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Aw: Straßenmusik
#29

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Lieber Georg,

Zitat:

Westwind schrieb:
Vielleicht spiele ich spontan mal zwischendurch irgendwo, vielleicht mal an einem Wochenende oder wenn ich die Gitarre mal auf irgendeiner Reise dabei habe.


Sollte Dich Deine Reise mal durch meine kleine Straße, an meiner Haustür vorbeiführen, dann halte an und spiel ein paar Lieder, zwanzig Minuten oder länger - offene Ohren und eine kleine Flasche Sekt sind Dir sicher!

Danke für Deinen Bericht!

Lieben Gruß,
Marc

Geschrieben: 09.09.2013
_________________
So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.


Hannes Wader
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Aw: Straßenmusik
#28

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Lieber Georg,

da ich ja schon von dir wusste, dass du wieder auf Strassenmusik-Tour gehst, habe ich schon ganz gespannt auf deinen Bericht gewartet.

Danke, dass du uns an deiner Tour und deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

Mein Neid auf deine Strassenmusikerlebnisse ist dir sicher. (trotz "verjagt werdens")

Alles Liebe
Nicole

Geschrieben: 09.09.2013
_________________
...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...
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Aw: Straßenmusik
#27

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Hallo zusammen,

nachdem sich der meteorologische Sommer nun komplett verabschiedet hat, bin ich froh, die letzten beiden Wochen noch einmal bei gutem Wetter für etwas Straßenmusik genutzt zu haben, so daß ich meinen letztjährigen Erfahrungen (siehe: Erfahrungen_Straßenmusik) noch das ein oder andere Kapitel hinzufügen kann.

An meinem „Programm“ habe ich nicht viel geändert, lediglich 4-5 Lieder ersetzt. Gespielt habe ich in 4 Städten, wo ich letztes Jahr nicht war. Eine Stadt hatte ich kurzfristig angefahren, ohne mich vorher beim Ordnungsamt über die Bedingungen zu informieren. Zwei Polizisten, die in der Fußgängerzone an mir vorbeiliefen, haben sich jedenfalls nicht an mir gestört, vielleicht haben sie mich auch gar nicht wahrgenommen

Zitat:

Weitermachen. Wenn ich vorbeikomme, schmeiß ich was rein.
Jürgen


@Jürgen: da hatte ich dieses Jahr wohl noch nicht die richtige Stadt erwischt, aber prinzipiell würde ich dazu noch vorschlagen, daß Du es Dir erst anhörst, bevor Du etwas „reinschmeißt“



Straßenmusik im Rahmen einer kleinen Städtetour:
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Allgemein: es ist schon sehr unterschiedlich, wie Leute die Darbietung honorieren, wenn sie mich nicht gerade komplett ignorieren. Manche werfen im Vorübergehen die ein oder andere Münze in den Koffer, manche ohne Blickkontakt, andere mit. Andere Leute bleiben kurz stehen und hören zu, andere setzen sich auf eine Bank und hören länger zu. Es gab auch mal vereinzelt dezenten Beifall oder mal das ein oder andere kurze Gespräch. Manche Leute schicken ihre Kinder vor, mir die ein oder andere Münze in den Koffer zu legen, vielleicht als Erziehungsmaßnahme, vielleicht aber auch, weil es ihnen selbst etwas peinlich ist. Es gibt eben eine Menge Reaktionen, und es ist schon spannend, das zu beobachten.

Das größte Lob ist natürlich, wenn sich in der Nähe eine Bank befindet, wo Leute dann Platz nehmen, um eine Weile freiwillig zuzuhören, und / oder es auch mal zu einem freundlichen Gespräch kommt.

Einen Herrn, vermutlich so um die 60, habe ich glaube ich mit einem Lied etwas irritiert. Er hat erst etwas in meinen Koffer geworfen und hat sich seitlich von mir hingestellt, um dem nächsten Lied zuzuhören. Nach einem Blick auf meine Liederliste ging mir kurz durch den Sinn, daß das nächste Lied inhaltlich vielleicht bei diesem Herrn nicht ganz so gut ankommen könnte, aber manche Dinge erfährt man eben nicht, wenn man sie nicht ausprobiert , und so spielte ich eben ein Lied über „Volksmusik“ und sah, wie sich seine Miene von einem anfänglichen Lächeln zu einem etwas strengeren Blick veränderte. Er hat trotzdem bis zum Ende durchgehalten . Das ist eben der Unterschied, wenn man spielt, was man spielen möchte und nicht unbedingt das, wovon man glaubt, daß es den Leuten gefällt. Wie auch immer, nach dem Lied meinte ich zu dem Herrn, das sei natürlich etwas provokant gewesen, worauf er sinngemäß sagte: „Ja, sowas sollte man nicht unbedingt spielen“. Diese Erfahrung wird mich jedenfalls auch in Zukunft darin bestärken, auch Lieder zu spielen, die so manchen Zuhörern aller Voraussicht nach nicht gefallen.


Im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich dieses Mal 3x mehr oder weniger „verjagt“ worden.

- In einer Stadt in der Fußgängerzone kam nach ca. einer Stunde eine Dame mit einer Tüte in der Hand aus dem Geschäft, vor dessen Schaufenster ich mich gestellt hatte. In dieser Stunde hat sich öfter mal eine Angestellte aus einem Geschäft schräg gegenüber immer mal in die Tür gestellt, um mir etwas zuzuhören, daher war ich ziemlich zuversichtlich, daß es jetzt mit der gerade rausgekommenen Dame keinen großen Ärger geben würde aufgrund meiner Darbietung. Ich habe das angefangene Lied noch in aller Ruhe bis zum Ende gespielt, und hatte die Dame dann gefragt, ob es ihr zuviel geworden sei. Sie meinte, sie hätte drinnen auch Musik laufen und die Doppelbeschallung wäre eben auf Dauer doch störend. Auf meinen freundlichen und etwas ironischen Vorschlag, dann drinnen die Musik abzuschalten, wollte sie dann doch nicht eingehen und sie bat mich, ein paar Meter weiterzuziehen, und als Entschädigung überreichte sie mir die mitgebrachte Tüte, wo eine kleine Flasche Sekt drin war (ich habe sie bis heute noch nicht geöffnet und weiß noch nicht, ob sie mich nicht doch vergiften wollte . Ich vermute mal, daß dieser Sekt sonst eher als Kundengeschenk gedacht ist). Da ich die Geschäfteinhaber und -Angestellten ja prinzipiell nicht belästigen will, war es für mich kein Problem, weiterzuziehen. Und auf so freundliche und nette Weise „verjagt“ zu werden, ist absolut in Ordnung. Anders als in einer anderen Stadt:

- In einer anderen Stadt hatte ich vom Ordnungsamt die Information, daß man nach 20 Minuten den Standort wechseln sollte. Ich habe am Vorabend die Stadt nach möglichen Spielorten abgesucht, da allerdings die Innenstadt eine einzige Großbaustelle zu sein schien, ich aber trotzdem irgendwo spielen wollte, habe ich mir den zum Rathaus gehörenden Bogengang (Säulengang / Arkade, oder wie man das nennt) ausgesucht. Nach 15 Minuten kam jemand in Hemd und Krawatte aus dem Rathaus heraus und erzählte in einem unvollständigen Satz irgendetwas von 15 Minuten. Ich entgegnete ihm, daß ich vom Ordnungsamt die Information hätte, 20 Minuten spielen zu dürfen und sagte, noch ein Lied zu spielen. Das war für ihn in Ordnung. Da aber dieser Durchgang ohnehin an eine Baustelle grenzte, und kaum Platz war, daß Leute hätten stehenbleiben können, und ich nicht den Eindruck hatte, irgendjemanden beglücken zu können, habe ich mir einen anderen Platz gesucht:

- der neue Platz war eine Treppe an der größten Kirche der Stadt. Dort kam auch nach ca. 15 Minuten eine Dame und meinte im freundlichen Ton, es sei nicht gewünscht, wenn ich an diesem Ort Geld sammeln würde, und die Musik würde „nicht ins Gesamtbild“ passen. Man weiß ja nie, ob manche Leute wirklich etwas zu sagen haben im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit oder ob sich so manche Leute nur wichtig machen wollen, wenn man sie nicht direkt fragt. Das nächste Mal würde ich vermutlich anders reagieren, aber dieses Mal habe ich mich eben verdrückt, und zwar direkt in eine andere Stadt.

