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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#9

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Zitat:

olliwutzi schrieb:
C:
Die Quellenlage? Siehe B!
Ob das Lied in einem Liederbuch vollständig ist oder nicht: Hannes wird um die Existenz dieser Strophe wissen. Er wird sich doch wohl nicht auf ein bestimmtes Liederbuch beziehen? So nach dem Motto: In meinem Liederbuch fehlt die Strophe, also singe ich sie auch nicht...
Für mich ebenfalls nicht plausiblel.
Nebenaspekt:
Eine andere Melodie als im Original?
Da wäre es interessant zu wissen ob es denn autographe Noten dazu gibt.
Gibt es "Das Original" irgendwo auf Papier? Oder ist das alles mündliche Überlieferung? Ansonsten ist das denn wohl die künstlerische Freiheit, eine Melodie zu verändern ohne sie zu verunstalten.

Unabhängig von Geschs nachvollziehbarer Idee noch schnell zu diesen Punkten etwas, weil ich inzwischen nachgeschlagen und -gehört habe:
Die sechs Strophen der "Moorsoldaten" sind unverändert bis heute erhalten geblieben. Bei den Proben zur Uraufführung '33 wurden die Textblätter ausgegeben, die Texte wurden gelernt, Abschriften und erinnerte Zeilen verließen auf unterschiedlichen Wegen das KZ Börgermoor (Häftlinge wurden verlegt, die Textblätter von Freunden, aber auch vom Aufsichtspersonal nach draußen geschmuggelt etc.). Darüber, ob auf den ausgegebenen Blättern ebenfalls Noten zu finden waren, habe ich keine Informationen finden können. Wenn man mal davon ausgeht, daß bei der Uraufführung nicht nur Leute beteiligt waren, die Noten lesen konnten, kann man wahrscheinlich davon ausgehen, daß es einzelne Notenblätter mit Abschriften für die jeweiligen Stimmlagen gab, wenn auch nicht so häufig wie die reinen Textblätter.
Die Melodie nahm im Prinzip zwei Wege, wie Komponist Rudi Goguel in einem Interview mit dem Rundfunk der DDR anno 1974 resümmierte und Hanns Eisler selbst seinerseits einräumte: einmal denselben Weg wie die Textblätter über die KZs und deren Insassen, die das Lied ihren Freunden bei deren Besuchen vorsangen oder selbst bei Verlegungen in andere Konzentrationslager/Krankenhäuser/Institutionen Text und Melodie weitertrugen. Dabei blieb die Melodie größtenteils unverändert. Hanns Eisler dagegen lernte das Lied 1935 kennen, als es ihm ein Jemand, der bei der Uraufführung in Börgermoor zugegen war, vorsang. "Jemand" neutral gehalten, weil die Quellenlage unterschiedlich ist - mal war es ein (entflohener) Häftling, mal war es ein Aufseher, mal ein Spitzel. Hanns Eisler glaubte, in der vorgesungenen (Strophen-)Melodie eine Variation des Lieds "Horch, Kind, horch, wie der Sturmwind weht" (zeitlich zu verorten im Dreißigjährigen Krieg) zu erkennen, was ihm Rudi Goguel zumindest nicht zum Vorwurf macht. Erstens war die Übernahme bekannter Melodien unter Veränderung eines Textes in den Konzentrationslagern nichts Ungewöhnliches (auch zu diesem Thema sei die CD "Und weil der Mensch ein Mensch ist" von den Grenzgängern dringend empfohlen), zweitens gibt's tatsächlich an einzelnen Stellen Ähnlichkeiten in der Melodieführung und wenn da vielleicht nicht der musikalischste Mensch dem Eisler vorgeträllert hat ... Rudi Goguel kannte nach eigenem Bekunden das Lied "Horch, Kind, horch" ebenfalls. Hanns Eisler folgerte darüber hinaus, daß sich das Lied aus einer Art "Gemeinschaftsarbeit" mehrerer Sträflinge herauskristallisiert hat und fühlte sich daher frei, einige Anpassungen vorzunehmen, weil die Melodie sonst - Zitat - "zu trist" sei. Ironischerweise war die Tristheit der Strophe von Goguel exakt so beabsichtigt gewesen (Zitat Goguel, Rundfunk der DDR: "Die drei gleichlautenden Töne im ersten Takt sind bewußt monoton gehalten, um dieses schwere Los, den Marschtritt der Kolonnen im Moor zu versinnbildlichen").
Die Fassung von Hanns Eisler wurde in Prag (Arbeiterzeitung AIZ) anno 1935 veröffentlicht, das war die erste Veröffentlichung einer Text- und Notenkombination. Ernst Busch und Hanns Eisler waren ebenfalls dafür verantwortlich, daß die "Moorsoldaten" sich in der Eisler-Fassung international verbreiteten (Busch in Richtung Spanien, Eisler in Richtung USA), über diesen Umweg kam das Lied dann wieder nach Deutschland, insbesondere die DDR, zurück; in der BRD war das Lied lange Zeit unerwünscht. Rudi Goguel verbrachte praktisch die gesamte Zeit des Krieges in Gefangenschaft und kam erst am 8. Mai 1945 frei. Von dem Weg, den die "Moorsoldaten" in der Zwischenzeit genommen hatten, wußte er nichts, wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil er als Komponist nirgendwo namentlich genannt wurde. Wolfgang Langhoff, einer der Textdichter, hatte 1935 ein Buch veröffentlicht ("Die Moorsoldaten"), in dem auch eine vermutlich stark idealisierte Entstehungsgeschichte des Lieds geschildert wurde, allerdings vermied Langhoff in diesem Zusammenhang vermutlich aus mehreren guten Gründen die Nennung der Namen seiner Mitautoren Goguel und Esser - wäre wahrscheinlich auch ein Bärendienst gewesen.

