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Re: Verändern sich die Lieder?
#17

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Zu diesem Thema habe ich heute in der aktuellen ZEIT noch einen interessanten Artikel finden können, der sich kritisch mit den Medien und dem Umgang mit Michael Jackson auseinandersetzt.
Es geht in die Richtung von Dianas und Retos Meinung und bringt auch eine kleine Erklärung über die "Soß" mit, die Wolfgang Buck in seinem gleichnamigen Lied beschreibt. Wenn sich jemand für den Text (und die deutsche Übersetzung ) interessiert, bitte hier melden.

Den Artikel findet Ihr übrigens auch im Pressearchiv...

Geschrieben: 30.11.2003
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Ich denke, also bin ich...denk ich positiv, gewinn ich | thomas d....

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Re: Verändern sich die Lieder?
#16

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Liebe Maren,

in dem von Dir beschriebenen Kontext würde ich das bejahen. Ja heißt hier für mich, ich würde einen Musiker (vielleicht mit anderen Ohren?!?) hören, aber ich würde wahrscheinlich weiterhören. Das hat ja auch etwas damit zu tun ob die Musik eines Interpreten "bleibend" ist. Und es gibt Musik, da spricht in zehn Jahren keiner, aber wirklich keiner mehr von. Und es gibt Musik, die wird immer gehört, egal was passiert.

Es gibt neue Generationen, die sich die Musik eines Interpreten erschließen. Ohne von irgendwelchen Vorgängen, Verbrechen betroffen zu sein. Insofern würde ich sagen, Musik kann unabhängig vom künstler, von der Zeit als etwas eigenständiges bestehen.

Von mir ein konkretes Beispiel:

Das Lied von Drafi Deutscher: "Marmor Stein und Eisen bricht.." Immer werde ich bei diesem Lied an die Schlagzeilen erinnert, ich glaube er soll sich Kindern oder Passannten (weiss das nicht mehr so genau) am Fenster nackt gezeigt haben.

Seinerzeit habe ich Drafi Deutscher nicht so gerne gehört (Schlager). Und ich hätte zu dieser Zeit vielleicht als Fan Abstand von ihm genommen. Heute ist mir das glaube ich egal.
Erstens weiß ich gar nicht ob da was dran war, zweitens ist so viel Zeit vergangen und in Bezug auf Drafi Deutscher, hat für mich seine Musik nicht so viel mit seiner Person zu tun. Anderen geht das vielleicht anders.

Viele Jahre später war es modern, auf Feten nach diesem Oldie abzutanzen. Habe ich auch gemacht.

Und heute wird er sicher auch auf etlichen Feten gespielt.

Liebe Grüsse
Peter

Geschrieben: 28.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#15

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Lieber Piet.

vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag.
Aber ich meinte damit etwas Anderes:

Also: Nehmen wir mal ein unverfänglicheres Beispiel:

Ich liebe die Werke von Bach. Auch, wenn da die Meinungen auseinander gehenund es sogar Unterschiede in der diesbezüglichen Sozialisation von Protestanten und Katholen gibt, halte ich persönlich ihn für DEN Musiker schlechthin.
Sein "Air" oder die "Toccata und Fuge in d-moll" sind einfach genial.
Nun gehen wir mal davon aus, daß Historiker ein bischen im Leben des von mir verehrten Bach stochern und dabei unwiderlegbar ans Tageslicht kommt, daß er seine Inspiration durch zehn im Keller angekettete Sklavenkinder erhielet, die vor seinen Augen gequält wurden und dabei saß Johann Sebastian und komponierte Stücke für das Notenbüchlein seiner Tochter Anna Magdalena.
Soweit das Konstrukt.
Würde diese Nachricht das "Air" in meinen Ohren verändern???
Ich meinte damit gar nicht, ob es richtig oder falsch ist, daß die Radiosender ganze Plattenregale jetzt links liegen lassen.
Einfach nur, was dann bei mir passiert. Trösten mich die Brandenburgischen Konzerte dann nicht mehr?
Nehmen wir Musik als Produkt, losgelöst vom Schaffenden wahr?
Oder umgekehrt: Ich höre ein Musikstück, das mich anregt. Ich forsche nach, von wem es ist. Wenn ich dann feststelle, es ist von (keine Panik, ist nur ein Beispiel, ich will jetzt nicht alle seine Fans mit Messern auf mich losegehen sehen weil er mir als Erster eingefallen ist) Wolfgang Petri, gefällt mir das Stück dann nicht mehr??

