Eure Lieder und die Geschichten dahinter

Du hast selber ein Lied geschrieben und willst ein ehrliches Feedback? Dann sei mutig und teile Deine Gedanken und Ideen mit uns. Wir können nicht versprechen, dass wir alles gut finden, aber wir werden uns um ein ehrliches und konstruktives Feedback bemühen.
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Nicky
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#1

Beitrag von Nicky » Di 30. Jun 2015, 09:58

Ihr Lieben,
Carschti hatte in einem anderen Beitrag angeregt, dass wir uns doch auch mal über unsere Lieder und die Geschichten dahinter austauschen könnten.
Ich finde die Idee gut und dachte, ich mach mal den Anfang, in der Hoffnung, dass mir andere von euch folgen werden. :-)
Ja Nein Vielleicht
Es waren unsere Kinderjahre
Viel mehr Zeit für uns gab´s nicht
Lachen, spielen, glücklich sein
Nur das allein war unsere Pflicht
Kleine Zettel mit nur kurzen Fragen
Nichts, worüber man mit Großen spricht
Kinder, die sich wortkarg offenbaren
Ja, nein, vielleicht, ich weiß es nicht
Refrain:
Magst du mich
Ja Nein Vielleicht
Ein ganzes Leben hat es nicht gereicht
Am Lagerfeuer Lieder singen
Party, Lampions, Musik und Tanz
Mit Spukgeschichten näher bringen
Vergessen konnt´ ich´s niemals ganz
Küsst du mich?
Ja Nein Vielleicht
Ein ganzes Leben hat es nicht gereicht
Ferienzeit, am Ufer sorglos spielen
Das Wasser lachte und dich nahm der See
Ich blieb zurück, allein mit meinen Fragen
Und ohne Antwort, das tut heut noch weh
Liebst du mich?
Ja Nein Vielleicht
Ein ganzes Leben hat es nicht gereicht
Gitarrenklänge in meinen Ohren
Das einzige was mir geblieben ist
Dein Lieblingslied „Über den Wolken“
Hör ich´s, dann spür ich das du bei mir bist
Vergisst du mich?
Ja Nein Vielleicht
Ein ganzes Leben hat es nicht gereicht
Die Geschichte dahinter:
Vermutlich kennt jeder von uns diese kleinen Zettelchen, die man als Kinder austauscht „Willst du mit mir gehen? Kreuze an: Ja Nein Vielleicht“
Damals im Ferienlager - ich war in diesem Sommer damals 10 Jahre geworden - habe ich so ein Zettelchen an meinen Schulfreud gegeben.
Bevor ich ihn zurück bekommen habe, ist er im See ertrunken. Was, und ob er etwas angekreuzt hat, habe ich nie erfahren.
Dieses Lied ist eine Erinnerung an diese Zeit und eine Feststellung, dass man im Leben nicht auf alle Fragen eine Antwort erhält……
Die Stelle mit dem Lieblingslied „Über den Wolken“ ist übrigens tatsächlich wahr. Obwohl es mir damals mit 10 Jahren natürlich noch nicht klar war, das der Meyster dahinter steckte.
Damals war es einfach DAS Lied, das in Ferienlagern am Feuer gespielt wurde…..Wer hätte damals gedacht, das mich 30 Jahre später im einem Kreis von Freunden des Meysters wiederfinde…… :-)
Alles Liebe
Nicole
Dieser Beitrag enthält 391 Wörter


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migoe
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#2

Beitrag von migoe » Di 30. Jun 2015, 10:26

Dieses Lied ist eine Erinnerung an diese Zeit und eine Feststellung, dass man im Leben nicht auf alle Fragen eine Antwort erhält……

Schluck. ... sehr bewegend. Danke fürs teilen.
migoe
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Liebe Grüße aus Rothenburg

migoe | www.liedermacher-forum.de
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#3

Beitrag von Bardou » Di 30. Jun 2015, 12:02

Das gefällt mir sehr sehr gut Nicky!
Bardou
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Bardou

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#4

Beitrag von Anne1986 » Di 30. Jun 2015, 16:59

Liebe Nicky,
dein Lied und die Geschichte dazu - :hutzieh: wow, ich bin tief beeindruckt. Und sehr berührt. Und irgendwie - sprachlos. Ich äußere mich bestimmt noch mal dazu, wenn ich meine Gedanken geordnet gekriegt habe und Worte dazu finde. Soviel aber schon jetzt: Du solltest unbedingt weiterschreiben! Danke für dein Vertrauen, dass du diese Geschichte mit uns geteilt hast!
Deine Anne
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Marc
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#5

Beitrag von Marc » Di 30. Jun 2015, 17:15

Liebe Nicole,
hach, wenn ich daran denke, wie Du mit zittrigen Knien und Händen die Bühne bei Deinem zweiten Liedertreffen erklommen hast, und wenn ich mich daran erinnere, wie überwältigend für Dich die Entdeckung des Kapodasters war... und wenn ich nun lese und in Gedanken höre, was Du selbst schreibst und singst - dann muss ich mir vor Freude und Rührung glatt eine Träne wegwischen!
Chapeau, Schwesterherz! Mach weiter so!
:knuddel:
Marc
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So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.

