Projekt "entwaffnende Lieder"

Dieses Forum beinhaltet Themen rund um das Werk von Gerd Schinkel, Sänger eigener Lieder, deutschsprachiger Rootsmusiker, Jahrgang 1950. Gerd Schinkel ist hier im Forum unter dem Nicknamen "Gesch" bekannt. Weitere Informationen auf seinen Webseiten: http://www.gerdschinkel.de/ und http://gerdschinkel.jimdo.com/
Antworten
Gesch
Liedermacher/in
Liedermacher/in
Beiträge: 546
Registriert: Mi 13. Mai 2009, 00:04

Projekt "entwaffnende Lieder"

#1

Beitrag von Gesch » So 8. Apr 2018, 20:19

Ihr Lieben,
mal ein aktueller Blick in meine Liederwerkstatt:
Ich bin vor einigen Wochen auf ein Projekt der US-Singer/Songwriterin Mary Gauthier gestoßen, das mich fasziniert hat. Mir war die Sängerin von ein paar früheren Platten bereits als Roots-Sängerin bekannt, die mit sparsamen Arrangements unter die Haut gehende Lieder zu schreiben versteht.
Mary Gauthier hatte sich in einer Liederschreib-Werkstatt mit Veteranen der US-Army aus dem Irak-Krieg und deren Angehörigen dem Versuch gewidmet, die Traumata dieser Kriegsteilnehmer und die Erfahrungen ihrer Angehörigen mit den tramatisierten Heimkehrern in Liedern zu verarbeiten. Heraus kam dabei die CD Rifles & Rosary Beads, die ich mir aus den USA bestellt habe. Manche Kritiker halten sie schon jetzt für den wichtigsten Tonträger, der mutmaßlich in diesem Jahr in den USA erschienen ist/sein wird.
In den vergangen beiden Wochen habe ich die elf Lieder ins Deutsche zu übertragen versucht, hab dabei Anregungen erhalten, die in eigene Lieder zu diesem Themenkomplex mündeten und Mary Gauthiers Lieder - wie ich finde - gut ergänzen.
Es ist gewiss kein unterhaltsames oder fröhliches Programm, und ich bin mir auch nicht sicher, ob es überhaupt komplett konzerttauglich ist, weil es eher Betroffenheit als Fröhlichkeit bewirkt. Aber in Zeiten, in denen die Herrscher waffenstarrender Nationen wieder mit den Ketten rasseln, ist es vielleicht ein kleiner Beitrag, ohne Kriegserklärung Erklärendes zum Krieg zu schreiben und zu singen, um so größere Friedenssehnsucht auch bei denen zu wecken, die Krieg - wie ich - nur aus der Tagesschau kennen.
Doch dass Krieg uns mittlerweile doch hautnah rückt, erleben wir an den Menschen, die bei uns Schutz und Zuflucht gesucht und einige ja auch gefunden haben. Hinzu kommen die posttraumatischen psychischen Schäden, mit denen mittlerweile auch junge deutsche Soldaten von ihren Kriegseinsätzen zurückgekehrt sind und mitten unter uns leben. So gesehen wäre dieses Programm mit "entwaffnenden Lieder" vielleicht etwas für den Volkstrauertag... Aber eine CD ist natürlich auch in Arbeit.
Herzlich
Gerd
Dieser Beitrag enthält 339 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


URL:
BBcode:
HTML:
Links zu diesem Beitrag verstecken
Links zu diesem Beitrag anzeigen

Nicky
Beiträge: 505
Registriert: Mo 7. Sep 2009, 11:46
Alter: 42
Kontaktdaten:

Projekt "entwaffnende Lieder"

#2

Beitrag von Nicky » So 29. Apr 2018, 15:37

Lieber Gerd,
heute habe ich endlich deine neue CD „Zuviel Krieg – entwaffnende Lieder“ gehört. Obwohl ich sie jetzt schon ein paar Tage bei mir liegen hatte, hab ich doch gemerkt, wie sich etwas in mir sträubte, mir eine ganze CD voller (Anti)- Kriegslieder anzuhören.
Jetzt, nach dem hören, weiß ich gar nicht mehr so genau warum, denn es sind wirklich gute Lieder geworden, von deren schwere man wider Erwartend doch nicht erschlagen wird.
Ich hatte mir im Internet vorher die Original Lieder von Mary Gauthier angehört und fand sie nicht schlecht. Deine Übertragungen gefallen mir jedoch besser, vielleicht, weil es für mich auch entspannter ist deutsche Texte zu hören als englische.
Besonders gut gefallen haben mir aber deine eigenen Lieder zum Thema, die du mit unter die Gauthier Lieder gemischt hast. In deinen Texten habe ich vieles aus den Erzählungen meines Ops´s (2. Weltkrieg) und besonders meines Bruders (Afghanistan) wiedergefunden. Besonders die Melodien und Begleitungen nehmen den Liedern etwas die schwere.
Die Lieder auf deiner CD zeigen, das Krieg ist immer gleich grausam ist. Egal wo und wann er statt findet. Umso wichtiger sind Lieder, wie die auf deiner CD, die wachrütteln, erinnern und aufzeigen, das der Krieg für die Soldaten nicht immer vorbei ist, nur weil sie wieder zu Hause bei der Familie sind. Für viele fangen die Probleme dann erst an, wenn sie sich wieder im „normalen“ Leben zurechtfinden müssen. Interessant fand ich auch, die Sache aus der Perspektive von Partnern oder Angehörigen mit zu beleuchten.
Ein interessantes und wichtiges Projekt, das du dir da vorgenommen hast. Ist wirklich sehr gut geworden.
Gib mal Bescheid, wenn du eine Möglichkeit gefunden hast die Lieder öffentlich zu singen. Würde ich mir gerne anhören.........wenn du dich dieses Jahr schon vorm LT drückst. ;-)
Alles Liebe
Nicole
Dieser Beitrag enthält 313 Wörter


...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...

URL:
BBcode:
HTML:
Links zu diesem Beitrag verstecken
Links zu diesem Beitrag anzeigen

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag