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Re: Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#8

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Lieber migoe,

nach meinen Erkenntnissen sieht es bei Tourneen wiederum anders aus. Da hat die Plattenfirma u.U. nicht viel zu melden, und das Geld fliesst eher dorthin, wo es hingehört.

Liebe Grüsse
von Reto

Geschrieben: 20.11.2003
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Re: Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#7

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Hallo Reto,

logisch interessierst Du Dich für dieses Thema, das war mir von Anfang an klar

Ich finde es einen Skandal, daß derjenige, der eigentlich verantwortlich ist für den Inhalt einer CD auch derjenige ist, der dafür am wenigsten bekommt. Natürlich meine ich jetzt nicht, daß es irgendwo irgendwelche Toningenieure oder andere Mitwirkende gibt, die prozentual noch weniger erhalten für die Mitarbeit. Es ist für mich ein bißchen wie die Sache mit den Spenden, wenn man z.B. 50,- € für eine bestimmte Organistation gibt, die verspricht, damit irgendwelche Projekte zu unterstützen, und am Ende findet man heraus, daß vielleicht gerade mal ein oder zwei € übrigbleiben, weil der Rest der Spende für Verwaltung usw. draufging.
Wenn ich eine CD von einem Künstler kaufe, weil mir die Musik dieses Menschen zusagt gehe ich eigentlich schon davon aus, daß ein Großteil des Kaufpreises auch diesem Künstler zugute kommt...ist aber wohl doch nicht so...

...stellt migoe mit Bedauern fest...

Geschrieben: 20.11.2003
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Ich denke, also bin ich...denk ich positiv, gewinn ich | thomas d....

Die Erfahrung lehrt, wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd | Reinhard Mey

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Re: Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#6

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Lieber migoe,

ein Thema, das ich immer wieder interessant finde. In den letzten Monaten habe ich mich vermehrt damit befasst, und ich finde immer mehr, dass wirklich über die finanziellen Apsekte diskutiert werden muss.

Hier einmal ein Beispiel, bei dem klar wird, wer das viele Geld im Musikgeschäft verdient. Ich habe es aus einem Buch über den amerikanischen Markt, aber es wird hier kaum ganz anders sein:

----

Ein bestimmtes Album verkauft sich 500'000mal, die CD ist für $11.98 im Handel erhältlich. In diesem Preis sind natürlich auch Materialkosten enthalten, die vor der Errechnung der Royalties (also dem, was die einzelnen Parteien - Künstler, Label etc. - erhalten) abgezogen werden. Dieser Anteil geht nur an die Plattenfirma, die ja auch als einzige diesen Ausgabeposten hatte; in diesem Fall sind es 20%.

Es bleiben also $9.59 als sogenannte Royalty Base übrig, und davon wird nun ausgegangen. Wenn der Artist davon 11% als Royalties erhält (Superstars bis 20%), sind das $1.05 pro verkaufte CD - bei 500'000 verkauften Alben, wie in diesem Beispiel, macht das $525'000.

Eine schöne Stange Geld. Jetzt kommen aber die Abzüge...

Weil die Plattenfirmen in vielen Fällen etwa 15% der Ware "umsonst" verschicken, also gewissermassen einen Bonus mitgeben, bekommt auch der Artist dafür keine Royalties; aus den errechneten $525'000 werden $446'250. Mit diesem Geld muss der Artist aber die vollen Aufnahmekosten zurückzahlen, die von der Plattenfirma nur vorgeschossen wurden (das sind schnell $200'000), und ausserdem für 50% der "unabhängigen" Promotion (Externer wird damit beauftragt, seine Beziehungen spielen zu lassen und das Album in Radioprogramme einzuschmuggeln etc.; $75'000) und für 50% der Kosten seines Musikvideos (noch einmal $75'000) aufkommen.

Fazit: der Artist hat sein Album 500'000mal verkauft und erhält dafür $96'250 - nicht einmal 20 (US-)Cents pro CD.

(Quelle: Donald S. Passman: All you need to know about the music business. S. 113 - das Buch ist durch und durch in einem halb-ironischen Stil geschrieben, deshalb auch der doch recht provokative Titel)

----

Dieses Beispiel rechnet mit sehr hohen Zahlen: grosser Verkaufserfolg, grosse Ausgaben. Aber die relativen Dimensionen sagen vieles aus über das Musikgeschäft. Es darf aber auch nicht vergessen werden, dass die Plattenfirmen, unabhängig von der aktuellen Situation, mit jedem Album ein Risiko eingehen. Bzw. einzugehen pflegten.

Ich würde das verbessern... aber mich fragt man ja nicht. Es sieht aber so aus, als könnte ich in exakt einem Jahr ein mehrmonatiges Praktikum in London machen (beim Publisher eines mir bekannten Musikers), und dann... ja, dann...