Hannes Wader

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Carsten K
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#6

Beitrag von Carsten K » Di 30. Jun 2015, 18:17

Danke Nicole! :-)
Genau war meine Anregung gemeint, und ich bin beeindruckt, was Du daraus gemacht hast.
Allein schon der Text an sich gefällt mir gut, Deine Idee, diese "Ja-Nein-Vielleicht"-Zettelchen als "Aufhänger" zu nehmen, die wir alle aus unserer Kindheit kennen. Ich habe den Text erstmal (ohne die Geschichte dazu) gelesen und musste schmunzeln, weil ich mich dabei an meine eigene Kindheit erinnert habe, und was man in einem bestimmten Alter für merkwürdige Dinge treibt... Allein das könnte schon ein Thema für ein gutes Lied sein, weil es das Publikum "abholt" und zum Nachdenken über die eigene Biografie anregt.
Aber da ist dann noch mehr als die Erinnerung an schöne Kindheitserlebnisse, die mich schmunzeln lässt. Die letzte Refrain-Zeile "Ein ganzes Leben hat nicht gereicht" passt irgendwie nicht in diese idyllische Stimmung und irritiert, weil sie eine Melancholie vermittelt, die an Sterben, Trauer und Abschied erinnert, aber nicht an "harmlose" Kinheitserinnerungen...
Diese Irritation macht den Text um so interessanter für mich, weil ich anfange, darüber nachzudenken, was hinter der vordergründigen Ebene "Ja-Nein-Vielleicht"-Zettelchen stecken könnte. Dass da was sein muss, spüre ich beim Lesen des Textes, aber ich weiß nicht was, und das macht neugierig und einen wirklich guten Liedtext aus, finde ich.
Deine Geschichte dazu klärt mich auf, und dass Dein Schulfreund damals ertrunken ist, ist viel krasser als alles, was mir vielleicht nach dem Lesen Deines Textes in den Sinn gekommen wäre. Wie Dich das als 10jährige getroffen haben muss, kann ich mir allenfalls in Ansätzen vorstellen... Da kann ich mich Anne nur anschließen, dass Du diese Geschichte hier mit uns teilst, ist ein riesengroßer Vertrauensvorschuss und gegenüber!
Dass Du diese Geschichte, die Dich bewegt hat, dieses Lied zu schreiben, aber nicht so konkret in Deinem Text mitteilst, spricht eben auch für dieses Lied. "Dieses Lied ist eine Erinnerung an diese Zeit und eine Feststellung, dass man im Leben nicht auf alle Fragen eine Antwort erhält…" Ein Lied muss eben auch nicht alle Fragen im Leben beantworten, aber es kann Fragen aufwerfen und das Publikum zum Nachdenken anregen.
In diesem Sinne, nochmals Danke für Deinen Beitrag, Nicole! :-)
Dieser Beitrag enthält 376 Wörter


"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)

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Nicky
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#7

Beitrag von Nicky » Di 30. Jun 2015, 19:13

Ihr Lieben,
ich bin sprachlos. Vielen lieben Dank für eure Beiträge und PN´s zu meinem Lied. Beim lesen eurer lieben Antworten sind dann doch ein paar „Rührungstränchen“ gekullert. Danke. :knuddel:
Ich hatte ehrlich gesagt überhaupt nicht mit so gutem Feedback gerechnet, wobei wir vermutlich wieder bei den berühmten „Selbstzweifeln“ wären, die schon in einem anderen Thema zur Sprache gekommen sind. ;-)
Ich freue mich, das euch das Lied gefallen hat und bin gespannt von euren Liedern mit den dazugehörigen Geschichten zu lesen. :-)
Alles Liebe
Nicole
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Carsten K
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#8