Das „Verjagen“ war somit kein richtiges Verjagen, sondern eher jeweils die freundliche Bitte, einen anderen Ort aufzusuchen. Da haben andere Leute vermutlich schon wesentlich schlechtere Erfahrungen gesammelt. Das habe ich somit für mich nicht unbedingt auf die Qualität meiner Darbietung bezogen und somit auch nicht persönlich genommen. Klar, wer richtig gut ist, der schafft es vielleicht auch, sein komplettes Programm an diesen 3 Orten „durchzubringen“. Aber für mich kam es ja „nur“ darauf an, Erfahrungen zu sammeln, wie „meine“ Musik ankommt.


Straßenmusikfestival (StraMu) Würzburg:
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Ich hatte mich für die diesjährige Teilnahme am Straßenmusikfestival in Würzburg beworben und eine Absage erhalten (womit ich auch gerechnet hatte und dies somit keine Enttäuschung war). So konnte ich zwar nicht am offiziellen Programm teilnehmen, aber seit letztem Jahr gibt es bei dieser Veranstaltung das sogenannte „Freiufer“ an der Mainuferpromenade, wo man sich auch kurzfristig noch anmelden kann (am gleichen Tag ab 10 Uhr, um dann bis zu 3x für jeweils maximal 1 Stunde noch etwas darbieten zu können).

Dabei muß es nicht zwangsläufig Musik sein, sondern es sind auch künstlerische Darbietungen jeglicher Art willkommen, die das Festival bunter und abwechslungsreicher machen. Es dürfen auch eigene CDs verkauft werden.

Bei Interesse können weitere Details dazu unter StraMu_Würzburg nachgelesen werden. Nachdem ich noch lange unentschlossen war, ob ich am „Freiufer“ spielen möchte, habe ich letztendlich die für mich weite Anreise nicht gescheut und wollte dieses Festival mal aktiv und passiv kennenlernen.

Ich finde die Idee mit diesem Freiufer prinzipiell eine feine Sache, vor allem aus meiner Sicht für Straßenmusikneulinge, die sich mal öffentlich ausprobieren wollen, aber vielleicht noch nicht soviel Mut aufbringen, dies in einer Fußgängerzone zu tun.

Auf große Einnahmen sollte man vielleicht aber eher nicht spekulieren, dazu gibt es einfach ein viel zu großes künstlerisches Angebot an diesen Tagen. Dazu kommt noch, daß sich das Hauptprogramm eben überwiegend auf die verschiedenen Spielorte in der Stadt verteilt, so daß sich viele interessierte Besucher eher dort einen jeweiligen Programmpunkt aussuchen, und sich für das Mainufer nicht allzuviel Zeit nehmen.

Etwas schade ist es, daß die Spielorte am Mainufer relativ nah beieinander liegen, und wenn dann am Nachbarspielort eine Formation mit mehreren Gitarren und mehreren lauteren Stimmen agiert, ist es eben sehr schwer, sich mit leiseren Tönen Gehör zu verschaffen. Erschwerend kommt dann manchmal noch hinzu, wenn von der Brücke verstärkte Musik herüberschallt. Dies sind natürlich alles meine Wahrnehmungen und Eindrücke, das mögen andere Teilnehmer anders erlebt haben.

Bei mir blieben vereinzelt Leute mal stehen, aber das war wirklich die Ausnahme. Von den Passanten gab es zwar viele wohlwollende Blicke, aber es blieben eben nur selten mal Leute stehen. Da hatte ich in den Fußgängerzonen, wo ich vorher gespielt hatte, mehr Aufmerksamkeit.


Mein Fazit: Ich kenne ja meine Grenzen, was Gitarrespiel und Gesang betrifft, daher hatte ich da keine Erwartungen, sondern einfach nur Neugierde, und die Bewerbung für das offizielle Programm war einfach mal ein Versuch, und die Teilnahme am „Freiufer“ dann einfach Neugierde.

Vielleicht bewerbe ich mich irgendwann nochmal, aber wenn ich keine Zusage bekomme für das offizielle Programm, werde ich wohl nicht mehr am „Freiufer“ spielen, es sei denn, ich wäre bereits soweit, daß ich eigene CDs anbieten könnte. Da wäre auch das „Freiufer“ eine Möglichkeit, etwas Werbung in eigener Sache zu machen.



Gesamt-Fazit für dieses Jahr:
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Alles in allem war es wieder schön, aber ich werde wohl in den nächsten ein bis zwei Jahren keine längere Tour mehr machen (und dafür Urlaub nehmen). Vielleicht spiele ich spontan mal zwischendurch irgendwo, vielleicht mal an einem Wochenende oder wenn ich die Gitarre mal auf irgendeiner Reise dabei habe. Ich habe viele positive Erfahrungen sammeln können, aber da ist meine Neugierde jetzt erstmal gestillt. Wenn ich mich irgendwann musikalisch vielleicht noch mal weiterentwickelt haben sollte, oder irgendwann einmal eigene Lieder haben sollte, dann wird so eine Tour vielleicht mal wieder ein Thema.

Ich bitte um Verständnis darum, daß ich hier öffentlich keine Städte nenne, in denen ich Straßenmusik gemacht habe (oder eben nicht) und auch nicht so viele Informationen über die gespielten Lieder liefere. Da sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen, und jeder hat ja seine eigenen Vorlieben. Wer aber mehr über meine Erlebnisse erfahren oder konkrete Informationen haben möchte, darf sich natürlich gerne bei mir per persönlicher Nachricht melden.

Musikalische Grüße

Geschrieben: 09.09.2013
_________________
"Ja, ich hab einen Traum von einer Welt und ich träume ihn nicht mehr still:
es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will."
[Konstantin Wecker]
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Aw: Straßenmusik
#26

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Zitat:
Auf dass Dresden weiterhin mit toller Straßenmusik beglückt werde!


Na dann, "Meister der Hühnersuppentopfnudel" - nix wie herkommen. Ich kenne mindestens 3 Leute, die gern zuhören und gewiss auch etwas in Hut oder Gitarrenkoffer werfen .

Geschrieben: 26.06.2013
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...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)

Was Du verschenkst, Momo, bleibt immer Dein Eigen; was du behältst, ist für immer verloren! (Eric-Emmanuel Schmitt)
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Aw: Straßenmusik
#25

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Dass die Stadt Dresden diese Verordnung zurückgezogen hat, ist doch eine gute Nachricht!
Es lohnt sich also, nicht alles wiederspruchslos hinzunehmen!
Auf dass Dresden weiterhin mit toller Straßenmusik beglückt werde!

Geschrieben: 25.06.2013
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Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#24

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Der Vollständigkeit halber teile ich doch noch kurz mit, daß die Stadt Dresden die erlassene Verordnung bzgl. der 25 EUR teuren Genehmigung für Straßenmusik zurückgezogen hat.

Angeblich waren sich da im Stadtrat alle Fraktionen einig, womit sich mir die Frage stellt, wie so eine Verordnung dann überhaupt auf den Weg gebracht werden konnte, aber ich sage mal: typisch Dresden.