Liebe Grüsse
von Reto

Geschrieben: 20.11.2003
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Gast
Re: Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#5
Gast-Gast
hi all !

- ich werde keinen guten künstler um sein hart verdientes geld bringen! v.a. deutsche interpreten haben es schwer und ich leiste mir die cd's, auch wenn sie EINDEUTIG viel zu teuer SIND. wenn ich 20 € für eine cd löhne (z.b. österreichischer folk), wieviel bekommt da der künstler? ich weiss: promotion, minoritäten-musik usw. usf. oder was auch immer... MIR SCHMECKT DIE GANZE MUSIK-INDUSTRIE NICHT !!
Juliette Greco in einem aktuellen interview (spiegel, ausgabe 07.11): "...deshalb schätze ich das chanson mehr als den film. Das eine ist kunsthandwerk, das andere eine industrie". das waren noch zeiten...
- zu kazaa/mp3 und dem gejammer der musik-industrie: mir ist das erlich gesagt völlig wurscht. was bmg-ariolo-berteslmann-aol für gewöhnlich so ausstossen: ich kann gern darauf verzichten. falls es diesen großen wirklich an den kragen gehen würde (eine wunschvorstellung), wäre ich froh darüber. wir haben oder ich habe nichts verloren und ein chance für etwas neues könnte entstehen.
- ich gebe euch recht mit den profillosen musikern aus der retorte, welche die idealistischen, künstlerisch ambitionierten charakter-musiker mittlerweile fast völlig ersetzt haben. aber: ich kennen alternative szenen und die sind mir eh lieber als millionen-stadien (ganz privatim- egoistisch).

liebe grüße :guitariste:
e_a_kreisl

Geschrieben: 17.11.2003
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Re: Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#4

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Hallo migoe.

Da hat Buck in der Tat Recht (und macht mich neugieriger denn je) aber das Schlimme ist, daß es nicht ganz stimmt.

Ich habe selber ein Jahr beim Radio gearbeitet und war echt baff wie das läuft. Da stimmt der Spruch: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre SChlächter selber:

Die Musik wird zunächst mal nach der zitierten "Durchhörbarkeit" gespielt. Aber dann kommen Leute auf die Idee, sich den Scheiß auch noch zu kaufen. Damit steigen die Verkaufszahlen und die sind wiederum ein Kriterium für das was gespielt wird.

Also eine Spirale ohne Ende.

Maren

Geschrieben: 17.11.2003
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Re: Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#3

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Hallo Maren,

nun, so schwarz sehe ich es wirklich nicht, aber die Richtung ist dieselbe...leider...

Zitat:
Alles ist austauschbar, kein Charakter mehr erkennbar

Auf der neuen CD von Wolfgang Buck (Versuch einer Rezension im Archiv) leitet er "Di Soß" folgendermaßen ein:

Zitat:
Vielleicht fragt der eine oder andere mich "Hey Wolfgang, warum hört man eigentlich von Dir nix im Radio?" - und da sag ich "Genau, des frog ich mich auch!". Und immer wenn ich einen vom Radio treff, dann sag ich "Ey Alter, warum spielst Du mich nicht im Radio?". Da sagt der zu mir "Uh, da kann ich nix dafür, ich such die Musik nicht aus!". Da sag ich "Ja, Moment! Wer sucht denn bei euch die Musik aus?". Da sagt der "Das macht der Computer!" Und das stimmt, ja das stimmt! 95 bis 98 Prozent von dem Gschmarr im Radio sucht der Computer aus. Da sag ich "Aber Moment, es muß doch jemand dem Computer sagen wonach des gehen soll, der macht des ja ned allaans, sondern der muß ja programmiert wern! Nach was geht das, nach welchem Prinzip?" Da sagt der vom Radio "Ja, das geht nach dem Prinzip der Durchhörbarkeit."
- Ganz wichtiges Radiomenschnwort "DURCHHÖRBARKEIT"
Fragst Du Dich natürlich was des is. Hast Du noch nie ghört. Des kann ich Dir erklärn - Durchhörbarkeit ist praktisch "Da rein, da raus" (Buck zeigt mit der linken Hand erst auf das eine Ohr und dann mit der rechten Hand auf das andere...) Sagen wir mal, die würden was spieln von meiner letzten CD "Sambesi" und da würden einige Leut sagen "Ey, is ja super!" oder sie würden sagen "Ey, mach bloß den Käs da wech!" - aber sie würden reagieren und des wär ganz schlecht, weil beim Radio ist der ideale Hörer der, der den ganzen Tag horcht und merkts gar ned - weil der macht auch nicht aus! Des ist der Trick.
Du mußt Dir quasi a Radiostation so vorstellen: ein riesen Bottich, und in diesem Bottich, da brauens eine Soß. Und die Soß, die ist praktisch so dünn, daß in dem Moment, wo Du sie trinkst kommt sie hinten wieder raus. Medialer Dünnschiß...