Beitrag von Carsten K » Di 30. Jun 2015, 20:21

So, Thema angeregt, dank Nicky erfolgreich gestartet, wie ich finde, also stelle ich nach "Müntefering" im anderen Thread jetzt auch hier in diesem Thread ein weiteres Beispiel von mir rein, wie ein Lied entstehen kann...
Zunächst der Text:
Wenn Siegessäulen weinen
Ist der Bodensee wirklich tief genug, um alle deine Tränen zu fassen?
Warum haben die Elefanten ihre Friedhöfe verlassen?
Seit der Krügerrand praktisch wertlos ist, weil mit Antilopenhorn gestreckt wird,
haben die während der Fußball-WM in Berlin pauschal die Haftzeit halbiert.
Du hattest drei Schwestern, war'n allesamt Kerle! Verstehst du, was
ich meine?
Deine Mutter hatte zwei Schlaganfälle, dein Vater drei Raucherbeine!
Und Großväter hattest du keine, die ham' sie im Krieg
zusammengeschossen!
Und wie viele Tränen sind seitdem in den Bodensee geflossen?
Wenn Siegessäulen weinen, brechen sie sich keinen
Zacken aus der Krone.
Selbst die Trä-hä-nensäcke von Stephan Derrick
war'n ja schon erogene Zone.
Und Harry Klein mit seinen traurigen Grübchen,
die kamen doch wohl kaum vom Lachen.
Kein Verlierer würd' sich, nein, nicht einmal ich
über Siegessäulen lustig machen.
Es war nachts um drei, als wir uns auf dem Bahnhof Friedrichstraße trafen.
Er prahlte damit, er habe grad eben mit einer Jungfrau geschlafen
einer Holländerin aus den Niederlanden, blondgelockt, süße siebzehn Jahre,
und ob diese S-Bahn nach Hohenschönhausen oder nach Plötzensee fahre?
Und ob Koksen eigentlich blöd macht? Das fragte er mich außerdem,
ausgerechnet MICH, den Experten zu jedwedem Drogenproblem!
Wir rauchten ne Kippe am Bahnsteig, das war neuerdings zwar auch
illegal!
Doch wer Jungfrauen fickt, dem ist Nichtraucherschutz ja sowas von
völlig egal!
Und wenn Siegessäulen weinen, brechen sie sich keinen
Zacken aus der Krone.
Selbst die Trä-hä-nensäcke von Stephan Derrick
war'n ja schon erogene Zone.
Und Harry Klein mit seinen traurigen Grübchen,
die kamen doch wohl kaum vom Lachen.
Kein Verlierer würd' sich, nein, nicht einmal ich
über Siegessäulen lustig machen.
Doch wenn Siegessäulen weinen, ja, dann können sie einen
manchmal selbst zum Weinen bringen.
Es bräuchte dafür nicht jene Aura von Angst,
um einen dazu zu zwingen.
Und manch ein Verlierer würd' die Niederlage
gar aus freien Stücken wählen,
würden Siegessäulen einfach frei von der Leber
von ihren Verletzungen erzählen.

"Wie kommt du auf so einen Text?", wurde ich nicht nur einmal gefragt. Ich habe diese Frage nie komplett beantwortet und werde es auch jetzt und hier nicht tun, weil manche Aspekte/Schichten dieses Textes so intim und persönlich sind, mich gerade wieder aktuell bewegen und bestürzen, dass ich sie nicht in die Öffentlichkeit tragen möchte. Subtil in einem Lied, das ich Euch ja auch schon nicht nur einem LT vorgetragen habe, okay, aber ich will auch nicht alles so genau erklären müssen...
Trotzdem, es gibt eine Geschichte zu dem Lied, die ich Euch erzählen möchte:
2007 habe ich ein paar Tage Urlaub in Berlin gemacht, und als "Hobby-Liedermacher" mache ich meine Konzerte gern mal während meines Urlaubs. Gleich am ersten Urlaubsabend ein Doppelkonzert mit Konrad Endler im "Arcanoa" in Kreuzberg. Während des Konzerts versteckte sich ein seltsamer Typ hinter der Eingangstür. Als alle Gäste gegangen waren, nur noch Konrad und ich unsere Absacker tranken, setzte er sich an unseren Tisch und laberte uns mit unzusammenhängenden Sprüchen zu. Konrad (eigentlich Schriftsteller) spang sofort an, wollte ihn zu einem Interview überreden, um vielleicht einen neuen Roman über gescheiterte Existenzen zu schreiben, aber der Typ machte dicht, und Konrad musste seine letzte U-Bahn kriegen und war irgendwann verschwunden... Ich also allein mit dem Typen... Mein berufliches Gen meldet sich und fordert mich auf, ihm sozialpädogische Ratschläge zu erteilen... Zum Glück bin ich aber schon besoffen genug, um NEIN zu sagen... Ich bin hier im Urlaub und lasse meinen Beruf außen vor!... Also höre ich ihm einfach nur zu, was er mir an "Verschwörungstheorien" zu sagen hat... Am nächsten Tag bin ich immer noch so beeindruckt, dass ich das alles in mein Tagebuch eintrage, was mir aus dieser Nacht in Erinnerung geblieben ist. (1. Strophe). Das Erlebnis auf dem Bahnhof Friedrichstraße landet ebenfalls kurz darauf in meinem Reisetagebuch, und als ich wieder zu Hause bin, fasse ich die Tagebucheinträge in Reime, und manches fließt dann eben auch noch ein, was ebenso seine Geschichte hat...