Beim Durchhören meiner Bestände hat sich übrigens bestätigt, daß vollständige Einspielungen aller sechs Strophen Mangelware sind. Die früheste Einspielung der "Heimwärts"-Strophe taucht bei mir auf dem Album "Das Lied im Kampf geboren" (AMIGA, 1966) auf, in der Einspielung des Erich-Weinert-Ensembles. Alle sechs Strophen werden hier gesungen. Ob - abgesehen natürlich von der Interpretation durch Ernst Busch - noch weitere, wenigstens halbwegs vollständige Interpretationen in der DDR auf Tonträger verfügbar waren, weiß ich nicht, allerdings gehe ich davon aus, daß auch über den Rundfunk einige Einspielungen verbreitet wurden. Auf Veröffentlichungen im Westen finde ich die Strophe erst ab 1980 (Gruppe Carl-von-Ossietzky).

Ein gut 13-minütiger Auszug aus dem Interview mit Rudi Goguel, eine Passage aus Wolfgang Langhoffs Lesung aus seinem "Moorsoldaten"-Buch sowie die Interpretation durch die Gruppe Carl-von-Ossietzky - und nicht nur diese - findet sich auf dem Tonträger "Das Lied der Moorsoldaten", ebenso auch ein ausführliches Booklet mit Informationen zu Entstehung, Verbreitung und Stellenwert des Lieds. Ist zwar manchmal platzbedingt etwas komprimiert, aber lohnt trotzdem.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 09.12.2017
_________________
"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#8

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hallo michael und alle, die noch geschrieben haben,
diese einfachste erklärung würde mich am ehesten überzeugen. der verzicht auf eine strophe, die einem einfach nicht zusagen will, wäre ja nur konsequent. sie wegzulassen, verfälscht das lied ja nicht und wäre künstlerische freiheit des interpreten.
herzlich
gerd

Geschrieben: 06.12.2017
_________________
Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#7

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Hallo,

das sind viele interessante Theorien, ich hätte auch noch eine anzubieten: Vielleicht gefällt Hannes die Strophe einfach nicht. Ich könnte es verstehen, "Jeder sehnet sich" und vor allem "manche Brust ein Seufzer dehnet" sind doch ziemlich altmodisch-pathetisch und dadurch für mein Empfinden nicht so ergreifend wie der Rest des Liedes. Vielleicht ist es ja so einfach.

