Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

Der Musikmarkt in Deutschland ist im Wandel und das hat Auswirkungen auf alle Künstler/innen in allen Bereichen.
Diskutiere mit uns über die richtigen Wege und falsche Entwicklungen. Was sollte sich ändern, was darf sich nicht ändern? Welche Rolle spielen wir Konsumenten? Was kann die Politik tun?

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Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

#21

Beitrag von Gesch » Sa 22. Aug 2009, 21:57

Lieber Helmut,
mach mich nicht verlegen...

Helmut schrieb:
Mein Highlight war das Privatkonzert, das Gesch im unserem Vorzelt gab, weil es auf keiner Bühne etwas gab, das uns vom Hocker gerissen hätte.


das waren doch nur ein paar Lieder, aber kein Konzert... ;-)
herzlich
Gerd
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Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

#22

Beitrag von fille » So 23. Aug 2009, 10:27

Hallo Helmut!
Die Veranstaltung verkommt immer mehr zu einem Event, zu dem die Nürnberger die Altstadt bevölkern, nicht wegen der Musik, sondern weil was los ist.

Also, mir gefällt es immer besser beim Bardentreffen! Ich überlege sogar, ob wir nächstes Jahr nicht auch die ganzen drei Tage hinfahren.
Und ich finde es toll, dass so viel los ist. Besonders die vielen Straßenmusikanten haben es mir angetan.
Es ist viel los - das ist richtig. Man muss auswählen! Wir haben uns z. B. für das Konzert von Pipo Pollina und Linard Bardill entschieden und es hat uns ausnehmend gut gefallen. Aber auch die Alphornspielerin mit ihrer Band fanden wir gut.
Ja, es ist was los. Und das ist gut so. Eine tolle Atmosphäre.
Liebe Grüße
Marianne
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Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

#23

Beitrag von Gesch » So 23. Aug 2009, 12:03

Guten Sonntag,
vielleicht interessiert's ja:
Wir haben uns einen direkten Vergleich gegönnt: das dreitägige Bardentreffen in Nürnberg (Fr.-So.) und eine Woche später (aber Do.-Sa.) Buskers Bern, ein Straßenmusiker-Festival.
Uns schien Nürnberg in doppelter Hinsicht Etikettenschwindel zu sein: Zunächst zu geringer Anteil von Liedermachern (den eigentlichen "Barden"), und dann "Schwerpunktland Schweiz" mit verhältnismäßig wenig Künstlern aus der Schweiz, die die Behauptung des Schwerpunkts zur Groteske werden ließen.
Dritte Kritik: Das akustische Durcheinander auf den Wegen zwischen den Bühnenplätze für die offiziellen Konzerte, vom künstlerischen Niveau der "Zwischenkünstler" ganz zu schweigen. Aber sie haben die Wege eng gemacht, und so den raschen Wechsel von einem Spielort zum nächsten erschwert.
Vierte Kritik: Gemessen am Bedeutungsanspruch für die gesamte Szene waren mir zu viele regionale Künstler im Programm. Ein Teil des Programms hatte so sehr proviziellen Touch...
Fünfte Kritik: Als Haupteindruck ist bei mir - mal von zwei, eher abgeschotteten Bühnenorten abgesehen - hängen geblieben, dass das Bardentreffen mittlerweile zu einem gigantischen Fress- und Gelage-Festival mit musikalisch-exotischer Beschallung degeneriert ist (ich hatte nur den Vergleich mit dem Bardentreffen von 1979...)
"Bardentreffen"? eher wohl Remmidemmi in der Altstadt...
Im Vergleich dazu in Bern:
- an allen drei Tagen Konzerte erst ab 18 Uhr bis Mitternacht,
- geringe Verstärkung,
- alle Künstler haben an allen drei Abenden mehrmals auf unterschiedlichen Bühnen gespielt,
- die Wege waren kurz,
- die 30 (!) Bühnen in einem Teil der Altstadt sind nicht alle gleichzeitig bespielt worden, sondern immer nur so, dass man nie von der Nachbarbühne gestört wurde (wurde auf einer Bühne gespielt, konnte auf den Nachbarbühnen auf-, bzw abgebaut werden),
- außer den für das Programmm von den Veranstaltern engagierten Künstlern durfte "auf dem Festivalgelände" keine weiteren Künstler auftreten. So wurde ein akustisches Durcheinander und auch eine Überfütterung vermieden und ein bestimmtes künstlerisches Niveau gewährleistet.
Fazit: Nürnberg kann sich, trotz längerer Festivalgeschichte, an Bern ein Beispiel nehmen.
Empfehlung: Hat man nur Zeit für eines der beiden Festival, dann kein Zögern: Auf nach Bern!
Herzlich
Gerd
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Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

#24

Beitrag von Petra » So 23. Aug 2009, 14:34

Hallo Marianne,
danke, danke für diesen wunderbaren Link. Obwohl die Qualität des Filmchens miserabel ist, bin ich wieder hin und weg. Pippo Pollina, der sich nur mit einem Tamburin begleitet.... da war ich so fasziniert, dass ich ganz vergessen habe, ein Foto zu machen. Und auch wie die beiden zusammen singen, es hat mich wieder richtig gepackt; ich bin so froh, dabei gewesen zu sein und mir auch die CD gekauft zu haben. :-) Etwas seltsam geschnitten ist der Film ja schon, denn wie Pippo Pollina da anscheinend mit Zauberkräften mitten im Lied vom E-Piano zur Gitarre und zurück wechselt, ist doch sehr gespenstisch. *g* - Man kriegt auch einen kleinen Eindruck von den lästigen Pressefotografen, es gab auch dezentere, aber manche waren richtig aufdringlich. Reicht es denn nicht, wenn sie 100 Bilder im Kasten haben, müssen es denn unbedingt 200 sein? Da haben sie riesige Objektive und müssen den Künstlern trotzdem fast ins Gesicht kriechen (das war allerdings nicht bei Bardill/Pollina). - Die Geräuschkulisse von Seiten des Publikums habe ich nicht als so schlimm empfunden wie es in dem Film , besonders am Anfang, den Anschein hat. Aber ich habe auch rund um mich so ziemlich alles vergessen während dieses Konzertes.

Hallo Gerd,

vielleicht interessiert's ja:

natürlich interessiert es, ich war schon drauf und dran zu fragen.
Etikettenschwindel: Der akute Mangel an Barden war wohl der Grund, wieso ich eigentlich nur ein Konzert im Programmheft gefunden habe, das ich wirklich unbedingt sehen wollte: Linard Bardill und Pippo Pollina. :anhimmel: Das war dann aber gleich soooo schön und - da am frühen Sonntagabend - eine der letzten Erinnerungen, dass ich mit allem anderen versöhnt war.
Schwerpunktland Schweiz: Durch Schweizer Verwandtschaft angeleitet, habe ich mehr Schweizer gesehen, als wenn ich ohne diese Tipps unterwegs gewesen wäre, aber - zugegeben - mit Liedermachern oder Barden hatte das nicht viel zu tun. Übrigens: Letztes Jahr war das Schwerpunktland Finnland :-D - da sah es noch düsterer aus.
'Zwischenkünstler': Mir war so, als wären es in diesem Jahr besonders viele Straßenmusikanten gewesen, aber das fand ich eigentlich sehr reizvoll. Leider sind sie sich ins Gehege gekommen, so hatten die Kehlkopfsänger aus der Mongolei rechts der Kirchentüre von St. Lorenz wenig Chancen gegen das Schlagzeug links derselben Kirchentüre. Und mitunter hatten diese Straßenmusiker ganz schön viel Zulauf und das hat dann die Wege eng gemacht, das ist wahr. Das Niveau ist naturgemäß sehr unterschiedlich. Hast Du den Jungen mit der Blockflöte gesehen? Der hatte ein Schild 'Ich bin vielleicht nicht gut, aber mutig'. Und ein irischer Sänger, der am Samstag von Hunderten bejubelt wurde, wurde am Sonntag als Straßenmusikant vom Ordnungsamt vertrieben (warum genau, weiß ich halt nicht).
Provinzieller Touch: Ich weiß ja nicht, wo Du überall gewesen bist, aber es ist so, dass die Bühne am Lorenzer Platz am Freitag und Samstag Newcomern aus der der Region vorbehalten ist, alle anderen Bühnen sind international besetzt.
Fress- und Gelage-Festival: Naja, wo viele Leute sind, wollen halt viele essen und trinken. Aber nervig fand ich es auch, dass man beispielsweise kaum auf die Insel Schütt kam, weil man nie wusste, ob man nur im Gedränge feststeckte oder versehentlich in einer langen Schlange an einem Imbiss anstand. :-?
Nachbarbühnen: Die Bühnen sind ja so weit auseinander, dass sie sich gegenseitig nicht stören. Positiv finde ich, dass die Anfangszeiten im Programm genau eingehalten werden, sodass man sich anhand des Programmheftes einen Zeitplan machen kann, der auch klappt - wenn man das allgemeine Gedränge berücksichtigt. Am Freitag, als ich ohne bestimmte Absicht von Bühne zu Bühne ging, hörte ich unterwegs von Weitem Klänge, die mich ansprachen, musste dann aber feststellen, dass die nicht von einer der Bühnen, sondern von irgendwelchen 'Zwischenkünstlern' kamen.
Warst Du eigentlich auch am Sebalder Platz bei Pippo Pollina und Linnard Bardill? Ich habe Dich in dem Getümmel nirgends gesehen. Wenn ja, hast Du als Einziger beide Highlights in Nürnberg mitbekommen: Die Konzerte von Pollina/Bardill und von Gesch in Helmuts Vorzelt. :-D
Viele Grüße von Petra
P. S. Es wird hoffentlich bald noch ein Bericht von mir geliefert. Nachdem ich unendlich viel aufgeschrieben habe, muss ich nun kürzen, kürzen, kürzen. Ich will ja niemanden langweilen, aber ein bisschen erzählen will ich halt doch. :goethe:
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wenn man folgendes bedenkt:
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#25

Beitrag von Helmut » So 23. Aug 2009, 15:35

Hallo Marianne und Petra
Stellt euch vor, ich fahre hunderte von Kilometer, weil ich eine Anzeige mit "Wildtage" gelesen habe und dann gibt es alles andere, nur kein Wild. Und wenn das Schnitzel noch so gut ist, ich fühle mich verarscht.
Oder (so im Urlaub geschehen). Ich radle mir den Hintern wund, weil ich einen Link zu einem Eiszeitmuseum gefunden hab. Und dann finde ich eine ausgezeichnete Gesteinssammlung, über Eiszeiten aber nur eine Infotafel, die in jedem Erdkundebuch für 5.-Klässler stehen könnte. Und dann darf ich nicht mal sauer sein, weil ich den Urlaub genießen will.
Ich will damit sagen: Wenn mit einem Begriff Erwartungen geweckt werden, sollten diese auch erfüllt und nicht mit Ersatz befriedigt werden. Wenn ich auf ein Weltmusik-Festval gefahren wäre, hätte ich nicht enttäuscht sein können, ich war aber beim Bardentreffen.
Warst Du eigentlich auch am Sebalder Platz bei Pippo Pollina und Linnard Bardill? ... Wenn ja, hast Du als Einziger beide Highlights in Nürnberg mitbekommen: Die Konzerte von Pollina/Bardill und von Gesch in Helmuts Vorzelt.
Das hätte Gerd zu 100% aber auch in seiner Besenkammer haben können. Ich jedoch hab die eine Hälfte dieser Highlights dem Eitikettenschwindel zu verdanken.
Gruß
Helmut

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#26

Beitrag von Gesch » So 23. Aug 2009, 15:56

Liebe Petra,
natürlich habe ich Pippo und Linard gesehen. Wir saßen auf einer der vorderen Bankreihen auf der rechten Seite. Ich hab dafür gesorgt, dass die großen Sonnenschirme geschlossen wurden, damit die Leute hinter den Bänken auch was von der Bühne sehen konnten. Und als es dann regnete, hab ich einen von uns nicht benötigten Schirm an Pippos Sohn und seine Freundin weitergereicht, die in unserer Nähe saßen. Den Sohn hatte ich bereits als zwölf- oder 14jährigen bei einem Konzert in Osnabrück erlebt, als ihn der stolze Papa Pippo ein paar Lieder auf der Bühne mitspielen ließ.
Pippo zähle ich seit geraumer Zeit zu meinen musikalischen Freunden. Ich weiß nicht, wie viele Konzerte ich schon von ihm erlebt habe, zwei davon bei uns. Erst nach diesem Wohnzimmer-Erlebnis, so sagte er uns mal, habe er wieder Lust bekommen, auch Solo-Konzerte zu geben.
Wenn er denn keine Solo-Konzerte gibt, bei denen einfach der künstlerische Spannungsbogen harmonischer ist, gefallen mir die Konzerte mit Linard besser als die mit Wecker, weil ihn der Brachial-Bayer doch gelegentlich - gewiss unbeabsichtigt - an die Wand drückt.
Was die Provinzialität angeht: Hast Du mal durchgeschaut, wie viele der "internationalen" Künstler, oder derjenigen, die "internationale Musik" gemacht haben, aus Franken oder Bayern kamen? Das kann ja eigentlich kein Qualitätsmerkmal sein, es sei denn, dass die Förderung regional ansässiger Künstler die erklärte Absicht der Veranstalter gewesen wäre. Mein Eindruck war allerdings, dass man sich irgendwie "weltläufiger" empfehlen wollte - für mich auch hart am Rande des Etikettenschwindels.
Dass die angekündigten Anfangszeiten eingehalten wurde unterscheidet Nürnberg nicht von Bern. Ich halte es auch eigentlich für selbstverständlich. Wieso sollte ich mich denn bei solchen Konzerten darauf einstellen müssen, dass es Verspätungen gibt?
Was mein "Gesang" bei Helmut angeht: Es war mehr ein kurzes "Flüsterkonzert" weil es ja schon spät war, und außerdem war es nur eine Aneinanderreihung von Liedern ohne Auswahl-Konzept. Und wenn es dann für Helmut ein Highlight gewesen ist, dann doch sicherlich nur wegen der Enttäuschung über die Qualität des Bardentreffens...
herzlich
Gerd
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#27

Beitrag von Helmut » So 23. Aug 2009, 17:09

Lieber Gerd

Gesch schrieb:
Was die Provinzialität angeht: Hast Du mal durchgeschaut, wie viele der "internationalen" Künstler, oder derjenigen, die "internationale Musik" gemacht haben, aus Franken oder Bayern kamen? Das kann ja eigentlich kein Qualitätsmerkmal sein, es sei denn, dass die Förderung regional ansässiger Künstler die erklärte Absicht der Veranstalter gewesen wäre. Mein Eindruck war allerdings, dass man sich irgendwie "weltläufiger" empfehlen wollte - für mich auch hart am Rande des Etikettenschwindels.
Ich könnte sehr wohl damit leben, wenn eine Bühne für regionale Künstler vorbehalten werden würde und dies auch transparent gemacht werden würde. Übrigens, 2 der 3 von mir als Barden bezeichnete Künstler waren Franken. das bedeutet, dass aus dem restlichen deutsch sprachigem Raum so gut wie niemand eingeladen wurde (Ausnahme: Ost-west-süd-nord)
Was mein "Gesang" bei Helmut angeht: Es war mehr ein kurzes "Flüsterkonzert" weil es ja schon spät war, und außerdem war es nur eine Aneinanderreihung von Liedern ohne Auswahl-Konzept. Und wenn es dann für Helmut ein Highlight gewesen ist, dann doch sicherlich nur wegen der Enttäuschung über die Qualität des Bardentreffens...
Die Exklusivität machte es zum Erlebnis.
Und über die Qualität das Bardentreffens werde ich mich nicht auslassen, da bin ich nicht genügend kompetent. Ich fühl mich allerdings kompetent genug zu beurteilen, ob einer im weiteten Sinn in die Schublade "Barde" passt oder nicht.
Liebe Grüße
Helmut
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#28