Dieser Beitrag enthält 761 Wörter


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Nicky
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#9

Beitrag von Nicky » Di 30. Jun 2015, 21:36

Lieber Carschti,
schön, dass du gleich weiter gemacht hast und das nächste Lied vorgelegt hast. :-)
Ich meine, das Lied beim LT auch schon gehört zu haben. Trotzdem hab ich´s mir mehrfach durchgelesen. Es gibt ja zwei verschiedene Arten von Liedern (einmal die, bei denen vom ersten Moment an klar ist, worum es genau geht und einmal die, bei denen der Text noch ganz viel Platz für die eigene Phantasie lässt) Ich mag beide Arten. Dein Text gehört für mich zur zweiten Kategorie. Ich habe zwar deutliche Bilder dazu im Kopf, kann aber mit meiner Phantasie und deinem Text noch ganz andere Bilder erzeugen.
Du hast diesen ganz bestimmten Stil, den ich so an dir und deinen Liedern schätze und der dich irgendwie einzigartig macht.
Dazu ´ne kleine Geschichte:
Vor ein paar Wochen war ich in Hannover shoppen. Hab zwar nix gefunden, wo ich reingepasst hätte, aber im Laufe des Shopping-Tages setzten sich immer mehr Textfragmente eines neuen Liedes in meinem Kopf fest. Später am Tag traf ich mich mit Marc und erzählte, das ich beim shoppen zwar nichts gefunden hätte, aber ein neues Lied im Kopf hätte. Eines zum Thema Übergewicht. Und zwar ein Lied im „Carschti-Style“. Das beeindruckende dabei war, dass ich gar nicht mehr dazu erklären musste. Der „Carschti-Style“ spricht für sich. Jeder, der deine Lieder kennt weiß gleich, was gemeint ist. Eben dieser ganz besondere Stil. :-) Du verstehst es, ernste und witzige Sachen zu verbinden. Klasse :-)
Alles Liebe
Nicole
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#10

Beitrag von Gesch » Mi 1. Jul 2015, 09:02

Hallo zusammen,
genau darin kann ein Reiz dieses Threads liegen: Mal mehr über die Entstehung und Hintergründe eines Liedes zu erfahren, als der reine Inhalt preisgibt. Den Anlass, den Antrieb, die Emotionalität, die es entstehen ließ, ohne dass man sich dagegen zu wehren vermochte.
Ein Beispiel von mir, das für mich in der ersten Hälfte der 80er Jahre mein wichtigstes Lied in meinem Repertoire war:
Trotzige Alte
Wenn ich diese zornigen Alten seh -
Mensch, dann krieg ich soviel Luft.
Alte, die ich nicht erkalten seh,
deren Kraft noch nicht verpufft.
In ihren Adern fließt noch Hitze,
die Rente lähmt nicht ihr Gehirn.
Aus ihren Augen blitzen Blitze
und sie zeigen, wenn’s drauf ankommt, Stirn.
Wenn ich diese mutigen Alten seh,
dann ist mir vor der Welt nicht bang.
Wenn ich in die Falten dieser Alten seh,
dann weiß ich: Diesen Weg geht’s lang.
Schwach sind vielleicht ihre Glieder,
nicht stark genug für Hetz und Tanz.
Doch sie singen mit uns unsere Lieder,
und ihr Rückgrat ist noch immer ganz.
Ihr zornigen, trotzigen Alten der Republik,
von euch weiß ich,
nicht jeder Nackenschlag bricht das Genick.
Ihr mutigen, trotzigen Alten der Republik,
von euch weiß ich,
nicht jeder Nackenschlag bricht das Genick.
Wenn ich diese wachen Alten seh,
dann find ich ruhig Schlaf bei Nacht,
weil ich durch sie wohl erhalten seh,
was so vieler Jahre Kampf gebracht.
Deutscher Michel - schlaf mit Mütze!
Der Wecker kräht - wann stehst du auf?
Du liegst schon lange in der Pfütze,
stehst aufgeweicht zum Ausverkauf.
Wenn ich diese jungen Alten seh,
mit Feuer und Begeisterung,
daneben andere schalten und walten seh:
Greise, die doch noch so jung.
Dann möchte ich die Zeit entfernen,
als Schüler mit den Alten gehen.
Bei denen gibt’s soviel zu lernen,
in so viel Leben einzusehn..
Ihr zornigen, trotzigen Alten der Republik,
von euch weiß ich,
nicht jeder Nackenschlag bricht das Genick.
Ihr mutigen, trotzigen Alten der Republik,
von euch weiß ich,
nicht jeder Nackenschlag bricht das Genick.
Soweit der Text in seiner alten Fassung, den ich Menschen gewidmet hatte, die mich als jungen Menschen durch ihr großes Engagement im hohen Alter beeindruckt haben, beispielsweise bei Blockadeaktionen vor Zufahren von Raketendepots oder Unnachgiebigkeit gegenüber Obrigkeiten, wie etwa Heinrich Albertz, Heinrich Böll, Martin Niemöller, Kurt Scharf, Helmut Gollwitzer, Axel Eggebrecht, Robert Jungk, Dorothe Sölle, Walter Jens, oder auch Robert Havemann...
Dieses "alte" Lied ist dann, als in der zweiten Hälfte der 80er Jahre meine "Kinderliederphase einsetzte, aus meinem Blickfeld geraten. Dann ist mir 35 Jahre später, an einem Montag 2014 auf dem Stuttgarter Marktplatz, als sich wieder mal mehrere hundert junge und alte Demonstranten vor dem Rathaus zum Protest gegen das Bauvorhaben Stuttgart 21 versammelt hatten, beim Blick von der Kundgebungsbühne klar geworen, dass ich selbst inzwischen im Alter (nur im Alter!) nah bei denjenigen angekommen bin, die ich damals bewundert habe, und dass vor mir nun auch (immer noch? wieder?) viele junge Leute standen. So hab ich den Drang gespürt, eine nachträgliche Ergänzung meines alten Liedes zu schreiben (... ein Lied ist nie fertig...), um es den Zeitläuften anzupassen, und nicht zuletzt meinen grauen Haaren...:
Als ich vor 35 Jahren diese Verse schrieb,
da war ich noch ein junger Mann,
der diesen Alten folgend nicht mehr leise blieb,
denk noch heute gerne dran.
Inzwischen selbst mit grauen Haaren,
seh ich mich heute bei den Alten stehn -
die sich ihr Feuer noch bewahren,
und an unserer Seite junge Leute gehn.
Wenn es mich zu diesen wachen Bürgern zieht,
dann weiß ich, es ist nie verkehrt,
dass man bei Nackenschlägen sich nicht niederkniet
und weiter sich beharrlich wehrt.
Und zeigt man dabei klar und deutlich,
dass man nicht alles wehrlos schluckt,
ändert das Land sich auch erfreulich,
wenn man sich nicht mehr viel zu häufig duckt.
Ihr zornigen, trotzigen Menschen der Republik,
resigniert nicht, mischt euch weiter ein,
habt die Zukunft im Blick.
Ihr mutigen, trotzigen Menschen der Republik,
und zeigt jedem so, nicht jeder Nackenschlag
bricht das Genick.
Und ich habe den Eindruck, dass ich mein Publikum damit erreiche, wobei es eine zu hoch gesteckte Erwartung ist, mit jedem Lied jeden erreichen, geschweige denn ansprechen zu können.
Herzlich
Gerd