Vielleicht ist es mir jetzt gelungen, ein bischen deutlicher zu machen worum es mir ging. Ganz losgelöst von MJ.

*schweißvonderStirnwisch*

Maren

Geschrieben: 28.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#14

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Ja, Lieder verändern sich!!

Jeder von uns hat seine Identität. Aber es gibt bei einem Künstler der im Rampenlicht steht ganz viele Identitäten. Identitäten die sich eigen- oder fremd dynamisch entwickeln.

Es gibt die Medien Identität, die Fan Identität, die Identität, die einem die Plattenfirma überstülpt, natürlich auch die persönliche private Identität(sofern überhaupt möglich) des Künstlers. Bis auf die eigene, wenn der Künstler sich diese bewahren konnte, sind alle anderen ja nicht echt.

Mit den Fans ist das so eine Sache. Die kann man sich nicht aussuchen. Es gibt bestimmt Künstler, die wünschten sich aus den verschiedensten Gründen andere Fans. Das sagen sie natürlich nicht unbedingt laut. Diese Fans bauen sich ein oft künstliches Bild von ihrem „Star“ auf. Sie dichten ihrem Star etwas dazu und sie verzeihen ihm auch Vieles.

Die Rolle der Medien ist allseits bekannt. Der Künstler braucht sie als objektiven Partner. Möchte sie aber gern all zu oft zum Himmel schießen, weil die Regeln anders funktionieren als erwartet.

Na ja, die Plattenfirma möchte ihren Star gern wie ein Weihnachtspräsent einpacken, für sie ist das ganze Jahr Weihnachten, aus den schon in vorherigen Beiträgen genannten Gründen. Kasse klingel!

Ist MJ noch er selbst? War er in dem Show-Geschäft zu einem bestimmten Zeitpunkt überhaupt je er selbst? Was von seiner Musik ist er? Das frage ich nicht, weil ich ihn bemitleide und sage "Ach armer Michael Jackson". Nein, jeder der sich auf das Showgeschäft einlässt wird sich zu Anfang oder irgendwann später die Frage stellen, welchen Weg er einschlägt.

Wie im Leben auch. Passe ich mich an, was tausche ich dagegen ein, nichts ist umsonst, für alles was ich tue, muss ich bezahlen. Und ich meine jetzt nicht das Geld.

Musiker sind eben auch nur Menschen, mit allen Stärken oder allen Schwächen, die ein Mensch haben kann. Und allem Guten was geschehen kann und allen Verbrechen, die man begehen kann.

Für mich ist wichtig, wie authentisch dieser Musiker ist. Auch Konstantin Wecker ist einen Weg gegangen, den ich nicht immer gleich nachvollziehen oder gutheißen konnte. Aber er ist authentisch und deswegen hör ich auch heute noch gerne seine Lieder. Natürlich würde ich auch einem authentischen Musiker nicht alle Verbrechen verzeihen, aber ich bin geneigt ihm eher etwas zu verzeihen.