Beitrag von Petra » So 30. Aug 2009, 23:46

So, die Renovierungsarbeiten sind weitgehend abgeschlossen, dann will ich mal sehen, was vom Bardentreffen noch hängen geblieben ist…..
Die Hinfahrt, wie immer ab Pirmasens über Kaiserslautern, Mannheim und Stuttgart, verlief ohne Zwischenfall. Bei einer Fahrt von sechs Stunden und vierzig Minuten mit viermaligem Umsteigen gab es kurz nach Stuttgart eine kleine Verzögerung, die aber bis Nürnberg längst wieder aufgeholt war. Meine Schwägerin holte mich an der S-Bahn-Station in Lauf ab und verwöhnte mich zu Hause mit einem kleinen Imbiss. Danach stürzten wir uns ins Getümmel.
Helmut und Gerd haben schon Recht mit ihrem Vorwurf des Etikettenschwindels, sowohl was den Namen 'Bardentreffen' als auch die Schweiz als diesjährigen Schwerpunkt angeht. Von 60 Programmpunkten an drei Tagen auf sieben Bühnen, haben nur 8 mit der Schweiz zu tun – und zum 'Bardentreffen' steht im Programmheft: Vielstimmig – sprachlich wie musikalisch – präsentiert das Bardentreffen Weltmusik von allen fünf Kontinenten und besonders die aktuelle Schweizer Musikwelt. Offenbar hat sich das 'Bardentreffen' im Laufe der Jahre gewandelt, sodass es irgendwann seinen Namen hätte ändern müssen. Warum man das nicht getan hat? Keine Ahnung :weissnicht: - beispielsweise könnte es dann nicht in diesem Jahr die imposante Zahl 34 im Namen führen. Wer immer dabei war, hat den Wandel miterlebt, wer zuletzt vor 30 Jahren dabei war, kann sich natürlich nur wundern. Im Programmheft werden übrigens die vielen Straßenmusiker als Plus und offenbar gern gesehen aufgeführt.
Freitag, 31. Juli 2009
Im Angebot für den Freitagabend war nichts dabei, was wir unbedingt sehen wollten. So hatten wir die Möglichkeit, mehrere Bühnen zu besuchen. Wir waren am Sebalder Platz bei dem Singer/Songwriter Helmut Licklederer aus Ingolstadt mit seiner Band 'Blues Lick' und am Lorenzer Platz bei den Nürnberger Rockern 'Masques'. An der Kirchenruine St. Katharina herrschte so ein Gedränge, dass wir darauf verzichteten, die korsische Gruppe 'L'Alba' aus der Nähe zu sehen, und auch auf der Insel Schütt trafen die fünf Franzosen 'Ma Valise', bei denen ein Musik-Mix aus Balkan-Afro-Dub-Chanson-Mestizo und Punkrock angekündigt wurde, nicht unseren Geschmack.
Während wir an einem der Stände einen Fruchtcocktail zu uns nahmen, liefen uns Helmut und Gitta in die Arme. Eigentlich hatten wir uns telefonisch verabreden wollen, aber Helmut hatte den Zettel mit meiner Handy-Nummer im Wohnwagen liegen lassen – und ich gleich das ganze Handy bei meiner Schwägerin zu Hause. Helmut erzählte, dass er auf dem Campingplatz Gesch kennengelernt hatte, der an diesem Abend die beiden Konzerte in St. Katharina besuchen wollte. Unsere Wege trennten sich wieder, aber wir verabredeten uns für Samstagnachmittag im Kreuzigungshof.
Inzwischen war es schon Zeit für die zweite Runde auf den Bühnen in Nürnberg. Eine Cousine des Sandhövel-Clans lebt in der Schweiz, da war es naheliegend, sich im Vorfeld schon mal über die dortige Musikszene kundig zu machen. Sophie Hunger – so hatten wir erfahren – ist in der Schweiz seit ca. 2 ½ Jahren ein großer Star. Und tatsächlich: das Bardentreffen hatte für sie die Bühne am Hauptmarkt vorgesehen. Der Hauptmarkt ist der riesige Platz, auf dem im Advent alljährlich der bekannte Nürnberger Christkindlesmarkt stattfindet. Dort geht es in der Regel recht laut zu, deshalb ist das nicht gerade meine Lieblingsbühne. Da ich aber keinen besseren Vorschlag hatte, bin ich also mitgegangen zu Sophie Hunger.
Wir waren früh dran, sodass wir uns fast ganz vorne postieren konnten. Am Hauptmarkt stehen vor der Bühne brusthohe Absperrgitter, die das Publikum ca. 2 m von der Bühne fernhalten. Sophie hatte ihre Band dabei, aber ich wurde angenehm überrascht, denn es war nicht nur laut. Sophie Hunger beherrscht auch die leisen Töne, und bei den Zwischenansagen wirkte es fast, als spräche sie nur vor sich hin. Der Stil ihrer Lieder war mal bluesig, mal jazzig, aber die rockigen Nummern waren natürlich schon laut, und so weit vorne und nah an den Boxen, hatte ich manchmal das Gefühl, dass alles in mir vibrierte. Es standen mehrere Blocks aus jeweils acht Boxen auf Rollbrettern vor der Bühne, und bei einem heftigen Rocksong krachte so ein Block vornüber. Lt. Programm sollte das Konzert von 21 – 23 Uhr dauern. Bereits um 22 Uhr wurde der letzte Song angekündigt, und nach einigen Zugaben war das Konzert um 22:20 Uhr zu Ende. Es gab noch CDs zu kaufen und dann wartete meine Schwägerin zusammen mit 15 bis 20 Leuten auf ein Autogramm. Der Mann von der Security war nicht besonders hilfreich: "Es kann sein, dass sie gleich kommt oder erst in einer Stunde." Auch war ihm nicht bekannt, ob Sophie überhaupt wusste, dass hier, fern der Heimat, Leute ein Autogramm von ihr wollten. Ungefähr nach einer halben Stunde wurde Geschirr in das Auto einer Catering-Firma gebracht, dann erschienen die Musiker und zuletzt auch Sophie. Sie war nicht ganz so klein wie sie mir auf der Bühne vorgekommen war, aber doch recht zierlich. Alle waren sehr freundlich und gaben bereitwillig Autogramme, danach war der erste Abend des Bardentreffens für uns vorüber.
Samstag, 1. August 2009
Am Samstagmorgen durfte ich lange schlafen und wurde erst geweckt, als das Frühstück vorbereitet war. Wir ließen uns viel Zeit und machten uns um halb eins wieder auf den Weg nach Nürnberg. Im Programm für Samstag hatte ich den Namen Gymmick entdeckt, den ich in Liedermaching-Kreisen schon öfter gehört hatte. Sein Auftritt war für 14 Uhr im Kreuzigungshof vorgesehen. Dort kommt niemand nur zufällig vorbei. Man geht durch ein Tor in einen Garten, dann eine Treppe hoch und wieder durch ein Tor. So gelangt man in einen langgestreckten, bestuhlten Innenhof, an dessen Schmalseite ein großes Kreuz hängt. Die Bühne war an einer Längsseite aufgebaut, das Publikum zog sich sehr in die Breite, die Stühle boten Platz für mehrere hundert Leute. Wir hatten uns recht früh eingefunden und belegten in der Mitte der zweiten Reihe vier Stühle. Gymmick war gerade beim Soundcheck und testete ein E-Piano und eine Gitarre, mit deren Technik er nicht so recht vertraut zu sein schien: "Ich habe da noch einen Schalter - darf ich gerade mal ausprobieren, was passiert, wenn ich den umlege?" Als Helmut und Gitta auftauchten, winkten wir sie her, und es stellte sich heraus, dass sie den Herrn kannten, der neben mir saß. Es war der Liedermacher Helmut Achtner, der selbst schon vier Mal beim Bardentreffen aufgetreten ist (1977/78/79/84) und der alle Jahre wieder unseren Tuntenhausenern dort begegnet.