Dieser Beitrag enthält 718 Wörter


Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.


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#11

Beitrag von Nicky » Mi 1. Jul 2015, 12:30

Lieber Gerd,
ich war gespannt, welches von deinen vielen Liedern du wohl wählen würdest, behaupte ich doch jetzt mal,
mich schon ein wenig in deinen Werken auszukennen. Nicht zuletzt, weil ich ja dein Buch mit den „Besengesängen“
kenne und dort praktischerweise zu jedem Lied eine kleine Entstehungsgeschichte zu lesen ist.

Die "Trotzigen Alten" hatte ich tatsächlich dabei nicht auf´n Zettel, obwohl gerade das Lied doch irgendwie nie
an Aktualität verliert. Auch jetzt wieder, wo doch viele Menschen aufstehen und sich eben trotzig gegen Entscheidungen stellen,
die einem so vor die Füße geworfen werden. Sei es Stuttgart21, Atomendlager usw.
Auch vor dem Hintergrund, das einfach immer zu wenig über „die Alten“ gesagt und geschrieben wird, die etwas bewegen oder bewegt haben. Man liest
überall nur von Verjüngungen, ob nun einige Tatortdarsteller nicht mehr ermitteln dürfen, um jüngeres Publikum zu erreichen, oder
Andy Borg seinen Musikantenstadl nicht mehr moderieren darf. Auch die Politik setzt – in Hamburg erschreckend oft – auf „junge Gesichter“
Umso schöner, das es sie noch gibt, die trotzigen Alten, und dass sie durch dein Lied auch gewürdigt werden.
Das du das Lied nach so vielen Jahren nochmal erweitert hast (und dann auch noch so passend) ist wohl der beste Beweis dafür, dass ein Lied wohl nie fertig ist,
wie auch schon von Dir in einem anderen Thema geschrieben.
Alles Liebe
Nicole
Dieser Beitrag enthält 234 Wörter


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#12

Beitrag von Helmut » Mi 1. Jul 2015, 19:45

Liebe Nicole
Jetzt muss ich doch noch reichlich spät meinen Senf dazugeben, zu deinem Lied.
Dabei handelt es sich um den Hausmachersenf von Händlmaier. Reicht es, wenn ich schreibe, dass dies mein Lieblingssenf ist?
Konkret: ich finde ein starker Text, der mich anspricht. Meine Tochter zeigte mir mal so einen Zettel von einem meiner Schüler.
Herzlich
(heut ohne Teufel)
Helmut
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Carsten K
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#13