Michael

Geschrieben: 06.12.2017
_________________
Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash,
dass die Kurse und Masken fallen.
Also laßt uns freuen und träumen davon,
wie die Racheposaunen erschallen.

Franz Josef Degenhardt
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#6

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Zitat:

olliwutzi schrieb:
C:
Die Quellenlage? Siehe B!
Ob das Lied in einem Liederbuch vollständig ist oder nicht: Hannes wird um die Existenz dieser Strophe wissen. Er wird sich doch wohl nicht auf ein bestimmtes Liederbuch beziehen? So nach dem Motto: In meinem Liederbuch fehlt die Strophe, also singe ich sie auch nicht...
Für mich ebenfalls nicht plausiblel.

Nebenaspekt:
Eine andere Melodie als im Original?
Da wäre es interessant zu wissen ob es denn autographe Noten dazu gibt.
Gibt es "Das Original" irgendwo auf Papier? Oder ist das alles mündliche Überlieferung? Ansonsten ist das denn wohl die künstlerische Freiheit, eine Melodie zu verändern ohne sie zu verunstalten.

Ohne nachgeschlagen zu haben: ich vermute, daß die erste gedruckte Version der Noten die Bearbeitung durch Hanns Eisler war. Rudi Goguel, der Komponist des Lieds, kannte diese Bearbeitung und hat sich später auch dazu geäußert, insbesondere über die kleine Veränderung der Melodie, die Hanns Eisler vorgenommen hat und die Hannes Wader übernimmt: die ersten drei Töne der Strophe ("Wo-hin-auch") sind bei Goguel identisch.

Ich kann ziemlich sicher sagen, daß die Versionen, die zeitlich vor Hannes Wader aufgenommen wurden und sich in meinem Bestand befinden, ebenfalls unvollständig sind. Ernst Busch sang wohl eine drei- und eine vierstrophige Variante ein. Eisler hat bei seiner Bearbeitung drei Strophen vorgesehen; die "Heimwärts"-Strophe fehlt konsequent und in beiden Fällen beginnt das Stück mit der offiziellen Strophe Nr. 2. Ob Wader diese Aufnahme damals kannte, weiß ich nicht. Ich gehe aber eher davon aus, daß er sich im näheren Kollegenkreis nochmal intensiver umgehört hat. Peter Rohland hat die "Moorsoldaten" 1966, also kurz vor seinem Tod, aufgenommen, sich dabei ein paar Freiheiten erlaubt in Sachen Melodieführung und Begleitung. Er nutzt zwar den veränderten Strophenbeginn von Hanns Eisler, aber überraschenderweise nicht dessen Strophenauswahl (Strophe 1 macht den Anfang). Rohland singt vier Strophen, die "Heimwärts"-Strophe fehlt allerdings. Hein & Oss haben das Lied der "Moorsoldaten" zweimal eingespielt, einmal für ihr '66er Album "Soldatenlieder" und einmal für die "Arbeiterlieder" von '75. Da die beiden sich häufiger mit Peter Rohland ausgetauscht haben, weiß ich nicht, wer hier bei wem abgeschaut hat; die Akkordfolgen von Peter Rohland findet man bei ihnen nicht, deren Fassungen klingen schon eher nach dem, was Wader später eingespielt hat, aber die Strophenauswahl ist in beiden Fällen identisch mit der von Peter Rohland (1, 2, 5, 6). Die unterschiedliche Spielzeit der beiden Versionen geht auf eine zusätzliche Einleitung durch Mundharmonika und eine neue Überleitung zwischen den Strophen bei der '75er Fassung zurück. 1976 kam dann "Live aus der Fabrik - Deutsche Volkslieder aus 5 Jahrhunderten" von Liederjan auf den Markt. Diese spielen die "Moorsoldaten" deutlich (!) gedrosselter und schwermütiger, aber auch vollständiger, denn bei ihnen finden sich fünf Strophen, abermals jedoch ohne ein "Heimwärts". Wenn die sich allerdings wider besseres Wissen eine Strophe gespart haben, will ich denen keinen Vorwurf machen, denn deren Version nimmt bereits ziemlich genau fünf Minuten ein.
Keine Ahnung, wer die erste vollständige Fassung eingespielt hat, ich bin auch gerade zu faul, alle mir vorliegenden Einspielungen durchzuhören, aber die vollständigen Versionen dürften deutlich in Unterzahl sein. Spontan würde ich nur die Hand für die Grenzgänger ins Feuer legen (Album "Und weil der Mensch ein Mensch ist").