Es soll irgendwann irgendeine Regelung kommen, aber da bin ich jetzt erstmal zuversichtlich, daß das nicht allzuschnell passieren wird, siehe Waldschlößchenbrücke und Kulturpalast

(wobei die Sache mit dem Kulturpalast eigentlich alles andere als zum Schmunzeln ist)

Grüße an alle musizierenden Freiluftakrobaten

Geschrieben: 25.06.2013
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[Konstantin Wecker]
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Aw: Straßenmusik
#23

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Solche Verordnungen wie in Dresden sind natürlich ärgerlich, nicht nur für uns Straßenmusiker selbst, sondern auch für die Leute, die Fußgängerzonen nicht nur als Einkaufszentrum sondern auch als lebendigen öffentlichen Raum nutzen wollen. Die 25 € für die Genehmigung werden viele wahrscheinlich davon abhalten in Dresden aufzutreten, gerade solche, die herumreisen und nicht jeden Tag in derselben Stadt spielen.

Solche Verordnungen können sich zum Glück aber auch schnell wieder ändern, besonders wenn sich aus der Bevölkerung Protest dagegen regt. Deshalb ist es vor allem wichtig, das ganze öffentlich zu machen. Meistens werden solche Beschlüsse nämlich gar nicht weiter bekannt (wenn man nicht gezielt danach sucht), und dann haben die KommunalpolitikerInnen, die sowas zu verantworten haben, natürlich leichtes Spiel.

Unabhängig von Dresden - ob wann wo zu welchen Kondiditionen Straßenmusik gemacht werden darf, ist immer Sache der jeweiligen Kommune, und ich kenne die jeweiligen Bestimmungen in der Regel nicht, weil diese ja auch überall unterschiedlich sein können. Ich lasse mich davon aber nicht abhalten, zu spielen, und wenn es verboten sein sollte, wird man es mir dann ggf. schon sagen, und dann muss ich eben wieder aufhören. Aber wirklich Ärger (Bußgeld o. ä.) hab ich deswegen noch nirgendwo bekommen.

Geschrieben: 29.05.2013
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Aw: Straßenmusik
#22

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Sieh's positiv.
In Frankfurt war's vor einigen Jahren auch schon mal so heftig, daß die Stadt durchgegriffen hat (ob mit einem ähnlichen Beschluß weiß ich nicht, aber denkbar wär's). War aber auch nicht mehr schön, sondern einfach nur laut und irgendwann war man dermaßen abgestumpft, daß man keinen Funken Aufmerksamkeit mehr für die Musiker am Straßenrand (oder das, was sich so genannt hat) übrig hatte oder sich nicht auf sie konzentrieren konnte, weil sich die Straßenmusiker gegenseitig in Sachen Lautstärke Konkurrenz machen mußten. Das ist kein wirklich fruchtbarer Boden für Straßenmusik. Warte ein bißchen, bis sich die Geschichte ausgesiebt hat, dann wird's bestimmt auch was mit Dresden.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 28.05.2013
_________________
"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
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Aw: Straßenmusik
#21

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Heute stand in der Zeitung, daß ab dem 27.5.2013 , also annähernd gestern, in Dresden eine Genehmigung erforderlich ist, wenn man auf der Straße musizieren will.

Und die kostet 25 EUR , ist zwar 1 Woche gültig, aber für Leute, die nur gelegentlich mal spielen wollen, ein heftiger Tritt ans Schienbein !
Ich habe gerade beim Ordnungsamt angerufen, es gibt auch keine Staffelung, wenn man nur 1 Tag spielen will

Ich habe ja bereits Informationen zu den Genehmigungsverfahren und sonstigen Bedingungen für Straßenmusik von Ordnungsämtern in verschiedenen Großstädten gesammelt. In München muß man ja auf dem Amt vorsingen.

Aber 25 EUR ist als "Antigage" in meiner Statistik der absolute Rekord

Der Link wird zwar irgendwann vermutlich nicht mehr funktionieren, aber diese Skandalmeldung kann ich nicht für mich behalten:
Straßenmusik Dresden

Mein Frust ist gerade ziemlich grenzenlos, weil ich im Gegensatz zu anderen Städten hier noch nie mit der Gitarre auf der Straße war.

Damit bekommt Reinhard Meys Lied "Ich würde gern einmal in Dresden singen" wieder eine ganz neue Bedeutung für mich.


Geschrieben: 28.05.2013
_________________
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[Konstantin Wecker]
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Aw: Straßenmusik
#20

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Hallo meine lieben Kollegen!

Ich bin gerade auf diese Seite gestoßen und bin überwältigt von Euren Geschichten! Ihr habt meinen allergrößten Respekt!

Ich habe es noch nicht geschafft auf der Straße zu spielen! Ehrlich gesagt, hindert mich auch etwas gesundheitliches daran..aber der Mut ansich lässt hautpsächlich noch auf sich warten! Ich spiele oft vor Publikum und bin sogar sowas wie eine kleine Rampensau..hm..wer weiß..vielleicht liegt es auch daran, dass ich meine Stadt hier nicht sehr mag!

Trotzdem werde ich es tun..wann auch immer..ich werde es tun!
Meint ihr meine Lieder wären geeignet?

(hier eine kleine Auswahl..insgesamt habe ich derzeit ca 40 auswendig gelernte eigene Songs)
https://www.facebook.com/AndyRGiordano/app_178091127385

Ich mag keine Coverbands und würde niemals..auch wenn es mich ein paar Euro kosten würde..mein Set von nicht von mir geschriebenen Liedern bestimmen lassen! Meint ihr, das wäre ein wirklich großes Problem? Der Grund wieso ich einst anfing Musik zu machen, war den Menschen eine Message zu geben..daher kommt das wohl!

Eine weitere Frage..wo habt ihr auf Euren (Touren) genächtigt?
Hätte der ein oder andere vielleicht eine Liste o.ä. wo die Voraussetzungen der verschiedenen Städte aufgeführt sind?

Allerbeste Grüße aus dem Süden
Andy


Geschrieben: 11.09.2012
_________________
Giordano - Liedermacher / Gitarrenschule Ulm
www.ndeee.de

facebook: www.facebook.com/giordano.musik likes erwünscht :)
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Aw: Straßenmusik
#19

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Hallo zusammen,

nachdem die letzten Tage etwas aufregender waren - bin erstmals Opa geworden - hab ich Lust, mal aus dieser Perspektive auf das Straßenmusik-Thema einzugehen... hab ich nämlich in jungen Jahren (ja damals, kurz nach dem Krieg... als die Haare noch dunkler waren...) auch mal gemacht, so zwischen 74 und 79...

Ich bin mit der Gitarre in die Innenstadt und habe meinen Notenständer aufgestellt. Texte konnte ich und kann ich immer noch nicht auswendig. Dafür schrieb ich und schreib ich zu rasch neue, und das Risiko, plötzlich nicht mehr weiter zu wissen, war mir zu groß.

Bei der Straßenmusik hingesetzt hab ich mich am Anfang auch, weil ich keinen Notenständer aufbauen wollte und hab mir dann ein selbst angelegtes Textbuch um den Oberschenkel gebunden - Not macht erfinderisch... Später hab ich dann doch einen Notenstsänder für die Texte aufgestellt - man wird dann von vielen Leuten gar nicht mehr gesehen, wenn andere davor stehen. Und zu hören ist man "aus der Tiefe" auch schlechter.