MJ ist für mich die Konserve, die ich höre. Er hat eine andere Bedeutung für mich, als andere Interpreten. Ich gehe nicht mehr in eine Disco, aber wenn ich es tun würde, und es würde ein Song von ihm gespielt, würde ich bestimmt nicht von der Tanzfläche runtergehen, nur weil ein Gerichtsverfahren gegen ihn läuft, mit einem Tatbestand für den ich ihn verachten würde, wenn er sich als wahr herausstellen sollte. Und das hat etwas damit zu tun, wie wichtig er für mich ist. Wie viel seine Musik mit ihm zu tun hat. Aber unabhängig von diesen Vorwürfen haben sich seine Lieder bestimmt verändert, wenn ich ihn heute life ansehen würde. Ich habe ihn vor einiger Zeit im Fernsehen auf irgendeiner Gala gesehen. Er ist äußerlich so, ich glaube vom Showgeschäft(oder was auch immer) gezeichnet, dass bestimmt auch seine Songs life heute anders wirken, als noch vor einigen Jahren.

Ich habe drei Liedtexte von Stef Bos rausgesucht, die sich irgendwie alle mit dem Showgeschäft und Musikerkarriere beschäftigen:

Hier fließt das Bier

http://www.mioch.net/html/stefbos_hfdb.html

Der Nachtwächter

http://www.mioch.net/html/stefbos_dn.html

Die Löwengrube
Ballade vom Ruhm

http://www.mioch.net/html/stefbos_lg.html

Ich hoffe, mein Beitrag ist nicht zu ausschweifend geschrieben!

Liebe Grüße
Piet

Geschrieben: 27.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#13

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Liebe Maren,

also jetzt hast Du Dich aber schon etwas "vergaloppiert" mit Deinem Hymnus an diesen Zombie. Von wegen genial! Zu einer solchen Einschätzung würde sich n icht mal meine Tochter versteigen. Vielleicht ist er, wie alle kindlichen Opfer von Gewalt auch ein armes Schwein; aber das rechtfertigt doch keine solchen Perversitäten! Nicht der Täter die Opfer sind schuld, oder was?

Entschuldige die harten Worte in aller Freundschaft, aber das mußte gesagt werden!

liebe Grüße

Tonski

Geschrieben: 25.11.2003
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Staubwolke
#12

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Huiiii, da habe ich ja was losgetreten!!

Tut mir leid, ich habe mich blöd ausgedrückt. beziehungsweise ein paar Überleitungen vergessen. Da hat mich der "eilige Zorn" übermannt oder halt überfraut, je nachdem. Beim Thema "sexueller Mißbrauch" stehe ich von null auf gleich unter Strom.

Also: Ich denke, daß MJ ein furchtbar einsamer, kranker und zerbrochener Mensch ist. Ich denke weiter, daß er seinen schöpferischen Zenit überschritten hat.

Ob an den Meldungen über seine sexuellen Neigungen etwas dran ist, weiß ich nicht. Und vielleicht will ich das auch gar nicht wissen. Was mich eigentlich auf das Thema gebracht hat ist die Tatsache, daß viele Radiosender seine Musik jetzt boykottieren.
Das kann es doch wohl nicht sein.
Da bin ich e_a_kreisl für das Besipiel mit dem Schreiner dankbar. Damals, als wir das Thema schon mal hatten, habe ich behauptet, daß mich die Neigungen eines Keksfabrikanten auch nicht in meiner Kaufentscheidung für sein Produkt beeinflussen würden.
Aber en Musiker ist halt kein Keksfabrikant. Nur ich kann die Lieder von RM immer noch gut hören und lasse mich weiterhin von ihnen trösten, aufrichten, amüsieren, warnen,
... Nur "Freundliche Gesichter" und Konsorten kann ich ihm nicht mehr so ganz abkaufen. Nun ja, ich wiederhole mich.

Danke für SChützenhilfe und so weiter.

Maren

Geschrieben: 25.11.2003
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Gast
Re: Am Gelde hängt...
#11
Gast-Gast
Hallöle hier aus meinem bunker !

Ob MJ. nun ein pädophiler ist oder erstaunlicherweise dann doch nicht – was sich womöglich nach seinem tod herausstellen könnte, denn davor kann er sich im gegebenen fall mit seinen dollars ja freikaufen, das möchte ich hier nicht zur diskussion stellen – wär ja schad um die interessanten eingangsthemen.