Von Hannes Wader selbst liegen mir zwei Live-Einspielungen vor ("Live" und "Konzert für Victor Jara"), dort bleibt er ebenfalls bei der fünfstrophigen Fassung.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 05.12.2017
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#5

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Ihr lieben, vielen Dank für eure Antworten!

Richtig überzeugt hat mich aber keine, aber das liegt nicht an euch!
Vielmehr glaube ich selber nicht mehr daran das er die Strophe wegen der Länge des Liedes weglässt. Ich halte meine eigene Vermutung nicht aufrecht. Ich meine, es sind doch nur 6 Strophen, was gibt es da zu kürzen? Ist ja nicht so das das Lied 75 Strophen hätte und man immer 70 weglassen müsste um es in einer erträglichen Zeit aufführen zu können.
Da hätte er vielmehr beim Lied "Nah dran" kürzen müssen, damit es nicht immer so lange geht...
Ansonsten wage ich hier mal den Versuch einer Sammelantwort:
A:
Das Wort "Weib" könnte eine Rolle spielen? Nun, so schlimm finde ich das nicht, hat für mich nichts negatives (als Gegenstück gibts ja den "Kerl").
Exkurs:
Am 03.Oktober neulich lief im Fernsehen mal wieder "Die Abenteuer von Tom Sawyer und Hackleberry Finn," ich meine die Verfilmung aus dem Jahre 1968 mit Marc di Napoli. Den hatte ich als Kind zuletzt gesehen und war in freudiger Erwartung auf eine Reise in die Vergangenheit. Da war ich aber ziemlich entsetzt wie oft da das Wort "Nigger" fiel. Und zwar in allen möglichen Variationen: "Dreckiger Nigger", "Verdammter Nigger", "Blöder Nigger" usw. (Gemeint war übrigens der "Nigger Tom," der ganz selbstversändlich so geheißen wurde). Da dachte ich mir auch: Kann man das heute echt noch so bringen? Auch wenn der Film zu einer Zeit spielt wo das eben normal war? Aber was soll man machen? Solche Filme alle nachsynchronisieren oder für immer vom Spielplan verdammen? Ich weiß es nicht. Aber in diesem Zusammenhang ist das Wort "Weib" doch echt harmlos. Und wenn das Hannes wirklich stören würde, dann könnte er es ja durch "Frau" ersetzten, das geht ja wohl.
B:
Hannes hat das Lied selbst in einer gekürzten Version kennengelernt? Selbst wenn, das wäre für mich noch keine Erklärung. So wie ich ihn einschätze ist er ein akribischer Arbeiter, der sich intensiv mit der Quellenlage auseinanderstetzt bevor er ein Lied in sein Werk aufnimmt. Was sollte es ihn da kümmern das das Lied in anderen Sprachen noch weniger Strophen hat? Für mich nicht plausibel. Schliesslich singt er das Lied in der Originalsprache und nicht in einer Übersetzung.
C:
Die Quellenlage? Siehe B!
Ob das Lied in einem Liederbuch vollständig ist oder nicht: Hannes wird um die Existenz dieser Strophe wissen. Er wird sich doch wohl nicht auf ein bestimmtes Liederbuch beziehen? So nach dem Motto: In meinem Liederbuch fehlt die Strophe, also singe ich sie auch nicht...
Für mich ebenfalls nicht plausiblel.
Nebenaspekt:
Eine andere Melodie als im Original?
Da wäre es interessant zu wissen ob es denn autographe Noten dazu gibt.
Gibt es "Das Original" irgendwo auf Papier? Oder ist das alles mündliche Überlieferung? Ansonsten ist das denn wohl die künstlerische Freiheit, eine Melodie zu verändern ohne sie zu verunstalten.
Fazit:
Auch bei seinem letzten Konzert in Berlin fehlte sie wieder, die 4. Strophe, und ich bin nicht schlauer als zuvor.
Und wenn es mir nicht so wohl wird ihn mal persönlich danach fragen zu können bleibt das für mich wohl auch unbeantwortet.
Aber vielleicht fragt ihn ja mal einer der Mitlesenden hier, wenn er mal zufällig irgendwo jemanden über den Weg läuft (z.B. beim Bäcker oder so).
Und wenn dann die Antwort hier erscheint wäre das schön!