Die leiseren Lieder - so meine Erinnerung - sollte man auf der Straße weglassen, weil sie einfach zu schwer zu verstehen sind, wenn die Leute weiter weg stehen. Lieber schmissige Songs, die man auch lauter singen kann. (Eigentlich leise Lieder laut zu singen, macht die Lieder eher kaputt)

Meine damalige Erfahrung (ich weiß nicht, ob sie heute noch gilt, sollte ich vielleicht ab nächsten Herbst, wenn ich pensioniert bin, mal wieder ausprobieren ) war die, dass je deutschsprachiger das Repertoire, desto weniger Kohle im Kasten, aber nicht etwa, weil die Leute das nicht hören wollten, sondern weil sie bei deutschen Liedern, die sie verstehen wollten, schlicht einen engeren Kreis um einen gebildet haben und damit die vorbeilaufenden potentiellen Spender nicht mehr drankamen...

Wenn ich englische Folksongs oder Hits gespielt habe, die die Leute kannten, waren die Leute spendabler, sind aber auch nicht so lange stehengeblieben oder auch gleich weitergelaufen - und man kam besser mit den Münzen dran...


Ich habe auch häufig mit meiner damaligen Band "Saitenwind" in Bonn auf dem Marktplatz gespielt - unser Chaoten-Repertoire mit Liedern von Brecht (aus Theaterstücken oder der Hauspostille), Flugblatt-Lieder von Walter Mossmann oder frühe Lieder von Wolf Biermann, politische Volkslieder (Anklagen gegen das Soldatendasein), eigene Lieder, französische Lieder. Das war auf jeden Fall unterhaltsamer, als wenn ich allein gespielt habe.

Allein hab ich gelegentlich in Fußgängerzonen von Bonn, Köln und Stuttgart gespielt, aber auch ab und zu auf der Hauptstraße in Heidelberg, wo damals noch alle Nase lang die Straßenbahn vorbeifuhr. An deutschsprachigen Liedern hatte ich dann neben meinen eigenen (damals noch relativ wenige) auch einige Lieder, die ich übersetzt hatte, Volkslieder (Trotz alledem, Bürgerlied, Gedanken sind frei, und so weiter) Lieder aus der Vor-März-Zeit (1848, von Georg Herwegh beispielsweise) und natürlich Lieder von Hannes Wader, Walter Mossmann oder Biermann...

Am günstigsten fand ich die Zeit nach Ladenschluß, also damals ab 18.30. Ich hab versucht, dann einen guten, etwas nach hinten versetzten Ladeneingang zu finden, der quasi eine Art Bühnenplatz bot, und in dem die Raumakustik für mehr Verständlichkeit sorgte. Da war dann auch kein Risiko, dass Passanten genau vor dem Notenständer vorbeiliefen...

das mal so aus dem verstaubten Nähkästchen, aus einer Zeit, als es noch kein Youtube, kein mp3, keine Batterie-Verstärker und keine Vorschriften gab, sich Straßenmusik auf dem Ordnungsamt genehmigen zu lassen oder dass man alle 30 Minuten den Platz wechseln muss. Man konnte einfach hingehen und anfangen...

wie gesagt - kurz nach dem Krieg...

herzlich
Gerd




Geschrieben: 02.08.2012
_________________
Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.
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Aw: Straßenmusik
#18

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Florenhansi, danke dir für deine bekräftigung. Ich denke, ich werde meine Gitarre einfach mal Schnappen, und mich wo hinsetzten und singen! Was soll schon groß passieren, bis auf das man lernt.

Geschrieben: 01.08.2012
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Aw: Straßenmusik
#17

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Zitat:

NeuZeitHippi schrieb:
cARSCHti glaubst du wirklich?
Weißt du, ich denke du hast schon recht.
Nur ist es mit meinen Dialektliedern so, man muss eifnach den Text folgen. Jetzt wenn jemand auf der Straße im halben Song vorbeigeht, versteht er den zusammenhang ja kaum!! Weißt du was ich mene?

Reizen würde mich es mehr wie mehr thehe

finde auch, ein sehr Intressantes Thema!

lg, NeuzeitHippi/ Manuel Zurek. Z wie Zorro

Hallo Manuel,
ich schließe mich cARSCHtis Meinung an:
probiere es einfach aus, und mache das, was Dir gefällt und was Du für richtig hältst und wozu Du stehst.

Ich hab auf meiner Tour ja jeweils zur Hälfte deutsche / englische Lieder gesungen. Hatte aber auch ein französisches Lied dabei, und habe auch 2 Lieder auf Kölsch (Bläck Fööss und BAP) und ein Lied von Ludwig Hirsch gespielt, wo ich als Nicht-Süddeutscher und Nicht-Österreicher versucht habe, zumindest ansatzweise in dem entsprechenden Tonfall zu singen.

Auf Hochdeutsch hätte ein Ludwig-Hirsch-Lied vermutlich überhaupt nicht gewirkt, aber ich wollte es auch bewußt nicht zu 100% imitieren, geht glaube ich sowieso nicht, sondern nur soweit, wie ich es halbwegs kann, und hatte auch meine Zweifel, ob ich, wenn ich schon nicht mit dem Dialekt aufgewachsen bin, mir anmaßen darf, in diesem Dialekt zu singen.

Ich hab mir dann aber auch gedacht, daß Englisch ja auch nicht meine Muttersprache ist und ich trotzdem Englisch singe (bzw bei irischen Sachen auch schon mal mit irischem Dialekt, wie es die Dubliners teilweise machen).

Fazit: also, was soll's ? Probier es einfach aus. Entweder Leute hören zu oder eben nicht. Auf die Kölsch-Lieder bin ich (positiv) angesprochen worden in einem Ort in Süddeutschland. Wer sich für das, was Du machst, interessiert, bleibt stehen und hört zu. Aber falsch ist es garantiert nicht, wenn Du in Deinem Dialekt singst, im Gegenteil, so ein Dialekt kann die Neugierde bei den Leuten wecken und erhöht definitiv die Authentizität.

Grüße,
Der Forenhansi


Geschrieben: 30.07.2012
_________________
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[Konstantin Wecker]
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Aw: Straßenmusik
#16

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cARSCHti glaubst du wirklich?
Weißt du, ich denke du hast schon recht.
Nur ist es mit meinen Dialektliedern so, man muss eifnach den Text folgen. Jetzt wenn jemand auf der Straße im halben Song vorbeigeht, versteht er den zusammenhang ja kaum!! Weißt du was ich mene?

Reizen würde mich es mehr wie mehr thehe

finde auch, ein sehr Intressantes Thema!

lg, NeuzeitHippi/ Manuel Zurek. Z wie Zorro

Geschrieben: 29.07.2012
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Aw: Straßenmusik
#15

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Ich könnte Eure Erfahrungen stundenlang lesen. Tolles Thema!
Und: Ich bleibe auch stets kurz stehen und werfe etwas hinein.

Geschrieben: 28.07.2012
_________________
>>Wunderschöne Ketten<<

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Aw: Straßenmusik
#14

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Hallo Manuel,
solltest Du einfach mal machen, ausprobieren. Immerhin ist gerade Sommer und entsprechendes Wetter für Straßenmusik...
Deine eigenen Dialektlieder sollten Dich daran nicht hindern, im Gegenteil. Es sind Deine eigenen Lieder in Deinem eigenen Dialekt, und gerade sowas wissen viele Menschen besonders zu schätzen. "Blowing in the Wind" oder "Über den Wolken" kann (und kennt) jeder, aber was eigenes, das bringt Dir bei vielen Menschen noch mal extra Wertschätzung ein. Nicht bei allen, zugegeben, aber wenn Du Dich traust, wirst Du es hinterher bestimmt nicht bereuen...
lg cARSCHti

Geschrieben: 25.07.2012
_________________
"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#13

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Jetzt muss ich auch mal wieder was schreiben
Sehr Intressant zu Lesen, eure erfahrungen.