Und für sowas zahlen immer weniger Leute Geld!

Meint migoe

Geschrieben: 17.11.2003
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Re: Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#2

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Lieber migoe.

Ich bin Dir sehr dankbar für das Thema. Ich sehe es nicht so düster wie Du: Ich sehe es ganz in schwarz.
Alles ist austauschbar, kein Charakter mehr erkennbar. Das einzige, was ich an dieser kreischenden, bekennend homo-bi-herterosexuellen Hupfdohle mit Namen Küblböck interssant fand war, daß er ANDERS war als der Rest.
Was uns ansonsten in der Musikbranche so geboten wird, das ist entweder gecovert oder gecovert. Aber ganz sicher ist es alles verbohlt. Und das ist der Grund, warum ich den Mann für potentiell gefährlich halte (wie ich hier schon irgendwo geschrieben habe). Der Mensch hat die Chutzpe auf dem Presseball aufzutauchen und sich mit seiner Barbie-puppe beim Bundespräsidenten einzuschleimen!!! Da wird mir doch der Struck fast sympatisch, der darüber sehr pickiert war.

Ich gebe gerne zu, daß auch ich schon einzelne Stücke aus dem Internet runtergeladen habe. Aber wenn es mir um die von Dir "echt" genannte Musik geht, dann ist sie mir schon mein Geld wert. Und darum gehe ich halt hin und kaufe mir CD's. Und vielleicht bin ich mit dieser Einstellung ja nicht die Einzige?

Maren

Geschrieben: 17.11.2003
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Von Musikverlagen, MP3 und Fusionen...
#1

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Für das Thema, da ich hiermit ansprechen möchte gab es noch kein passendes Forum auf der Seite, deshalb habe ich kurzerhand eines erstellt

In der Zeit vom 13.11.03 (Artikel im Pressearchiv - wer nicht gerne liest kann im Hörsaal den Artikel zum anhören finden!) fand ich in der Rubrik "Wirtschaft" diesen interessanten Artikel, in dem es um die Fusionspläne von Sony Music und der BMG sowie die momentan unsichere Situation auf dem weltweiten Musikmarkt allgemein geht. Dabei finde ich z.B. interessant, daß der Ertrag pro CD für den Künstler anteilsmäßig geringer ist als die Kosten für die GEMA und nur unwesentlich unter den Kosten für den eigentlichen Rohling liegen - und ich frage mich, wie es sein kann, daß sich die Verlage da noch wundern, daß es immer schwerer wird Geld mit CD's zu verdienen.

Für mich ist es klar, daß es nicht zuerst an den Raubkopierer von Kazzaa und Co. liegt, sondern daran, daß einfach zu wenig für den Künstler getan wird und immer weniger "echte" Musik veröffentlicht wird. Das Wort "echt" meine ich dabei so, daß die Menschen, die z.B. über die Casting-Shows oder andere populäre Kanäle in die Charts gehievt werden nicht deshalb erfolgreich sind, weil sie als Person bzw. das, wofür ihre Musik steht nicht wirklich oder echt rüberkommen sondern gestellt und künstlich. Deshalb muß immer wieder Geld in Werbung gesteckt werden, damit die Kids, die die CD's kaufen sollen das auch merken.

Bei Künstlern, die sich alleine aufgrund ihrer Musik/Arbeit Respekt und Gehör verschaffen ist das sicher nicht möglich - und zwar egal, welche Art Musik sie machen. Wenn der Mensch, der die Musik macht interessant ist werden die Menschen auch Geld dafür ausgeben seine Lieder zu hören.
Musik und "Künstler", die austauschbar sind werden allzugern wieder vergessen und verschwinden in der Versenkung.

Das was da im Moment in Deutschland (und Europa!) in Sachen "Superstars" und Co. geschieht ist für mich eine Entwicklung, die mehr und mehr dazu führen wird, daß die Plattenfirmen immer größere Probleme bekommen werden. Die Selbstdarstellung der unterschiedlichen Menschen in den verschiedenen Sendungen entflammt zwar ein kurzfristiges Feuer, doch es am brennen zu halten kostet den Firmen mit der Zeit so viel Geld, daß die wirklich echten Lieder und die tatsächlich schöne Musik bald darunter leiden werden.

Mich interessiert, wie Ihr das seht und ob ich hier vielleicht zu düster sehe? Über eine Antwort würde ich mich freuen...

migoe

Geschrieben: 16.11.2003
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