Pünktlich um 14 Uhr betrat die Dame vom Kulturamt die Bühne, um den Künstler anzusagen. Ich war überrascht zu erfahren, dass Gymmick aus Nürnberg (oder Umgebung?) stammt, denn ich hätte ihn eher in Norddeutschland verortet, weil er beispielsweise für das Oldenburger Duo Spieltrieb ein CD-Cover gestaltet hat. Ja, ich weiß, das heißt natürlich gar nichts…. :roll: Alle Stühle waren besetzt und rundherum standen auch noch Menschen dicht an dicht. Ich weiß gar nicht so genau, ob er auch eigene Lieder schreibt, viele seiner Stücke haben bekannte Melodien, denen er einen neuen Text verpasst. Das heißt aber nicht, dass es ihm an Kreativität mangelt, denn er ist auch noch Schauspieler, illustriert Kinder- und Liederbücher, zeichnet Cartoons für die Nürnberger Zeitung und war beim Frankenfernsehen schon als Moderator und Quizmaster im Einsatz. Als Musiker wurde er 2001 mit dem Rio-Reiser-Preis ausgezeichnet.
Im Verlauf des Konzerts hat er uns erzählt, wieso er mit einer ihm relativ unbekannten Gitarre auftreten musste: Anfang Juli hatte er in einem Park gesungen. Auf der Straße gab es Randale, aber drinnen hat man nichts davon mitbekommen. Plötzlich stand ein Sondereinsatzkommando der Polizei mit Helmen, Schildern und gezogenen Knüppeln im Park. Er hat instinktiv die Gitarre schützend vor sich gehalten, danach war sie nicht mehr zu gebrauchen. Aber nicht jeder hatte etwas dabei, womit er sich schützen konnte, und so wurden unbescholtene Bürger beispielsweise im Gesicht oder in die Nieren getroffen. Es war in der Zeitung darüber berichtet worden, auch die Dame vom Kulturamt hatte die Begebenheit kurz angesprochen. Gymmick zog die Sache etwas ins Lächerliche und machte einen running gag daraus: "Ihr müsst nett zu mir sein, ich kenne welche vom Sondereinsatzkommando, bei denen habe ich noch etwas gut."
Gymmick verulkte bekannte Lieder wie Knockin’ on Heaven’s Door und Durch den Monsun und machte daraus Naggerd am Dutzendteich und Durch den Konsum. Aus Ein Vogel wollte Hochzeit feiern wurde Suizid bei süßen Tieren, ein ziemlich sinnfreies Lied, denn warum sollten alle möglichen Tiere wohl Selbstmord begehen? Er ließ sich aus dem Publikum Tiere zurufen, zu denen er jeweils einen Zweizeiler zum Besten gab. Solche Stegreif-Sachen können sehr lustig sein, aber daran muss er noch arbeiten. Ich gehe davon aus, dass er sich auf etliche Tiere vorbereitet hat, aber bei einem 'blassroten Ara' und einem 'Tausendfüßler' kam er doch arg ins Schleudern, und die Ergebnisse waren nur dadurch lustig, dass er selbst die Augen darüber verdrehte. Auch die zweite Zugabe Lady Di, eine Version des Beatles-Songs Let it be, hätte es nicht unbedingt gebraucht. Das Lied war zwar aus dem Publikum gewünscht worden, aber ich fand es nicht sehr geschmackvoll, sich über einen tödlichen Unfall lustig zu machen ('Der Chauffeur sprach zum Pfeiler 'Du, geh wech.' / Danach schnitt man ihn aus dem Blech'). Insgesamt fühlten wir uns aber 1 ½ Stunden lang gut unterhalten. Gymmick beendete sein Konzert mit einem Stoßgebet an die Staatsgewalt: "Bitte, bezahlt mir meine Gitarre!"
Es folgte eine halbstündige Pause, in der wir unsere Plätze beibehielten. Helmut und Gitta machten sich auf den Weg zum Lorenzer Platz, weil sie sich für ERNST interessierten, eine ganz und gar nicht ernste, sondern sehr schräge Gruppe. Die frei werdenden Stühle wurden von den Freundinnen meiner Schwägerin übernommen, und wir warteten auf den irischen Folk-Sänger Daoiri Farrell. Beim Soundcheck bekamen wir mit, dass er kein Wort Deutsch sprach. Das Erste was der sympathische, junge Mann tat, bevor er anfing zu singen: Er zückte einen Fotoapparat und sagte, er müsse unbedingt dieses beeindruckende Publikum fotografieren, denn zu Hause würde ihm niemand glauben, dass so viele Menschen zu seinem Konzert gekommen sind. Er musste drei Bilder machen, drei Mal 'Cheeeeeese', denn – wie gesagt – es war ein sehr 'breites' Publikum. Das erste Lied sang er gleich ganz ohne Begleitung, die Gitarre benutzte er nur, um sich daran festzuhalten. Gitarre? :gruebel: Eine Gitarre mit acht Saiten? Der Korpus sah aus wie bei einer Gitarre, aber im Programmheft las ich, dass er (außer einer Gitarre) eine irische Bouzouki spielt. Wir erlebten weitere 1 ½ Stunden Konzert mit irischer Musik, die uns das Herz erwärmte. Daoiri erwähnte, dass er nur 100 CDs dabei hätte, "also rennt (dash!), damit Ihr noch eine abbekommt". Die Nürnbergerinnen kauften sich eine; und ich machte ein Foto, während er sie signierte.
Nun verließen wir den Kreuzigungshof, um wieder einem Tipp der Cousine aus der Schweiz zu folgen. Für diesen Abend hatte sie uns Ritschi ans Herz gelegt, wieder ein Act am Hauptmarkt. Dieses Mal waren wir so früh dran, dass wir direkt am Absperrgitter Platz fanden. Zum Warten setzten wir uns auf unsere Segeltuchhocker, aber als es losging, war an Sitzen nicht mehr zu denken. Er sprach Hochdeutsch, denn er hatte das Gefühl, dass ihn sonst kaum jemand verstand, "höchstens drü, die drü, die auch das Album hänt". Er musste sich nur redlich bemühen, das harte schweizerische 'ch' zu unterdrücken. Ritschi sagt über sich selbst: 'Ich lebe auf der Grenze zwischen Balladen und härterer Gangart.' Auf jeden Fall war er mit sehr viel Leidenschaft bei der Sache, ständig dabei, das Publikum mitzureißen und immer in Bewegung. Er kam bis vor an den Bühnenrand – aber auch das hat ihm nicht gereicht, und so betrat er so einen wackeligen Boxenblock. Es hatte ihm wohl niemand gesagt, WIE wackelig die sind, vor meinem geistigen Auge sah ich wieder -wie am Vortag- den ganzen Block umkippen. Es ist aber gut gegangen, und als Nächstes sprang er von der 1,5 m hohen Bühne und kam mit Hilfe der Trittbretter an der Rückseite der Absperrgitter herüber auf unsere Seite. Und dann war er erstmal eine Weile vom Publikum verschluckt, während er immer weiter sang. Der Mann von der Securitiy stand am Gitter und hielt nach ihm Ausschau. Wie er von unserer Seite auf das Gitter hoch gekommen ist, habe ich nicht mitbekommen, aber erstmal oben, übersprang er die zwei Meter und stand wieder auf der Bühne. Am Schluss hüpfte er noch einmal von Boxenblock zu Boxenblock. Der Sicherheitsmann eilte herbei, um die Boxen abzustützen und zu verhindern, dass uns Ritschi vor die Füße fiel. Das Konzert dauerte bis 21 Uhr, dann mussten eilig die Instrumente von der Bühne geräumt werden, denn der Platz wurde von der nächsten Band benötigt. Dann kam er aber ans Gitter um CDs zu verkaufen, die schnell vergriffen waren. Für uns gab es nur noch eine Autogrammkarte, auf der wir auch die Jungs von der Band unterschreiben ließen, soweit wir sie erwischen konnten.