Das gefühl, einfach mal die Gitarre zu packen, und durch Bayern zu ziehen, schwebt schon sehr sehr lange in mir.
Nur ist das "Problem", ich spiele nur meine eigenen Dialektlieder.
Ich spiele kaum bis fast gar nicht "bekannte" Songs.
Und meien Songs, sind nicht wirklich Straßentauglich.

Ich dachte eher, van Wirtshaustour. Von Wirtshaus zu Wirtshaus. Da kämen 2-3 lieder von mir sicher gut an.

Der mut, und der Wille schlafen immer irgendwie.
Obwohl es am Mut weniger scheitern soll. Drauf Gschissn´ne ...

Straßenmusik würde mich auch sehr sehr reizen!

Aber jetzt erstmal meinen Führerschein fertig machen - und dan gehts los mit Konzerte suchen, und auftritte machen.
Ich vermisse das Spielen auf Bühne, und Puplikum so sehr, mir glaubts niemand.!!

Ich bin ab und an soweit, da sich einfach meiner Mutter was vorträllere, es muss halt sein! lach

lg.

NeuZeitHippi/Manuel Zurek, Z. wie Zorro.

Geschrieben: 25.07.2012
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Aw: Straßenmusik
#12

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Hallo Michael,

ich bin beeindruckt, dann hast Du das Musizieren auf der Straße ja wirklich von Grund auf gelernt und Dich nicht entmutigen lassen
Insofern kann Dich heute vermutlich nichts mehr schocken oder umwerfen.

Als ich mit Gitarre anfing, war es natürlich damals immer schon mal ein - wenn auch nicht so intensiver - Traum, auch vor fremden Leuten auf der Straße zu singen.
Jetzt wollte ich diesen Traum endlich mal verwirklichen.

Und genau jetzt frage ich mich, warum ich das nicht einfach vor zig Jahren schon ausprobiert habe.
Klar, damals hätte ich mich nicht getraut, aber eigentlich wäre es besser und sicherlich förderlich gewesen.
Aber man müßte eben auch bereit sein, negative Erfahrungen (entsprechende Kommentare, Wasserschwall von oben usw) wegzustecken, um auch daraus neue Motivation zu schöpfen.

Kann durchaus sein, daß mich solche Erlebnisse, wie Du sie hattest, dermaßen gefrustet hätten, daß ich da über Jahre traumatisiert gewesen wäre.
Insofern hast Du meine Bewunderung für Deine damalige "Jetzt-erst-recht-mit-allen-Konsequenzen" - Entscheidung.

Empfehlen kann ich es jedem, mal auf der Straße zu musizieren, aber ich konnte das leider erst, nachdem ich von dem, was ich da mache, selbst überzeugt war.

Grüße
Der Forenhansi

Geschrieben: 25.07.2012
_________________
"Ja, ich hab einen Traum von einer Welt und ich träume ihn nicht mehr still:
es ist eine grenzenlose Welt, in der ich leben will."
[Konstantin Wecker]
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Aw: Straßenmusik
#11

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Hallo Michael,
1999 habe ich auch in Bad Hersfeld gespielt, mein erster und einziger Auftritt in der dortigen Fußgängerzone. War vielleicht nicht unser Jahr, oder Bad Hersfeld ist vielleicht nicht unsere Stadt... Obwohl ich mir gerade da bis heute nicht wirklich erklären kann, warum es so scheiße gelaufen war und mir im Nachhinein völlig nutzlos vorkam, gerade dort Straßenmusik zu machen... Ist doch eigentlich ne schöne Stadt oder? Tut aber gut zu lesen, dass es Dir damals ähnlich ging wie mir. Es lag also nicht an Dir oder mir, sondern an der Stadt...
Wer da trotzdem Straßenmusik machen will, 1999 ist 13 Jahre her, und heute kann alles ganz anders sein...
lg cARSCHti

Geschrieben: 25.07.2012
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Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#10

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Diese Thema weckt so viele Erinnerungen in mir. 1999 war es das erste Mal, dass ich alleine in Bad Hersfeld meinen ganzen Mut aufbrachte und mich wagemutig in die Fußgängerzone gestellt habe, um ein paar Lieder zu singen. Nach ca. 5 Minuten lief ein Pärchen an mir vorüber; sie schaute mich herablassend von der Seite an und bemerkte nur "Gott, singt der schlecht" Tja , ich erzähl nun manchmal bei Konzerten, dass das damit verbundene Trauma und dessen Bewältigung wahrscheinlich der Grund für mich war Musiker zu werden. So kompensiere ich noch heute

Nach der Trennung von meiner damaligen Frau hab ich dann Nägel mit Köpfen gemacht und mich (ich glaube es war 2001) 4 Sommerwochen auf die Tour quer durch ganz Deutschland gemacht. Dabei hatte ich wirklich tolle Erlebnisse und interessante Menschen kennengelernt. In Erfurt gab es mal einen Schwall Wasser von oben, der mich Gott sei Dank verfehlt hat und in Quedlinburg wurde ich auch von oben beworfen. Mein aufkeimender Ärger hielt sich aber in Grenzen als ich bemerkte, dass es ein ganzer Batzen Geld war, der in Zeitungspapier gewickelt neben mir auf's Pflaster flog. Das schönste Erlebnis war das Bardentreffen in Nürnberg, auf das ich zufällig geschneit kam, bis dato kannte ich das Treffen nicht, aber auf meiner Tour hatte mir jemand davon erzählt. Zuerst wollte ich in der Stadt singen, fand da aber alle Plätze schon von der "Konkurrenz" besetzt und weiß seitdem auch warum die peruanischen Kollegen in Straßenmusikerkreisen oft als "Inka-Terror" bezeichnet werden. Du spielst und plötzlich kommt eine fünf-köpfige Gruppe mit 4 Sackkarren an. Die platzieren sich unverblümt 3 Meter neben dich hin und bringen eine vollständige Anlage mit: 2 riesengroße Boxen auf einer Sackkarre, 4 Mikros, 1 Mischpult mit Verstärker und jetzt kommt der Clou - ein Benzinstromgenerator, der ca. 10 m entfernt aufgestellt wird. Und dann geht die Show los. Ich fand keinen Platz mehr zwischen Peruanern, Waldhornbläsergruppen aus St.Petersburg, die deutsche Volkslieder bliesen, Alphornbläsern und diversen anderen Kollegen. So sagte ich mir: Micha, guck dir wenigstens die Burg an,wenn du schon mal in Nürnberg bist. Gesagt, getan - ich erklomm dort den Berg (übrigens mit Kostüm und Lautenkoffer) und genoss die Aussicht. Mein Frust klang etwas ab und dann - ja, dann folgte das geilste, ungeplante Konzert meines Lebens. Eine Reisegruppe sprach mich an, ob ich nicht etwas zum Besten geben will. Dies tat ich und hatte irgendwann ca. 120 Leute um mich herumstehen und spielte ca. 2 Stunden lang. Ich trete jetzt seit über 10 Jahren öffentlich auf und möchte behaupten, dass ich selten ein dankbareres Publikum als an diesem Abend hatte. Mich kribbelt es heute noch, wenn ich daran zurückdenke.
Zuletzt fuhr ich dann Richtung Berlin. Bis dahin hatte ich ca. 1000 Mark zusammengesungen. Kurz vor Berlin lief dann der Motor heiß und ich rettete mich gerade noch in die Werkstatt. Das Ende vom Lied war eine Reparatur von 1400 Mark und ein trotzdem weiterhin defektes Auto. Zuhause hatte meine damalige Frau dann noch die Scheidung eingereicht, unter anderem auch weil sie stinkig darüber war, dass ich nach der Trennung nun wirklich das machte, was ich schon immer machen wollte - z.B viel Musik machen und Herumreisen. Aber dieses Detail zählt für mich auch eher zu den positiven Nebenaspekten meiner Straßenmusikerzeit

Es war toll und ich kann es jedem nur empfehlen, sich mal die Zeit für ein solches Erlebnis zu nehmen. Schnappt Eure Instrumente und ab auf Tour.