Beitrag von Carsten K » Mi 1. Jul 2015, 20:19

Lieber Gerd,
ein Plädoyer für die Alten, das finde ich gut und wichtig. Und Deine Geschichte dazu, prominente alte Menschen, die Mut haben, sich für die Anliegen, die sie für wichtig halten, zu engagieren und dabei möglicherweise auch Nachteile in Kauf zu nehmen (siehe Robert Havemann), die Dich damals vor 35 Jahren inspiriert haben, dieses Lied zu schreiben. Alt zu sein, wird in der damaligen und leider auch heutigen Gesellschaft (wie es Nicole in ihrem Beitrag bescheibt) leider oft als Makel betrachtet, und Dein Lied setzt dem etwas entgegen, sowohl die "Jugend"-Version als auch die spätere. Kompliment! :-)
Und ich musste beim Lesen Deines Beitrags spontan an eine alte Frau denken, der ich als Jugendlicher vor 35 Jahren begegnen durfte. Diese Frau (Generation Großeltern) hatte einen Sohn mit Down-Syndrom (Jahrgang 1935, Generation Eltern), den sie 10 Jahre lang (auch mit der Unterstützung anderer) erfolgreich vor den Nazis verstecken konnte. Es war keine prominente Frau, auch keine politisch gebildete, sondern eine einfache Magd aus einem thüringischen Dorf. Aber sie wusste, wenn die Nazis mein Kind holen, dann ist es tot. Vonwegen "Wir haben ja alle nichts gewusst.", diese einfache alte Frau hat mich damals eines besseren belehrt, und ich bin dankbar, dass ich ihr und ihrem Sohn damals als Jugendlicher begegnen durfte.
Du siehst, Gerd, Dein Beitrag hat bei mir was ausgelöst, Danke!
Liebe Grüße
Carschti
Dieser Beitrag enthält 237 Wörter


"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#14

Beitrag von Bardou » Mi 1. Jul 2015, 21:09

Eure Geschichten eure Lieder - ich bin ganz fasziniert und ich würde was drum geben, jetzt mit euch, in dieser Sommernacht, Geschichten und Lieder auszutauschen, die Andersartigkeiten aufzusaugen, das Besondere des Moments zu genießen und ob der gewonnenen Nähe eine Liederfeuernacht zu erleben. Ich kann mir vorstellen, wie ihr singt und ich sehe eure Gesichter - Nicky hat uns da richtig was "eingebrockt" - Danke!!
Bardou
Dieser Beitrag enthält 66 Wörter


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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#15

Beitrag von Bardou » Do 2. Jul 2015, 01:21

Meine dritte Geschichte – weil ich mich nicht entscheiden konnte. Am 11.7. 15 führe ich zum 4.Mal in Stade ein Text-Bild-musikalisches „Werk“ auf : „Jahreszeiten“ es gibt gedankenvolle Texte von meinem Rezitator gesprochen, Bilder von verschiedenen Malern in einem „Bildergarten“ zu sehen und 14 instrumentale kurze Stücke zu hören, die ich ursprünglich für Querflöten, und Klarinette geschrieben habe – bei dieser Aufführung habe ich 2x Akkordeon, 2x Holzflöte, eine Querflöte, Kontrabass, Gitarren und Percussion dabei.
Das Ganze beginnt mit einem Lied – entstanden in Eltze. Einer dieser Tage im Winter, draußen fallen dicke Schneeflocken ich schaue aus dem Fenster und schreibe und spiele. Die Riffs sind garnicht so einfach – deshalb spannend - das Lied ist nach einer Stunde geschrieben und ich nenne es „Jahreszeiten“. Besonders an dieser Geschichte ist nur, dass mir hinterher an Hand der einzelnen Strophen klar wird, dass ich in einem Lied unbewusst meine letzten vier Jahre (szeiten) beschreibe: schwere „Verletzungen“, Tod eines Freundes, Trennung, Opa werden … ,
manchmal schreiben wir über „Walnüsse“ und entdecken kurze Zeit später die „Knackpunkte“ unseres Daseins ...
- und so viele finden sich darin wieder.
Jahreszeiten
Als der Winter Flocken verteilte
hab ich mir ein Märchen ausgedacht:
Wie über Nacht die Zeit stehen bleibt,
das schützende Eis, mit schneeweißem Kleid
auf unsterbliche Weise das Land überzieht
in tiefster Ruhe kein Leid geschieht.
Als der Frühling kraftvoll erwacht
hab ich mir ein Märchen ausgedacht:
Wie sich`s mir blühend entgegenstreckt,
in jedem Wesen ein Wunder entdeckt
den Tod überwindet, unbeirrt
zum Himmel wachsende Zuversicht wird.
Als der Sommer mich wärmend beschenkt
hab ich mir ein Märchen ausgedacht:
Wie wir beide uns leidlos lieben,
zärtlich zueinander fliegen,
allen Schmerz überwunden, zugetan
so wie wir es früher schon einmal war`n.
Als der Herbst uns stürmisch begrüßt,
hab ich mir ein Märchen ausgedacht:
wie das Laub in Farben vergeht,
der Wind schon wieder Leben aussäht
aus vergehenden Tagen sicher gewinnt,
was unermüdlich neu beginnt.
M. Witzig

