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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#32

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...ein sehr wichtiger Bestandteil beim "Lieder schreiben" ist bei mir inzwischen das Smartphone geworden.
Man hat's fast überall dabei und mit der Diktierfunktion gehen weder
Melodie- noch Textideen verloren!
Vieles wird natürlich auch wieder gelöscht, doch mittlerweile befinden
sich dort schon zahlreiche Ideen, die bestimmt "später"
weiterentwickelt werden.

So, und nun zu deinem anderen Thema T.I.M., würde gern noch weiterschreiben, aber leider muss ich...

...ARBEITEN!

Grüsse,

Chrizz

Geschrieben: 23.10.2015
_________________
Viele Sprüche mag es geben.
DIESEN mag ich ungemein:
Was nicht gratis ist im Leben,
sollte nie umsonst sein!
Chrizz
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#31

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Hallo T.I.M.,

es ist nie zu spät, auf so ein spannendes Thema zu antworten. Und ich freue mich, wenn so ein Thema nicht "einschläft", sondern immer wieder neue Beiträge dazu kommen, meinetwegen auch noch in vielen Wochen, Monaten oder Jahren...

"Schon mal jemand von Euch mitten in de Nacht einen Text aufgeschrieben?", fragst Du. - Ich schreibe meine Texte eh oft spät abends, und irgendwann gehe ich dann ins Bett und bin an irgendeiner Stelle nicht so richtig weiter gekommen. Manchmal wache ich dann nachts auf, weil ich eine Idee "geträumt" habe, stehe auf, schalte meinen Rechner ein und schreibe es auf, weil ich es am nächsten Morgen bestimmt wieder vergessen hätte...

Liebe Grüße
Carschti

Geschrieben: 22.10.2015
_________________
"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#30

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Hallo,

es ist zwar etwas spät, aber ich finde das Thema so spannend, dass ich als Nachzügler antworte...

Was ist bei euch zuerst da? Der Text oder die Melodie?

Meistens entsteht im Kopf eine Liedtext-Idee, die da vor Ort erstmal "reifen" muss. Wenn sie dann "reif" ist, muss sie so schnell wie möglich raus. Schon mal jemand von Euch mitten in de Nacht einen Text aufgeschrieben? Das kann nämlich auch passieren... Manchmal habe ich auch schon eine Melodie, passend zum Text, im Kopf...

Wie geht ihr vor, wénn der Text dann da ist? Spielt ihr die Melodie auf der Gitarre?
Oder nur die Akkorde? Ergibt sich dadurch die Melodie?


Ich bin ein absoluter Akkordspieler. ich beherrsche als Musik-LK-ler zwar die Noten, aber das ist bei mir nicht im Vordergund. Die Musik zum text entsteht im Kopf im Zusammenhang mit den Gitarrenakkorden...

Wie entwickelt sich dann der Rhythmus? Wisst ihr beim Text schreiben schon, das es z.B. ein Blues wird?

Das entwickelt sich, wenn es nicht schon vorher klar war, meistens beim Spielen... Und wird auch gerne mal variiert, um Abwechslung rein zu bringen...

Notiert ihr eure Melodien in Noten? Oder nehmt ihr sie auf? Oder braucht ihr vielleicht beides nicht, weil die Melodie gleich sitzt?

Ich notiere keine Noten, weil ich eh nur ich bin... Und ich weiß, wie mein Lied klingen soll... Akkorde schreibe ich mir schon auf, weil es inzwischen doch mehr als zwei Lieder sind..

Legt ihr Wert auf saubere Reime, auch wenn das, was ihr eigentlich ausdrücken wolltet dann weg ist? Oder andersrum?

Das kommt immer auf das jeweilige Lied an... Manchmal halte ich es für nötig, dass der Reim simmt und manchmal bieten sich ganz tolle Möglichkeiten, gerade, weil es sich nicht reimt...

Es ist spannend zu lesen, wie unterschiedlich alle hier an die Sache ran gehen und ich bin mir sicher, dass jeder seinen eigenen Weg zu seinen Liedern finden muss...

