Copy kills music - Ist das so ???

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Nordlicht
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Copy kills music - Ist das so ???

#1

Beitrag von Nordlicht » Sa 25. Okt 2008, 20:34

Hallo, Ihr Lieben !
Am 9. November steht mir das Linzer Konzert von Reinhard Mey im hiesigen 'Bruckner- Haus' bevor, und wie ich es in den vergangenen Jahren auch immer gemacht habe, so höre ich aus diesmal schon ein wenig vorher wieder ins Material des Künstlers hinein. Gerade so um die Zeiten des Konzerts herum (...und auch so um die Gegend der LT´s...) ist das eine gute Gelegenheit, sich wieder ein wenig vertrauter mit dem Repertoire zu machen, auch wenn man doch schon erhebliche Teile desselben quasi "im Schlaf" mitsprechen kann. (Vom "mitsingen" will ich hier garnicht reden, da fehlt mir vermutlich ein Gen...). Wobei ich auch zugeben muß, daß mir die richtig alten Sachen mehr liegen als diejenigen der letzten 2 oder 3 CD´s. Nun ist DAS aber nicht mein heutiges Thema. Sondern: Anläßlich so eines CD- Regal- Checks fiel mir auf einer zugegebenermaßen älteren CD von Reinhard Mey der Zusatz "kopiergeschützt" auf, verbunden mit dem Hinweis auf die Aktion "Copy kills music".
Nun weiß ich, daß wir dieses Thema an dieser Stelle schon oft diskutiert haben, insofern wäre das ja alles nichts Außergewöhnliches. Allerdings habe ich ziemlich zeitgleich auch ein wenig im ORF- Forum geblättert, und dortselbst fiel mir dann der folgende Artikel ins Auge:

"'EFF’: 'RIAA’ mit Klagewelle gescheitert
Die US-Bürgerrechtsorganisation 'Electronic Frontier Foundation' (EFF) hat eine umfangreiche Analyse der Klagewelle veröffentlicht, die die US- Musikindustrie über Filesharer hereinbrechen hat lassen. Laut 'EFF' ist die Industrie damit gescheitert.
Die 'EFF’ veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht unter dem Titel "RIAA vs. The People - Five Years Later", in dem sie das rechtliche Vorgehen der US-Musikindustrielobby 'Recording Industry Association of America’ (RIAA) gegen US-Filesharer seit 2003 analysiert.
Die 'RIAA’ habe es zwar geschafft, die Politik dazu zu bewegen, ihr genehme Gesetze wie den ‚Digital Millennium Copyright Act’ (DMCA) zu verabschieden, sei aber mit der Klagewelle gegen rund 30.000 US- Filesharer in den vergangenen fünf Jahren gescheitert.
Unter Berufung auf Statistiken der Marktforschungsinstitute 'Big Champagne’, 'BayTSP’ und 'NPD Group’ sei die durchschnittliche Anzahl der User in Filesharing- Netzwerken trotz des harten Vorgehens der 'RIAA’ seit dem Start der Klagewelle im September 2003 von rund 4,5 Millionen gleichzeitigen Usern auf rund 9,35 Millionen (2007) gewachsen.
Strategie gescheitert
Die Strategie der "Education by Lawsuit", also der Klagen gegen die individuellen User, sei damit gescheitert, so die 'EFF’. Sie habe nur dazu geführt, daß die harten Fans auf Tauschmethoden ausweichen würden, die schwerer zu kontrollieren seien als 'P2P’- Netzwerke. Zu gesicherten Systemen wie 'DirectConnect’, 'WASTE’, 'AllPeers’ und 'Wuala’ würden die Fahnder der Musikindustrie nur schwer Zutritt bekommen.
Außerdem könnten die Fans die Musikdateien schlicht auf CD brennen und die physischen Datenträger tauschen. Immerhin 20 Prozent der Downloader hätten Musik auch schon von den MP3- Playern ihrer Freunde herunterkopiert, so die 'EFF’.

Alternative Lösungen
Legale Download-Angebote wie 'iTunes’ seien nur "ein Tropfen auf den heißen Stein", so die Bürgerrechtler, die feststellen, daß in den USA 95 Prozent der Musik aus dem Internet ohne Lizenz heruntergeladen werden (Stand: Januar 2008). Der Zwang zur Verwendung von 'DRM’- Systemen würde den Erfolg lizensierter Download- Portale behindern.
Die 'EFF’ schlägt daher einmal mehr das Konzept der Kultur- Flatrate vor. Die User, die Musik herunterladen wollten, sollten fünf Dollar pauschale Lizenzgebühr im Monat an eine zentrale Verwertungsagentur zahlen, die das Geld dann an Industrie und Künstler weiterleiten würde. Auch US- Universitäten, die mit ihren Campus- Wohnheimen gerne ins Visier der Musikindustrie- Anwälte gerieten, könnten so einfach Generallizenzen abschließen. Recht und Ordnung seien wiederhergestellt.
Digitale Kontrolleure
Die Gebühr solle aber vom User bewußt bezahlt und nicht einfach von den Breitbandkosten abgeführt werden. Letzteres würde nicht zu mehr Transparenz im Geldfluß der Musikindustrie und der Verwertungsgesellschaften führen.
Es sei auch in einem solchen Szenario unter Umständen notwendig, Verstöße von Usern vor Gericht zu verhandeln. Die EFF vergleicht das mit Kontrollen in öffentlichen Verkehrsmitteln.
(Donnerstag, den 02. Oktober 2008 * Quelle: http://futurezone.orf.at/it/stories/311645/)"


