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Re: Ludwig Hirsch am 20.04.2010 in Stuttgart - Ein Konzertbericht
#5

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Hallo, domack !

HIER der Weg zum Nachschauen der Sendung, die ich oben erwähnt hatte. Übrigens ist auch das Interview mit Josef HADER durchaus sehenswert. Viel Spaß beim Ansehen.

Liebe Grüße aus Ober- von

ANDREAS.



(...der "countdowned" und ggw. bei 19 ist...)

Geschrieben: 25.04.2010
_________________
"But as long as I can see the morning,
in miracles, much more than I can say,
it´s enough to keep me still believing
in drifting hearts, so far away."

(''Book of golden stories''/ RUNRIG)
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Re: Ludwig Hirsch am 20.04.2010 in Stuttgart - Ein Konzertbericht
#4

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Nachtrag aus den Stuttgarter Nachrichten:

Dunkelgrau bis nachtschwarz
Von "Stuttgarter Nachrichten", aktualisiert am 21.04.2010 um 19:00
Von Jürgen Spiess

Nein, da vorne auf dem Barhocker sitzt kein politischer Liedermacher, der mit großen Gesten um die Gunst des Publikums buhlt. Der Mann ruht in sich selbst, hat es nicht nötig, auch nur so etwas wie einen Anflug von Überschwang aufkommen zu lassen. Inzwischen ist er 64 und noch immer ein Meister des Makaberen. Der Wiener Liedermacher Ludwig Hirsch trat am Dienstagabend vor rund 1000 Besuchern im ausverkauften Theaterhaus in Stuttgart auf.

Mit einem düsteren Dialog zwischen Gott und dem Teufel startet er sein Programm "Vielleicht - zum letzten Mal", mit der dritten Zugabe "Komm, großer schwarzer Vogel" endet es nach 100 morbid-poetischen Minuten - es gab Standing Ovations. Dazwischen schwelgt Ludwig Hirsch in Erinnerungen. Mit Liedern, die teilweise mehr als ein Vierteljahrhundert alt sind. So schmeichelt sich Hirsch durch den Abend, und zwischendurch blitzen Momente auf, bei denen er mit kleinen Mitteln Atmosphäre schafft.

Das ist es wohl, was den Liedermacher ausmacht, was ihm auch heute noch eine große Fangemeinde beschert. Hirsch reißt Welten auf, die weit jenseits dessen liegen, was der gemeine Liedermacher zu bieten hat. Er verliert sich nicht in politischen Utopien oder im grauen Alltagsleben. Er pflegt das Dunkelgraue, das, was die Kraft des Mythos in sich birgt. Als Schutzschild dienen ihm dabei bisweilen zynische Distanz und der Wiener Schmäh. Echte Geschichten sind das, trotz aller Überzeichnung. Etwa, wenn er mit seiner rauchigen Sprechstimme von der "Omama" erzählt oder von der Würmer-Gang auf dem Friedhof und dem alten, räudigen Wolf, den die Zoobesucher anspucken "weil er die Geißlein gfressen haben soll".

Seine Texte handeln von Verlierern und Ausgestoßenen, vom Tod und von der Liebe. Lieder wie "Herr Haslinger", "Die gottverdammte Pleite" oder "Spuck den Schnuller aus" lösen beim Publikum wahre Jubelstürme aus. Sie erleben ein ständiges Memento mori, manchmal romantisch, manchmal bissig und sarkastisch. Aber immer typisch Hirsch: dunkelgrau eben.

Quelle: http://www.stuttgarter-nachrichten.de ... 7d-bf96-077e26d2073b.html

Schöne Grüße

Geschrieben: 25.04.2010
_________________
In dieser Welt kommen uns die wahren Werte abhanden,
In dieser Schule gibt es kein Fach Menschlichkeit und Mut.

Reinhard Mey
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Re: Ludwig Hirsch am 20.04.2010 in Stuttgart - Ein Konzertbericht
#3

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Domack, vielen Dank für den wunderschönen Bericht! Da werde ich nun doch etwas wehmütig, daß ich exakt dieses Konzert (das mal auf meinem Plan stand) ausgelassen habe.
Ich glaube aber, ich werde nochmal eine Chance kriegen...

Wenn er schon schriftstellerisch tätig werden will, würde ich ihm empfehlen, einfach mal einige brandneue Lieder zu schreiben, allerdings dann auch zu singen. Auch im Rentenalter *g* kann man noch scharfe Songs schreiben, wie u.a. Degenhardt und Wader bewiesen haben :)

Schade natürlich, daß wir damit auch keine Chance auf eine Begegnung hatten, ich hätte mich gerne mal mit so einem eingefleischten Hirsch-Experten unterhalten...

Liebe Grüße!
Jürgen

Geschrieben: 22.04.2010
_________________
Wo ich hin will
14.11.12 Hannes Wader in Kirchheim/Teck, Stadthalle
21.2.13 Uta Köbernick in Bietigheim Bissingen, Rommelsmühle
15.3.13 Annett Kuhr in Landau, Kreuz und Quer
3.5.13 Holger Saarmann, Tübingen
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Re: Ludwig Hirsch am 20.04.2010 in Stuttgart - Ein Konzertbericht
#2

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Hallo, domack !

Zitat:
"...vielleicht das letzte Mal, so auch der Titel seiner Tournee. Ob dies ein reiner Marketing-Gag ist, sei dahingestellt. Immerhin soll 2011 ein neues Studio-Album erscheinen..."


HIRSCH war kürzlich Studiogast bei STERMANN & GRISSEMANN in der Sendung "WILLKOMMEN ÖSTERREICH" und wurde - natürlich - von den Gastgebern auch auf den Titel der Tour angesprochen. Er erklärte daraufhin, daß er nach all den Jahren mit Film- und Theaterauftritten und der Musik zur Zeit intensiv darüber nachdenke, auf die "schreibende" Seite zu wechseln. Sein Traum sei als, als eine Art Schriftsteller ein neues Kapitel aufzuschlagen, auch das Schreiben eines Theaterstückes sei denkbar. Allerdings gibt es wohl noch keine konkreten diesbezüglichen Pläne. Auch schränkte er dann ein, daß ihm das Singen und das "...auf- Tournee- gehen..." wohl doch eher abgehen, also fehlen würden. HIRSCH vermittelte auf jeden Fall, daß man "...nichts genaues nicht weiß...", und so glaube ich, daß man ausschließen kann, daß es sich bei "VIELLEICHT ZUM LETZTEN MAL..." um einen reinen Werbegag handelt (...zumal es ja im Hinblick auf dunkelgraue Lieder auch noch ganz etwas anderes bedeuten mag - nämlich, daß bald alles vorbei sein könnte...), sondern vielmehr um ein "...schau´n mer amoi...". Es gibt also noch Hoffnung ! By the way: Von einem neuen Studio- Album war im Gespräch keine Rede.

Auf alle Fälle vielen Dank für Deinen interessanten Konzert- Bericht. Mein Neid ob Deines Tour- Besuchs schleicht Dir nach, da ich in diesem Jahr leider aus zeitlichen Gründen keine Gelegenheit haben werde, HIRSCH live zu sehen, obwohl er einige Male ganz in der Nähe auftritt. Na ja, dann vielleicht BEIM nächsten Mal...



In diesem Sinne viele Grüße aus Ober- von

ANDREAS.



(...der übrigens auch ganz genau heute in drei Wochen irgendetwas mehr oder weniger Wichtiges vorhat. Was war denn das bloß noch ???...)



Geschrieben: 22.04.2010
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Ludwig Hirsch am 20.04.2010 in Stuttgart - Ein Konzertbericht
#1

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Hallo alle zusammen,

selten aber dennoch regelmäßig melde ich mich. Meist geht es dabei um Ludwig Hirsch, meinen persönlichen Liedermacher-Favoriten (auch wenn er selbst den Begriff Liedermacher eher ablehnt).

Vorgestern war es wieder einmal so weit und Ludwig Hirsch hat Baden-Württemberg mit einem Konzert beehrt - vielleicht das letzte Mal, so auch der Titel seiner Tournee. Ob dies ein reiner Marketing-Gag ist, sei dahingestellt. Immerhin soll 2011 ein neues Studio-Album erscheinen. Andererseits war dies auch schon für 2009 angekündigt - herausgekommen sind dann allerdings "nur" die Weihnachtsgeschichten.

Jeder, der sich von der Titel-Auswahl bzw. Setlist noch überraschen lassen möchte, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen, da doch einige große Überraschungen dabei waren.

Schauplatz des Konzerts war der große Saal des Stuttgarter Theaterhauses, das mir immer wieder für sein begeisterungsfähiges und stimmungsvolles Publikum aufgefallen ist. Keines meiner bisherigen Hirsch-Konzerte war atmosphärisch und akustisch so beeindruckend wie die beiden in Stuttgart.

Um 20:10 Uhr ging dann das Licht aus und wie immer betraten 3 dunkle Schatten die Bühne. Hirsch selbst kam erst einige Momente später hinzu - mit langsamen, lauten Schritten. Mir wurde klar, dass dies nur einen Song bedeuten kann: Im Anfang. Passend zum Konzertbeginn wurde dieser Titel aus dem Album "Bis zum Himmel hoch" gespielt. Wenn ich richtig recherchiert habe, war dieses (auch und vor allem live) wundervoll arrangierte Lied seit mindestens 20 Jahren kein Bestandteil mehr von einem Hirsch-Konzert. Mit den "klassischen Dunkelgrauen" ging es dann vor allem in der ersten Konzerthälfte weiter, in der vor allem "Die Omama", das "Geburtstagsgeschenk" und "Der Wolf" für kaum abreißenden Applaus sorgten. Beim alten, räudigen Wolf ist vor allem das mit Mundharmonika begleitete Finale sehr schön ausgefallen. Darüber hinaus war "Peterle" ein schönes Highlight für mich. Anid Steirer an der Harmonika ist einfach schön...

Hirsch zeigte sich im ersten Abschnitt also durchaus in guter Form und das Publikum war so begeistert, dass er seine Liedansagen immer wieder unterbrechen musste und dem Applaus lauschte. Diese Texte zwischen den Liedern sind im Übrigen diesmal auffallend kurz ausgefallen. Nach einer Stunde folgte dann die, so Hirsch, wohlverdiente Pause.

Die zweite Hälfte des Konzerts begann buchstäblich mit einem Paukenschlag. Die biblische Geschichte von Jonas, der im Walfischbauch landet, umrahmte das Liebeslied an Leben und Tod "In deiner Sprache". Nicht einfach, diesen doch eher "pompös" daherkommenden Song zu viert zu vertonen. Aber auf alle Bandmitglieder war wie immer Verlass, und nicht nur einmal hat man die einzelnen Musiker an mehreren Instrumenten gleichzeitig bestaunen können.

Daraufhin folgten einige ruhige Liebeslieder, in denen man Hirsch schon anmerkte, dass er stimmlich wieder ein wenig angeschlagen war. Nichtsdestotrotz war die Stimmung im Publikum gelöst und vor allem bei "I lieg am Ruckn" konnte man die Gänsehaut der Zuschauer quasi hören. Vor allem überraschten dann noch "Sternderl schau'n" und das komplette "Gel du magst mi" und wurden schließlich vor den Zugaben mit minutenlangen Standing Ovations belohnt. Darin war mal wieder die "Tante Marie" enthalten - das einzige Lied, indem Hirsch für einige Passagen am Keyboard seinen Hocker verließ.

Mit dem obligatorischen und gleichsam immer wieder erdrückenden "großen schwarzen Vogel" endete ein wunderbarer Konzertabend, der dann abermals mit stehenden Ovationen bedacht wurde.

Wer Ludwig Hirsch mit seiner fantastischen Band nochmal live erleben möchte, sollte sich die Konzerte dieser Tournee kaum entgehen lassen. Wer weiß, wie lange er noch auftritt. Immerhin ist er mittlerweile 64 Jahre alt und nicht mehr der Fitteste.

"Träumen, staunen, lächeln" - so war das Motto des Konzertabends. Einen Begriff hätte ich hinzuzufügen: Schaudern. Und das ist es auch, was Ludwig Hirsch, ob er das will oder nicht, auszeichnet. Nach keinem anderen Konzert sitzt man noch mit Gänsehaut in der U-Bahn....

Hier noch die komplette Setlist:

Im Anfang
Herr Haslinger
Die gottverdammte Pleite
Die Omama
Das Geburtstagsgeschenk
Peterle
Nicht küssen
Der Wolf
Der Schnee draußen schmilzt
Der Kater

Jonas I
In deiner Sprache
Jonas II
Schutzengerl
I lieg am Ruck'n
Rebekka und ich (gesprochener Part)
Ich liebe dich
Elisabeth
Sternderl schau'n
Miss Burgenland
Gel du magst mi

Tante Marie
Spuck den Schnuller aus
Komm großer schwarzer Vogel

Geschrieben: 22.04.2010
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In dieser Welt kommen uns die wahren Werte abhanden,
In dieser Schule gibt es kein Fach Menschlichkeit und Mut.

Reinhard Mey
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