Derweil war die Bühne in Windeseile für die Schweizer Band 'Patent Ochsner' vorbereitet worden. Es waren unglaublich viele Instrumenten zu sehen; wie das mit dem Soundcheck geregelt wurde, weiß ich nicht und kann es mir auch gar nicht vorstellen bei dieser Instrumenten-Flut. Pünktlich um 21:30h legte die siebenköpfige Truppe los. Fotos konnte ich kaum machen, weil sich in der Gasse vor der Bühne die Pressefotografen tummelten. Diese Fotografen waren (während des gesamten Treffens) teilweise ziemlich lästig, es war fast nicht möglich, einen Künstler abzulichten, ohne einen Fototgrafen mit aufs Bild zu bekommen. An die Musik von 'Patent Ochsner' kann ich mich leider nicht mehr erinnern – vielleicht auch deshalb, weil mich urplötzlich ein derartiges Hungergefühl überfiel, dass ich sofort irgendetwas essen musste. Es ist äußerst schwierig, so einen guten Platz zu verlassen, aber es musste sein und wir quälten uns durch die Menge nach draußen. Steaks waren aus, aber ein echter Thüringer verkaufte mir eine echte Thüringer Bratwurst (lecker), sodass es mir gleich wieder besser ging. Für den Tag hatten wir genug erlebt und machten uns auf den Weg zum Bahnhof.
Sonntag, 2. August 2009
Am Sonntag präsentierte Profolk am Lorenzer Platz seine Künstler, und sie hatten dieses Jahr die 'Liederleute Nord-Ost-Süd-West' eingeladen. Das sollte aber erst um 15:30 h losgehen, sodass wir vorher noch etwas Zeit hatten. Unsere Nürnberger Bekannten hatten am Samstag am Sebalder Platz das Konzert von Emily Smith besucht. Sie war die einzige Künstlerin, die beim diesjährigen Bardentreffen zwei Auftritte hatte. Nachdem uns die Schottin empfohlen worden war, wollten wir sie auch sehen, dieses Mal trat sie in St. Katharina auf. Während wir noch auf den Einlass warteten, rief Marianne an, die mit Benny nur am Sonntag dabei war. Wir waren dann bei den Ersten, die vor der Bühne Platz nahmen und auch Marianne und Benny tauchten bald auf. Es wurde sehr voll und wir sahen in der Nähe des Eingangs einen langhaarigen Herrn, in dem wir Gesch zu erkennen glaubten. Emily sang mit ganz klarer, sauberer Stimme, aber wir konnten nicht bis zum Schluss bleiben. Ihr Konzert dauerte bis 15:30h und da ging es am Lorenzer Platz bereits mit den Liederleuten los. Da man ja rechtzeitig da sein muss, konnten wir also nicht lange bei Emily Smith bleiben. Gesch stand nicht mehr am Eingang und auch Benny war inzwischen abhanden gekommen. Marianne wollte versuchen, ihren Mann wiederzufinden, meine Schwägerin und ich kamen gut durch und waren überraschend früh an unserem Ziel.
Am Lorenzer Platz trafen wir wieder die beiden Nürnbergerinnen und von der anderen Seite winkte uns Helmut zu. Gitta war aus familiären Gründen verhindert, aber er hatte eine Tochter und deren Partner bei sich. Meine Schwägerin schickte mich los zum Fotografieren. Sie meinte, jetzt sei es doch günstig, es wären noch nicht so viele Köpfe im Weg, und ich erwischte die Liederleute nacheinander beim Soundcheck. Liederleute Nord-Ost-Süd-West – das ist keine feste Formation, sondern unabhängige Liedermacher aus allen Himmelsrichtungen. Während ich vor der Bühne am Fotografieren war, entdeckte ich plötzlich wieder den langhaarigen Herrn und tatsächlich: das war Gesch. Gerade hatte ich ihn und seine Frau begrüßt, als Moni auf mich zukam. Das war eine große Überraschung, denn Moni kann schweigen und hatte nicht verraten, dass sie auch vorhatte, nach Nürnberg zu kommen. Es blieb keine Zeit, Gesch kennenzulernen, denn ich musste auch mal wieder zurück zu meinen Begleiterinnen und ging vorher mit Moni, um auch noch Jürgen zu begrüßen. Marianne und Benny waren inzwischen auch da, und dann ging es so langsam los. Doreen Walter von Profolk, die mit ihrem Mann Maik diese Bühne betreute, stellte die Künstler vor. Für die Kategorie 'Ost' war Paul Bartsch vorgesehen, aber der war leider verhindert, sodass 'Ost' ausfallen musste. :-( Stattdessen war 'West' zwei Mal vertreten, aber den Anfang machte 'Nord'. Kay Kankowski mit seinem norddeutschen Slang war sehr erfrischend und kam gut an. Sein letztes Lied kam mir sehr bekannt vor, ich musste aber erst ein bisschen grübeln. Aber dann, na klar, das war In der Nachbarschaft, das ich von Gerhard Gundermann kannte. Der Text war allerdings nicht ganz identisch, zumindest hat etwas gefehlt. Erik Beisswenger, einer der Vertreter von 'West', konnte die Aufmerksamkeit des Publikums nicht in der gleichen Weise auf sich konzentrieren, etwas mehr Pep hätte seinem Auftritt gut getan. Dann noch einmal 'West' mit Dorle und Florian Schausbreitner, die mich auch nicht richtig fesseln konnten. Es mag daran gelegen haben, dass ich in Gedanken schon am Sebalder Platz war. Auf Christoph Weiherer, den Vertreter von 'Süd', den ich wirklich gerne einmal wieder gehört hätte, konnte ich leider auf keinen Fall warten. Wir hatten uns bereits begrüßt, als ich vor der Bühne fotografiert hatte, aber ich wollte unbedingt sehr pünktlich zum Konzert von Pippo Pollina und Linard Bardill am Sebalder Platz sein, es war zu befürchten, dass es da sehr eng werden würde. Max Lässer, der mit seiner Band gerade am Hauptmarkt zu spielen anfing, musste ich leider ganz auslassen.
Ausgerechnet zu dem einzigen Konzert, an dem mir in diesem Jahr sehr viel lag, wurde der Himmel immer dunkler. Linard Bardill und Pippo Pollina sollten um 18 Uhr beginnen, wir waren um 17:10h da. Lt. Programmheft sollte da noch das Quartett Outhouse Orchestra aus Australien zu Gange sein, zusammen mit Ronnie Taheny. Die Haare hatte sie zu lauter kleinen Büscheln zusammengebunden, die in allen Richtungen abstanden. Die Lady hatte ganz schön Power und ich musste unwillkürlich an Tina Turner denken. Noch während dieses Konzertes fing es an zu regnen. :-( Ich hatte mir für 0,50 € einen Regenponcho gekauft, habe mich aber davor gedrückt, ihn aufzufalten, denn er war noch originalverpackt in Vokabelheftgröße, das würde ich nie wieder hinbekommen. Der Regen kam und ging mehrmals, die Lady beendete ihren Auftritt und packte ihre Sachen weg. Linard Bardill und Pippo Pollina erschienen zum Soundcheck. Danach fragte Pippo Pollina: "Wieviel Uhr ist es denn? Noch zehn Minuten? Sollen wir noch ein paar Witzen erzählen?" Sie verließen aber dann doch noch einmal die Bühne. Marianne und Benny waren inzwischen ebenfalls angekommen und hatten einen guten Stehplatz am Rand der Sitzfläche.
Es regnete gerade nicht, aber die Dame vom Kulturamt sagte die Künstler dann doch einige Minuten früher an als geplant, weil die Wolken so tief hingen. Wetter hin oder her, die beiden haben mich ab dem ersten Ton in ihren Bann gezogen; ich hatte das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu erleben. Man spürte sofort: Da standen zwei Freunde auf der Bühne. Der große, stattliche Linard Bardill mit der lockigen Mähne und der kleine, zierliche Pippo Pollina mit den glatten, schulterlangen Haaren. Sie erzählten, wie sie sich vor über 20 Jahren kennengelernt hatten. Pippo war als Straßenmusikant unterwegs und Linard hatte ihn auf eine Tasse Kaffee eingeladen. Er sagte ihm, dass er auch Liedermacher sei und Pippo dachte bei sich: 'Ja, das sagen viele.' *g* Das war 1987 und kurze Zeit später waren sie auch seinerzeit schon zusammen beim Bardentreffen. Die beiden fragten, ob jemand im Publikum den damaligen Auftritt miterlebt hätte – und tatsächlich meldete sich jemand! Das kommentierte Pippo gerührt mit: "Ihr seid verrückt." Da sie so wenig Gelegenheit hätten, sich zu sehen, würden sie einfach ab und zu miteinander auf Tournee gehen. Sie spielen miteinander, weil sie Freude daran haben - dass da Leute kommen um zuzuhören, würde sie aber auch sehr freuen. Zu allen Liedern gab es vorab eine Erklärung, denn Schwizerdütsch und Italienisch sind ja nicht unbedingt die Sprachen, die in Nürnberg verstanden werden. Eines der Lieder hatte Linard Bardill als Liebeserklärung an seinen erwachsenen Sohn geschrieben. Er hatte es ihm am Telefon vorgesungen, und nach der ersten Strophe heulte der Sohn, nach der zweiten auch der Vater. Er beruhigte uns aber: "Ihnen wird das Lied nicht so nahe gehen, ich singe es in Rätoromanisch, sie werden also kein Wort verstehen." Es war wunderbar, das Zusammenspiel der beiden zu erleben. Da versuchte keiner, den anderen auszustechen – im Gegenteil. Ein Lied von Pippo war angekündigt worden, doch bevor er loslegen konnte, musste Linard noch schnell eine Lobeshymne über Pippo loswerden. Der wartete an seinem E-Piano darauf, dass er endlich anfangen konnte und sagte am Schluss: "Bist Du jetzt fertig mit Deinem Kabarett?" Linard sagte noch schnell ins Mikrofon: "Mis Lieblingslied", verschränkte die Arme, drehte sich zu Pippo um und genoss. Für kurze Zeit bekam Linard die Bühne für sich alleine, da sang er ein Kinderlied über Sonnenstrahlen, aber es fing trotzdem noch kräftiger an zu regnen, sodass ich mich doch noch in meinen Regenponcho hüllte. Viele Schirme wurden geöffnet, aber der Sebalder Platz steigt sanft an, sodass die hinteren Zuschauer über die anderen hinwegsehen können. Zum nächsten Lied erzählte Linard Bardill, dass er nach drei (oder vier?) Söhnen endlich --- noch einen weiteren Sohn bekommen hätte. Die Hebamme stellte gleich nach der Geburt fest, dass dem Kind eine Handlinie fehlte – und das sei ein Hinweis auf das Down-Syndrom. Anfangs hatte er mit seinem Schicksal gehadert, aber mittlerweile ist der Junge sechs Jahre alt, und Linard empfindet das Leben mit diesem Kind als Bereicherung. Er nennt ihn Mein kleiner Buddha, und das war auch der Titel des nächsten Liedes. Auch Pippo Pollina hatte die Bühne kurz für sich alleine. Zuerst sang er ein Lied, zu dem er sich nur mit einem Tamburin begleitete. Dieses Instrument kenne ich nur aus dem Sportunterricht in der Schule und war völlig fasziniert, was man da rausholen kann. Außerdem sang er Konstantin Weckers Was für eine Nacht, eine Zeile lang versuchte er, so wie dieser zu klingen. Das Publikum merkte die Absicht und war ganz und gar nicht verstimmt, er erntete dafür einen Lacher und Zwischenapplaus. Trotz des Regens hat mich das Konzert total begeistert. Ein Italiener, der (u. a.) in Schwizerdütsch singt, das hat was - und ich musste mir anschließend die CD Caffè Caflisch kaufen, die ich mir selbstverständlich auch von den beiden signieren ließ. Zu allen Texten gibt es im Booklet eine deutsche und eine italienische Übersetzung, wirklich sehr schön gemacht. Die Cousine aus der Schweiz kannte übrigens den Namen Linard Bardill, war aber überrascht, dass er auch singt. Er war ihr bislang 'nur' als Kinderbuchautor begegnet. Naja, an ihren bisherigen Empfehlungen war zu erkennen, dass sie nicht gerade Liedermacher zu hören pflegt. Lt. Wikipedia ist Linard Bardill Theologe, Liedermacher und Schriftsteller.
Moni und Jürgen waren am Lorenzer Platz geblieben, weil Jürgen sich für den Auftritt von 'Banshee' interessierte, das ist eine oberbayrische Band mit irischem Namen, die traditionelle irische Musik interpretiert. Sie spielten nur eine Stunde, deshalb waren sie ebenfalls um 19:30h fertig. Helmut war auch dort geblieben, um auf Gitta zu warten. Nachdem ich die CD und die Autogramme hatte, rief ich Moni und Jürgen an, damit wir uns noch einmal treffen konnten. Die beiden saßen aber schon im Auto in Richtung Heimat, Helmut hat gar nicht abgenommen. So gingen wir nur zu viert in den 'Barfüßer', wo wir schon 2007 als große Gruppe zu Gast waren. Als Abschluss des Bardentreffens wollten wir noch Eliana Burki sehen, die ab 20:30h auf der Bühne am Hauptmarkt ein Alphornkonzert geben sollte. Zwei Stunden Alphorn? Das kam uns doch etwas spanisch vor. Na gut, ich war halt der Meinung, dass ein Alphorn sehr träge ist und nur einen oder auf jeden Fall nur wenige Töne spielen kann. Ich dachte, dass für eine Melodie mehrere Alphörner benötigt würden. :gruebel: Der Aufenthalt im, bzw. vor dem 'Barfüßer' hatte doch etwas länger gedauert, sodass wir nicht von Beginn an dabei waren. Wir kamen die Straße Richtung Hauptmarkt herunter und sahen schon von Weitem Eliana Burki mit dem 3,70 m langen Instrument. Auf der großen Bühne hatte auch noch eine Band Platz genommen und sie rockten, was das Zeug hielt. Das Alphorn klang gar nicht träge und eintönig - so, wie Eliana es spielte, hörte es sich an wie eine Posaune. Ich hatte schon den Verdacht, dass es halt ein Alphorn war, das die bekannten tiefen Töne nicht spielt, aber da hatte ich mich geirrt, denn auch diese Klänge konnte sie ihrem Instrument entlocken. Wir fragten uns, woher das kleine Persönchen die Luft nahm, um dieses außergewöhnliche Instrument so virtuos zu spielen.
Marianne und Benny waren dieses Mal mit dem Auto da, um nicht wieder an die Abfahrtszeit eines Zuges gebunden zu sein. Sie beschlossen, noch einmal alle Bühnen abzuklappern, vielleicht trafen sie ja am Lorenzer Platz noch einmal auf Helmut. Meine Schwägerin und ich wollten noch ein Steak am Hauptmarkt essen und dabei noch ein bisschen Eliana Burki und ihrer Band zuhören. Der echte Thüringer verkaufte mir wieder eine echte Thüringer Bratwurst. Später gönnten wir uns noch einen Fruchtcocktail und wollten dann das Bardentreffen ausklingen lassen. Dieses Jahr hatten wir extrem viele Straßenmusiker gesehen und zum Schluss entdeckten wir noch einen, der uns sehr bekannt vorkam. Da stand unser sympathischer irischer Junge, Daoiri Farrell, den wir am Samstag im Kreuzigungshof gehört hatten. Gerade war ein Mann vom Ordnungsamt dabei, ihn zu vertreiben. Seltsam eigentlich, ob es an der vorgerückten Stunde lag? Die Begründung haben wir nicht erfahren, aber ich nutzte die Gelegenheit, ihm doch noch schnell eine CD abzukaufen. Wir wechselten noch ein paar Worte, wünschten ihm viel Glück und machten uns dann auf den Weg zu S-Bahn.
Am nächsten Morgen herrschte wieder der Ernst des Lebens vor. Meine Schwägerin musste früh zur Arbeit, und ich konnte noch in Ruhe frühstücken und duschen. Um 9:09 h fuhr meine S-Bahn und nach reibungslosen fünfeinhalb Stunden Fahrt mit dreimaligem Umsteigen, schnupperte ich wieder Pfälzer Luft.
Umfangreiche Renovierungsarbeiten hielten mich dann davon ab, diesen Bericht gleich in Angriff zu nehmen, aber nu isser ja da. Und das noch im richtigen Monat. ;-)
Viele Grüße von Petra
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Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

#29

Beitrag von Gesch » Mo 31. Aug 2009, 10:47

Liebe Petra,
Du schreibst:


Das entsprechende Lied ist von Tom Waits, heißt im Original "In the Neighborhood" und ist offenbar schon in mehreren deutschen Varianten zu finden, u.a. auch in einer kölschen Version von Gerd Kösters "The Piano has been drinking". Also auch Gerhard Gundermann hat im Grunde nur "intelligent" gecovert, indem er dieses Lied mit einem eigenen(?) deutschen Text versehen hat.
Meine Erkennbarkeit an den langen Haaren hat ja ofenbar auch Vorteile... Schade, dass Du nicht in Helmuts Vorzeit dabei warst.
herzlich
Gerd
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#30

Beitrag von fille » Mo 31. Aug 2009, 12:54

Liebe Petra!
Respekt! Nach dieser Zeit hast du einen vollständigen und interessanten Bericht abgegeben!
Sie beschlossen, noch einmal alle Bühnen abzuklappern, vielleicht trafen sie ja am Lorenzer Platz noch einmal auf Helmut.

Nein, wir haben leider niemanden mehr angetroffen. Am Lorenzer Platz war justement Schluss als wir dort hingekommen sind. Nur auf der Insel Schütt war noch was los. Da ging es zu wie auf dem Oktoberfest und das ist zu viel für mich.
Im Programmheft werden übrigens die vielen Straßenmusiker als Plus und offenbar gern gesehen aufgeführt.

Wie bereits gesagt, ich finde die vielen Straßenmusikanten eine sehr gute Ergänzung. Wer das nicht schätzt, kann ja von einer Bühne zur anderen gehen ohne nach links oder rechts zu schauen. Allerdings entgeht ihm dann einiges!
@Helmut und Gesch
"Früher war alles besser!" So empfinde ich eure Aussagen, wenn ich eure Beiträge lese. Aber ihr wisst ja selbst, dass nichts so bleibt, wie es einmal war. Sicher ist nur die Veränderung. Ich weiß nicht, wie das Bardentreffen früher war. Ich weiß nur, dass es mir so gefällt, wie es jetzt ist.
Vielleicht sollte es seinen Namen wirklich ändern. "Weltmusikfestival" wäre ein guter offizieller Name. Allerdings finde ich auch, dass die sogenannten Schwerpunktländer zu wenig vertreten sind. Letztes Jahr war es Finnland und es waren kaum finnische Gruppen da.
Sollte ich mal zur richtigen Zeit in der Nähe von Bern sein, werde ich das dortige Festival oder Treffen oder wie auch immer gerne besuchen.
Liebe Grüße
Marianne
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#31

Beitrag von Doro1100 » Mo 31. Aug 2009, 20:27

Hallo Petra,
vielen Dank für Deinen interessanten und ausführlichen Bericht. So ein Bardentreffen ist stressig, das ist mir jetzt richtig klar geworden. ;-)
Linard Bardill hat mich sehr neugierig gemacht. Der Name war mir bereits ein Begriff (auch von Piet, der ja öfters Infos über ihn bringt), aber mich noch nie näher mit diesem Künstler beschäftigt.

War aber nun schon auf seiner HP mal stöbern und was ich gehört habe, hat mir richtig gut gefallen. :-)

Liebe Grüße
Doro :doro:
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#32

Beitrag von Clemens » Di 1. Sep 2009, 08:23

Hallo Leuts,
Außerdem sang er Konstantin Weckers Was für eine Nacht, eine Zeile lang versuchte er, so wie dieser zu klingen. Das Publikum merkte die Absicht und war ganz und gar nicht verstimmt, er erntete dafür einen Lacher und Zwischenapplaus.

Der Name war mir bereits ein Begriff (auch von Piet,...

@ Piet
An dieser Stelle einmal mehr Danke für Dein unermüdliches Treiben ;-).
@ Petra
Sicher kenne ich nicht viel von Linard Bardills Liedern, aber auf der CD, welche ich mein Eigen nenne, ist des öfteren eine auffällige Ähnlichkeit zu Weckers Stimme und Art zu entdecken. Ich empfinde das, nach dem es mich stutzen ließ, weder als aufgesetztes Kopieren noch als Makel.
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#33

Beitrag von Petra » Di 1. Sep 2009, 10:46

Hallo Clemens,

Petra schrieb:
Außerdem sang er Konstantin Weckers Was für eine Nacht, eine Zeile lang versuchte er, so wie dieser zu klingen. Das Publikum merkte die Absicht und war ganz und gar nicht verstimmt, er erntete dafür einen Lacher und Zwischenapplaus.

in diesem Moment ist gerade von Pippo Pollina die Rede. :roll: Der singt übrigens auch Grida no, Weckers Sage nein.