Olli


Geschrieben: 05.12.2017
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#4

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Zitat:

Reino schrieb:
Ein plausibler Grund könnte die Quellenlage sein. Die Existenz dieser Strophe heißt ja nicht, daß sie in den Liederbüchern, wie "Der große Steinitz", die in den 70er Jahren als Grundlage dienten, enthalten ist.
Also da mal nachschauen.


In meinen ist sie drin als 4. Strophe. In der Tat scheint er die im Konzert rauszulassen. Kann man spekulieren drüber, aber so erstaunlich find ich das wieder nicht.

Er singt allerdings auch eine andere Melodie als im Original, schonmal aufgefallen? Ab "Moor" bis zum Schluß der Zeile.




Geschrieben: 11.10.2017 18:50
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#3

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Ein plausibler Grund könnte die Quellenlage sein. Die Existenz dieser Strophe heißt ja nicht, daß sie in den Liederbüchern, wie "Der große Steinitz", die in den 70er Jahren als Grundlage dienten, enthalten ist.
Also da mal nachschauen.

Geschrieben: 11.10.2017 05:00
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#2

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Hallo olliwutzi,

also, ich kann es dir nicht direkt beantworten. Allerdings - falls es dich beruhigt: Ich habe mir diese Frage irgendwann auch schon einmal gestellt und kann entsprechend immerhin mit ein paar Überlegungen dazu dienen.

Kennst du Hannes' Erzählungen (~2008/2009), wie er das Lied ursprünglich kennengelernt hat? Erstaunlicher Weise nicht über einen Deutschen, sondern über Pete Seeger, der sich bekanntermaßen aller möglicher internationaler Volkslieder annahm, sie teils im Original, teils in Übersetzungen sang (man denke auch an Die Gedanken sind frei). D.h. Hannes' erster Kontakt wird definitiv mit einer Kurzfassung gewesen sein, denn Seeger hat wohl auch nur verkürzte Versionen gesungen, zumal die gängige englische Übersetzung ohnehin nur drei Strophen hat.

Zitat:
Ein Grund könnte natürlich sein dass das Lied dadurch zu lang würde, aber das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen.

Ich schon!
Auch hier beweisen Übersetzungen: Sechs Strophen sind vielleicht zu lang für manche. Wie ich es verstehe, gibt es auf Französisch immerhin 4 statt nur englische 3, aber ist immer noch kürzer als Hannes' 5er-Version.