Triumph !!! Das habe ich ja schon immer gesagt... könnte ich jetzt sagen. Sag ich trotzdem nicht. Aber zu denken geben sollte einem das schon. Wenigstens der Musik- Industrie. Denn nachdem das in den USA so aussieht, wird es in Europa zumindest ähnlich sein. Auch hier haben ja die größeren Musikverlage alerte und smarte Anwälte losgeschickt, die mit abstrus überzogenen Forderungen gegen 15- jährige Tauschbörsen- Nutzer zu Felde ziehen.
Leider haben ja auch die vergangenen Bundesregierungen, gleich welcher politischen Coleur, ihren Kotau vor der Industrie gemacht und das Urheberrecht immer wieder an die (wohl wirtschaftlichen) Erfordernisse der großen Verlage angepaßt.
Einen der wenigen Lichtblicke habe ich da vor kurzem dem "SPIEGEL" entnehmen können: Seit dem 1. Oktober gibt es in einigen deutschen Bundesländern zwar keine gesetzliche Regelung, wohl aber eine Absprache unter den Staatsanwaltschaften, die dem unsauberen Treiben der hohen "Schaden"ersatzforderungen einen Riegel vorschiebt. Danach wird dem Verlangen der Musik- Industrie nach strafrechtlichen Ermittlungen gegen o.g. User Einhalt geboten. Eine strafrechtliche Seite hat nach Ansicht der Juristen der "ilegale Download" nur dann, wenn durch das Nutzen von Tausch- Börsen ein "Schaden" von mehr als 3.000,-- € entsteht, wobei ein Song einen Wert von 1,-- € und ein Film oder Spiel den Wert von 15,-- € darstellt. Erst bei diesen Summen wird von einer "kommerziellen" Straftat ausgegangen, für die die Justiz auch zuständig ist. Natürlich läuft die Industrie Sturm gegen diese Entscheidung, allerdings bislang ohne Erfolg. Und da im Rahmen der Rechtssicherheit die Anzeichen dafür stark sind, daß die Regelung bundesweit Anwendung finden wird, gibt es wohl Hoffnung, daß die Gerichte wieder mehr für den Bürger und weniger für die Industrie entscheiden werden.
Meine Meinung diesbezüglich ist bekannt: Solange die Musik- Industrie Unsummen für Marketing, für Verträge mit Künstlern über noch nicht einmal konzipierte Musik, für unnötigen Schnick- Schnack ausgibt, solange die Qualität der produzierten Musik immer mehr sinkt, solange CD´s mit Produktionskosten von max. 5,-- € zu Preisen von rd. 20,-- € im Regal stehen - solange werde ich mir Musik, die mir gefällt - und ich meine hier einmal ausdrücklich die aktuellen Charts !!! - jedenfalls NICHT im Laden kaufen. Und Musik, die mir gefällt - als Beispiele dienen mir da mal Mey, Hoffmann oder auch Söllner - werde ich weiterhin käuflich erwerben, weil mir das Produkt den Preis wert ist. Und jeder, der genauso denkt und entsprechend handelt, hat mein volles Verständnis.
So, genug geschimpft. Habe ich übrigens schon erwähnt, daß ich mich aufs RM- Konzert am 9. November in Linz freue ??? In diesem Sinne viele liebe Grüße aus Ober- :ösi: von
ANDREAS.

(...der sein eingespartes Geld viel lieber in die Reisekasse für´s LT steckt...)
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#2

Beitrag von Skywise » Sa 25. Okt 2008, 21:42


Nordlicht schrieb:
Leider haben ja auch die vergangenen Bundesregierungen, gleich welcher politischen Coleur, ihren Kotau vor der Industrie gemacht und das Urheberrecht immer wieder an die (wohl wirtschaftlichen) Erfordernisse der großen Verlage angepaßt.
Das Urheberrecht war eigentlich schon immer auf die wirtschaftlichen Interessen diverser natürlicher oder juristischer Personen ausgerichtet. Das erkennt man schon allein daran, daß es dem Urheber zwar das Recht einräumt, an seinem Stück etwas zu verdienen, aber nicht das Recht, gegen Leute oder Organisationen vorzugehen, die ihr Stück nutzen, sofern gewisse Grenzen beachtet werden. Davon können Reinhard Mey oder Hannes Wader sicherlich auch ein Lied singen; letzterer tut es ja sogar ...
Meine Meinung diesbezüglich ist bekannt: Solange die Musik- Industrie Unsummen für Marketing, für Verträge mit Künstlern über noch nicht einmal konzipierte Musik, für unnötigen Schnick- Schnack ausgibt, solange die Qualität der produzierten Musik immer mehr sinkt, solange CD´s mit Produktionskosten von max. 5,-- € zu Preisen von rd. 20,-- € im Regal stehen - solange werde ich mir Musik, die mir gefällt - und ich meine hier einmal ausdrücklich die aktuellen Charts !!! - jedenfalls NICHT im Laden kaufen. Und Musik, die mir gefällt - als Beispiele dienen mir da mal Mey, Hoffmann oder auch Söllner - werde ich weiterhin käuflich erwerben, weil mir das Produkt den Preis wert ist. Und jeder, der genauso denkt und entsprechend handelt, hat mein volles Verständnis.
Nun gut, dann darfst Du Dich allerdings nicht wundern, wenn Du bald kein Ladengeschäft mehr hast, das Dir Mey, Hoffmann, Söllner etc. verkauft, denn der größte Teil der "übrigen 15 Euro" geht tatsächlich an Staat, Transporteure und die Händler, nicht an die Musikindustrie.
Hatten wir meines Wissens schon mal in diesem Forum, aber ich poste die Grafik gerne noch einmal:

Nochmal zum Thema:
eines der wesentlichen Probleme, die immer wieder unter den Tisch gekehrt werden, ist bei solchen Angelegenheiten wie einer "Kulturflatrate" schlicht und ergreifend, daß das Internet umfangreich ist. Sehr umfangreich. Man kann sogar von "weltumspannend" ausgehen. Ich schätze mal, momentan haben wir auf der Erde um die 7 Milliarden Menschen, von denen etwa 1,2 Milliarden auf das Internet zugreifen können. Diese leben in derzeit um die 200 Staaten mit unzähligen Unterteilungen wie Länder oder Regierungsbezirke etc. Dazu noch ein paar freie Radikale ...
Für wen oder was würde nun diese Kultur-Flatrate gelten und wie würde man die abrechnen? Wenn ich mir von einem russischen Server von einem User, der in Usbekistan sitzt, ein Stück eines Künstlers aus Burkina Faso zerre, das von einer CD stammt, die nur in Südafrika aufgelegt, allerdings vom besagten Usbeken während eines Chile-Urlaubs käuflich erworben wurde ... welches Urheberrecht gilt da und wer wäre durch die Einnahmen der Kultur-Flatrate zu entlohnen? Oder müßte überhaupt jemand entlohnt werden, wenn sich herausstellt, daß der Künstler, der mittlerweile in die USA emigriert ist, den Titel kostenlos auf einem mexikanischen Server zum Runterladen bereitgestellt hat?
In freudiger Erwartung einer Antwort
grüßt
Skywise :-D
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#3

Beitrag von Reino » So 26. Okt 2008, 02:13


Nordlicht schrieb:
Meine Meinung diesbezüglich ist bekannt: Solange die Musik- Industrie Unsummen für Marketing, für Verträge mit Künstlern über noch nicht einmal konzipierte Musik, für unnötigen Schnick- Schnack ausgibt, solange die Qualität der produzierten Musik immer mehr sinkt, solange CD´s mit Produktionskosten von max. 5,-- € zu Preisen von rd. 20,-- € im Regal stehen - solange werde ich mir Musik, die mir gefällt - und ich meine hier einmal ausdrücklich die aktuellen Charts !!! - jedenfalls NICHT im Laden kaufen.
Keiner zwingt dich, irgendetwas zu kaufen. Wenn du aber von der Qualität der Musik und des Angebots das Recht ableitest, Musik, die dir nicht so gut gefällt, zu klauen, hast du ein seltsames Verständnis von einem Rechtsstaat.
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#4

Beitrag von Keef1 » So 26. Okt 2008, 07:29

Ich bin in dieser Geschichte ganz klar der Ansicht, dass Kopieren nicht killt. Früher wurde LPs auf Cassette kopiert, heute halt gebrannt. Früher kosteten Eintrittskarten, selbst wenn man die Inflation mitberechnet, nicht die Hälfte von heute.
Man kann sicherlich davon sprechen, dass die Brennerei den CD Verkauf gebremst hat. Sicherlich hat hier die Industrie auch geschlafen, als es um den Onlineverkauf von Musik ging (wobei ich persönlich immer noch Silberlinge kaufe und mir die derzeit überall zu lesende Einstellung von AC/DC gefällt). Aber: Im Gegensatz dazu wurden auch viel weniger Tickets verkauft. Das große Geld machen die Künstler doch heute über Tourneen. Früher wurden damt die aktuellen CDs/LPs beworben, heute ist eher umgekehrt, dass eine neue CD auf den Markt kommt, um ein neues Liveprogramm präsentieren zu können.
Klar, jeder Künstler will mit seinen Werken Geld verdienen. Aber: ist nicht jeder Künstler, zumindest zu Beginn seines Schaffens, daran interessiert, dass möglichst viele seine Lieder überhaupt hören? Und genau da ist das Internet und die Brennerei doch das perfekte Vehikel. Und will nicht jeder Musiker möglichst vor vielen Leuten seine Musik live spielen? Darum geht es doch im eigentlichen Sinne und genau das wird doch im Moment erreicht.
Wenn sich die Plattenfirmen irgendwann mal dem Markt anpassen und nicht dem Trend meilenweit hinterherlaufen würden, wäre das Gejammer halb so groß.
Mich hat bei originalen CDs immer gewurmt, wenn ich als Besitzer diese nicht in ein neues Format (MP3) bringen konnte wegen des Kopierschutzes. DAS hat mich schon mehrfach vom Kauf abgehalten, wobei ich eigentlich immer noch ein fleißiger CD Käufer bin.
K.
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#5