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#16

Beitrag von Nicky » Do 2. Jul 2015, 14:55

@Helmut
Liebe Nicole
Jetzt muss ich doch noch reichlich spät meinen Senf dazugeben, zu deinem Lied.
Dabei handelt es sich um den Hausmachersenf von Händlmaier. Reicht es, wenn ich schreibe, dass dies mein Lieblingssenf ist?
Konkret: ich finde ein starker Text, der mich anspricht. Meine Tochter zeigte mir mal so einen Zettel von einem meiner Schüler.
Herzlich
(heut ohne Teufel)
Helmut


Lieber Helmut,
ich bin für jeden Senf zu haben. :-)
Dass es sich dabei um den milden Senf handelt, der mir besonders gut schmeckt, freut mich. :-)
Und dann auch noch ohne Teufel….mehr geht wirklich nicht. ;-)
Danke :knuddel:
@Bardou
Eure Geschichten eure Lieder - ich bin ganz fasziniert und ich würde was drum geben, jetzt mit euch, in dieser Sommernacht, Geschichten und Lieder auszutauschen, die Andersartigkeiten aufzusaugen, das Besondere des Moments zu genießen und ob der gewonnenen Nähe eine Liederfeuernacht zu erleben. Ich kann mir vorstellen, wie ihr singt und ich sehe eure Gesichter - Nicky hat uns da richtig was "eingebrockt" - Danke!!
Bardou


Als ich deine Zeilen gestern Abend gelesen habe, hätte ich auch vieles drum gegeben, mit euch zusammen zu sitzen und gemeinsam zu klimpern, zu singen und beisammen zu sein……ein schöner Gedanke, den du da mit uns geteilt hast……
……und ein schöner Text, den du auch mit uns geteilt hast. Klaus Hoffmann ist mein Lieblingspoet und ich sage hier absichtlich Poet und nicht Liedermacher, da seine Texte doch sehr poetisch sind und selten klar das ausdrücken, was eigentlich gesagt werden will. Dieser Text von dir erinnert mich sehr an die „Hoffmansche Art“ Texte zu schreiben. Da bleibt zusätzlich zu den schönen Bildern, die der Text an sich schon zeichnet, zwischen den Zeilen noch ganz viel Raum, um die eigenen Geschichten und Phantasien einzuflechten. Mag ich gerne. :-)
Alles Liebe
Nicole
Dieser Beitrag enthält 304 Wörter


...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...

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Carsten K
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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#17

Beitrag von Carsten K » Do 2. Jul 2015, 21:16

Lieber Matthias,
ein sehr poetische Text, das hat Nicole gut auf den Punkt gebracht. Bilder, die Dir an einem verschneiten Wintertag zum Thema "4 Jahreszeiten" in den Kopf und und in sie Seele gekommen sind. Und mir sind beim Lesen ähnliche oder andere Bilder zum Thema in den Kopf und in die Seele gekommen, Bilder aus den verschiedenen "Jahreszeiten" meines Lebens, weniger intellektuell, sondern eher emotional...
Bemerkenswert finde ich an Deinem Beitrag, wie Du beschreibst, wie Dich der Text, nachdem Du ihn geschrieben hast, an Deine eigenen Lebensereignisse erinnert hat. "Manchmal schreiben wir über „Walnüsse“ und entdecken kurze Zeit später die „Knackpunkte“ unseres Daseins ... - und so viele finden sich darin wieder."
Danke für Deinen Beitrag, Matthias! :-)
Liebe Grüße
Carschti
Dieser Beitrag enthält 123 Wörter


"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)

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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#18