Ausserdem wie reto richtig SAGT (also ohne etwas zu VERMUTEN):
Reto:
Zitat:

„…und solange Jackson nichts nachgewiesen werden kann, ist er für mich unschuldig. Weil ich es selbst nicht besser weiss“


Wie können uns aber gewiss sein:
webmaster:
Zitat:

„Vor dem Gesetzt sind alle gleich!“


-------------------------------------

Michael:
Zitat:

„Beeinflusst unser Wissen über Charakter oder Taten unsere Meinung über Musik?“


Ich glaube musik hat nicht nur mit wohlklang, harmonie und komposition zu tun, sondern auch immer mit ideen: idealen, biographien, historien, nostalgien, emotionen aller art……(und: Dichtung + Musik machen das lied).
Ein Beispiel: Ich höre ein Lied im Radio, lausche dem Text und der Melodie und denk mir „eigentlich ein blöder song“. Am ende vom song gibt der radiosprecher die band bekannt, über die ich schon öfters las und plötzlich fügen sich der song und die lyrics zu einer völlig neuen ideenwelt. Ich hol mir die cd in der bibliothek, höre sie eine woche intensiv, sammle im internet infos über den künstler und langsam, langsam erschließt sich mir die ganze ideenwelt der kunst, die ich jetzt quasi-genial finde.
Ich könnte hierfür viele beispiele aufzählen und will aber auch ein konkretes rausfischen:
Von „the smiths“ gibt es einen song: „some girls are bigger than others“. das ganze lied besteht aus nichts als dem refrain „some girls are bigger than other, some girls mothers are bigger than other girls mothers”. When dieses lied nicht von “the smiths” gespielt würde, sondern von einem anderen künstler oder weniger-künstler, wär es für mich eine mäßiges lied mit vülgärem text. Im kontext von „the smiths“ erkenne ich eine schlichtheit und klarheit im erkennen, die melancholie ausdrückt.
Oder „fame-akademisten-ich-bin-deutschland-sucht-den-superstar“ covern einen ohrwurm - sagen wir einen genialen song von einem blues-sänger: für mich wär der song Müll. Apropos: viele song die zu hits wurden, sind von vielen zuhörern in ihrer miesterschaft gar nicht erkannt worden.

--------------------------------------

Maren:
Zitat:

Wird seine Musik dadurch weniger genial????“


Ich glaube hohe kunst ist losgelöst vom künstler.
Ich stelle mir einen versoffenen, boshaften tischler vor, der keinen streit auslässt, jedoch die schönsten, formvollendesten wiegen im weitesten umkreis des landes macht - wie von engelshand...

Eine wunderschönen tag auch da draussen..
E_a_kreisl

Geschrieben: 21.11.2003
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Am Gelde hängt...
#10

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... scheinbar oft einiges.

Ihr Lieben!

Gerade der Hinweis auf die "alte Geschichte" von MJ, wo er in einer aussergerichtlichen Einigung eine grössere Summe bezahlt hat, bestärkt mich in dem Verdacht, auch diesmal könnte wieder jemand den Versuch starten, an seinem sagenhaften (?) Reichtum teilzuhaben... natürlich kann es tatsächlich sein, dass MJ sich Schweigen erkauft hat, obwohl er sich schuldig gemacht hat. Aber wie Bianca schrieb - dieser Mann ist doch ganz offenbar kaum in der Lage, mit all den negativen Auswirkungen umzugehen, die seine Popularität ausgelöst hat. Vielleicht hat er sich einfach Ruhe "erkauft", weil er sich anders nicht zu wehren weiss?!

Ich habe die letzte Doku über MJ auch gesehen und mir ging es ganz ähnlich wie Reto. Sie hat meine Meinung über das "ewige Kind" eher bestärkt als den Verdacht zu nähren, er missbrauche Kinder.