Beitrag von Skywise » So 26. Okt 2008, 09:45


Keef1 schrieb:
Ich bin in dieser Geschichte ganz klar der Ansicht, dass Kopieren nicht killt. Früher wurde LPs auf Cassette kopiert, heute halt gebrannt.
Das "halt" gefällt mir in diesem Satz irgendwie nicht.
Wenn man früher eine LP auf Cassette kopiert hat, konnte man diese Cassette vielleicht nochmal kopieren. Und dann von dieser Kopie noch einmal, bei jeder weiteren Stufe wurde die Qualität langsam ziemlich ohrenfeindlich. Will sagen: in den allermeisten Fällen konnte man von einem kopierten Bändchen mit nur wenigen Schritten zur Quelle, sprich: dem Original gelangen, der Streufaktor war vergleichsweise gering. Bei dem Kopieren von CD zu CD ist das nicht so - hier hat selbst die 295. kopierte Generation dieselbe Qualität wie der Original-Tonträger. Das senkt natürlich die Bereitschaft, sich nach einer Kopie auch ein Original zuzulegen.
Wenn wir jetzt noch das Internet als "digitales Kopiergerät" mit einschließen, wird die Sache langsam richtig fies, denn es ist ja nicht so, daß man - wie früher bei der LP - das Material einem Kreis von 30, 40 Leuten zur Verfügung stellen könnte, sondern hier stellt man es mal eben vielleicht einer Million Tauschbörsennutzer auf der ganzen Welt zur Verfügung.
Ich bin nicht so naiv zu glauben, daß jedes gezogene Album einem verkauften entspricht. Aber ich denke, daß sich doch ein nicht zu verachtender Prozentsatz das Album schlicht aus Kostengründen illegal zieht, um sich stattdessen ein paar andere Konsumgüter zu leisten.
Man kann sicherlich davon sprechen, dass die Brennerei den CD Verkauf gebremst hat. Sicherlich hat hier die Industrie auch geschlafen, als es um den Onlineverkauf von Musik ging
Da wäre ich mir noch nicht mal sooo sicher.
Es gab schon Modelle, allerdings auch hier: wie versorgt man 200 Staaten mit 200 Rechts- und Bankensystemen adäquat mit Musiktiteln? Zumal man davon ausgehen kann, daß das natürlich gewachsene Netz der Plattenfirmen ziemlich komplex ist ... Eine Plattenfirma kann nur das online stellen lassen, woran sie die Rechte besitzt. Nun gibt es aber einige vertraglich bedingte Probleme, wenn ein Künstler, der im Land A bei der Plattenfirma X unter Vertrag steht, im Land B von der Plattenfirma Y vertreten wird und im Land C von der Plattenfirma Z.
Hinzu kommt, daß jede einzelne Plattenfirma (und auch davon gibt's nun wirklich genug auf unserem Globus) unterschiedliche Vorstellungen und Möglichkeiten hat, was die Präsentation ihres Künstlers angeht, daher wird man nicht alle Plattenfirmen unter einen Hut kriegen. Es wird aus diesem Grund so schnell keine Plattform geben, über die man wirklich alle Stücke aller Künstler beziehen kann. Und ich glaube nicht, daß sich ein Konsument vorher wirklich Gedanken darüber machen will (oder kann), welche Stücke er von welchem Portal runterziehen kann.
Abgesehen davon: man kriegt's doch auch bequem und kostenlos und in derselben Qualität über die illegalen Quellen. Hat man wieder Geld gespart, das man in andere Konsumgüter stecken kann. Super.
Aber: Im Gegensatz dazu wurden auch viel weniger Tickets verkauft. Das große Geld machen die Künstler doch heute über Tourneen.
Das große Geld machen vielleicht die großen Künstler über Tourneen. Wenn ich mich auf Tourneekonzerten mit sage und schreibe fünf zahlenden Zuhörern im Publikum rumtreibe, glaube ich nicht, daß der Künstler auf der Bühne sich vor lauter Reibach in der nächsten Zeit zur Ruhe setzen kann.
Jetzt mal abgesehen davon: derjenige, der für die Ticketpreise verantwortlich ist, ist eigentlich der *Veranstalter*. Es ist auch schon vorgekommen, daß ein Künstler in einem eigentlich viel zu kleinen und viel zu vollen Saal für 1 x Appel + Ei auf der Bühne stand, während sich der Veranstalter durch ein kurzfristiges Anheben der Eintrittspreise im Hintergrund die Hände reiben konnte.
Früher wurden damt die aktuellen CDs/LPs beworben, heute ist eher umgekehrt, dass eine neue CD auf den Markt kommt, um ein neues Liveprogramm präsentieren zu können.
Ich glaube, das war eigentlich schon immer so. Oder zumindest so ähnlich. Platte - Tournee ... das waren meistens zwei Seiten ein- und derselben Medaille.
Klar, jeder Künstler will mit seinen Werken Geld verdienen. Aber: ist nicht jeder Künstler, zumindest zu Beginn seines Schaffens, daran interessiert, dass möglichst viele seine Lieder überhaupt hören? Und genau da ist das Internet und die Brennerei doch das perfekte Vehikel.
Kann man sich drüber streiten.
Problem Nr. 1: was nutzt es der Nachwuchsband aus Wanne-Eickel (südlicher Stadtteil), daß sie plötzlich jeweils 20 Fans in Canberra, in Kapstadt, in Madrid, in Valparaiso, in Peking, in Tokio und in Dar-es-Salaam sitzen hat? Eigentlich nix, oder? Da halte ich gezielte Werbeaktionen, die auch über eine Plattenfirma erfolgen können, beispielsweise durch das Einbringen eines bestimmten Titels ins Radioprogramm eines dafür geeigneten Senders, bei weitem für interessanter. Insbesondere deshalb, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß diese Fans plötzlich vor ihrer örtlichen Stadthalle stehen und dem Hallenbesitzer vorschlagen: "Buch' mir die!"
Problem Nr. 2: das Internet ist unüberschaubar. Wie finde ich unter den unzähligen Angeboten eine viel versprechende Nachwuchsband? Ich bräuchte Suchbegriffe. Und wahrscheinlich viel, viel Geduld, um den ganzen Scheißdreck auszusondern, den irgendwelche musikalischen oder intellektuellen Billigheimer ins Internet einstellen, sei es, weil sie sich einen Spaß machen wollen, weil sie zeigen wollen, wie dick ihre Eier sind, oder weil sie aus unerfindlichen Gründen tatsächlich glauben, daß sie mißverstandene Genies sind.
Und will nicht jeder Musiker möglichst vor vielen Leuten seine Musik live spielen?
Nö.
Oder vielmehr: *kann* jeder Musiker seine Musik live spielen?
- Nicht jeder Komponist ist ein Virtuose. Beethoven hat ein schönes Violinkonzert geschrieben, konnte aber nicht Geige spielen, Joaquin Rodrigo hat mit seinem "Aranjuez" eines der berühmtesten Konzerte für klassische Gitarre geschrieben, konnte aber nicht Gitarre spielen.
- Ich habe hier drei, vier Alben rumstehen, die von geistig oder stark körperlich behinderten Musikern eingespielt wurden (ich meine jetzt die medizinisch anerkannten, nicht irgendwelche Schwachmaten). Wollen die ihre Musik wirklich live spielen?
- Es gibt Künstler, die tragen ihre Musik aus verschiedenen Quellen zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Enigma alias Herr Cretu dürfte da noch einer der bekanntesten Vertreter sein. Eine Enigma-Tournee gab es bislang allerdings meines Wissens nicht. Wahrscheinlich, weil die Musik zu komplex ist, um sie vernünftig in Szene zu setzen. Und alleine, um einem Sampler und einem Rechner bei der Arbeit zuzusehen, dürften die wenigsten bereit sein, Geld in Eintrittskarten zu investieren ...
- Es gibt Musik, die man im Studio mit einer weit größeren Besetzung (z. B. einem Orchester) einspielen konnte. Nimm mal ein Orchester mit auf Tournee.
- Es gibt genügend Künstler, die so stark unter Lampenfieber leiden, daß sie der Bühne längst den Rücken gewandt haben.
- Und gibt es nicht auch Künstler, die mittlerweile gar nicht mehr auftreten können, weil sie zwischenzeitlich zu alt geworden, wenn nicht sogar gestorben sind?
Wenn sich die Plattenfirmen irgendwann mal dem Markt anpassen und nicht dem Trend meilenweit hinterherlaufen würden, wäre das Gejammer halb so groß.
Das Gejammer ist groß, richtig. Aber vor allem deshalb, weil "die Plattenfirmen" im Internet nichts, aber auch wirklich gar nichts dem illegalen Ziehen entgegensetzen können außer dem Argument "es ist legaler, wenn ihr Geld ausgebt". Ich betone nochmal: nichts.
Aus illegalen Quellen sind die Titel qualitativ ebenso gut und sie kosten nichts.
Den Plattenfirmen bleibt im Grunde genommen nur, das Material weiterhin auf Tonträger rauszugeben - denn diese haben einen entscheidenden Vorteil: den Klang.
Aber wenn ich sehe, wie viele sich von ihrem Ei-Pott die Ohren vollquäken lassen, glaube ich nicht, daß die Klangfanatiker unter den Musikkunden in der Überzahl sind.
Gruß
Skywise
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#6