Beitrag von Clemens » Fr 3. Jul 2015, 01:02

Egal, ob Lied oder Gedicht, ich stelle immer wieder fest, dass die am tiefsten als an eine bestimmte Person oder eigene Erfahrung gebundenen Texte eine erstaunliche "Allgemeingültigkeit" aufweisen. Manchmal, wenn ich mit meinem Aufgeschriebenen noch ganz an dessen Ursprung stehe, machen mich Freunde darauf aufmerksam, dass wirklich fast jeder seine eigenen Gedanken darin einbinden könnte.
Ich möchte ein in den letzten Stunden entstandenes Lied als Beispiel nehmen:
Eigentlich wollte ich heute mit Georg (Westwind) und Co. virtuell in Skys Plattenbau verweilen. Aber eine "Wottsepp"-Nachricht unseres Sohnes Lucas brachte mich aus dem Gleichgewicht. Der Stolz seiner Eltern - hat er doch gerade in Oxford seinen Master mit Bestnote absolviert - sollte von London nach Santa Lucia in der Karibik fliegen. Ein 7-Stunden Direktflug zu einem Arbeitsplatz, an dem wir uns gern Urlaub leisten würden. Der Flug wurde nach 3 Stunden, wegen technischer Probleme umgeleitet – zurück nach London, also noch 3 Stunden.
Ja, es ist gut gegangen. Aber, Wasser in den Augen und Kloß im Hals, habe ich zurückgeschaut auf wunderbare Gemeinsamkeiten und verpasste Gelegenheiten.
Dazu kommt, dass ich gestern ein Gespräch mit dem befreundeten Reiseleiter hatte, welcher uns bald durch Irland begleiten wird. Vorher muss er aber noch eine Reisegruppe in Norwegen begleiten. Er erzählte von seinem schlechten Gewissen, weil seine Tochter so wenig von ihm hat.
An Schlafen nicht zu denken, auch an Chatgespräche nicht – also das für Frau und Tochter des Freundes versprochene Gedicht zum eigenen „Runterkommen“ ...
Wer hat nach den Müttern des Friedens gefragt,
nach den Töchtern die Papa vermissen?
Hat ihnen denn niemand vorher-gesagt,
und wollen wir heute nichts wissen?
Nein, nein, ich rede hier nicht vom Krieg,
von Witwen, zu früh verhärmten.
Ich sehe in Mitten des Wohlstandes Sieg
Gesichter, für die wir doch schwärmten.
Und ich frage mich leise „Ist es das wert?“
Wir haben doch soviel geschafft.
Ist’s Undank, war denn so vieles verkehrt,
was haben wir bloß nicht gerafft?“
Ich sehe den Sohn und mich so allein
am Zaun vor dem Kliniktor stehen,
und es mir fallen Deine Tränen ein,
als wäre es gestern geschehen,
dass er der Oma an selbigem Ort
mit traurigem Lächeln erzählte
„Hier wohnt die Mutti.“ – es war nur ein Wort –
doch ich spürte, wie sehr es dich quälte.
Und ich fragte mich leise „Ist es das wert?“
Wir haben doch soviel geschafft.
Ist’s Undank, war denn so vieles verkehrt,
was haben wir bloß nicht gerafft?“
Da bist Du mein Freund mit Eurem Traum,
der bis heut’ an einander Euch bindet.
Er lässt für Familienzeit selten noch Raum,
da ist Angst, dass auch Liebe erblindet.
Du bist weit, da draußen im Irgendwo.
Ach Papa, ich kann nicht schlafen.
Ach Ihr Liebsten zu Hause, das ist eben so,
und ich komm’ ja zurück in den Hafen.
Und du fragst dich leise „Ist es das wert?“
Wir haben doch soviel geschafft.
Ist’s Undank, war denn so vieles verkehrt,
was haben wir bloß nicht gerafft?“
Ihr Freunde, voraus der Schritte nur drei,
zum Ruhestand aufgebrochen,
die Tochter, natürlich gabt Ihr sie frei,
am Ende der Welt verkrochen.
Euer Garten verwaist, ohne Enkel-Kind,
dem sänget Ihr gern vom Mond.
Doch es ist wie es ist und wir sind wer wir sind,
mit den Zweifeln ob es denn lohnt.
Und ich wage zu hoffen, es ist es wert,
ja wir haben noch längst nicht geschafft
zu geben, zu danken weil uns beschert,
auch da, wo wir nicht gerafft.
Dieser Beitrag enthält 598 Wörter


...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)
Was Du verschenkst, Momo, bleibt immer Dein Eigen; was du behältst, ist für immer verloren! (Eric-Emmanuel Schmitt)

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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#19

Beitrag von Bardou » Fr 3. Jul 2015, 09:19

Lieber Clemens,
ist ja garnicht lange her - da habe ich mich gefreut und sehr gelacht über deinen kurzen Vers im "Selbstspottgedicht" - heute dies. Das Nachdenken über sich und den Weg, den man geht, angesichts aller erfahrenen, sorgenvoll gedachten und bevorstehenden Endlichkeiten - manchmal führt es zu Korrekturen. Mich freut, dass du einer von diesen "Nachdenkern" bist - da bietet sich schon wieder das Glas Wein an oder die Sommernacht mit Feuerliedern- Begegnungen zu leben, die unsere Suche nach Richtung bereichern. Gut, dass es gut ging!
Herzlich
Matthias
Dieser Beitrag enthält 86 Wörter


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Eure Lieder und die Geschichten dahinter

#20

Beitrag von Bardou » Fr 3. Jul 2015, 11:07

Lieber Carsten,
seit dein Text hier im Netz steht, lese ich ihn immer wieder. Die Sorte Lieder, die Art und Weise wie du sie bringst - mein Sohn Sebastian ( Bruder von Fabian) würde dich dafür lieben. Warum ich das schreibe? Ich kenne seine Mentalität, seine Art, Lebensbestürzendes scheinbar unverständlich, gut versteckt und hammerhart auszudrücken oder in brachialer Direktheit aufhorchen zu lassen und ich liebe ihn - dafür auch, "verstehst du was ich meine?"
Herzlich
Matthias
Dieser Beitrag enthält 80 Wörter


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