Ganz liebe Grüße aus Berlin,

Euer T.I.M.

Geschrieben: 21.10.2015
_________________
The Incredible Man

www.the-incredible-man.jimdo.com
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#29

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Hallo,

tja, wie macht man das eigentlich. Scheint ja so zu sein, dass es ganz verschiedene Wege gibt und keinen Königsweg. Ich versuche mal, die Fragen zu beantworten. Das ist deshalb auch für mich interessant, weil ich mir manche dieser Fragen bislang selbst gar nicht gestellt habe.

Was ist bei euch zuerst da? Der Text oder die Melodie?

Ich hab festgestellt, dass es mir leichter fällt, wenn ich beides nahezu gleichzeitig mache. Die Textidee ist da, dann kommt meist eine Akkordfolge, über die ich dann erste Zeilen konkret formuliere. Einen Text ganz ohne Gitarre griffbereit fällt mir sehr schwer – außer es ist ein Talking-Blues.

Wie geht ihr vor, wenn der Text dann da ist? Spielt ihr die Melodie auf der Gitarre? Oder nur die Akkorde? Ergibt sich dadurch die Melodie?

Aus den Akkorden ergibt sich in der Regel eine erste Melodie. Das ist bei einem virtuoseren Anspruch als ich ihn habe (und wegen der begrenzten Möglichkeiten meiner Stimme haben kann) sicherlich anders.

Habt ihr beim Textschreiben vielleicht schon eine Melodie im Kopf oder kommt die erst danach?

Da es gleichzeitig passiert, ersteres. Was nicht heißt, dass das in Stein gemeißelt ist. Je mehr ich ein fertiges Lied singe, desto mehr arbeitet sich eine Melodie heraus.

Wie entwickelt sich dann der Rhythmus? Wisst ihr beim Text schreiben schon, das es z.B. ein Blues wird?

Für den gilt das gleiche, Melodie, Akkorde und Rhythmus gehören zusammen. Spielereien und Veränderungen sind aber immer möglich.

Notiert ihr eure Melodien in Noten? Oder nehmt ihr sie auf? Oder braucht ihr vielleicht beides nicht, weil die Melodie gleich sitzt?

Da ich kein großer Melodiensänger und –schreiber bin, kann ich mich an den notierten Akkorden orientieren. Ich schreibe keine Noten auf, obwohl ich es könnte. Es scheint mir nur für meine Zwecke überflüssig.

Legt ihr Wert auf saubere Reime, auch wenn das, was ihr eigentlich ausdrücken wolltet dann weg ist? Oder andersrum?

Da Hannes Wader mit „Unterwegs nach Süden“ bewiesen hat, dass ein singbares Lied keine Reime braucht, sehe ich das nicht so eng. Auf dem letzten LT habe ich ein Lied gesungen „En chambres des dames“, da hat sich nichts gereimt. Das war nicht nur Faulheit – der Text sollte bewusst sperrig sein.
Wenn ein Reim etwas unsauber ist, stört mich das nicht, sofern es nicht Überhand nimmt. Dem Goethe ist auch sein Frankfurter Dialekt hier und da ausgerutscht, da kann ich über eine Unsauberkeit generös hinwegsehen. Gleiches gilt für Unsauberkeiten im Versrhythmus und für Hebungen – da kann man ganz gut drüber hinwegsingen.

Entscheidender ist meiner Meinung nach die Textidee. Da braucht’s Inspiration. Beim Ausformulieren hilft dann bisweilen nur Schreiben und Durchstreichen, bis es so ist, wie man denkt, dass es gut ist. Da kann ich mich auf Inspiration aus mir heraus nicht verlassen, da braucht’s Thomas Mann’sche Disziplin. Da haben mir die Liedertreffen sehr geholfen, weil ich seitdem gezwungen bin, mich hinzusetzen und was zu produzieren. Man kann Kreativität bisweilen doch erzwingen.

Dein Text, Nicole, ist übrigens großartig. Hat mich echt umgehauen.

Michael

Geschrieben: 01.07.2015
_________________
Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash,
dass die Kurse und Masken fallen.
Also laßt uns freuen und träumen davon,
wie die Racheposaunen erschallen.