Maren hat sicherlich nicht eine Vorverurteilung abliefern wollen, aber - ich glaube fast, dass eigene Kinder zu haben, die Sicht automatisch verändert! Angesichts der ständig tatsächlich stattfindenden Missbräuche von Kindern ist der Angstfaktor vermutlich einfach höher und man/frau wird als Mutter oder Vater empfindlicher.

Mich bedrückt aber der Gedanke, dass ein Vater, der heutzutage in aller Öffentlichkeit mit seiner Tochter schmust, sich in vieler Augen gleich des Kindesmissbrauchs verdächtig macht...

Womit wir bei einem Thema wären, das wir hier schön öfter hatten.

Liebe Grüsse, Diana

Geschrieben: 21.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#9

Kein Avatar
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Lieber migoe,

ja, es hat endlich geklappt. Es lag tatsächlich, wie von Dir vermutet, an der Firewall - die ich jetzt immer deaktivieren (passivieren?) muss, wenn ich hier schreiben möchte.

Ich denke schon, dass Maren die Thematik differenzierter sieht, als ich ihr in meiner Antwort zugestanden habe; dennoch versuche ich, nichts auf solche Anschuldigungen zu geben, solange sie nicht bewiesen sind. Und falls ich eben doch etwas darauf geben sollte (was ja realistisch ist), zeigt das nur umso deutlicher, dass immer - immer - etwas hängen bleibt.

Liebe Grüsse
von Reto

Geschrieben: 20.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#8

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Hallo Reto,

schön, daß Du offensichtlich die technischen Hürden genommen hast und jetzt wieder am Forum teilnehmen kannst

Zitat:
ich staune schon, welche Vorverurteilung Du hier mitmachst. Für mich ist die Unschuldsvermutung eine der Stützen einer Demokratie - und solange Jackson nichts nachgewiesen werden kann, ist er für mich unschuldig

Wie ich Maren kenne wird Sie sicher selber auch noch Stellung beziehen, ich möchte nur selber meine Ansicht zu Ihrer Anfrage weitergeben, weil ich denke, Du hast Maren nicht so verstanden, wie sie es sich gewünscht hätte:

Sicher kann und sollte man jemanden nicht für etwas (vor)verurteilen, was ihm noch nicht bewiesen wurde - und das war bestimmt auch nicht die Absicht von Maren. Aber dennoch stellt sich bei solchen Vorwürfen automatisch die Frage: "Ist das, was dieser Mensch bisher von sich gegeben hat vielleicht in einem neuen Licht zu beurteilen?" Der Künstler hat ja über Jahrzehnte ein Bild von sich in der Öffentlichkeit aufgebaut, daß vielleicht gar nichts mit seiner eigenen Persönlichkeit zu tun hat - und genau diesen Zweifel an der bisherigen eigenen Ansicht über diesen Menschen sehe ich bei Maren aufkommen - ich habe in Bezug auf Michael Jackson dieses Gefühl vor 10 Jahren gehabt und seitdem nie wieder einen Zugang zu ihm (als Mensch) und seinr Musik bekommen.

Nun weiß ich natürlich nicht was dran ist an den Vorwürfen, die nun überall auf allen Sendern die Runde machen, das ist mir aber auch egal, denn so wie schon vor 10 Jahren wird auch dieses Mal Michael Jackson selbst derjenige sein, der meine Meinung über ihn am meisten beeinflußt - und zwar je nachdem was er tut oder sagt im Hinblick auf die Vorwürfe...

migoe

Geschrieben: 20.11.2003
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Gast
Re: Verändern sich die Lieder?
#7
Gast-Gast
Hallo Maren,

ich vermute, man müsste deine gestellte Frage etwas anders formulieren, nämlich: "Verändert sich der (persönliche) Blick auf die Inhalte von Liedern?"