Beitrag von Reino » So 26. Okt 2008, 20:02

Skywise hat es mit seinem Beethoven-Beispiel schon angerissen:
Es gibt Interpreten und Komponisten. Und die Komponisten werden für ihre Arbeit bei Livekonzerten sehr schlecht vergütet. Es ist für sie praktisch unmöglich, von ihrer Arbeit zu leben, wenn sie das ausschließlich von Aufführungstantiemen müßten (außer, eine Komposizion wird gleich von 10 und mehr Interpreten in aller Welt ständig aufgeführt).
Auch von den vielen Radiostationen profitieren sie nur, wenn ihre Musik in den wenigen großen Sendern ebenfalls gut präsent ist. Wenn eine Country- oder Gothicband in einigen regionalen Sendern rauf- und runtergespielt wird, kriegen die Komponisten keinen Pfennig, da die Radiotantiemen einfach dem Gesamttopf zugeschlagen werden und unter den Autoren, die in ARD und RTL gespielt werden, verteilt werden.
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#7

Beitrag von Siegesmund » Mo 27. Okt 2008, 12:51

Copy kills music...
Ich finde allein die Aussage schon dämlich.
Kopieren tötet vielleicht die Industrie hinter der kommerziellen Musik (oder verletzt sie empfindlich), aber Musik selber, als künstlerischer Ausdruck, wird so nicht "getötet".
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#8

Beitrag von Reino » Mo 27. Okt 2008, 14:46

Es entzieht aber den Musikern die berufliche Grundlage.
Das Schließen von Theatern hat auch Auswirkungen auf den Schauspielerberuf.
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#9