Franz Josef Degenhardt
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#28

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Lieber Gerd,
danke für Deinen Beitrag zum Thema "Selbstzweifel".
So lange man zum Hause "im stillen Kämmerlein" sitzt und sein Lied schreibt, ist das ja eine Sache. Aber wenn man das Lied dann vor Publikum vorträgt, ist das noch mal was ganz anderes. Und je nach dem, wie das Publikum reagiert (oder was noch schlimmer ist, nicht reagiert, können auch schon mal Selbstzweifel auftauchen, erst recht, wenn man gerade ein neues Lied präsentiert. Dieses Gefühl kenne ich jedenfalls auch. Und man weiß ja vorher auch oft nicht so genau, welches Publikum einen erwartet. Ja, das Thema Live-Auftritte ist hier sicherlich ein wichtiger Aspekt.
Aber dann gibt es zum Glück ja auch die Momente, in denen das Publikum mitgeht und einen stärkt, und das ist dann ein unglaublich schönes und euphorisches Gefühl an meinem Schreibtisch oder Rechner zu Hause nie erleben könnte. "Warum mach ich das eigentlich?..." Wahrscheinlich auch wegen solcher Momente, die mich meine Selbstzweifel eine Weile vergessen lassen.
Liebe Grüße
Carschti

Geschrieben: 01.07.2015
_________________
"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#27

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Cartschi,... wie sagte mein Percussionist während der letzten Aufnahmen im Studio: "Es ist wichtig, dass wir selbstkritisch bleiben, vor allem uns selbst gegenüber..."

Geschrieben: 01.07.2015
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#26

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Danke Bardou für den Kanon!

Erinnert mich an Spruch aus meiner christlichen Vergangenheit, der ging sinngemäß so:
"Herr, gib mir die Kraft zu verändern, was ich verändern kann, und zu ertragen, was ich nicht ändern kann."
Ich habe das jetzt spontan aus dem Gedächtnis wahrscheinlich nicht korrekt zitiert, geht aber in eine ähnliche Richtung wie Dein Kanon, oder?

Ich hoffe aber, dass ich trotz Deiner Ermutigung weiterhin Selbstzweifel haben werde. Und sie hindern mich ja schließlich nicht daran, Lieder zu schreiben und sie vor Publikum zu singen.

Geschrieben: 01.07.2015
_________________
"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#25

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Ich finde es ausgesprochen ermutigend, das auch Ihr Profis manchmal Selbstzweifel
kennt und freue mich, dass Ihr das auch genauso zugeben könnt. Danke.
Nicole

Geschrieben: 01.07.2015
_________________
...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#24

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zum Thema Selbstzweifel:

vielleicht hab ich durch meinen lange ausgeübten Beruf eine Art von dickem Fell entwickelt... Wer Artikel schreibt, die selbstverständlich veröffentlicht werden, weil sie dafür vorgesehen sind, oder Beiträge verfassen muss, die ausgestrahlt werden, in Kommentaren Position bezieht, macht sich und wird angreifbar - das ist mit Liedern, die man öffentlich singt, nicht anders.

Bei Artikeln und ausgestrahlten Beiträgen ist die Sache vordergründig anonymer, denn die Wahrnehmung des Abgesonderten erfolgt nicht in gleichzeitiger Anwesenheit von Produzenten und Konsumenten. Das ist bei Liedern - zumindest auf Konzerten - anders. Da sieht man, zumindest bei tauglichen Lichtverhältnissen - den Zuhörern in die Augen... sofern man hinguckt... und da können durchaus Selbstzweifel zu Schweißausbrüchen führen, oder zu Harndrang oder Gähnzwängen... bei mir hängt viel davon ab, wo ich dann bin, was für ein Publikum sich eingefunden hat, welche Lieder ich singen will, ob ich die Reaktionen einschätzen kann, ob ich ein "Heimspiel" habe, "Neuland" oder tendenziell eher distanziertes Publikum, das z.B. eher Wertschätzung für eine Berieselung durch Tonträger hätte und sich durch meine Inhalte eeher belästigt fühlen könnte... und diese Selbstzweifel münden dann gelegentlich auch zur Frage: Warum mach ich das eigentlich? Warum mute ich mir das zu, setz ich mich dem aus... es zwingt mich ja keiner... aber dann erlebe ich auch gelegentlich wieder Zuspruch, der für alle Verunsicherungen entschädigt...

herzlich
Gerd

Geschrieben: 01.07.2015
_________________
Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#23

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Thema Selbstzweifel

für Cartschi: natürlich Scherz! Und aber doch ... wie du es beschrieben hast,so,wie du
andere ermutigst, tu es auch für dich. Den Kanon habe ich sowohl auf "Hochzeiten" als auch auf "Beerdigungen" gesungen - ein Einschärfer und Ermutiger, ein Selbstzweifelbremser hier für den besonderen, etwas anders anderen eindrucksvollen Cartschi!
Bardou

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Geschrieben: 01.07.2015
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Aw: Deine Fragen meine Antworten...
#22

Kein Avatar
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Zitat:

Gesch schrieb:
also nicht dazu führen sollten, dass ein Wort entgegen seiner normalen Betonung betont, also in der Aussprache "vergewaltigt" wird.


Oh ja. Ich kenne Lieder, die könnten so schön sein, aber ich weiß, da gibt es diese eine Stelle, an der das eine Wort des Reimes/Rhythmus wegen falsch betont wird, und dann warte ich schon schaudernd auf diese Stelle, und wenn sie dann kommt, schüttelt es mich jedes Mal wieder...
Bei so was bin ich vielleicht (?) sogar zu pingelig, aber ich kann gar nichts dagegen tun. So was quält mich regelrecht.

Nicht ganz so schlimm, aber auch in gewisser Weise ärgerlich finde ich falsch gebrauchte Wörter. Mein Lieblingsbeispiel (weil a) sehr bekannt und b) mir halt doch immer wieder aus dem Radio entgegengequengelt) stammt aus diesem "dieser Weg wird kein leichter sein"-Ding vom guten Xavier:
"...wenn der Wind das Meer aufbraust"
Brrrrrrr. Seit wann kann man jemanden oder etwas aufbrausen? Meines Wissens ist das kein transitives Verb...
Scheint aber außer mir niemanden zu stören.

Wie gesagt, möglicherweise bin ich übermäßig pingelig, aber ich finde, es ist möglich, so was zu vermeiden, und die Mühe sollte man sich auch machen.

Geschrieben: 01.07.2015
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#21

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Ohne hier wieder die Frage aufzuwerfen "Bin ich denn ein Liedermacher?", dazu habe ich auf ZuHauseSeite ausführlich meine Gedanken verfügbar gemacht, möchte ich einfach die Fragen kurz und aus dem Bauch heraus beantworten:

Zitat:
Was ist bei euch zuerst da? Der Text oder die Melodie?


Der Text ist fast immer zuerst da, wobei um den Kernsatz, welcher nicht immer der Refrain wird, schon eine Melodie im Kopf schwingt und auf der Zunge klingt.

Zitat:
Wie geht ihr vor, wénn der Text dann da ist? Spielt ihr die Melodie auf der Gitarre?
Oder nur die Akkorde? Ergibt sich dadurch die Melodie?


Der Text wird immer wieder gesungen, wobei sich laufend minimale Melodie-Änderungen ergeben. Ist mir eine Melodie-Phrase so wichtig, dass der Bauch sagt, die muss nun so bleiben, singe ich sie ins Telefon. Zuhause wird dann am Klavier die Notenfolge gespielt und zu Papier gebracht. Daraus ergeben sich Tonart und Akkordfolge.


Zitat:
Habt ihr beim Textschreiben vielleicht schon eine Melodie im Kopf oder kommt die erst danach?


Da der Text meist hinausfließt, ist es eher selten gleichzeitig. Wenn doch, dann bei Kernsätzen oder Bildern, die beim Fließen bereits eine Melodie mitbringen.


Zitat:
Macht ihr beides gleichzeitig?


Oft im Wechsel, will sagen ein Themenlied hat den Refrain und die erste Strophe und eine Melodie drängt sich auf. Dann bleibt der Text erst einmal liegen und die Melodie entsteht. Danach ist es oft so, dass der Text des nächsten Themenkomplexes durch die vorhandene Rahmung direkt rythmisch weiter fließt.

Zitat:
Wie entwickelt sich dann der Rhythmus? Wisst ihr beim Text schreiben schon, das es z.B. ein Blues wird?


Der Rhytmus entwickelt sich wirklich erst mit der Melodie.

Zitat:
Notiert ihr eure Melodien in Noten? Oder nehmt ihr sie auf? Oder braucht ihr vielleicht beides nicht, weil die Melodie gleich sitzt?


Ich notiere die Lieder, weil ich sie in der Regel mit anderen Musikern gemeinsam spiele, welche meinen "Arbeitsvorlauf" ja nicht haben. Das notieren fällt mir relativ schwer. Manche Synkope klingt, wenn sie nach dem Metronom erklingt ganz anders, als sie vorher in mir war... Ich lasse auch in fast allen Fällen einen Profi (meist Kirchenmusiker, die ich ja um mich herum zur genüge habe) auf das Ergebnis schauen. Die haben mir schon so manchen "Holperstein" aufgezeigt und bei dessen Beseitigung Hand angelegt.

Zitat:
Legt ihr Wert auf saubere Reime, auch wenn das, was ihr eigentlich ausdrücken wolltet dann weg ist? Oder andersrum?


Ich lege sehr großen Wert auf Sprachregeln, wobei ich ein bewusstes Spiel und Experimentieren mit denselben besonders reizvoll finde. Da begeistert mich Bodo Wartke. Was ich für mich selbst gar nicht mag, sind unsaubere Reime. Die kommen mir aber auch gar nicht in den Sinn. Dann darf sich lieber mal Mutter auf Butter reimen, als Mutter auf Bruder. Ein Inhalt, der mir wichtiger ist als ein guter Reim kommt dann eben ganz ohne Reim aus. Ähnlich geht es mir mit gegen die Betonung geschriebener Notierung. Da fange ich wirklich an zu arbeiten. Ich stelle Sätze um, suche Synonyme.


Zur Frage, ob man ganz aus sich selbst schreibt oder dazu auch von guten Lehrern lernt, gibt es wohl nur ein sehr persönliches Fazit. Wenn mich die Lieder von Timbo anfassen, hat er für mich die genau richtige Entscheidung getroffen. Wenn mich Bodo, Dota, Sebastian und viele andere Sagonauten mit der deutlichen Handschrift von Christof Stählins Sprachschule in die Seele treffen, dann ist auch SAGO für mich ein Geschenk des Himmels. Ich hab auch mit dem Gedanken gespielt mich da einzuschreiben und sogar mit Christof darüber gesprochen. Allerdings setzt er voraus, dass seine Schüler tatsächlich das Selbstvertrauen und den Biss haben an die Öffentlichkeit zu wollen.

Geschrieben: 01.07.2015
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...gebt mir einen Pass, wo „Erdenbewohner“ drin steht. Einfach nur „Erdenbewohner“ ... (Dota Kehr)

Was Du verschenkst, Momo, bleibt immer Dein Eigen; was du behältst, ist für immer verloren! (Eric-Emmanuel Schmitt)
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#20

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Selbstzweifel

@ Bardou
Du hast keine? Ein Scherz, oder?

@ Timbo
Du schreibst zu dem Thema was sehr wichtiges, finde ich. 20 Jahre nicht aufgetreten mit Deinen Liedern, und dann hast Du Dich doch irgendwann getraut, sie einem Publikum zu präsentieren. Du hast Dich vorher gefürchtet, eine negative Rückmeldung zu bekommen, aber die Rückmeldung muss offenbar so positiv gewesen sein, dass Du weiter gemacht hast, mit Deinen Liedern vor Publikum aufzutreten... Eigene Lieder einem Publikum zu präsentieren (auch auf die Gefahr hin, dass sie dem Publikum vielleicht nicht gefallen) kann ein Weg sein, die eigenen Selbstzweifel zu überwinden...

Geschrieben: 30.06.2015
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Deine Fragen meine Antworten...
#19

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Nach kurzem Nachdenken über die "Arbeitsabläufe" in meiner "Werkstatt" hier ein paar Antworten auf die konkreten Fragen von Nicole (mehr später):

Was ist zuerst da? Text oder Melodie? -
Mal so, mal so. Interessant ist für mich aber, dass ein Lied, wenn mich eins am Ende zufriedenstellt, musikalisch weitaus gelungener ist, wenn zunächst eine "musikalische Struktur" vorhanden war, also etwa eine Akkord-Folge oder ein Riff, oder eine Akkord-Auflösung, die sich mit anderen kombinieren ließ und aus der sich eine Melodie entwickelt hat. Läuft es andersherum und der Text entsteht zuerst ohne "Musik im Kopf" (kommt auch schon mal vor, wenn mich das Thema und erste Textfragmente quasi überrollen und ich mit der Musik nicht nachkommen kann, weil ich z.B. unterwegs bin und mir etwa beim Laufen die Formulierungen wie vom Fließband in den Kopf geschoben werden), wird die Vertonung eher langweiliger und klebt eher an gängigen Folkbegleitungen, unterscheiden sich schlimmstenfalls nicht so sehr von anderen Vertonungen...

Wenn sich Textpassagen beim Laufen ergeben, also quasi im Schritttempo, versuche ich sie relativ streng rhythmisch identisch hinzubekommen und festzuhalten (Notizfunktion im Smartphone hat mir schon manche Idee gerettet, die früher unweigerlich verloren gegangen wäre...) So bastele ich mir nebenbei eine "rhythmische Schablone", mit deren Hilfe die spätere Vertonung leichter fällt. Ich hab dann ein Gerüst wie beim Versuch, auf eine vorhandene Melodie einen neuen Text zu machen.

Wenn der Text da ist? Spielt ihr die Melodie auf der Gitarre?
Vorausgesetzt, ich habe eine Gitarre zur Hand und bin nicht gerade unterwegs, versuche ich schon von der ersten Zeile an die Sprachmelodie der aneinander gereihten Worte aufzugreifen, also die jeder Textzeile innewohnende "Musik" herauszuhören. Es gibt Hebungen und Senkungen, betonte Silben und unbetonte, Akzente und "belangloses, wenngleich unverzichtbares Flachland". Und daran versuche ich kompositorisch anzuknüpfen, und zwar durch spielerische Akkordbegleitung und Akkordauflösungen - ein kreativer Prozess, bei dem ich, wenn's läuft, genauso wenig unterbrochen werden möchte wie bei der Entstehung eines Textes. Ist der Vorgang nämlich unterbrochen, ist auch der Faden rasch gerissen...

Oder nur die Akkorde? Ergibt sich dadurch die Melodie?
Hab ich schließlich die Akkordbegleitung, hab ich auch ne Melodie.

Habt ihr beim Textschreiben vielleicht schon eine Melodie im Kopf oder kommt die erst danach?
Wie gesagt: Eine Zeile hat ihre eigene Melodie. Kann sein, dass sie "nicht passt", "nicht klingt", "keinen Rhythmus hat". Dann fang ich an, mit dem Inhalt und den Worten, die diesen Inhalt ausdrücken könnten (manches kann man ja so oder auch anders formulieren), an zu jonglieren, damit sich durch eine andere Wortfolge auch eine andere "Sprechmelodie" ergibt, bis ich zufrieden bin.

Macht ihr beides gleichzeitig? gelegentlich, aber nicht immer...

Wie entwickelt sich dann der Rhythmus? Wisst ihr beim Text schreiben schon, das es z.B. ein Blues wird?
Der Rhythmus ergibt sich aus den Worten. Was bestimmt nicht passiert, ist die herangehensweise, dass ich vorher mit der Absicht loslege, einen Blues oder Walzer oder was auch immer schreiben zu wollen.

Notiert ihr eure Melodien in Noten? Oder nehmt ihr sie auf? Oder braucht ihr vielleicht beides nicht, weil die Melodie gleich sitzt?
Ich kann keine Noten und versuche mir das fertige Lied (bei dessen Entstehung ich hoffentlich nicht unterbrochen werde, jedenfalls nicht in entscheidenden Phasen, wenn die "Schablone" entsteht...) durch die Akkordfolge und den dazu gehörigen Text zu merken.

Legt ihr Wert auf saubere Reime, auch wenn das, was ihr eigentlich ausdrücken wolltet dann weg ist? Oder andersrum?
Ich lege Wert auf klare Struktur und Einhaltung der Form, und dazu gehören Reim (der gelegentlich auch schon mal unsauber sein kann) und Rhythmik der Zeilen, also die Regelmäßigkeit der der Betonungen in einer Zeile, die möglichst auch nicht sinnwidrig sein sollten - also nicht dazu führen sollten, dass ein Wort entgegen seiner normalen Betonung betont, also in der Aussprache "vergewaltigt" wird.



Geschrieben: 30.06.2015
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Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.
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#18

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Zum Thema Bilder / Metaphern / Stilmittel:

Nein, ich sammle nichts auf Vorrat. Aber manchmal springt es mich irgendwann an - am besten übrigens, wenn ich alleine im Auto sitze.
Manchmal passiert es auch, wenn ich andere - meist englischsprachige - Musik höre und da irgendein Textfetzen plötzlich hängen bleibt, der etwas auslöst, etwas lostritt.
Irgendein Gedanke von irgendwoher, den man sich dann genauer besieht und sagt "ui, das ist eigentlich ein gutes Bild für...", und dann baut man sich neue, eigene Verknüpfungen.
Wenn das Bild wirklich passt, dann wird es auch gar nicht so schwer sein, damit zu weiter zu machen. Man muss ja im Grunde nur beschreiben, was man vor dem geistigen Auge hat...
Wichtig finde ich dabei allerdings, dass man möglichst im Bild bleibt, sich nicht in einer wilden Metaphernflut verliert, sondern sich in das eine Bild richtig reinbohrt und jede Ecke ausleuchtet. Aber, wie gesagt, wenn das Bild passt, ist das ja nicht das Problem.

Das ist zumindest mein Geschmack. Ich steh auf Texte, die in der Hinsicht einheitlich und stimmig sind, sei es bei der Verwendung von Bildern oder auch von sprachlichen Stilmitteln. Wenn sich so etwas beim Schreiben andeutet (wie gesagt, der Auslöser passiert mir eher einfach, als dass er gewollt wäre), versuche ich auch, auf dem Dampfer weiter zu fahren, den "Gedankenfluss" weiter in der Richtung zu halten.

Beispiel mit Stilmittel, weil sonst irgendwie schwer zu beschreiben:
In meinem Lied "Oder auch nicht" (einer meiner persönlichen Lieblingstexte) beginnt jede Strophe mit einer tv-bekannten Phrase (und zudem mit "Bitte"):
- "Bitte gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen"
- "Bitte keine Fragen, tut mir leid, kein Kommentar"
- "Bitte keine Panik, verlassen Sie ganz ruhig diesen Ort"
Wie es dazu kam? Keine Ahnung. Aber ich schätze, eine dieser Phrasen hat an einer Stelle ganz gut gepasst, und wenn erst mal eine da ist und man gedanklich auf dieser Schiene ist, fallen einem auch noch mehr ein, die man verwursten kann...


zum Thema Selbstzweifel:

Wie ich damit umgegangen bin? Indem ich 20 Jahre lang nicht aufgetreten bin, weil ich davon ausging, das Zeug will eh keiner hören.
Wie ich das Problem gelöst habe? Indem ich Lieder ins Liedermacher-Forum gepostet habe und einfach doch ein paar Mal aufgetreten bin (was auch immer mich da plötzlich geritten hat - der innere Schweinehund hat jedenfalls große Augen gemacht).
Wie das war? Riskant, denn wären diese ersten Schritte nicht gut gegangen, wär's das vermutlich gewesen. Aber auch toll. Man macht ja mit (damals) fast 40 nicht mehr SO viele SO aufregende Dinge das erste Mal...
Habe ich jetzt keine Selbstzweifel mehr? Oooooooh doch. Aber ich habe auch schon eine ansehnliche Sammlung an Positiverlebnissen. Das heißt, ich falle weicher, falls mal was in die Binsen geht. Das macht es leichter, auf die Selbstzweifel zu pfeifen.