Wie schon einige hier geschrieben haben, weiß man natürlich nicht, ob an den gegen MJ geäußerten Anschuldigungen nun etwas "dran" ist oder nicht. Er selbst trägt auch nicht unbedingt zur Klärung bei, wenn er (wie vor zehn Jahren geschehen) statt einem rechtskräftigen Verfahren eine außergerichtliche Einigung mit Millionenzahlungen vorzieht. Da fragt sich die Öffentlichkeit natürlich schon, ob nicht etwas an den Vorwürfen dran ist... Man kann sich aber auch das Szenarium einer öffentlichen Diffamierung gut vorstellen und MJ scheint nicht gerade in der psychischen und physischen Verfassung für eine derartige Schlammschlacht zu sein. (Natürlich auch das wieder nur eine Vermutung!). Letztlich hat aber das mediale Interesse an den angeblichen Verfehlungen eines Künstlers offensichtlich Auswirkungen auf die Einstellungen der Leute gegenüber einem Künstler; nicht umsonst nutzen ja Prominente auch gerade das Streuen von Skandalen in Medien, um ihre Produkte bekannt zu machen...

Einen wichtigen Punkt der Diskussion finde ich, danach zu fragen, ob sich in Liedtexten Inhalte verbergen, die gegen das (eigene) Rechtsempfinden oder Gewissen stehen. Es stellt sich die Frage, ob Künstler, die fragwürdige Einstellungen haben, das nicht auch in ihren Texten zum Ausdruck bringen. Im Beitrag von Michael wurde ja das Beispiel von Richard Wagner genannt. Wenn ich also eindeutig antisemitische Inhalte in einem Stück entdecken kann, wäre das für mich schon ein Grund, mich davon zu distanzieren. Distanz finde ich auch dann wichtig, wenn ein Künstler z.B. dubiose Gruppierungen finanziell unterstützt, die ich mit dem Kauf einer CD des Künstlers quasi mit unterstütze.

Soweit meine Gedanken zum Thema.

Viele Grüße aus Jena,
Bianca

Geschrieben: 20.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#6

Kein Avatar
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Liebe Maren,

ich staune schon, welche Vorverurteilung Du hier mitmachst. Für mich ist die Unschuldsvermutung eine der Stützen einer Demokratie - und solange Jackson nichts nachgewiesen werden kann, ist er für mich unschuldig. Weil ich es selbst nicht besser weiss.

Ich schliesse mich Dianas Ausführungen an. Auch ich kann mir gut vorstellen, dass Jackson ein Mensch ist, der sich naiv wie ein Kind gebärdet und nicht erwachsen werden bzw. sein will. Die noch gar nicht so alte Dokumentation über ihn, die ihn eigentlich anprangern sollte (letztlich aber eigentlich nicht viel mehr war als die Selbstdarstellung eines Interviewers mit Profilierungsneurose), hat mich in dieser Meinung bestärkt. Auch hier gilt: weil ich es nicht besser weiss.

Fakt ist: wir wissen nicht, was Fakt ist. Und solange gilt Jackson als unschuldig. Und solange möchte ich gar nicht über die allfällige Abwertung seiner Musik diskutieren.

Liebe Grüsse
von Reto

Geschrieben: 20.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#5

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Hallo,

zu Jacksons Liedern kann ich eigentlich nicht viel sagen, weil ich sie nicht mag und er mich als Person auch immer ziemlich abgestoßen hat. Ich kann mir bei ihm aber alles vorstellen, einschließlich der Möglichkeit, dass es ihn gar nicht gibt. Deshalb will ich das Problem mal generalisieren: Beeinflusst unser Wissen über Charakter oder Taten unsere Meinung über Musik? Auch das Thema hatten wir schon mal und ich bin ziemlich sicher, dass man das eine vom anderen nicht trennen kann, auch wenn man es will. Weder Johnny Cashs Begeisterung für diverse Kriege und Bob Dylans bigotte Anwandlungen (und sein Konzert vor dem Papst) ändern aber eigentlich nicht die Musik (ich rede nicht von den Texten). Ich habe zwar Schwierigkeiten, das zu ignorieren, aber solchen Leuten verzeihe ich das. Und das ist vielleicht der Punkt: Je größer wir einen Künstler einschätzen, desto mehr Fehler verzeihen wir ihm. Ich habe neben den genannten Beispielen auch kein Problem damit, Konstantin Weckers Engagement für Saddam Hussein und seine Freundschaft mit "Föten-Rudi" Scharping zu verzeihen, obwohl das hart an der Grenze ist.

