marc

#23

Lieber Viktor!
Viktor hat geschrieben: Mo 7. Dez 2020, 09:45 Das Motiv: Ein Künstler entspannt auf dem Rücken mit Gitarre zwischen anderen Instrumenten.
Tagline: "Ich will mein Publikum wieder live erleben. Dafür halt ich mich jetzt an AHA."
(AHA= Abstand/Hygiene/Alltagsmaske) [...]

Was meint ihr?
Ach, wie sagte schon Ulrich Roski: Man darf das alles nicht so verbissen sehen. Sollte es tatsächlich einen einzigen musikbegeisterten Menschen da draußen geben, der durch diese trottelige Anzeige zum Nachdenken angeregt worden ist, sich an „AHA“ zu halten, hat die Anzeige doch etwas bewirkt.

„AHA“ ist in der Region Hannover übrigens die Abkürzung für ein Entsorgungsunternehmen; ich denke bei „AHA“ immer zuerst an die Müllabfuhr und daran, den Papiermüll donnerstags an die Straße zu stellen...

Liebe Grüße
Marc
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Corona und die Musikbranche

Beitrag von migoe

#24

Hallo Viktor,
Viktor hat geschrieben: Mo 7. Dez 2020, 09:45 Was meint ihr?

Schade ist es ja schon, dass mit so wenig Feingefühl gearbeitet worden ist - und das Marketingbudget wächst ja auch nicht auf Bäumen, sondern stammt aus Steuergeldern. Wer ist überhaupt die Zielgruppe? Künstler*innen, denen bislang nicht klar ist, worum es geht?
ich musste über Deine Frage (n) und darüber, wie ich zu dieser "Kampagne"stehe, erst einmal nachdenken.

Ich möchte den Verantwortlichen nicht unterstellen, sich über die betroffenen Menschen im Kulturbereich lustig machen zu wollen. Eher denke ich, hier fehlt es vollkommen an dem Verständnis darüber, was es für kreative und künstlerisch arbeitende Menschen bedeutet, wenn für sie weder Mitgefühl noch praktische und finanzielle Unterstützung geboten wird in dieser Pandemie.

Aus meiner Sicht zeigt sich hier die absolute Inkompetenz der verantwortlichen Kulturminister*innen des Bundes vor allem aber der Bundesländer, denn ich Deutschland sind vor allem die Länder für die Kunst-und Kulturförderung zuständig. Die haben es allesamt nicht geschafft, die Interessen der Menschen in der Kulturszene innerhalb der Regierungen so zu vertreten, wie es eigentlich ein sollte. Die Eignung für ein Amt zeigt sich halt nicht daran, ob und zu in "normalen" Zeiten über einen roten Teppich zu kaufen oder sich auch mal bei den (beliebigen Namen einfügen, je nach Region, in Bayern z.B. die Wagner)-Festspielen zu zeigen.

Es braucht keine Kampagnen, mit denen versucht wird, Verständnis für Corona-Schutzmaßnahmen zu erreichen, sondern vielmehr Lösungen dafür, dass TROTZ dieser Pandemie Künstler die Möglichkeit haben sollten, ihre Arbeit zu verrichten.

Natürlich weiß jeder vernünftig denkende Mensch, dass der einzige funktionierende Weg, eine potentiell lebensgefährliche hochansteckende Krankheit an der (ungehinderten) Verbreitung zu hindern, ist, das Infektionensgeschehen zu kontrollieren. Wenn das nicht mehr geht, müssen Kontakte eingeschränkt werden. In der Rückschau wird es vielleicht die Erkenntnis geben, dass es für die Bekämpfung einer Pandemie nicht pauschale Kontaktverbote braucht, wenn sichergestellt wird, dass es zu geschützten Kontakten kommen kann, z.B. indem alle Teilnehmer*innen eine FFP2-Maske tragen.

Im Moment hilft nach meiner Überzeugung zunächst nur der Lockdown und jetzt muss aber unbedingt an Lösungen für die Zeit danach gearbeitet werden. Und auf keinen Fall darf weiterhin Geld verschwendet werden mit solchen Plakaten und Spots!

Ui, jetzt bin in ich selber überrascht, wie schwer es ist, sich bei diesem Thema festzulegen, weil es halt auch keine Erfahrung dazu bei uns gibt und solange man sich mitten in einer Welle des expotentiellen Wachstums befindet, bleibt einem ersteinmal nichts anderes übrig als abzuwarten, bis diese Welle vorbei ist. 😯
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Corona und die Musikbranche

Beitrag von migoe

#25

Bin heute bei YouTube auf dieses Video von Melanie Haupt gestoßen und finde, es passt als Statement gut hierher

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