Liebe Grüße

Barde (Michael X)

Geschrieben: 25.07.2012
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Ich bin nur verantwortlich für das, was ich sage, nicht für das, was du verstehst.
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Aw: Straßenmusik
#9

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Mal ein richtiger guter Thread. Danke, Leute.
Ich habe wirklich höchsten Respekt vor jedem, der sich da auf die Straße stellt (schmerz- und merkbefreite mal ausgenommen). Zu zweit stelle ich es mir schon deutlich einfacher vor, ich glaub so wars auch bei der Kleingeldprinzessin am Anfang?!

Weitermachen. Wenn ich vorbeikomme, schmeiß ich was rein.
Jürgen

Geschrieben: 23.07.2012
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Aw: Straßenmusik
#8

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Hallo Forenhansi,

Danke auch von mir für den ausführlichen und interessanten Bericht!
:daumen:
Und Kompliment, dass Du trotz einsetzenden (Niesel-)Regens weiter gespielt und auch noch den passenden Bodo Wartke-Song gebracht hast. Das zeigt, dass Du über eine humorvolle Gelassenheit verfügst, die Dir gerade als Straßenmusiker zugute kommt, denn auf der Straße kann es natürlich durchaus eher mal passieren, negative Erfahrungen zu machen, z. B. beleidigt zu werden, als bei einem Liedermacher-Konzert, wo das Publikum hinkommt, um gerade solche Musik zu hören, die Du machst. Außerdem bist Du auf der Straße ja tatsächlich auch vom Wetter anhängig, und das lässt sich nun mal nicht planen, egal wie sorgfältig Du Dich vorbereitest, wann und wo Du spielen willst. Manchmal kommen eben auch Wolkenbrüche, die vorher nicht im Wetterbericht vorhergesagt wurden...
Straßenmusik machen heißt jedenfalls auch, mit unvorhergesehenen Situationen umgehen zu müssen. Und das kannst Du, und darauf kannst Du stolz sein!

Und ich empfinde die Fußgängerzone auch als gute "Probebühne". Ich spiele zwar auch in erster Linie die Lieder, deren Texte und Akkordfolgen ich möglichst auswendig kann, aber auf der Straße entwickeln sich Songs dann noch mal weiter, indem ich Erfahrungen sammle, wie ich welchen Song vielleicht besser dem Publikum rüberbringen kann. Bestimmte Wörter oder Textzeilen, stärker oder weniger stark zu betonen z. B., oder bestimmte Passagen so oder so auf der Gitarre zu spielen. Und sowas trägt ja in der Tat auch wesentlich dazu bei, das herüberzubringen, was ich mit meinen Liedern rüberbringen möchte. Die Fußgängerzone ist jedenfalls auch eine sehr gute Schule für "Bühnenpräsenz", finde ich.

Liebe Grüße
cARSCHti

Geschrieben: 23.07.2012
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#7

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Hallo Zusammen ..

Sehr interessant das Thema! Ich bewundere jeden der sich so ausprobiert und ich sags ganz ehrlich ich trau mich nicht . Es gibt viele sehr gute Musiker die das Strassenleben bunter machen und ich freue mich immer riesig wenn ich irgendwo ein Instrument höre wenn ich unterwegs bin aber es gibt eben auch genug ich nenne sie auch Musiker die eben nur irgendwas nicht definierbares spielen oder eben klimpern. Ich habe auch das Problem das ich keine kräftige Stimme habe und unverstärkt nicht gegen meine Klampfen ankomme oder es wird so leise das selbst im Wohnzimmer bei den Leuten auf der Couch kaum hörbares ankommt.
Strassenmusik reizt mich schon ungemein aber aber aber vllt finde ich mal jemanden zum zusammen spielen und vllt gibts ja dann mal den Weg vors Publikum. Youtube ist eben keine Strasse aber da störts mich gar nicht aber es gibt eben auch kaum feedback.

LG Scorpi ( Karsten )

Geschrieben: 23.07.2012
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Aw: Straßenmusik
#6

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Lieber Forenhansi,
vielen lieben Dank, für deinen Bericht. Ich habe ihn ganz gespannt gelesen. Mal einfach irgendwo auf der Straße spielen zu können ist auch eines meiner Ziele. Zur Zeit bin ich noch Lichtjahre entfernt davon. Aber wie singt doch gleich Klaus Hoffmann „Irgendwann einmal“………
Alles Liebe
Nicole

Geschrieben: 21.07.2012
_________________
...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...
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Aw: Straßenmusik
#5

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Meine Erkenntnisse und Erfahrungen:

So, ich habs hinter mich gebracht und hab mich erstmalig, bewaffnet mit meiner Gitarre, in ein paar Fußgängerzonen begeben in Städten, die ich noch nicht kannte. Hier mein Fazit zu einer Woche Straßenmusik:

Zunächst möchte ich aber denjenigen, die mit Straßenmusik finanzielle Ambitionen verbinden (bzw verbinden müssen), meinen allergrößten Respekt aussprechen. Da gehört aus meiner Sicht eine Menge dazu, wenn man Qualität und musikalische Vielfalt bieten und auch mit regelmäßig aktualisiertem Programm möglichst viele Zielgruppen (und somit Einnahmen) erreichen will.

Meine Ausgangssituation:
- Ich war nicht erpicht darauf, hohe Einnahmen zu haben, sondern wollte wissen, wie das, was ich mache, ankommt.
Daher hab ich mich für Konzert- statt Westerngitarre entschieden, und mich bei der Songauswahl auf Liedermacher, Folk (englisch/amerikanisch), 2-3 Popsongs und irischen Songs konzentriert, so daß ein Verhältnis von 50:50 bezüglich englisch/deutsch und ein gutes Verhältnis bezüglich schnell / ruhig dabei rauskam. Mit Westerngitarre und mit Liedern, die die Leute hören möchten, kann man vermutlich finanziell ganz andere Ergebnisse erzielen.

- Ich hatte ca. 30 Lieder im Gepäck. Ca. die Hälfte davon konnte ich vorher schon, die anderen habe ich vorher intensiv geübt, somit habe ich alles auswendig gespielt (ist ja ohnehin zwingende voraussetzung, um Blickkontakt zu Passanten aufnehmen zu können). Manchmal hab ich noch ein paar andere Songs, die ich kannte und konnte, eingebaut, aber Hauptprogramm waren eben die 30 ausgesuchten.

- Verstärker waren überall nicht gestattet, insofern hatte ich natürlich schon Bedenken, ob eine "gepickte" Konzertgitarre überhaupt irgendwie zu hören ist. Dadurch schieden große Plätze (ohne Schallreflektionen) oder befahrene Straßen schon mal komplett aus.

- Ich hab mich vorher bei den Ordnungsämtern der Städte nach den Regularien erkundigt und habe mich letztendlich für Städte entschieden, wo ich keine Genehmigung brauchte (oder wo man nicht erst auf dem Amt vorsingen muß), sondern höchstens nach einer gewissen Zeit den Standort wechseln mußte oder nur darauf geachtet werden mußte, bestimmte vorgeschriebene Spielorte auszuwählen.


gesammelte Erfahrungen:
- Straßenmusik allein mit Gitarre / Gesang ist für mich definitiv schwerer, als in Geburtstagsrunden, auf Sessions, oder als Bandmitglied zu spielen.