Es gibt ja auch seit ewig die Diskussion über Richard Wagner und die Frage, ob sein Werk genial und großartig ist, obwohl er Antisemit war (kein Salon-Antisemit, sondern ein eliminatorischer Antisemit). Meiner Meinung nach eine ziemlich dämliche Frage, denn ohne mich groß bei Wagner auszukennen, fallen mir schon auch Beispiele ein, die belegen, dass auch seine Opern antisemitisch sind, aber das nur nebenbei. Es sollte nur ein Beispiel dafür sein, dass Leute, die Wagner genial finden, auch über seinen unerträglichen Charakter hinwegsehen. Kann man machen, in diesem Fall mache ich es nicht, aber, wie gesagt, bei anderen.

Michael,
der gerade sieht, dass N24 live überträgt, wie sich Jackson der Polizei stellt. Das ist doch mal was.

Geschrieben: 20.11.2003
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Re: Vorverurteilung?!
#4

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Hallo liebe Diana,

Zitat:
für mich ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass so jemand mit Kindern in einem Bett schläft, ohne sie "unsittlich" zu berühren. Ihr könnt mich gerne für naiv erklären, aber ich bin überzeugt, dass MJ eine Art moderner Peter Pan ist, nicht erwachsen geworden und daher auch selbst mit einer kindlichen Unschuld versehen

Fürwahr, das klingt für mich etwas naiv - ich glaube nicht daran, daß jemand, der 45 Jahre auf dieser Welt ist und so viel erlebt hat wie der SuperMegaWahnsinnsKingOfPop Michael Jackson immer noch so verspielt und kindlich mit 8 bis 14 Jahre alten Kindern rumtoben kann und völlig frei von "Hintergedanken" mit diesen in einem Bett schlafen kann. Abgesehen davon ist es für mich schon ein Unterschied, ob zwei 10jährige sich untereinder berühren und den eigenen Körper "erkunden" oder ob das ein Erwachsener mit einem Kind macht...

ABER! Natürlich kennt (noch) niemand die Wahrheit und solange nicht weitere Beweise vorliegen bzw. erste Beweise (!) ist es nicht fair jemanden nur für Gerüchte vorzuverurteilen...

migoe, der sich hiermit (vorläufig) thematisch wieder von Mr. Jackson entfernen wird...

Geschrieben: 20.11.2003
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Vorverurteilung?!
#3

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Hallo Ihr Lieben!

Natürlich habe ich die Berichterstattung über Michael Jackson und die aktuellen Vorwürfe auch verfolgt, kommt man ja kaum dran vorbei... aber der Gedanke, der sich mir dabei als erstes aufdrängte war: Wird dieser Mann eigentlich zu Recht beschuldigt?
Klar, wir kennen ihn alle nicht und wissen nur, was die Medien berichten, aber aus all dem habe ich zumindest den Eindruck gewonnen, da umgibt sich jemand mit Kindern, weil er Angst vor Erwachsenen hat. Und das in einer eigenen irgendwie kindlichen Unschuld - so sieht es jedenfalls aus. Jemand, der drei Kinder hat und keines davon auf "natürlichem" Wege gezeugt hat, weil er offenbar Angst vor der dafür notwendigen Nähe zu einer Frau hat...?! Jemand, der sich einen riesengrossen Spielplatz als Lebensraum geschaffen hat...?! jemand, dessen bester Freund lange Zeit ein Schimpanse war...?! für mich ist es gar nicht unwahrscheinlich, dass so jemand mit Kindern in einem Bett schläft, ohne sie "unsittlich" zu berühren. Ihr könnt mich gerne für naiv erklären, aber ich bin überzeugt, dass MJ eine Art moderner Peter Pan ist, nicht erwachsen geworden und daher auch selbst mit einer kindlichen Unschuld versehen.