Beitrag von Siegesmund » Mo 27. Okt 2008, 15:00

Grundsatzfrage: Ist das Aufnehmen von Tonträgern und deren Verkauf wirklich die berufliche Grundlage eines Musikers?
Ist es nicht eher der Auftritt vor Publikum, der jede einzelne Vorstellung einzigartig macht?
Daher hinkt dein Vergleich mit der Schließung von Theatern meiner Meinung nach. Beim Film würde er passen.
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#10

Beitrag von Recky » Do 30. Okt 2008, 09:34

Moin Mario, Hallo Leute,
OK, das Thema kommt immer wieder auf, auf diesem Forum und sonst wo in meinem Leben. Das meiste ist so gut von Skywise gesagt worden, dass ich es nicht wiederholen muss.
Grundsätzlich: Geht man in einen Schuhladen, sagt sich "die finde ich ganz gut, keine Klassiker, aber ganz OK", steckt die Schuhe in die Tasche und geht nach Hause ohne zu bezahlen? Die meisten von uns tun das wohl nicht, weil ihre anerzogene Moral das verbietet.
Ich finde es zum Kotzen, dass es in Deutschland so wenig Anerkennung der Kunst gibt. Zwar wird nicht nur in D raubkopiert, aber es grassiert hier, gerade auch unter gut verdienenden Leuten, besonders stark. Alles was subventioniert wird ist gut, der Rest "ein nettes Hobby". Ich höre sowas andauernd.
Künstler, die Reibach auf ihren Touren machen? Vielleicht die Superstars, aber die meisten relativ etablierten verdienen sich ihren Lebensunterhalt und die Rente damit, wenn sie Glück haben - mehr nicht.
Und Mario: Wir kleinen Lichter, die wir versuchen, davon zu leben, brauchen die CD-Verkäufe noch viel dringender als alle anderen. Ich verdiene u.a. Geld mit Produktionen und/oder Songs, die ich für bekanntere Künstler gemacht habe. Das wäre deutlich mehr, wenn nicht alle, die es gar nicht nötig hätten, sich die Musik im Netz oder von Bekannten klauen würden. Es gibt kein Unrechtbewußtsein mehr. Das ist das größte Problem. Das wird verstärkt durch die Kack-Qualität im Mainstream, aber mal ehrlich: der Ursprungs-Poster dieses Threads zieht sich doch keine Boy Bands aus dem Netz!!! Und wer keine 12 bis 18 € (mehr kosten CDs nicht) für ein Album ausgibt, bezahlt auch keine 5 oder 7 € - oder wieviel darf Musik kosten????
Wer Musik stiehlt ist ein Dieb. Ende. Wer auch noch stolz darauf ist, wie der Initiator dieses Threads, sollte seine ethische Einstellung uns Künstlern gegnüber einmal überdenken.
Viele Grüße
Recky

Siegesmund schrieb:
Grundsatzfrage: Ist das Aufnehmen von Tonträgern und deren Verkauf wirklich die berufliche Grundlage eines Musikers?
Ist es nicht eher der Auftritt vor Publikum, der jede einzelne Vorstellung einzigartig macht?
Daher hinkt dein Vergleich mit der Schließung von Theatern meiner Meinung nach. Beim Film würde er passen.
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#11

Beitrag von Mario » Do 30. Okt 2008, 12:08

Hallo,
ja ich gebe allen Recht, die vielen Vorrednern Recht gegeben haben - insbesondere gebe ich Recky Recht, der sagt, dass das Thema immer mal wieder hier oder dort hochpopt.
Ich sehe allerdings selten neue Argumente, wahrscheinlich, weil es die nicht gibt - zumindest nicht, wenn weiter in den etablierten Grenzen gedacht wird.
Warum wird denn eigentlich daran gedacht, dass die Labels ihre Musik über das Internet nur in Form eines neuen Vertriebsweges vermarkten? Unter Verschlafen verstehe ich, dass komplett neue Vermarktungskonzepte entwickelt werden müssten, deren monetärer Ausfluss eben nicht aus dem Verkauf von CDs und Eintrittskarten resultiert. Eine Idee habe ich (ich bitte um Verständnis, dass ich diese zum jetzigen Zeitpunkt hier nicht veröffentlliche). Ich kann mir aber auch noch viele weitere vorstellen. Es gibt sogarr Konzepte, die sich schleichend eingeführt haben, ohne das jemand dies als Konzepte entdeckt (warum soll z.B. ein Künstler nicht an einer "myspace Seite" profitieren, indem er entsprechend seiner hits und die dadurch generierten Werbeeinnahmen partizipiert? Solche Modelle gibt es tatsächlich schon).
Mario
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#12