Sicher kenne ich nicht viel von Linard Bardills Liedern, aber auf der CD, welche ich mein Eigen nenne, ist des öfteren eine auffällige Ähnlichkeit zu Weckers Stimme und Art zu entdecken. Ich empfinde das, nach dem es mich stutzen ließ, weder als aufgesetztes Kopieren noch als Makel.

Welche CD hast Du denn? Wenn es Caffè Caflisch ist, hörst Du bestimmt Pippo Pollina als Wecker heraus, die beiden treten ja ab und zu miteinander auf. Auf die Idee, dass Linard Bardill wie Wecker klingen könnte, bin ich noch nicht gekommen, zumal Linard ja schwizerdütsch oder rätoromanisch singt.
In dem von mir beschriebenen Moment, hat Pippo Pollina aber deutlich und absichtlich seine Art zu Singen geändert - eine kleine Hommage an den Texter und Komponisten des Liedes oder einfach nur ein kleiner Scherz, der ja auch gut angekommen ist. Wie gesagt, die beiden waren super drauf - vielleicht war es ja ein spontaner Einfall oder er macht das immer, wenn ein Konzert so gut läuft, man weiß es nicht. Zu Linard hätte diese Einlage eigentlich nicht gepasst, der hat ja ein ganz anderes Temperament.
Viele Grüße von Petra
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Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

#34

Beitrag von Gesch » Di 1. Sep 2009, 12:10

Hallo Marianne,
ich kann Dein Empfinden zu unseren beiträgen ja kaum beeinflussen...

fille schrieb:
@Helmut und Gesch
"Früher war alles besser!" So empfinde ich eure Aussagen, wenn ich eure Beiträge lese. Aber ihr wisst ja selbst, dass nichts so bleibt, wie es einmal war. Sicher ist nur die Veränderung. Ich weiß nicht, wie das Bardentreffen früher war. Ich weiß nur, dass es mir so gefällt, wie es jetzt ist.


... aber ich fühle mich doch missverstanden, wenn es allein so rübergekommen ist. Mir geht es nicht darum, die "guten alten Zeiten" hochzuhalten, sondern darum, diejenigen zu kritisieren, die offenbar unter falscher Flagge segeln. Ich habe nichts gegen Neuerungen - aber fühle mich düpiert, wenn sie hinten herum eingeführt werden und ich doch mit einer anders gearteten Verheißung angelockt werde.
Ich hab nichts gegen Weltmusik - im Gegenteil, es ist auch stets Bestandteil unserer Besenkammerprogramme. Aber ich finde es einfach aufrichtiger, wenn sie auch als solche offensiv angekündigt wird, und zwar gleich in der Benennung des Events, und nicht nur fast versteckt in den Detail-Beschreibungen.

@ Petra:
Pippo gönnt sich und seinem Publikum häufig den Spaß einer kurzen "Wecker-Kopie", ähnlich wie Joan Baez ja auch gerne mal eine Zeile in der Art von Bob Dylan singt.
Pippo wird genau wissen, wie groß Weckers Anteil daran ist, dass er sich in Deutschland ein Publikum erschließen konnte, und so eine Kurz-Parodie bietet sich ja gerade zu bei einem der von beiden erarbeiteten Stücke an.
Bei der Gelegenheit: Ich hab eine Zeit lang Weckers Stimme als viel zu maniriert empfunden und eher Assoziationen mit Zarah Leander bekommen, wenn ich ihn hab knödeln hören. Mein Eindruck ist inzwischen allerdings, dass er wieder "normaler" singt - oder ich bin nachsichtiger oder "belastbarer" geworden...
herzlich
Gerd
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Bardentreffen 2009 in Nürnberg - Schwerpunkt Schweiz - Wer kommt?

#35

Beitrag von Piet » Di 1. Sep 2009, 22:51

Hallo Petra,
auch von mir noch einen herzlichen Dank für Deinen tollen Bericht über das Bardentreffen. Wenn ich solche Anlässe nur auch so gut zusammenfassen könnte, wie Du;-) .
Ich hatte mir ja schon lange einmal vorgenommen, zu einem Pippo Pollina Konzert zu gehen. Er kommt ja jedes Jahr nach Bremen. Und ich hatte viel Gutes über seine Konzerte gehört. Das hat aber nie geklappt.
Umso toller war es, dass in diesem Jahr beide, Pippo und Linard, in Oldenburg aufgetreten sind. Um Linard zu erleben, "muss man" (die Schweiz ist bestimmt eine Reise Wert;-) ) ja in die Schweiz fahren. Auf jeden Fall ist das aufwändiger, als in Bremen zu einem Pippo Pollina Konzert zu gehen :-D .
Was ich aber eigentlich sagen wollte: ein Konzert mit den beiden ist atemberaubend. Und die Stimmung in Oldenburg war so entspannt und leicht...Es war so gute Musik, die ich da gehört habe. Und die Geschichten über Migranten, die ja ein Grundthema auf der neuen CD sind, als Fremder in der Fremde sein...im Caffè Caflisch. In Oldenburg hat Pippo die Nummer mit dem Tamburin übrigens auch gebracht, toll.
Linard Bardill hat auch eine CD rausgebracht, auf der er Hochdeutsch singt. Die ist zwar schon älter, aus dem Jahr 1990 (die Aufnahme stammt sogar aus 1988), aber absolut empfehlenswert (Lieder verbrannter Dichter).
Aber selbst die CDs, auf denen er nicht Hochdeutsch singt, sind allein schon musikalisch empfehlenswert. Labyrinth aus 2003 gefällt mir zum Beispiel ausgesprochen gut.
@Clemens: Die Stimme von Linard Bardill würde ich auch nicht mit Konstantin Wecker in Verbindung bringen. Linard hat aber eine ausdrucksstarke Stimme... ich will mir die CDs daraufhin nochmal anhören. Ich habe ja mittlerweile fast alle CDs von ihm und hören tue ich sie immer wieder gern:-D.
Eigentlich gehts in diesem thread ja überwiegend um das Bardentreffen, das mußte jetzt aber mal sein!
Herzliche Grüße
Piet
P.S. Dabei fällt mir ein, dass irgendwann mal ein Liedertreffen in der Schweiz angedacht ist...Schöne Aussichten :-)!
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#36

Beitrag von Petra » Di 1. Sep 2009, 23:26

Hallo Piet,

Wenn ich solche Anlässe nur auch so gut zusammenfassen könnte, wie Du ;-).

zusammenfassen ist gut, 'ausbreiten' wäre vielleicht treffender. *ggg*

Was ich aber eigentlich sagen wollte: ein Konzert mit den beiden ist atemberaubend.
:daumen:

Eigentlich gehts in diesem thread ja überwiegend um das Bardentreffen, das mußte jetzt aber mal sein!

Stimmt, das musste sein. Eines habe ich übrigens noch vergessen, was ich unbedingt berichten wollte:
Am Ende des Konzertes stellten die beiden sich noch einmal gegenseitig vor, wie man das bei Bands kennt, wo am Schluss die einzelnen Musiker namentlich genannt werden.
Pippo Pollina sagte: "An der Gitarre und am Gesang: Linard Bardill!"
Und Linard: "An der Gitarre, am E-Piano, am Gefühl und am Gesang: Pippo Pollina!"
Ich habe ja Vieles gekürzt, aber das wollte ich eigentlich nicht weglassen. :roll:
Habe gerade auf Pippos Homepage gesehen, dass er demnächst in Lohsingen spielt, das müsste in Schwaben sein. Jetzt müsste man nur noch wissen, wo genau (da steht Studio Atelier). :gruebel:
LG Petra
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Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
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