- Ich war gut vorbereitet und war ich nicht unbedingt nervös, aber doch ziemlich angespannt, bis ich am ersten Tag einen Standort gefunden und das erste Lied gespielt hatte. Insofern hab ich ansatzweise die Art von Lampenfieber erlebt, die den meisten Künstlern zu schaffen macht. Eine gewisse Anspannung und Konzentration ist zwar immer notwendig, aber ich kann mir gut vorstellen, wie es manche Leuten fast umbringt. Vor allem, wenn die Erwartungen des Publikums hoch sind. Ich hab mal gehört, daß auch viele Orchester-Solisten entsprechend oft diverse Mittelchen einnehmen, um das aushalten zu können.

Nun, so schlimm war es bei mir ja bei weitem nicht, ich hatte im Prinzip ja keinen großen Druck, wollte es aber trotzdem nicht auf die leichte Schulter nehmen und hatte da meinen Anspruch an mich selbst schon ziemlich hoch geschraubt.

- Aber mit dem Wissen der guten Vorbereitung und mit einem Song, den ich wirklich im Schlaf beherrsche, loszuträllern und die ersten neugierigen Blicke aufzuschnappen, hat schon was, aber etwas aufgeregt war ich natürich trotzdem am ersten Tag.

- Ich hab viermal von fünf "Auftritten" nicht den gewünschten Standort bekommen. Teilweise hatte ich mir die möglichen Standorte vorher besichtigt (es waren alles für mich fremde Städte). 4x waren die begehrtesten Standorte besetzt, 2x von anderen Musikanten, 2x von Bettlern. Um diesen Leuten ihr Geschäft nicht zu versauen, hab ich dann eben in ausreichendem Abstand woanders Plätze gefunden. Wie gesagt, wir kam es ja nicht auf die Einnahmen an, aber ein paar Leute sollten natürlich schon auch an mir vorbeikommen, damit meine Töne nicht ganz ungehört verhallen.

- Die meisten Leute gingen vorbei, einige sind stehengeblieben (mal kürzer / mal länger) , um eine Weile zuzuhören, es gab auch schon mal dezenten Applaus von 2-3 Leuten oder den ein oder anderen nach oben ausgestreckten Daumen, und natürlich bin ich auf das ein oder andere Lied auch mal angesprochen und entsprechend gelobt worden. Diese Momente blieben zwar natürlich schon die Ausnahme, aber die persönlichen Kontakte waren dann allerdings natürlich auch die Highlights. Mißbilligede Blicke gabs natürlich auch schon mal (wenn, dann aber nur von jungen Erwachsenen), das schiebe ich aber nicht auf meine Darbietung, sondern eher auf die Songauswahl, womit manche Leute eben partout nichts anfangen konnten.

- Selbst bei Liedern, die ich seit Jahren in- und auswendig kann, bin ich auch schon mal steckengeblieben oder hab mich mit den Akkorden verhauen. Es gibt soviele Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen, wo dann die Gedanken abschweifen (auch während des Singens und Spielens !) oder die Konzentration nachläßt, weil ich Leute beobachtet habe oder mir für Zuhörer auch mal besonders viel Mühe geben wollte, und mich dann auch prompt verspielt hab.

- Ich habe viel zu verkrampft gespielt, linke Hand machte öfter Probleme als sonst.

- Mit dem Ergebnis, wie Gitarrespiel, Gesang und Liedauswahl ankam, war ich für mich sehr zufrieden (unter den oben genannten Voraussetzungen natürlich).

- Bei einsetzendem (Niesel-) Regen hab ich zwar die Refrains von "Zeig mir den Platz an der Sonne" oder Bodo Wartkes "Regen" angestimmt, das wurde aber nur einmal positiv zur Kenntnis genommen. Da hatten die Leute wohl mehr mit sich selbst zu tun, Schirme aufzuspannen usw.

- Richtig negative oder üble Erfahrungen (mit Eiern/Tomaten beschmissen, vom Standort verjagt, Fenster demonstrativ zugeknallt, Einnahmen ausgeraubt oder dergleichen, blöde Sprüche oder Beleidigungen) hatte ich keine, auch nicht, als ich irgendwo noch in der Mittagsruhe spielte (gilt die eigentlich in gut belebten Fußgängerzonen ?), und auch nicht, als ich gegenüber einer Kirchenwand (für besseren Klang bewußt gewählt) und dem benachbarten Rathaus gespielt habe. Die meisten Leute waren entweder wohlwollend oder ignorierten mich einfach.

Ist schon mal ne gute Erfahrung, den Leuten nicht auf den Nerv zu gehen mit dem, was ich mache.

- Von den Ladenbesitzern bzw Mitarbeitern kam auch keine Beschwerde, einmal sogar kam eine Angestellte extra raus, um
meinen Gitarrenkoffer etwas mehr zu füllen.

- Ich habe allerdings bei dieser ersten "Tour" auch das Unheil nicht heraufbeschwören wollen und hab mich nicht direkt neben oder gegenüber von einem Restaurant oder (Eis- oder normales) Café gestellt (Unabhängig davon, daß ich bei der dortigen Geräuschkulisse auch kaum hörbar gewesen wäre).


Witziges:
- Kleine Kinder waren immer neugierig, was ich da mache. Ein kleines Mädchen, das gerade etwas sicherer laufen konnte, kam seinem natürlichen Drang nach, sich zur Musik (scheinbar egal welcher Art und Qualität) bewegen zu wollen, und drehte so ein paar Pirouetten, ich glaub , das war sogar bei einem ruhigen irischen Song, noch nicht mal was rhythmisch peppiges. Dann haben Eltern auch schon mal den Kinderwagen in meine Richtung aufgestellt und sind für 2-3 Songs
stehengeblieben. Manchmal, wo die Eltern weitergehen wollten, blieben die Kinder stehen und schauten mich gebannt an.

- Ich hatte gerade ein Liebeslied eines deutschen Liedermachers angestimmt, da blieb eine junge Frau stehen und hat zugehört. Nach Ende der 1. Strophe marschierte dann eine lärmende Schulklasse zwischen uns durch. Was tun ? Weiterspielen oder das Zwischenspiel nochmal ? Ich hab mich dazu entschieden, nach 4 Fülltakten und Abwarten einer Lärmminderung den Anfang der 2. Strophe "Deutlicher hör ich jetzt schon vor dem Hause Stimmen, Straßengeräusche...." entsprechend laut zu singen.

- Als ich gerade "Wie könnt' ich von Dir gehen" anstimmen wollte, lief gerade die falsche Zielgruppe vorbei in Form von 2 muskelbepackten Kerlen in entsprechenden Shirts. Ich hab dann doch noch 20 Sekunden gewartet

- Photographiert worden bin ich öfter mal, auch von Japanern, mal direkt mit dem Objektiv auf mich gerichtet, mal als Bestandteil der Kulisse schräg von der Seite. Natürlich mußte ich dabei an das einschlägige Lied von den Blitzlichtern denken

- Einmal wollte ein Vater sein Kind überzeugen, daß es sich vor mich stellt, damit er uns zusammen filmen kann. Das Kind wollte aber partout nicht.

Fazit:
- Ich sag's mit Udo Jürgens Worten: "Ich würd' es wieder tun"

- Eine klasse Erfahrung, das mal ausprobiert zu haben.

- Es gab keine richtig negativen Erlebnisse, dafür einige positive Erlebnisse und Bestätigungen.