Beitrag von greymagicvoice » Fr 31. Okt 2008, 12:13

Hallo,
wohl wahr - es ist zu vielem von vielen schon vieles gesagt …
Was alternative Betätigung von Musikfirmen im Internet angeht, könnte ja wieder einmal auf Magnatune verwiesen werden. Aber auch da geht es nicht ganz ohne Bezahlen …
Aus meiner Sicht kommt ein Aspekt regelmäßig zu kurz, der von Recky ganz zum Schluss betont wurde:
es geht nicht um eine gierige Musikindustrie, oder eine pennenden Musikindustrie, die das Internetzeitalter verschlafen hat. Letztlich halte ich das illegale Kopieren von Musik für eine Frage der persönlichen Haltung, des Anstandes und des Respektes vor der Arbeitsleistung eines anderen - völlig egal, ob mir sein Produkt, seine Arbeitsweise oder vielleicht seine Nase gefällt oder nicht.
Kritik an der Preis- und Vertriebspolitik von Plattenfirmen rechtfertigt doch keinesfalls Diebstahl, oder?
Letztlich scheint es, als gäbe es einen eklatanten Mangel an Unrechtsbewusstsein und an Bereitschaft, sein eigenes Handeln an ethischen Maßstäben zu orientieren und dies auch zu reflektieren. Und mit diesem Gedanken kämen wir flugs weg von einer Diskussion um die Musikindustrie hin zu einem Diskurs über Werte und deren Vermittlung in der Gesellschaft. Anfangen könnte man ja damit, dass jeder für sich seine ethischen Maximen überprüft und wie gut oder schlecht es tagtäglich gelingt, nach ihnen zu leben. Ein Threat zu diesem Thema wird aber vermutlich doch dazu führen, dass das LMF auf einen größeren Server umziehen muss :-D
freundliche Grüße
bis bald
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#13

Beitrag von Reino » Fr 31. Okt 2008, 23:33


greymagicvoice schrieb:
Ein Threat zu diesem Thema
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#14

Beitrag von greymagicvoice » Sa 1. Nov 2008, 08:11

:kaputtlach: :kaputtlach: :kaputtlach:
Hallo Reino,
sehr schön, Du hast für einen wunderbar heiteren Tagesanfang gesorgt mit Deinem Hinweis :-)
So kommt's, wenn man's zu schnell und scheinbar sicher aus den Fingern klimpern lässt - 10-Finger-blind ist eben nicht immer ein Vorteil :-D
Also: Thread natürlich :-)
liebe Grüße
bis bald
hier oder woanders
Stephan
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Copy kills music - Ist das so ???

#15

Beitrag von jemflower » Di 4. Nov 2008, 18:42

Ich sage weiterhin persönlich Nein zur gestellten Frage.
Die beklagten Verluste sind hypothetisch und gehen von nicht wirklich vorhersehbaren Prognosen aus.
Ich habe in Cassettenzeiten kopiert, was mir nicht so gut gefiel, dass ich deshalb die ganze LP gekauft hätte. Mein Taschengeld war begrenzt.
Zum anderen kopierte ich das, was es nicht zu kaufen gab, weil es vergriffen, oder einfach nicht zu bekommen war.
Da ist kein Verlust entstanden, weil das Geld sowieso nicht da war. Bei Musik hinkt auch der Vergleich mit Schuhen, wobei ich zugeben muss, dass ich mir Sachen selbst nähe, die ich im Prinzip auch kopiere ;-) Kopieren und klauen ist als schon ein Unterschied.
Kopieren würde dann kriminell, wenn man die Kopien verkaufte.
In dem Augenblick, wo Kopien gekauft werden fließt das Geld, das real jemand bereit war zu bezahlen, nicht in die Tasche derer, denen es zu stände. Da entsteht realer Verlust - klare Sache.
Die Menge Geld, die Konsumenten in der Tasche haben ist ja eigentlich nur einmal da. Am Monatsende haben es viele ausgegeben. Jeder Cent der nicht für eine CD ausgegeben wurde, ging woanders hin.
Wenn jetzt die Musikindustrie das Kopieren unmöglich machte, erlitten die anderen Industrien vermutlich Verluste . Würden die dann die Musikindustrie wegen Umsatzeinbruch verklagen?
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Copy kills music - Ist das so ???

#16

Beitrag von Skywise » Di 4. Nov 2008, 19:47


jemflower schrieb:
Ich habe in Cassettenzeiten kopiert, was mir nicht so gut gefiel, dass ich deshalb die ganze LP gekauft hätte. Mein Taschengeld war begrenzt.
Zum anderen kopierte ich das, was es nicht zu kaufen gab, weil es vergriffen, oder einfach nicht zu bekommen war.
Nun gut, nur - das war anno dazumal, als die Droschken noch durch die Straßen von Berlin fuhren, Paris gerade am Eiffelturm herumschraubte und Königin Victoria in tiefen Wäldern beim Erscheinen eines Hirsches gelobt hat, an eben dieser Stelle einen Bahnhof zu errichten.
Du hast Geld für Cassetten von 60 oder 90 Minuten ausgegeben. Für praktisch dasselbe Geld bekommst Du heute USB-Sticks, auf denen Du mit 128er oder 160er Komprimierung bequem 40, 50 Stunden Musik speichern kannst (4 GB Speicher). Fahr' mal morgens Straßenbahn oder Bus ... solche Sätze wie "Endgeiles Stück - wie'sn das Album?" kommen im Schülerpulk immer mal vor. Da wird nicht mehr groß nach einzelnen guten oder seltenen Stücken selektiert - da wird geklotzt. Speicher kostet ja nix und der Inhalt läßt sich auch bequem umgestalten ... zur Not kann man's ja auch im mp3-Format auf DVD brennen und hat dann wieder ein paar GB Platz ...
Nein, ich will hier nicht die Jugend kriminalisieren - so etwas gibt es auch unter Erwachsenen. Ich brauche mich ja nur mal bei mir auf der Arbeit umzuschauen und werde dort ebenso fündig. Allerdings läuft da die Geschichte ein bißchen mehr unter der Hand, weil das Alter ausreicht, um das Wort "Urheberrecht" zumindest mal gehört zu haben.
Wenn jetzt die Musikindustrie das Kopieren unmöglich machte, erlitten die anderen Industrien vermutlich Verluste . Würden die dann die Musikindustrie wegen Umsatzeinbruch verklagen?
Ein Schuster steht am Straßenrand und sagt Dir: "Gib mir Geld und ich mache Dir ein Paar Schuhe." Nun - ein paar neue Schuhe wären vielleicht nicht das Schlechteste, denkst Du Dir, und gibst dem Schuster Geld. Der fertigt Dir dafür dann ein Paar neue Schuhe.
Ein Obstbauer steht am Straßenrand und sagt Dir: "Gib mir Geld und ich klettere auf meine Bäume und pflücke Dir einige süße Äpfel." Nun - Äpfel sollen ja gesund sein und Du ißt sie ja auch wirklich gerne, also gibst Du dem Obstbauer Geld. Der klettert auf einen Baum und kehrt nach einiger Zeit mit einem Sack Äpfel wieder auf den Boden zurück, den er Dir in die Arme drückt.
Ein Musiker steht am Straßenrand und sagt Dir: "Gib mir Geld und ich spiele für Dich ein Lied." Du schüttelst den Kopf, rückst den Kopfhörer zurecht, drehst Deinen mp3-Player lauter und läßt den Musiker am Straßenrand stehen.
Hm.
Gruß
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#17

Beitrag von Reino » Di 4. Nov 2008, 23:15


jemflower schrieb:
Ich habe in Cassettenzeiten kopiert, was mir nicht so gut gefiel, dass ich deshalb die ganze LP gekauft hätte.
Im Kaufpreis der Cassetten ist eine Tantiemenpauschale enthalten, die zwar nicht dem konkret kopierten Künstler zugute kommt, aber doch in verschiedene Töpfe für Urheber gelangt (der Interpret geht auch hier leer aus). Wäre auf Speichermedien eine im Vergleich zum Speicherplatz entsprechende Pauschale enthalten, müßten sie wohl das 50-fache kosten.
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#18

Beitrag von Christoph » Mi 5. Nov 2008, 10:18

in diesem Zusammenhang könnten wir jetzt auch gleich noch die Firma Sony bemitleiden, die sich in einen hausgemachten Konflikt gebracht hat: sie verkauft CD-Rohlinge und Musik auf Cds...
oder wir bewundern sie für ihr Vertrauen
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#19

Beitrag von jemflower » Do 6. Nov 2008, 20:06

Wer nicht mehr selektiert, hört wahrscheinlich das meiste gar nicht.
Also wieder ein nicht realer Verlust ;-)
Ich wollte mit meinem Beispiel vom gegenseitigen Verklagen nur aufzeigen, dass die industrielle Konkurrenz (also Computerspiele und Markenklamotten, Mofa und I-Pod)
eben auch von der Kaufkraft abzwackt und damit potentielle Mitauslöser fürs das Einsparen bei den Musikausgaben sind. Alle bewerben sie massiv und aggressiv ihre Produkte und gerade die Kids können sich dem schlecht entziehen.
Die Musik kann man jedenfalls nicht mit Kopieren töten, nur den Apparat der da mittlerweile mit dranhängt.
Allerdings kann man manchmal denken, das Covern (eine musikalische Form des Kopierens) oftmals das eigentliche Lied tötet.
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#20

Beitrag von Skywise » Do 6. Nov 2008, 21:03


jemflower schrieb:
Wer nicht mehr selektiert, hört wahrscheinlich das meiste gar nicht.
Wohl nicht, aber das hindert ihn in aller Regel nicht daran, die Musik weiter zu verteilen. Darunter eben auch an die Leute, die sich denken "warum soll ich mir das Album kaufen? Krieg' ich doch kostenlos von Kevin / Martina / Günter / Sophia-Anna". Hier entstehen die Verluste.
Und das eben mitunter nicht nur im eigenen Bekanntenkreis, sondern dank Internet und günstigem Spreicher weit über den Kreis hinaus, den wir als Kinder und Jugendliche mit unserem Tonträgerbestand abgedeckt haben (Stichwort: über unzählige Kopiegenerationen ohne Qualitätsverluste).
und gerade die Kids können sich dem schlecht entziehen.
Das würde mich ja noch nicht mal stören. Mich stört allerdings die Selbstverständlichkeit, mit der heutzutage die Sachen verbreitet werden. Da finde ich häufig auch keine Schuldgefühle. Und leider auch meistens keine Wertschätzung für das, was man sich da gerade von anderen zusammengezogen hat.
"Neues Album von Monrose. Brauchst du?"
"Jo, komm, gib her, gefällt mir zwar nicht, kann ich aber bestimmt gegen was Gutes tauschen."
Vielleicht war ich da allein auf der großen weiten Welt, aber ein solcher Satz wäre mir früher beim Überspielen eines Stücks auf Cassette nie und nimmer nicht in den Sinn gekommen.
Die Musik kann man jedenfalls nicht mit Kopieren töten, nur den Apparat der da mittlerweile mit dranhängt.
Zweifellos richtig, aber manchmal hat dieser "Apparat" auch seine guten Seiten und unterstützt die Künstler. Sollte man nie aus den Augen verlieren ...
Gruß
Skywise
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