Ich erinnere mich, dass Hannes sogar im eigenen Werk nicht davon zurückschreckt, zu kürzen, denn Wieder eine Nacht habe ich bislang z.B. nur in Kurzfassung live gehört. Daher finde ich es also nicht so abwegig, dass es mit der Langatmigkeit zusammenhängen mag.

Und ganz ehrlich: Wenn ich etwas streichen müsste, würde ich auch die "Heimwärts, heimwärts"-Strophe nehmen, weil die vorige schon auf dem Heimat-Motiv geendet hat.
Ich habe auch schon einmal überlegt, ob die Wortwahl mit dem "Weib" etwas zur Sache spielen könnte, weil man das ja heutzutage nicht mehr sagen würde. Allerdings ist der Song ja ohnehin ein geschichtliches Zeugnis und das dürfte wohl nichts ausmachen, wenn man wollte.

Du hast natürlich recht, bei Neue Bekannte wäre es eine Gelegenheit gewesen, vielleicht einmal zurück zum vollständigen Original zu gehen. Aber da ist Hannes wahrscheinlich zu sehr Gewohnheitstier?

(Falls man dagegen argumentieren wollte, dass er auch aus seiner Gewohnheit herausbrechen kann, würde sich vielleicht das Bürgerlied anbieten, bei dem er in der alten Aufnahme die "Ob im Kopfe etwas Grütze"-Strophe wegließ, aber jüngst doch mit einschloss. Allerdings erfuhr dieses Lied - anders als Die Moorsoldaten - wahrscheinlich eine so lange Pause, dass man eher von frischem Rückbesinnen sprechen muss als von Gewohnheit; man denke auch an den 5/4-Takt.)

Ich bleibe dabei: Die Gründe liegen in einer Mischung aus Kennenlernstory, Zeitersparnis und Gewohnheit.

Schöne Grüße
Viktor

Geschrieben: 10.10.2017 08:06
_________________
...
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Hannes und die Moorsoldaten
#1

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Hallihallo!

Quasi als Nebenthema zu meinem Bericht vom Konzert von Hannes in Gelsenkirchen habe ich ein (hoffentlich) neues Thema.
(Sollte das Thema schon ein alter Hut sein bitte ich um Nachsicht und Nachricht!)
Nachdem ich es jahrelang nicht von ihm gehört hatte sang Hannes in den letzten Konzerten, die ich als Ohrenzeuge belegen kann, wieder das Lied von den Moorsoldaten. Auch ist es auf seinem Album "Neue Bekannte" und dem Livealbum "Live" von 2015 enthalten. Aber nie, niemals nie, weder live noch auf Tonträger, sang er diese Strophe mit dem "Seufzer, der manche Brust dehne." Gibt es dafür irgendeinen Grund? Ein Grund könnte natürlich sein dass das Lied dadurch zu lang würde, aber das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. Hätte er diese Strophe irgendwann mal gesungen oder mal eine Erklärung abgegeben, so würde ich diese Frage jetzt nicht stellen. Aber nun, nach jahrelangem Warten und nach der Erneuerung im Konzert in Gelsenkirchen, wo diese Strophe wiederum fehlte, möchte ich mir doch erlauben hier in die Runde zu fragen: Wer weiß warum Hannes diese Strophe so konsequent verweigert? Wer diese Strophen nicht kennt (ich kannte sie ja auch nicht bis ich sie entdeckte) dem sei diese Moorsoldaten-version von Helium Vola empfohlen:
https://www.youtube.com/watch?v=5M90oFjSlx8
Hier ist es die vierte Strophe um die es geht.
Helium Vola ist eines der zahlreichen Projekte vom deutschen Chefelektroniker Ernst Horn, und für mich ist diese Moorsoldaten-Version die phantastischste, die ich je gehört habe.
Ist natürlich (wie immer) nur Geschmackssache.
Aber wer weiß die Antwort auf meine Frage?

Liebe Grüße: Olli

Geschrieben: 10.10.2017 03:07
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