- Die irischen / englischen Sachen kamen besser an als die deutschen (leider, da hätte ich mir gerne ein zumindest ausgeglichenes Verhältnis gewünscht)

- Ich bin froh, nicht von der Straßenmusik leben zu müssen, dazu müßte ich wesentlich mehr üben, mein Programm immer wieder überarbeiten und mich mit Leidensgenossen um die besten Plätze streiten (ich kann mir vorstellen, da gibt es mehr Konkurrenzkampf als Verbundenheit). Ich könnte dann nicht die Musik machen, die ich machen will (Ich fürchte, das ist auch ein Kompromiss vieler Profis, die ins Showgeschäft gelangt sind, wie auch immer, und dann nur über ein bestimmtes Image Erfolg haben, aber nicht mit dem, was sie wirklich machen wollen).

- Vielleicht hätte ich Westerngitarre nehmen sollen, da hätte ich aber wesentlich mehr üben müssen, weil ich Westerngitarre eher mit Plektrum und für Schlagrhythmen nehme statt fürs Picking. Und: wenn ich mit Capo spiele, habe ich links mehr Probleme, die Akkorde sauber zu greifen, das Griffbrett ist einfach zu schmal bzw die Fingerchen zu breit. Vielleicht probier ich es einfach mal irgendwann aus.


Und zum Schluß:
Wer sich für meine Song- und Städteliste interessiert oder irgendwelche anderen Fragen hat, der möge mir eine persönliche Nachricht schicken.

Grüße

Geschrieben: 21.07.2012

Bearbeitet von Forenhansi am 21.07.2012 17:45:10 Grund (optional): Noch eine kleine Ergänzung, um die "Berufs"-Straßenmusiker noch etwas mehr zu würdigen
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Aw: Straßenmusik
#4

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Ja, ich spiele eine Westerngitarre, und ich verwende ein Plektrum - also kein Fingerpicking, sondern höchstens ein "Plektrum-Picking"...

Aber wichtiger ist mir bei meinen Liedern der Gesang, der Text, und der oder das muss rüberkommen, egal, was für eine Gitarre ich mit welcher Technik spiele.

Wenn für Dich Fingerpicking-Begleitung wichtig ist, solltest du vielleicht einen kleinen Verstärker benutzen, falls es ansonsten zu leise ist... Und für den Gesang gilt dasselbe...

Aber falls du es ohne all das schaffst, wäre es besser und käme wahrscheinlich auch besser beim Fußgängerzonen-Publikum an, denke ich...

Geschrieben: 03.04.2012
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Aw: Straßenmusik
#3

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Hallo Carschti,

danke für Deine Ausführungen.

So Sachen wie Augenkontakt und überzeugende Vortragsweise und dezente Freundlichkeit und Mindestabstand zu und Respekt vor den "Kollegen" sollten selbstverständlich sein.

(Nebenbei: im "forum-strassenmusik" hab ich auch schon entsprechende Hinweise gefunden, und auch andere einschlägige Tips).

Daß manche Straßenmusiker ihren Lebensunterhalt mit dieser Tätigkeit verdienen (müssen), und ich denen als Neuling ohne finanzielle Interessen keine Konkurrenz sein will, ist klar, für mich jedenfalls. Wie gesagt, mir geht's darum, vor neutralem Publikum erste Erfahrungen zu sammeln, wie meine Musik ankommt.

Entnehme ich Deinem Bild richtig, daß Du mit Westerngitarre ausgestattet bist ? Da Du ohne Verstärker spielst (wie in den meisten Städten ja auch gefordert), stellt sich mir die Frage, ob Du nun manche Lieder auch per Fingerpicking begleitest und diese Töne von der Lautstärke ausreichend sind ?

Von den Stellplätzen her wird man ja nicht immer einen Torbogen oder eine Einkaufspassage finden, wo der Schall gut reflektiert wird.

Ich möchte irgendwie vermeiden, 2 Gitarren mitzuschleppen (Western und Konzert), um das zu testen. Wenn Picking ohne Verstärker prinzipiell zu leise ist, wäre die Konzertgitarre dann vermutlich die schlechtere Wahl.

Für anderslautige Meinungen wäre ich natürlich dankbar

Viele Grüße
Der Forenhansi

Geschrieben: 02.04.2012
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Aw: Straßenmusik
#2

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Hallo Forenhansi,

erstmal herzlich Willkommen als neuer Kollege auf der Straße! Als Kollege, das ist wichtig, denn auf der Straße, in den Fußgängerzonen, gibt es viele Menschen, für die das ihr Lebensraum ist, sei es als Künstler, aber auch zB als Obdachlose oder Bettler, denen es durchaus auch ums Geld geht. Und nicht wenige durchsuchen sogar die Mülltonnen, um etwas zum Essen zu finden. Wenn du Straßenmusiker wirst, sei dir bewusst, dass du da nicht allein bist, sondern begreife die anderen Menschen dort als Kollegen - und nicht als Konkurrenten...

Ich mache seit fast 30 Jahren Straßenmusik, immer ohne elektrische Verstärkung. Lautstärke ist natürlich wichtig, um als Einzelkünstler Aufmerksamkeit zu bekommen (was schwer genug ist!), aber entscheidender ist nach meiner Erfahrung, beim Singen/Spielen zu versuchen, direkt Kontakt zum Publikum zu knüpfen, zB Leuten in die Augen zu schauen, auch wenn sie eigentlich nur als Passanten vorbeilaufen... Das wär so ein Tipp...

Liebe Grüße
Carschti

Geschrieben: 31.03.2012
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Straßenmusik
#1

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Hallo zusammen,

vorneweg: ich weiß, zu dem Thema gibt es dedizierte Foren, aber ich möchte mich noch nicht überall anmelden, sondern mich hier erstmal mit Euch austauschen.

Ich hab vor, im Sommer erstmalig Straßenmusik zu machen mit Liedern aus den Genres zwischen Liedermacher, irischen Songs und Pop-Balladen, die ich überwiegend im Fingerpicking-Style auf der Gitarre begleiten möchte.

Über die städtespezifischen Begebenheiten und Auflagen (Stellungswechsel / Verstärkerverbote) habe ich mich zum Teil bereits informiert.

Ich hab keine Ambitionen, damit Geld zu verdienen, sondern ich möchte die Erfahrung machen, wie "meine Musik" ankommt.

Da es oftmals Verstärkerverbote gibt, andererseits eine "gezupfte" Konzertgitarre aber kaum zu hören ist, würden mich Eure Erfahrungen interessieren.

Ich hätte noch eine Westerngitarre, die sicherlich schon etwas lauter wäre, und womit ich auch mal das ein oder andere Lied mit Schlagrhythmus begleiten könnte, aber zum Zupfen ist es eben bei manchen Liedern nicht so passend.

Nun die Frageliste:
1) Wer hat schon mal komplett ohne Verstärker gespielt (Gitarre/Gesang) und wie ist es angekommen ? Bringt es ohne Verstärker überhaupt was ?

2) Es gibt nicht überall strenge Verstärkerverbote, oftmals geht es ja nur darum, übertriebene Lautstärkepegel zu vermeiden. Somit könnte man ggf einen kleinen batterie-/akkubetriebenen Verstärker (Beispiel Roland Cube) einsetzen.

Wer hat damit positive / negative Erfahrungen gemacht bzw ist jemand mit so einem kleinen Verstärker schon mal verjagt worden ?

3) Da ich meine eigenen Erfahrungen machen möchte, frage ich Euch jetzt nicht nach allen Tips und Tricks aus. Aber mich würde Eure Meinung interessieren, welche ganz groben Fehler man partout vermeiden sollte, spontan würde mir da nämlich nicht viel einfallen, was man überhaupt falsch machen kann (Wie gesagt, es geht mir nicht ums Geldverdienen).

Grüße
Der Forenhansi

Geschrieben: 29.03.2012
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