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Aw: Straßenmusik
#55

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Hallo Georg,
freut mich, dass Du das Thema hier mal wieder ein wenig auffrischst!

Das Beispiel Mainz finde ich schon sehr krass, einfach, wieviel Mühe sich da jemand gemacht haben muss, um die Thematik möglichst bürokratisch zu klären. Fragt sich allerdings, ob die Stadt Mainz auch den angemessenen Aufwand betreibt, um die Einhaltung dieser Regeln zu kontrollieren, sonst wäre das ganze ja für die Katz...

Für mich selbst sind die unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Städten nicht wirklich erheblich. Manchmal habe ich was von Städten wie jetzt Mainz oder früher Dresden, München oder Heidelberg gehört oder gelesen, dann meide ich diese Städte oder spiele trotzdem so lange da, bis jemand vom Ordnungsamt kommt und sagt, ich solle aufhören (mehr passiert ja auch dann nicht). Und diese Regelungen und Verordnungen sind ja auch nur die eine (theoretische) Seite, die praktische Umsetzung jedoch eine ganz andere...

Moralische Bedenken, gegen irgendwelche kommunalen Verordnungen zu verstoßen, indem ich Straßenmusik mache, habe ich jedenfalls nicht, auch wenn ich damit vielleicht etwas "Illegales" tue. Die moralische Frage ist eher, ob ich damit anderen schade, z. B. ob sich sie (Passanten, Anwohner, Menschen, die in den umliegenden Läden arbeiten müssen) mit meiner Musik (die ja auch nicht jedem gefällt) dauerhaft und massiv belästige (was ich sicherlich nicht möchte)...
Und ein wesentlicher moralische Aspekt ist sicherlich auch die Frage, ob ich den Menschen, die in so einer Fußgängerzone ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen (und das sind sind ja nicht nur Musiker) den Platz streitig mache, denn in jeder noch so großen Fußgängerzone in jeder noch so großen Stadt ist dieser Platz begrenzt und wird durch die unzähligen privaten Einkaufszentren (wo Straßenmusik generell verboten ist) immer begrenzter...
Meiner Erfahrung nach lassen sich mögliche Konflikte um gute Plätze, Spielzeiten usw. aber besser klären, wenn sich die Beteiligten persönlich verständigen. Klar, das klappt nicht immer, aber die Grundstimmung derer, die sich künstlerisch oder sonstwie in einer Fußgängerzone betätigen, war bis jetzt immer eher solidarisch, gerade auch seitens derer, die viel mehr auf das Geld, das es auf der Straße zu verdienen gab, angewiesen waren als ich...
Es geht bei dabei meiner Ansicht nach auch darum, diesen öffentlichen (Lebens-)Raum "Fußgängerzone" (der immer knapper wird) zu erhalten und zu verteidigen, und Straßenmusik zu machen kann ein Beitrag dazu sein... Und Straßenmusik zu machen bekommtdadurch auch einen poltischen (moralisch wertvollen) Aspekt, finde ich...

Das Beispiel Borken (Kleinstadt hin oder her) zeigt übrigens, dass die wirtschaftlichen Interessen der örtlichen Geschäftsleute und Straßenmusik/-kunst keineswegs so gegensätzlich sind, denn die Läden in der Borkener Fußgängerzone profitieren vermutlich davon, wenn vielleicht Menschen (die die abgehalfterten Schlager-Stars im nahen privaten Einkaufszentrum oder Möbelmarkt nicht mehr hören können/möchten) lieber in die Fußgängerzone gehen, um dort beim Einkaufen nebenbei authentische Musik zu hören, oder?
In der niederrheinischen Kleinstadt Geldern gibt es seit über drei Jahrzehnten das "Internationale Straßenmaler-Festival", bei dem Straßenmusik und -theater aber ebenso willkommen sind. Dieses Festival wurde ursprünglich von ein paar engagieren Kulturschaffenden und Geldenern Geschäftsleuten ins Leben gerufen, um die Innenstadt (wenigstens an diesem Wochenende) zu beleben. Die Veranstaltung hat sich zu einem (wenn ich nicht dem) Volksfest in dieser Kleinstadt entwickelt, und die örtlichen Läden, die an diesem Wochenende geöffnet haben, machen mehr Umsatz als sonst das ganze Jahr, vermute ich. Und jedes Jahr beteiligen sich neben den unzähligen "internationalen" Künstern (wie mir ) auch Menschen aus Geldern und Umgebung künstlerisch dieser Veranstaltung, Kinder, die ihre Bilder mit Kreide auf die Straße malen, oder Teilnehmer eines Volkshochschul-Kurses, mit denen Dozent "Klaus der Geiger" ein Straßenmusik-Programm erarbeitet hat... Es geht viel, das Festival wird auch seit Jahren (Jahrzehnten?) von der Stadt Geldern und der benachbarten Diebels-Brauerei unterstützt, und die Künstler kommen bei ihrer Teilnahme auch nicht zu kurz... Hier ein Link zu der Veranstaltung: https://www.geldern.de/de/freizeit-tou ... -strassenmusikwettbewerb/

So, bevor ich jetzt hier wieder einen Roman schreibe, schließe ich hier mal...

Liebe Grüße
Carschti

Geschrieben: 13.02.2017 21:21
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#54

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StraMu Dresden, nächste Runde:

Neues Jahr, neue Diskussionen um Straßenmusik in Dresden.

Bisher hatte ich aufgrund der Verordnungen der Stadt noch keine Lust, in Dresden Straßenmusik zu machen. Ich habe es mir immer schon mal vorgenommen, aber auch die neuen Ideen wecken nicht unbedingt meine Motivation, hier zu spielen.

Die Diskussionen um Straßenmusik in Dresden gehen weiter, hauptsächlich deshalb, weil eine Formation im Rahmen der bisherigen Bestimmungen so penetrant agiert und musiziert hat, daß das - auch aus meiner Sicht als Straßenmusiker - nicht lange toleriert werden konnte.

Es ist immer wieder das alte Lied: zu lasche Regeln werden von manchen Straßenmusikformationen schamlos ausgenutzt zum Ärger von Anwohnern und Geschäftebetreibern, zu strenge Regeln halten Gelegenheitsstraßenmusiker wie mich davon ab, sich mit der Bürokratie auseinanderzusetzen.

Jede Kommune stellt eigene Regeln auf - mitunter äußerst abstruse. In München muß man auf dem Amt vorsingen, und dann entscheidet genau eine Person, ob man eine Zulassung erhält oder nicht. Also reine Willkür.

In Mainz heißt es laut Verordnung vom 1.12.2008 folgendermaßen (man achte hauptsächlich auf die ersten beiden Punkte):
Zitat:
"1.Die Darbietung von Straßenmusik wird in folgenden innerstädtischen Fußgängerzonen unter Beachtung der in dieser Allgemeinverfügung geregelten Anforderungen allgemein zugelassen:

Spielzone 1: Schusterstraße, Am Brand, Rebstockplatz, Höfchen, Markt, Liebfrauenplatz, Fischtorstraße, Leichhof, Augustinerstraße vom Leichhof bis zur Kartäuserstraße

Spielzone 2: Ludwigstraße, Gutenbergplatz, Schillerplatz, Ballplatz, Bischofsplatz, Stadthausstraße, Pfandhausstraße, Steingasse, Lotharstraße, Neubrunnenplatz, Seppel-Glückert-Passage, Betzelsstraße, Franziskanerstraße
Auf der Rückseite dieses Merkblattes finden Sie einen Plan, aus dem Sie ersehen können, wo sich die Zonen 1 und 2 befinden.

2. Straßenmusik ist nur werktags erlaubt.

In den Jahren mit gerader Endziffer (2004, 2006 etc.) ist Straßenmusik werktags erlaubt in der Spielzone 1 nur vormittags (11:00 Uhr bis 13:00 Uhr), in der Spielzone 2 nur nachmittags (16:00 Uhr bis 18:00 Uhr) bzw. samstags nachmittags (14:00 Uhr bis 16:00 Uhr)

In den Jahren mit ungerader Endziffer (2005, 2007 etc.) ist Straßenmusik werktags erlaubt in der Spielzone 1 nur nachmittags (16:00 Uhr bis 18:00 Uhr) bzw. samstags nachmittags (14:00 Uhr bis 16:00 Uhr) in der Spielzone 2 nur vormittags (11:00 Uhr bis 13:00 Uhr)

3. Im Bereich und bis zu einem Abstand von 100 m von Sonderveranstaltungen (Messen, Märkte, z.B. Wochen- und Weihnachtsmarkt, Volksfeste usw.), die in den genannten Spielzonen stattfinden, ist Straßenmusik nicht zugelassen.

4. Die Straßenmusik darf längstens 30 Minuten von demselben Standplatz aus dargeboten werden. Der Standort muss danach um mindestens 100 m verlagert und darf innerhalb eines Tages nicht wiederholt genutzt werden.

5. Der Einsatz von Blechblasinstrumenten oder ähnlich lauten Instrumenten ist bis zu einer Gruppenstärke von max. 4 Personen erlaubt.

6. Der Einsatz von Verstärkern und von elektronisch verstärkten Instrumenten ist unzulässig, es sei denn er dient zur Untermalung unverstärkter Instrumente und übersteigt deren Lautstärke nicht. "


[Quelle: Stadt Mainz]

„Mainz, wie es singt und lacht“ – fällt mir dazu nur ein…

Die Punkte 3. – 6. sind aus meiner Sicht ja in Ordnung, aber 1. und 2. erinnern mich an den Film "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" mit dem Dialog über das Parken in den roten und weißen Parkflächen. Wer es (noch) nicht (mehr) kennt: Unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug.

Ich hatte in Mainz keine Böcke zu musizieren, oder, um es mal etwas arrogant auszudrücken: die Stadt verdient mich nicht . Vielleicht dienen solche Regelungen aber nur dazu, Nicht-Profis wie mich davor abzuschrecken, in der Stadt zu spielen. Wer weiß das schon so genau?

In Dresden sind nach wie vor Verstärker gestattet, und die Anzahl der Musiker einer Formation ist auch nicht begrenzt. Daß an diesen Schrauben in der Vergangenheit nicht gedreht wurde, habe ich nie verstanden. Laut Artikel vom 13.2.2017 (bemerkenswerterweise am Jahrestag der Zerstörung der Altstadt Dresdens durch Bombenangriffe im 2. Weltkrieg) in der Sächsischen Zeitung soll es zukünftig eine App (!) geben, um sich für Straßenmusik anzumelden. Das Ziel: „Ziel der Vorlage sei, die Auftrittsorte so zu sortieren, dass Anlieger und Händler sich nicht gestört fühlen, die Musiker aber trotzdem spielen können.“ ist zwar gut gemeint, aber ich frage mich, was Leute machen, für die Dresden nur eine Zwischenstation auf ihrer Tour ist oder die eventuell kein Smartphone haben. Wer will sich als Gast denn solche Umstände machen ? Muß das wirklich so kompliziert sein, wenn man spontan mal auf der Straße spielen will ?

Ich habe, wenn ich eine StraMu-Tour mache, immer versucht, mir im Vorfeld Auskünfte von Ordnungsämtern in den jeweiligen Spielorten zu besorgen. Manchmal brauchte ich Genehmigungen, die ich mir auf dem Amt morgens hätte abholen können. Aber wenn ich erst nachmittags oder samstags im Ort ankomme: was soll ich dann machen? Ich habe solche Orte prinzipiell ausgelassen. Das war es mir nicht wert, mich mit sowas rumzuschlagen.

Und wenn es anderen Straßenmusikern auf Tour ähnlich ergeht, und sie entsprechend konsequent handeln, aber auch die Verordnungen der jeweiligen Städte respektieren wollen, geht den Städten nämlich genau die so oft beschworene Vielfalt der Straßenkunst zur Belebung der Innenstädte verloren, weil nämlich immer nur dieselben Formationen in denselben Städten spielen und es Gastmusikern zu kompliziert gemacht wird und ihnen bei den jeweiligen Bedingungen schnell die Lust am Spielen abhanden kommt.

Warum gibt es so viele Instanzen, die das Leben unnötig kompliziert machen ?

Es geht einfacher, zum Beispiel mit folgenden Vorgaben:
- Straßenmusik werktags 10-13 und 15-19 Uhr jeweils für 40 Minuten ab der vollen Stunde.
- Wechsel des Standortes nach jeder 40-minütigen Darbietung, mindestens 150m Abstand zum vorherigen Standort.
- Maximal 3 Personen pro Formation
- elektrische Verstärker sind nicht zulässig

Ob die Standorte nun beliebig wählbar sind oder von der Stadt vorgegeben werden sollten, sollte schon der Entscheidungsgewalt der Kommune unterliegen. Manche Städte, wie zum Beispiel Heidelberg, geben ein paar feste Spielorte vor. Da kann es natürlich passieren, daß sich mehrere Formationen um begehrte Standorte streiten. Bei festen Standorten besteht dann immer wieder die Gefahr, daß die Spontaneität verloren geht, weil es einer vorherigen Organisation bedarf.

Einmal mehr komme ich nicht umhin, das Konzept der Stadt Borken lobend zu erwähnen. Dort haben sich ein paar engagierte Menschen zusammengefunden, mit Anwohnern und Händlern gesprochen, Sponsoren gesucht und gefunden, und seit einigen Jahren die „Stadtmusik Borken“ auf die Beine gestellt. Sie organisieren an vielen Wochenenden in der Straßenmusiksaison freitags und samstags Straßenmusik, wo inzwischen Formationen aus ganz Deutschland und über dessen Grenzen hinaus anreisen.

Es gibt immer wieder gute Ideen und Umsetzungen, wie mit Straßenmusik umgegangen werden kann, aber oftmals habe ich den Eindruck, daß Kommunen mit den damit einhergehenden Fragen überfordert sind.

Klar, als Straßenmusikant will man auch mal spontan und während der Woche spielen, und in Großstädten lässt sich so ein Format wie in Borken sicher nicht so leicht auf die Beine stellen, aber aus meiner Sicht gibt es genug Beispiele, wo mit einfachen Verordnungen die Straßenmusik geregelt ist, so daß es für alle Beteiligten ein guter Kompromiss ist. Ganz ohne Regeln scheint es nicht zu klappen, sonst herrscht Anarchie wie bisher zum Beispiel in Galway in Irland, wo gefühlt alle 50m irgendein Straßenmusiker mit Verstärker mehr oder weniger Musik machte. Seit letztem Jahr wird auch in Galway diskutiert, Regeln einzuführen. Etwas schade ist das schon, wenn Toleranz und Rücksichtnahme aller Beteiligten nicht ausreichen, um miteinander auszukommen. Aber aus meiner Sicht gibt es auch gute Kompromisse, die keine jahrelangen vorausgehenden Diskussionen brauchen und dann in abstruse Beschlüsse münden.

Gruß Georg

Geschrieben: 13.02.2017 15:43
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"Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit."
[Herbert von Karajan]
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Aw: Straßenmusik
#53

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Hallo zusammen,

meine diesjährige Straßenmusik-Saison hat sich letztendlich auf 2 Tage à 3 Stunden bei der Stadtmusik in Borken reduziert und eine anschließende einstündige Darbietung in einem Seniorenheim.

Ich konnte mich in diesem Jahr doch nicht aufraffen, mal in Dresden zu spielen. Die Bedingungen, immer nur eine halbe Stunde spielen zu dürfen von der halben bis zur vollen Stunde, oder wie man hier sagt " von halb bis 'um' " (Manche sagen auch: "Bis um um", aber ein Kollege meint, das sei falsch, wahrscheinlich in der Annahme, daß das andere richtig(er) sei),und dann eine halbe Stunde Pause einlegen und dann noch einen Stellungswechsel durchführen zu müssen, sind einfach zu nervig.

Mein Repertoire habe ich geändert: ich spiele kaum noch englischsprachige Sachen, habe dafür Lieder von Christian Grote, Stephan Graumann und von Carsten Langner ins Programm mit aufgenommen. Für "In China fällt ein Sack Reis um" gab‘s sogar mal Applaus von Passanten. Hängt natürlich immer davon ab, wer gerade bei welchem Lied vorbeikommt, aber an dieser Stelle war es mir eben aufgefallen.

Obwohl ich mit "Sommer" nur noch ein Lied von RM im Repertoire hatte und somit meine musikalischen Wurzeln eigentlich nicht mehr ganz so leicht zu erkennen waren, gab es dann doch eine Situation, die mir nicht so ganz angenehm war. Ein Herr legte mir einen 5-EUR-Schein in den Koffer und wünschte sich dann "Über den Wolken". Auf der einen Seite ist es natürlich ein schönes Gefühl, wenn die Darbietung in diesem Maße geschätzt und sogar honoriert wird. Daß ich selbst mal einen Musik-Wunsch erfüllen soll, passiert mir wirklich selten. Wie auch immer: mir wäre ein selteneres RM-Lied dennoch lieber gewesen, auswendig kann ich ja genug, aber ich habe den Wunsch dann doch erfüllt. Dabei hatte ich zum ersten Mal bei der Straßenmusik das Gefühl, mich irgendwie verkauft bzw. verhurt zu haben. Eigentlich wäre es ja Grund genug gewesen, sich zu freuen, wenn sich jemand mal ein Lied wünscht, das man aus dem Stegreif auch noch spielen kann, aber mußte es "Über den Wolken" sein? So langsam kann ich es nachvollziehen, daß RM das Lied zig Jahre nicht live gespielt hat. Manche Lieder, so gut und schön sie sein mögen, hat man einfach mal "über". Nun ist ja "Über den Wolken" nichts, wofür man sich schämen müßte, da gibt es ganz andere Lieder aus anderen Genres, die auch oft auf der Straße zu hören sind. Ist eben immer die Frage, wozu man noch steht und was man ablehnt. Aber es ist schon erstaunlich, wie lange einen so kleine Begebenheiten gedanklich beschäftigen können.

Dieses Jahr habe ich auch festgestellt, wie wichtig eine gute Vorbereitung bzw. das Auswendiglernen und Einüben von Liedern ist, und auch noch mal die Lieder vorher zu spielen, die man seit Ewigkeiten spielt und glaubt zu kennen. Mir fehlten in diesem Jahr einfach die Gelegenheiten, live zu üben, um zu testen, in welchen Liedern es klemmt. Zu Hause ist alles kein Problem, auch nicht unter erschwerten Bedingungen mit laufendem Fernseher, aber öffentlich ist es eben anders. Es gibt tausende Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen und rauszukommen.

Dazu auch noch eine kleine Anekdote am Rande: ich habe "Viertel vor sieben" schon mehr als 100 Mal, wahrscheinlich sogar schon mehr als 200 Mal gespielt. Im Seniorenheim hatte ich den einleitenden Text fertig gesprochen, wollte ansetzen, und die erste Zeile war weg. Ab der zweiten Zeile "Über'm Stahlwerk" wußte ich den Text. Meistens, wenn mir der Text nicht einfällt, bin ich zuversichtlich, daß er mir noch kurzfristig, auch noch während des Vor-/Zwischenspiels einfällt. Und wenn ich einmal im Lied drin bin, läuft es bei längst bekannten Liedern meistens auch durch. Aber diesmal mußte ich wirklich ein anderes Lied vorziehen. Nach diesem anderen Lied bekam ich dann den Zuruf "Dunkle Regenwolken" einer aufmerksamen Zuhörerin (allerdings keine Heimbewohnerin), und so konnte ich "Viertel vor sieben" doch noch komplett spielen.

Als Konzertbesucher hätte ich bisher vermutlich immer gezögert, bei Textaussetzern durch den halben Saal rufend auszuhelfen, zum Glück kam ich bisher selbst noch nie in diese Situation, vermutlich, weil ich selbst den Text nicht kannte oder der Künstler noch schnell die Kurve bekommen hat, aber mit der eigenen Erfahrung weiß ich nun, wie erleichternd es ist, auf diese Weise Unterstützung zu bekommen. Aussetzer sind ja immer mit Stress verbunden - für mich jedenfalls, und ich glaube, trotz noch so guter Vorbereitung kann es einen immer irgendwann irgendwo erwischen. Dabei halte ich es für einen Riesenvorteil, nur solo unterwegs zu sein. Der Druck ist in einer Band sicherlich noch wesentlich größer. Wahrscheinlich hilft wirklich nur, so lange zu üben, bis auch das Gewissen grünes Licht gibt. Das war bei mir in diesem Jahr nicht der Fall, weil mir die Vorbereitungszeit fehlte, ich aber dennoch glaubte, ohne Aussetzer irgendwie durchzukommen. Tja, wieder etwas dazugelernt .

Jetzt bin ich selbst überrascht, wie lang dieser Text schon wieder geworden ist, und das bei nur 2 Tagen unterwegs mit der Gitarre auf dem Rücksitz.

Viele Grüße


Geschrieben: 05.09.2016
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Aw: Straßenmusik
#52

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Geschrieben: 12.10.2015
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Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#51

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Habe heute bei YouTube eine Arte-Doku aus dem Jahr 2000 entdeckt, die ich mir angeschaut habe und Euch ans Herz legen möchte:

Klaus der Geiger, Straßenmusiker-Legende aus Köln, den ich schon als Teenager auf's äußerste bewundert habe und viele Jahre später dann auch persönlich kennenlernen durfte. Einen, der immer meine Vorstellung geprägt hat, wie Straßenmusik sein sollte...

Hier das Video:
KLAUS DER GEIGER - Dokumentation

Nehmt Euch die knappe Stunde Zeit, es lohnt sich!

Geschrieben: 09.09.2015
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Aw: Straßenmusik
#50

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Zitat:
So ein Barde kommt ja ganz schön rum.


Man spricht ja oft - nicht ohne Grund - vom "fahrenden Spielmann" ;-

Liebe Grüße

Barde

Geschrieben: 05.09.2015
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Ich bin nur verantwortlich für das, was ich sage, nicht für das, was du verstehst.
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Aw: Straßenmusik
#49

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So ein Barde kommt ja ganz schön rum.

Geschrieben: 03.09.2015
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Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)
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Aw: Straßenmusik
#48

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Zitat:
Deinen Bericht über Deine Erlebnisse in Borken hatte ich mir allerdings etwas anders vorgestellt.


Ich dachte, ich komme bequem aus der Nummer heraus, wenn ich nur diesen Artikel einstelle. Aber eigentlich hätte ich es mir denken können, dass euch dies nicht reicht Vielleicht kommt ein anderes Mal mehr dazu. Georg hat mich ebenfalls schon wieder bedrängt und meint, dies würde nicht reichen

Zitat:
Mich hast Du jedenfalls jahrelang in dem Glauben gelassen, dass Du aus dem Schwabenländle stammst. Und nun lese ich hier, dass Du ein gebürtiger Friese bist. Wem ich glaube, kannst Du Dir ja denken, denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.


Ja, was soll ich dazu sagen? Es stimmt wohl beides, da ich zwar in Friesland geboren, aber im Schwarzwald aufgewachsen bin. Ein schwäbelnder Friese sozusagen. Der Schreiber hat wohl Infos von meiner Webseite an sich gerissen und dieses "Geheimnis" mit verarbeitet.

Zitat:
in des Liebingsbardens Lebenslauf (auf seiner HP veröffentlicht) ist zwar einiges nicht ganz ernst zu nehmen ...


Hast du mich schon jemals ernst genommen, Lieblings-Doro?


Liebe Grüße vom friesisch-schwäbischen Barden, der auch eine Zeitlang in der Schweiz gelebt hat und nun im hessischen Exil sein Dasein fristet, bis er seiner Bardessa den Wunsch erfüllt und mit ihr nach Leipzig ziehen wird.

Geschrieben: 03.09.2015
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Aw: Straßenmusik
#47

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Hallo Petra,

in des Liebingsbardens Lebenslauf (auf seiner HP veröffentlicht) ist zwar einiges nicht ganz ernst zu nehmen, den ersten Satz habe ich allerdings immer für wahr gehalten:

Zitat:
Im November 1963 wurde an der friesischen Küste in einer Sturmnacht (was wohl eine gewisse Symbolik haben muss) einem wunderschönen Kindlein das Leben geschenkt - mir.



Gruß Doro

P. S.

O. K. die Passage mit "wunderschönem Kindlein" läßt mich doch gerade ein wenig zweifeln...

Geschrieben: 03.09.2015
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Alles was man tun muss,
ist, die richtige Taste zum richtigen
Zeitpunkt zu treffen.
(Johannes Sebastian Bach)
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Aw: Straßenmusik
#46

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Hallo Michael,

Deinen Bericht über Deine Erlebnisse in Borken hatte ich mir allerdings etwas anders vorgestellt. Aber immerhin - jetzt sind wir Dir auf die Schliche gekommen. Mich hast Du jedenfalls jahrelang in dem Glauben gelassen, dass Du aus dem Schwabenländle stammst. Und nun lese ich hier, dass Du ein gebürtiger Friese bist. Wem ich glaube, kannst Du Dir ja denken, denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.

Liebe Grüße von Petra

Geschrieben: 02.09.2015
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Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)
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Aw: Straßenmusik
#45

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Jetzt hat mich Georg so lange bearbeitet, dass ich doch was über Borken reinstelle. Zufällig habe ich beim Mail-Sortieren nämlich noch diesen Zeitungsartikel entdeckt.

Liebe Grüße

Michael

Datei anhängen:



jpg  Stamu-Borken-Zeitungsartikel_Aug15_630px.jpg (105.05 KB)
209_55e750169a3e0.jpg 630X359 px

Geschrieben: 02.09.2015
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Aw: Straßenmusik
#44

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Zitat:

cARSCHti schrieb:
Nur mal so...
Hab heute ein bei FB ein Video von Nuria Edwards, einer Berliner Liedermacherin und Straßenmusikerin, die ich vor 2 Jahren auf dem Alex kenngelernt hab, entdeckt:

https://video-fra3-1.xx.fbcdn.net/hvid ... 4aa732f4440f0&oe=55DE22E3

Straßenmusik in Bocholt (liegt übrigend im Kreis Borken, wo Georg und Michael vor kurzem gespielt haben)! Ich hab zwar noch in Bocholt Straßenmusik gemacht, aber ich musste schmunzeln, weil ich 1985 da 4 Wochen auf Zivi-Lehrgang war. Und ich wünschte, es hätte damals schon Straßenmusikerinnen wie Nuria dort gegeben, dann hätte ich das Städtchen nicht ganz so öde in Erinnerung...



Lieber Carschti,

danke fürs Reinstellen der beiden Verknüpfungen

Die Straßenmusiksaison geht ja nun leider bald zu Ende, aber gerade Borken war für mich dieses Jahr ein Highlight (für den Barden, wie ich gehört habe, auch )

Es ist schon klasse, wieviel gute Musik (gut, meine jetzt nicht unbedingt inbegriffen ) auf der Straße so zu hören ist, wenn man denn auch mal stehenbleibt und zuhört und nicht nur vorübergeht.

Liebe Grüße
Georg

Geschrieben: 02.09.2015
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Aw: Straßenmusik
#43

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Hab grad bei FB dieses Video vom Stramu Borken entdeckt:
https://www.youtube.com/watch?v=yY0v0g ... tH47suEF8qufql9c9JNIh3MW_
Viel Spaß!

Geschrieben: 02.09.2015
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Aw: Straßenmusik
#42

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Nur mal so...
Hab heute ein bei FB ein Video von Nuria Edwards, einer Berliner Liedermacherin und Straßenmusikerin, die ich vor 2 Jahren auf dem Alex kenngelernt hab, entdeckt:

https://video-fra3-1.xx.fbcdn.net/hvid ... 4aa732f4440f0&oe=55DE22E3

Straßenmusik in Bocholt (liegt übrigend im Kreis Borken, wo Georg und Michael vor kurzem gespielt haben)! Ich hab zwar noch in Bocholt Straßenmusik gemacht, aber ich musste schmunzeln, weil ich 1985 da 4 Wochen auf Zivi-Lehrgang war. Und ich wünschte, es hätte damals schon Straßenmusikerinnen wie Nuria dort gegeben, dann hätte ich das Städtchen nicht ganz so öde in Erinnerung...


Geschrieben: 26.08.2015
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Aw: Straßenmusik
#41

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Nein Rex, ich kenne Elen Wendt nicht. Ich lese weder "Berliner Kurier", noch schaue ich Casting-Shows, und am Prenzlberg bin ich auch nicht so oft, dass sie mir irgendwie aufgefallen wäre...
Aber Straßenmusik verbieten, ist natürlich scheiße, und ich bin dagegen!

Geschrieben: 07.07.2015
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Aw: Straßenmusik
#40

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ein Artikel zu Straßenmusik Berliner Kurier
Vielleicht kennt Carschti die Dame ?

Geschrieben: 07.07.2015
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Aw: Straßenmusik
#39

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Wie bei so vielen anderen Themen typisch für Dresden, wird auch beim Thema "Straßenmusik" hin- und herdiskutiert und regemäßig neu entschieden.

Nachdem die scheidende Oberbürgermeisterin letztes Jahr noch eine Übergangsregelung durchgesetzt hat, wonach Straßenkünstler eine Genehmigung brauchten, gibt es jetzt erstaunlicherweise eine Lockerung, so daß man zumindest eine halbe Stunde an einem Standort ohne Genehmigung spielen darf:

Straßenmusik in Dresden - aktuell.

Mal sehen, wie lange diese Regelung nun gültig ist. Was mich nun besonders stört, ist, daß man sich im Prinzip jedes Jahr aufs Neue bei den Ordnungsämtern der Städte informieren muß, ob sich die Bedingungen geändert haben. Gerade wenn man unterwegs ist und mal die Gitarre auspacken will, wo man schon mal ohne Genehmigung spielen durfte, kann man nie sicher sein, ob sich nun etwas geändert hat.

Manche Städte bieten die Informationen direkt im Internet an, bei anderen Städten muß man wirklich anrufen oder per Email Kontakt zu den Ämtern aufnehmen, und besonders witzig ist es, wenn es dann heißt, daß man sich die Genehmigung im Rathaus abholen müßte, man aber samstags irgendwo spielen will und an dem Tag ggf erst anreist.

Das verleitet leider echt dazu, nicht mehr zu fragen, sondern einfach zu machen.....

Immerhin: "Ich würde gern einmal in Dresden singen" ist für mich nun wieder aktuell geworden

Geschrieben: 19.06.2015
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Aw: Straßenmusik
#38

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Ich habe als Straßenmusiker noch nicht solche Erfahrungen gemacht, eher im Gegenteil, die Jugendlichen und Erwachsenen, die auf der Straße lebten, waren mir als Straßenmusiker eher solidarisch gestimmt, haben mich als einen von ihren wahrgenommen... Okay, zugegeben, 1986 in Rouen hat mir mal ein Obdachloser meine gesamten Einnahmen (ca. 3 Franc ) aus dem Koffer geklaut, bitter...

Mit Osnabrück verbinde ich eher des jährliche Festival "Goldene Säge", woran ich schon öfters teilgenommen hab. Aber ich hab auch sonst schon mal in Osnabrück Straßenmusik gemacht und erinnere mich, dass die Fussgängerzone ziemlich restriktiv zwischen denen aufgeteilt ist, die da tagtäglich mit ihrer Musik ihren Lebensunterhalt verdienen müssen...

Geschrieben: 12.05.2015
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Aw: Straßenmusik
#37

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@Westwind,
unglaublich wie sich Menschen verhalten können! Mir selbst ist eine zunehmende Agressivität in U-Bahnhöfen und S-Bahnhöfen aufgefallen, oft von halbstarken Jugendlichen im alter von 13- 16 Jahren, bereits für die abendliche Party vorgelüht.
Straßenmusikern gegenüber hab ich es nch nicht direkt beobachtet, doch kann ich es mir sehr wohl vorstellen. Ich wünsche mir, dass solche Auswüchse die Ausnahmen bleiben.

Saitensprung

Geschrieben: 12.05.2015
_________________
Wenn ich nur darf, wenn ich soll, aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich nicht, wenn ich muss.
Wenn ich aber darf, wenn ich will, dann mag ich auch, wenn ich soll,
dann kann ich, wenn ich muss.
Denn: Die die können sollen, müssen wollen dürfen.
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Aw: Straßenmusik
#36

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Hallo zusammen,

beim Stöbern im Internet zum Thema Straßenmusik bin ich über einen Artikel aus der NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) vom 26.7.2011 gestoßen, wo beschrieben wird, wie ein Straßenkünstler von Jugendlichen mit Münzen beworfen wurde.

Hier ist der Link zum Artikel:
Münzenwurf_in_Osnabrück

Für den Fall, daß der Link irgendwann nicht mehr gültig sein wird, füge ich jeweils ein paar Zeilen aus dem Artikel hier ein und kommentiere sie mal aus meiner Sicht.

Zitat:

Münzen kamen geflogen, jedoch nicht wie erhofft in den Gitarrenkoffer, sondern an den Kopf des Musikers, der sich mit vollem Künstlernamen „Pit the man from the street“ (Pit, der Mann von der Straße) nennt. „Die Werfer waren etwa 16 Jahre alt“, erzählt er in aufgeregtem Tonfall. Passanten hätten ihm geraten hinterherzulaufen, „aber ich habe hier doch wertvolle Instrumente stehen“.

...
Zitat:

Denn der über 50-jährige Straßenmusiker achtet darauf, immer eine Wand im Rücken zu haben. „Wer weiß, was sich sonst hinter mir abspielt?“ So ganz sicher fühle er sich nämlich auch bei Tageslicht nicht.


Ich selbst habe in Osnabrück noch nicht gespielt, und so heftig hat es mich zum Glück noch nicht erwischt, auch von Pöbeleien oder Drohungen blieb ich bisher verschont, aber so ein paar Gefühle und Ansichten kann ich durchaus nachvollziehen. Ich suche mir auch meistens einen Platz an einer Fassade oder einem Schaufenster, denn ich mag es auch nicht, wenn Leute hinter mir herumlaufen. Das mag ich noch nicht mal auf Arbeit, wenn hinter mir irgendeine Art von Unruhe herrscht.

Es ist mir allerdings auch schon mal passiert, daß jemand öfter mal in meiner Nähe rumlungerte und meinen Gitarrenkoffer beäugte. Das ist wirklich nicht angenehm und ich hatte mich auch schon mal gefragt, wie ich mich verhalten würde, wenn sich derjenige am Koffer vergreifen würde. Vielleicht kennt der ein oder andere von Euch den Film "Once", wo es genau solch eine Szene gibt. Nun, wenn das Geld weg wäre, wäre es (für mich) noch das geringste Übel. Wenn der ganze Koffer weg wäre, wäre es schon wesentlich ärgerlicher. Ich stelle mir dann schon mal die Frage, wo die Schmerzgrenze überschritten wäre und ich alles (also auch Gitarre und Rucksack) stehen und liegen lassen würde, um dem Täter zu folgen. Portemonnaie und Schlüssel lege ich grundsätzlich nicht ab.

Einmal hatte sich jemand den Inhalt meines Koffers angeschaut und mich dann aber gefragt, ob er sich einen Euro herausnehmen dürfte. Das ist im Prinzip die ehrlichste Art und natürlich ist es dann nicht ganz so einfach abzulehnen. Aber in diesem Fall habe ich trotzdem mit einem entschiedenen "Nein" geantwortet. Da gebe ich lieber etwas, wenn ich selbst unterwegs bin und keine Gitarre um den Hals habe.

Zitat:

„Pöbeleien von Jugendlichen oder Kindern sind in der Osnabrücker Fußgängerzone schon fast an der Tagesordnung“, hat er beobachtet. So werde er mal als „Penner“, mal als „Obdachloser“ beschimpft – oder gleich zum „Abhauen“ aufgefordert.


Das ist schon traurig, so etwas zu lesen, schließlich arbeitet man als Straßenkünstler ja schließlich für sein Geld. Wenn Jugendliche in Gruppen auftauchen, bleibe ich aber auch nicht ganz ruhig, obwohl ich schon versuche, einen freundlichen gelassenen Blick aufzusetzen. Ob dann ein nach oben gereckter Daumen ironisch oder gar zynisch gemeint ist oder doch ehrlich, weiß ich nicht, denke ich auch nicht groß drüber nach. Das ist alles hypothetisch, inwieweit ein Gruppenverhalten da mit reinspielt.

Daß mir aus einer Dreiergruppe mal einer einen Vogel gezeigt hat, habe ich mit einem Lächeln weggesteckt. Er lief in der Mitte der Dreiergruppe und wollte vielleicht seinen Kumpels irgendwas beweisen, andererseits muß ich zugeben, daß er in dem Moment gar nicht mal so daneben lag, denn wer spielt schon unter einem großen bis über den Fußgängerweg herausragenden Dach eines Warenhauses, wenn es in Strömen regnet ?

Zitat:

Besonders brenzlig für Straßenmusiker seien Stadtfeste wie die Maiwoche, wenn viele Passanten alkoholisiert seien. „Beim letzten Mal flogen Flaschen auf mich und einen Freund. Dabei haben wir nur gesungen.“ Bei der Erinnerung daran klingt Pit wieder ganz fassungslos.


Nun, für manche Straßenkünstler sind Stadtfeste sicherlich lukrativ. Ich persönlich würde solche Situationen vermeiden, es sei denn, daß ich zum offiziellen Programm des Festes - Bsp. Straßenmusikfestival Würzburg - dazugehöre. Stadtfeste sind für unverstärkte Musik aus meiner Sicht zu laut und zu unruhig.

Zitat:

Auch vom Ordnungsamt ist er enttäuscht. „Wenn die nur alle zwei Stunden in der Großen Straße entlanggehen, sehen die gar nicht, was so alles passiert.“ Denn neben pöbelnden Jugendlichen würden auch aggressive Bettler für ein angespanntes Klima sorgen. „Die sprechen teilweise alkoholisiert die Passanten an und fragen nach Geld. Und wenn dann mal einer sagt ,Geh doch arbeiten‘, werden sie aggressiv. Das geht doch nicht“, findet Pit.


Spätestens an dieser Stelle wird mir der gesamte Artikel irgendwie zu einseitig und zu pauschalisierend. Ich persönlich bin erstmal froh, wenn mir kein Ordnungshüter über den Weg läuft Ich informiere mich zwar im Vorfeld meistens bei den Ordnungsämtern über die Straßenmusik-Bedingungen, aber wenn ich mal einen guten Platz gefunden habe, kann es auch schon mal passieren, daß ich die vorgeschriebene Zeitspanne, nach der ein Standortwechsel zu erfolgen hat, schon mal überschreite. Anstatt aber nach mehr Ordnungspersonal zu rufen, rufe ich lieber dazu auf, daß in brenzligen Situationen eher die Passanten oder Geschäftemitarbeiter helfen sollten.

Als Straßenkünstler lenkt man ja nun einmal die Aufmerksamkeit auf sich, und dadurch kann es auch passieren, daß man zur Zielscheibe verbaler oder sogar nonverbaler Attacken wird, und da kann ich es nachvollziehen, daß man sich in brenzligen Situationen wirklich allein und hilflos fühlen kann, auch wenn ich - wie gesagt - solche Situationen noch nicht erlebt habe.

In der Hoffnung, daß alle Straßenkünstler von brenzligen Situationen verschont bleiben und zur Not auf Hilfe von Passanten und Geschäftemitarbeitern vertrauen können, sage ich mal: Auf in die neue Straßenmusiksaison !


Viele Grüße
Georg

Geschrieben: 12.05.2015
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"Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit."
[Herbert von Karajan]
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Aw: Straßenmusik
#35

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@Rike:

ist schon erstaunlich: denselben "Felix-Meyer"-arte-Doku-Link von Dir hatte ich zwar mitbekommen, aber nicht angeklickt, weil mich eine Doku über ihn nicht soooo sehr interessierte.

Scheinbar muß aber auch ich mir eingestehen, daß ich mir Beiträge wohl schlagwortabhängig genauer anschaue oder nicht. Schande über mich

Beim Thema "Straßenmusik" war mein Interesse jedenfalls geweckt. Sollten mich die Machenschaften des Boulevardjournalismus tatsächlich schon so sehr geprägt haben ?

Liebe Grüße
Georg


Geschrieben: 16.07.2014
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Aw: Straßenmusik
#34

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Zitat:

cARSCHti schrieb:
Hier ein Linktipp, dessen 1. Teil letzten Sonntag auf ARTE lief:
http://www.arte.tv/guide/de/048186-006/pflasterklange-1-4
Die 3 weiteren Teile kommen wahrscheinlich an den nächsten 3 Sonntagen...


Hallo Carschti,

vielen Dank für den Link. Ich habe mal kurz reingeschaut und werde vielleicht hinterher dazu noch meine Meinung abgeben, habe aber mal geschaut, wann die nächsten Folgen der Kurzreihe kommen und wessen Wege dort beleuchtet werden. Die Sendung kommt, wie Du vermutet hattest, wöchentlich.

Hier der Link mit Detailinfos zu dieser Sendung Pflasterklänge

Viele Grüße
Georg

Geschrieben: 16.07.2014
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Aw: Straßenmusik
#33

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Hier ein Linktipp, dessen 1. Teil letzten Sonntag auf ARTE lief:
http://www.arte.tv/guide/de/048186-006/pflasterklange-1-4
Die 3 weiteren Teile kommen wahrscheinlich an den nächsten 3 Sonntagen...

Geschrieben: 16.07.2014
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#32

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Hallo an alle,

diese Meldung ist für den einen oder anderen vielleicht interessant - heute über Google gefunden:

Zitat:
Konstantin Wecker ist Pate des diesjährigen daheim + unterwegs-Wettbewerbs

Am Montag, den 4. November 2013 ist Konstantin Wecker (66) als Gast in der daheim + unterwegs-Auftaktsendung zur dritten Staffel der Suche nach den interessantesten Straßenmusikern dabei.
Seit vier Jahrzehnten ist der Liedermacher und Komponist eine feste Größe der deutschen Musikszene und unterstützt mit seinem eigenem Label „Sturm & Klang“ junge Talente. Mit der Straßenmusikerin Cynthia Nickschas hat er kürzlich die erste Nachwuchskünstlerin veröffentlicht. Sie nahm vor zwei am daheim + unterwegs Wettbewerb teil.
Konstantin Wecker musste auch nicht lange überlegen, ob er die Patenschaft annehmen will: „Ich freue mich, dass es heute junge Talente gibt, die sich, wie wir in den siebziger Jahren, den Traum von einer gerechteren Welt bewahrt haben, sich engagieren, streitbar sind, poetisch, verträumt und klug.“ Der Gewinner oder die Gewinnerin wird mit einem Auftritts bei einem Konzert Weckers in NRW belohnt.
Am Tag nach der Auftaktsendung, am Dienstag, 5. November, beginnt dann in der WDR-Fernsehsendung die Präsentation der am Wettbewerb 2013 teilnehmenden Straßenmusiker. Bis zum 18. November präsentieren sich zehn ganz unterschiedliche Künstler. Insgesamt drei Wochen haben die Zuschauer Zeit, um im Internet auf der Homepage der Sendung www.daheimundunterwegs.de über die aus ihrer Sicht beliebtesten Straßenmusiker abzustimmen. Das große Finale mit den ersten drei Platzierungen und der Gewinner-Kür geht dann am Mittwoch, 27. November auf Sendung (16.15 bis 18.00 Uhr)....


- Mehr über diese Aktion und die Sendung auf: http://www.monstersandcritics.de/arti ... erbs#sthash.I8WcWjjj.dpuf

migoe

Datei anhängen:



jpg  daheim+unterwegs_webseite.jpg (21.87 KB)
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Geschrieben: 01.11.2013
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Ich denke, also bin ich...denk ich positiv, gewinn ich | thomas d....

Die Erfahrung lehrt, wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd | Reinhard Mey

www.liedermacher-forum.de | www.diekoerbers.de
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Aw: Straßenmusik
#31

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Rotationsstraßenmusikkonzerte - hier wird erklärt wie´s funktioniert

Geschrieben: 19.09.2013
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Aw: Straßenmusik
#30

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Danke, lieber Georg für Deinen ausführlichen und informativen Bericht. Ich finde es toll, dass Du das machst und uns hier an Deinen Erfahrungen teilhaben lässt!

Geschrieben: 10.09.2013
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Straßenmusik
#29

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Lieber Georg,

Zitat:

Westwind schrieb:
Vielleicht spiele ich spontan mal zwischendurch irgendwo, vielleicht mal an einem Wochenende oder wenn ich die Gitarre mal auf irgendeiner Reise dabei habe.


Sollte Dich Deine Reise mal durch meine kleine Straße, an meiner Haustür vorbeiführen, dann halte an und spiel ein paar Lieder, zwanzig Minuten oder länger - offene Ohren und eine kleine Flasche Sekt sind Dir sicher!

Danke für Deinen Bericht!

Lieben Gruß,
Marc

Geschrieben: 09.09.2013
_________________
So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.


Hannes Wader
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Aw: Straßenmusik
#28

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Lieber Georg,

da ich ja schon von dir wusste, dass du wieder auf Strassenmusik-Tour gehst, habe ich schon ganz gespannt auf deinen Bericht gewartet.

Danke, dass du uns an deiner Tour und deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

Mein Neid auf deine Strassenmusikerlebnisse ist dir sicher. (trotz "verjagt werdens")

Alles Liebe
Nicole

Geschrieben: 09.09.2013
_________________
...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...
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Aw: Straßenmusik
#27

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Hallo zusammen,

nachdem sich der meteorologische Sommer nun komplett verabschiedet hat, bin ich froh, die letzten beiden Wochen noch einmal bei gutem Wetter für etwas Straßenmusik genutzt zu haben, so daß ich meinen letztjährigen Erfahrungen (siehe: Erfahrungen_Straßenmusik) noch das ein oder andere Kapitel hinzufügen kann.

An meinem „Programm“ habe ich nicht viel geändert, lediglich 4-5 Lieder ersetzt. Gespielt habe ich in 4 Städten, wo ich letztes Jahr nicht war. Eine Stadt hatte ich kurzfristig angefahren, ohne mich vorher beim Ordnungsamt über die Bedingungen zu informieren. Zwei Polizisten, die in der Fußgängerzone an mir vorbeiliefen, haben sich jedenfalls nicht an mir gestört, vielleicht haben sie mich auch gar nicht wahrgenommen

Zitat:

Weitermachen. Wenn ich vorbeikomme, schmeiß ich was rein.
Jürgen


@Jürgen: da hatte ich dieses Jahr wohl noch nicht die richtige Stadt erwischt, aber prinzipiell würde ich dazu noch vorschlagen, daß Du es Dir erst anhörst, bevor Du etwas „reinschmeißt“



Straßenmusik im Rahmen einer kleinen Städtetour:
---------------------------------------------------------------------------

Allgemein: es ist schon sehr unterschiedlich, wie Leute die Darbietung honorieren, wenn sie mich nicht gerade komplett ignorieren. Manche werfen im Vorübergehen die ein oder andere Münze in den Koffer, manche ohne Blickkontakt, andere mit. Andere Leute bleiben kurz stehen und hören zu, andere setzen sich auf eine Bank und hören länger zu. Es gab auch mal vereinzelt dezenten Beifall oder mal das ein oder andere kurze Gespräch. Manche Leute schicken ihre Kinder vor, mir die ein oder andere Münze in den Koffer zu legen, vielleicht als Erziehungsmaßnahme, vielleicht aber auch, weil es ihnen selbst etwas peinlich ist. Es gibt eben eine Menge Reaktionen, und es ist schon spannend, das zu beobachten.

Das größte Lob ist natürlich, wenn sich in der Nähe eine Bank befindet, wo Leute dann Platz nehmen, um eine Weile freiwillig zuzuhören, und / oder es auch mal zu einem freundlichen Gespräch kommt.

Einen Herrn, vermutlich so um die 60, habe ich glaube ich mit einem Lied etwas irritiert. Er hat erst etwas in meinen Koffer geworfen und hat sich seitlich von mir hingestellt, um dem nächsten Lied zuzuhören. Nach einem Blick auf meine Liederliste ging mir kurz durch den Sinn, daß das nächste Lied inhaltlich vielleicht bei diesem Herrn nicht ganz so gut ankommen könnte, aber manche Dinge erfährt man eben nicht, wenn man sie nicht ausprobiert , und so spielte ich eben ein Lied über „Volksmusik“ und sah, wie sich seine Miene von einem anfänglichen Lächeln zu einem etwas strengeren Blick veränderte. Er hat trotzdem bis zum Ende durchgehalten . Das ist eben der Unterschied, wenn man spielt, was man spielen möchte und nicht unbedingt das, wovon man glaubt, daß es den Leuten gefällt. Wie auch immer, nach dem Lied meinte ich zu dem Herrn, das sei natürlich etwas provokant gewesen, worauf er sinngemäß sagte: „Ja, sowas sollte man nicht unbedingt spielen“. Diese Erfahrung wird mich jedenfalls auch in Zukunft darin bestärken, auch Lieder zu spielen, die so manchen Zuhörern aller Voraussicht nach nicht gefallen.


Im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich dieses Mal 3x mehr oder weniger „verjagt“ worden.

- In einer Stadt in der Fußgängerzone kam nach ca. einer Stunde eine Dame mit einer Tüte in der Hand aus dem Geschäft, vor dessen Schaufenster ich mich gestellt hatte. In dieser Stunde hat sich öfter mal eine Angestellte aus einem Geschäft schräg gegenüber immer mal in die Tür gestellt, um mir etwas zuzuhören, daher war ich ziemlich zuversichtlich, daß es jetzt mit der gerade rausgekommenen Dame keinen großen Ärger geben würde aufgrund meiner Darbietung. Ich habe das angefangene Lied noch in aller Ruhe bis zum Ende gespielt, und hatte die Dame dann gefragt, ob es ihr zuviel geworden sei. Sie meinte, sie hätte drinnen auch Musik laufen und die Doppelbeschallung wäre eben auf Dauer doch störend. Auf meinen freundlichen und etwas ironischen Vorschlag, dann drinnen die Musik abzuschalten, wollte sie dann doch nicht eingehen und sie bat mich, ein paar Meter weiterzuziehen, und als Entschädigung überreichte sie mir die mitgebrachte Tüte, wo eine kleine Flasche Sekt drin war (ich habe sie bis heute noch nicht geöffnet und weiß noch nicht, ob sie mich nicht doch vergiften wollte . Ich vermute mal, daß dieser Sekt sonst eher als Kundengeschenk gedacht ist). Da ich die Geschäfteinhaber und -Angestellten ja prinzipiell nicht belästigen will, war es für mich kein Problem, weiterzuziehen. Und auf so freundliche und nette Weise „verjagt“ zu werden, ist absolut in Ordnung. Anders als in einer anderen Stadt:

- In einer anderen Stadt hatte ich vom Ordnungsamt die Information, daß man nach 20 Minuten den Standort wechseln sollte. Ich habe am Vorabend die Stadt nach möglichen Spielorten abgesucht, da allerdings die Innenstadt eine einzige Großbaustelle zu sein schien, ich aber trotzdem irgendwo spielen wollte, habe ich mir den zum Rathaus gehörenden Bogengang (Säulengang / Arkade, oder wie man das nennt) ausgesucht. Nach 15 Minuten kam jemand in Hemd und Krawatte aus dem Rathaus heraus und erzählte in einem unvollständigen Satz irgendetwas von 15 Minuten. Ich entgegnete ihm, daß ich vom Ordnungsamt die Information hätte, 20 Minuten spielen zu dürfen und sagte, noch ein Lied zu spielen. Das war für ihn in Ordnung. Da aber dieser Durchgang ohnehin an eine Baustelle grenzte, und kaum Platz war, daß Leute hätten stehenbleiben können, und ich nicht den Eindruck hatte, irgendjemanden beglücken zu können, habe ich mir einen anderen Platz gesucht:

- der neue Platz war eine Treppe an der größten Kirche der Stadt. Dort kam auch nach ca. 15 Minuten eine Dame und meinte im freundlichen Ton, es sei nicht gewünscht, wenn ich an diesem Ort Geld sammeln würde, und die Musik würde „nicht ins Gesamtbild“ passen. Man weiß ja nie, ob manche Leute wirklich etwas zu sagen haben im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit oder ob sich so manche Leute nur wichtig machen wollen, wenn man sie nicht direkt fragt. Das nächste Mal würde ich vermutlich anders reagieren, aber dieses Mal habe ich mich eben verdrückt, und zwar direkt in eine andere Stadt.

Das „Verjagen“ war somit kein richtiges Verjagen, sondern eher jeweils die freundliche Bitte, einen anderen Ort aufzusuchen. Da haben andere Leute vermutlich schon wesentlich schlechtere Erfahrungen gesammelt. Das habe ich somit für mich nicht unbedingt auf die Qualität meiner Darbietung bezogen und somit auch nicht persönlich genommen. Klar, wer richtig gut ist, der schafft es vielleicht auch, sein komplettes Programm an diesen 3 Orten „durchzubringen“. Aber für mich kam es ja „nur“ darauf an, Erfahrungen zu sammeln, wie „meine“ Musik ankommt.


Straßenmusikfestival (StraMu) Würzburg:
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Ich hatte mich für die diesjährige Teilnahme am Straßenmusikfestival in Würzburg beworben und eine Absage erhalten (womit ich auch gerechnet hatte und dies somit keine Enttäuschung war). So konnte ich zwar nicht am offiziellen Programm teilnehmen, aber seit letztem Jahr gibt es bei dieser Veranstaltung das sogenannte „Freiufer“ an der Mainuferpromenade, wo man sich auch kurzfristig noch anmelden kann (am gleichen Tag ab 10 Uhr, um dann bis zu 3x für jeweils maximal 1 Stunde noch etwas darbieten zu können).

Dabei muß es nicht zwangsläufig Musik sein, sondern es sind auch künstlerische Darbietungen jeglicher Art willkommen, die das Festival bunter und abwechslungsreicher machen. Es dürfen auch eigene CDs verkauft werden.

Bei Interesse können weitere Details dazu unter StraMu_Würzburg nachgelesen werden. Nachdem ich noch lange unentschlossen war, ob ich am „Freiufer“ spielen möchte, habe ich letztendlich die für mich weite Anreise nicht gescheut und wollte dieses Festival mal aktiv und passiv kennenlernen.

Ich finde die Idee mit diesem Freiufer prinzipiell eine feine Sache, vor allem aus meiner Sicht für Straßenmusikneulinge, die sich mal öffentlich ausprobieren wollen, aber vielleicht noch nicht soviel Mut aufbringen, dies in einer Fußgängerzone zu tun.

Auf große Einnahmen sollte man vielleicht aber eher nicht spekulieren, dazu gibt es einfach ein viel zu großes künstlerisches Angebot an diesen Tagen. Dazu kommt noch, daß sich das Hauptprogramm eben überwiegend auf die verschiedenen Spielorte in der Stadt verteilt, so daß sich viele interessierte Besucher eher dort einen jeweiligen Programmpunkt aussuchen, und sich für das Mainufer nicht allzuviel Zeit nehmen.

Etwas schade ist es, daß die Spielorte am Mainufer relativ nah beieinander liegen, und wenn dann am Nachbarspielort eine Formation mit mehreren Gitarren und mehreren lauteren Stimmen agiert, ist es eben sehr schwer, sich mit leiseren Tönen Gehör zu verschaffen. Erschwerend kommt dann manchmal noch hinzu, wenn von der Brücke verstärkte Musik herüberschallt. Dies sind natürlich alles meine Wahrnehmungen und Eindrücke, das mögen andere Teilnehmer anders erlebt haben.

Bei mir blieben vereinzelt Leute mal stehen, aber das war wirklich die Ausnahme. Von den Passanten gab es zwar viele wohlwollende Blicke, aber es blieben eben nur selten mal Leute stehen. Da hatte ich in den Fußgängerzonen, wo ich vorher gespielt hatte, mehr Aufmerksamkeit.


Mein Fazit: Ich kenne ja meine Grenzen, was Gitarrespiel und Gesang betrifft, daher hatte ich da keine Erwartungen, sondern einfach nur Neugierde, und die Bewerbung für das offizielle Programm war einfach mal ein Versuch, und die Teilnahme am „Freiufer“ dann einfach Neugierde.

Vielleicht bewerbe ich mich irgendwann nochmal, aber wenn ich keine Zusage bekomme für das offizielle Programm, werde ich wohl nicht mehr am „Freiufer“ spielen, es sei denn, ich wäre bereits soweit, daß ich eigene CDs anbieten könnte. Da wäre auch das „Freiufer“ eine Möglichkeit, etwas Werbung in eigener Sache zu machen.



Gesamt-Fazit für dieses Jahr:
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Alles in allem war es wieder schön, aber ich werde wohl in den nächsten ein bis zwei Jahren keine längere Tour mehr machen (und dafür Urlaub nehmen). Vielleicht spiele ich spontan mal zwischendurch irgendwo, vielleicht mal an einem Wochenende oder wenn ich die Gitarre mal auf irgendeiner Reise dabei habe. Ich habe viele positive Erfahrungen sammeln können, aber da ist meine Neugierde jetzt erstmal gestillt. Wenn ich mich irgendwann musikalisch vielleicht noch mal weiterentwickelt haben sollte, oder irgendwann einmal eigene Lieder haben sollte, dann wird so eine Tour vielleicht mal wieder ein Thema.

Ich bitte um Verständnis darum, daß ich hier öffentlich keine Städte nenne, in denen ich Straßenmusik gemacht habe (oder eben nicht) und auch nicht so viele Informationen über die gespielten Lieder liefere. Da sollte jeder seine eigenen Erfahrungen machen, und jeder hat ja seine eigenen Vorlieben. Wer aber mehr über meine Erlebnisse erfahren oder konkrete Informationen haben möchte, darf sich natürlich gerne bei mir per persönlicher Nachricht melden.

Musikalische Grüße

Geschrieben: 09.09.2013
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[Herbert von Karajan]
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Aw: Straßenmusik
#26

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Zitat:
Auf dass Dresden weiterhin mit toller Straßenmusik beglückt werde!


Na dann, "Meister der Hühnersuppentopfnudel" - nix wie herkommen. Ich kenne mindestens 3 Leute, die gern zuhören und gewiss auch etwas in Hut oder Gitarrenkoffer werfen .

Geschrieben: 26.06.2013
_________________
...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)

Was Du verschenkst, Momo, bleibt immer Dein Eigen; was du behältst, ist für immer verloren! (Eric-Emmanuel Schmitt)
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