Aber um die Ausgangsfrage zu beantworten: ich finde ganz unabhängig davon, die Musik von MJ hat ihren Zenit längst überschritten, sehr viel von seinen früheren Werken gefällt mir gut, er war sehr kreativ und einiges ist geradezu genial. Aber das scheint lange vorbei... vielleicht ist es tatsächlich so, dass er nun erwachsen geworden ist?! Mit einer negativen Auswirkung auf seine musikalische Kreativität?! Die deutlichste Empfindung, die ich für MJ habe, ist allerdings Mitleid - um sein Leben ist er nicht zu beneiden, es ist doch offensichtlich, dass ihn die sehr frühe Karriere und vielleicht auch die verkorksten Familienverhältnisse krank gemacht haben...

Liebe Grüsse, Diana

Geschrieben: 20.11.2003
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Re: Verändern sich die Lieder?
#2

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Liebe Maren,

ich möchte an dieser Stelle kein Urteil über Michael Jackson fällen und kann mich auch nicht verbindlich dazu äußern, ob seine Musik jetzt besser oder schlechter ist als zuvor, als noch nicht bekannt war, daß diese Vorwürfe immer berechtigter werden...

Ich meine aber, daß man die Leistungen eines Menschen so nicht abwägen kann: Du bist zwar ein guter Musiker, aber weil Du gerne Sex mit Männern/Frauen/Kinder usw. hast ist das nicht mehr wichtig!
Wer etwas "verbrochen" hat, daß gegen geltende Gesetze (oder moralische Grundsätze des eigenen Landes) verstößt muß natürlich trotz seiner Genialität/Einzigartigkeit/Virtuosität/Sympathie usw. dafür bestraft werden, denn: Vor dem Gesetzt sind alle gleich!

Letztlich muß jeder für sich entscheiden wie er das (moralisch und wirtschaftlich) bewertet und dann entsprechend auch agieren. Ich persönlich konnte mit der Person Jackson nie besonders viel anfangen, weil zu weit weg von meiner eigenen Wirklichkeit. Musikalisch sind für mich nur einige Lieder so interessant, daß ich das Radio lauter drehe, wenn sie laufen. Meistens schalte ich aber weg oder höre einfach nur "durch" - mich stört genau das, was vielen gerade gut bei Jackson gefällt: die Giegser, Ah's, Uh's usw.

migoe

Geschrieben: 20.11.2003
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Verändern sich die Lieder?
#1

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Liebe Leute.

Was jetzt durch die Nachrichten geistert bringt mich doch glatt wieder zu einer Diskussion, die wir im Januar hatten.
Allerdings haben wir soviel "Neue" hier, daß ich den Gedanken gerne noch mal wieder aufgreifen möchte.

Heute ist bekannter geworden, was alle Welt schon länger wußte:
Michael Jackson vergnügt sich mit kleinen Jungs!

Wird seine Musik dadurch weniger genial????

Keine Frage, Kindesmißbrauch ist in meinen Augen eines der subtilsten und damit grausamsten Verbrechen, denen ein Mensch fähig ist.

Aber deshalb halte ich den "Earth Song" nichtsdetoweniger phantastisch.

Wie aber gehe ich damit um?? Alle Songs von Michael Jackson werden verbannt????? Keine neuen mehr gekauft??


Und damit werden noch mehr Fragen wach: War Mozart hetero- oder homosexuell??? Und wenn: Wie finde ich dann die 40.Synphonie???
Hat Bach geklaut? Tschaikowski gekoskst???

Wie seht Ihr das so. Bin echt gespannt.

Maren

Geschrieben: 20.11.2003
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