Geschrieben: 30.06.2015
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Aw: Deine Fragen meine Antworten...
#17

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Sammelt Ihr im Alltag Beschreibungen, Bilder, Metaphern und / oder setzt Ihr diese bewusst in Euren Liedern ein ? Oder auch so Stilmittel wie Alliterationen ?

und "Selbstzweifel"

Nein ...keine Sammlung. In der Auseinandersetzung mit einem Thema ,was ja hin und wieder auch gelebte Erfahrung ist, sammelt sich soviel Material, dass es prinzipiell in jedem/ jeder vorhanden sein müsste. Nur, ob man die Begabung und Phantasie hat, es auch "herauszulassen" lässt sich nur erproben. Natürlich verwendet, analytisch betrachtet jede(r) SchreiberIn verschiedene Stilmittel - für mich ist es kaum denkbar, diese "mechanisch" einzusetzen. Insofern ist der Begriff Lieder - MACHER völlig verkehrt. Lieder entstehen durch ganzheitliches authentisches "Herauslassen" vorhandener Haltungen, Einstellungen und Lebensweisen. Sie poetisch, lyrisch, krass, erzählend, anklagend einfühlsam oder sonstwie zu präsentieren ist eine Kunst. Künstler werden nicht gemacht. Handwerkszeug ja ... aber zum Würzen braucht es eben den intuitiven Teil und auch die Lust, auf Bühne und Publikum, den Mut und die Überzeugung, dass das, was man darbietet im richtigen Raum, vor den richtigen Leuten zur richtigen Zeit passiert ( man stelle sich R.M als Vorgruppe von Rammstein vor...). Und schließlich sind wir dann bei der Ausstrahlung und somit bei Fremd- und Selbstwahrnehmung - wie gut ist das, was ich mache - und letztlich - wie gut bin ich.bzw. wie gut werde ich gesehen und kann ich das auch glauben...Selbst wenn du super authentisch deine Lieder trällerst, muß das ja nicht unbedingt beim Publikum ankommen. Stilmittel, Schreiben Präsentieren usw. alles erlernbar, Künstler sein, insbesondere Lebenskünstler, braucht reflektierte freie starke stabile Haltungen, die der oder die Betreffende mitteilen will, weil er/sie seine/ihre Kunst für wert hält. Damit wird man zwar nicht unbedingt berühmt - aber zumindest hin und wieder sehr sehr glücklich! Was ich mit meinen Selbstzweifeln mache?? ... ich habe keine :))!

Bardou




Geschrieben: 30.06.2015
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#16

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Liebe Nicole,

Zitat:

Mangels Talent muß ich mir meine Lieder hart erarbeiten. Da fehlt mir das Musiker-Gen.


da bringst etwas auf den Punkt, was wahrscheinlich das größte Schreibhemmnis ist, nämlich Selbstzweifel. Klar bedeutet Liedermachen für die meisten von uns auch Arbeit, und wir brechen uns keinen Zacken aus der Krone, wenn wir uns auch mal "handwerkliche" Tipps von anderen hollen und diese für uns annehmen. Man kann immer dazulernen...
Aber die Haltung "Ich habe kein Talent." oder "Mir fehlt das Musiker-Gen." ist in meinen Augen kontraproduktiv, wenn es darum geht, Lieder zu schreiben.

Aber ich kenne diese Selbstzweifel durchaus auch von mir selbst, und den meisten hier dürfte es ähnlich gehen... Nur helfen sie nicht weiter...

Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben? Ein gewisses Selbstbewusstsein aufbauen ist sicherlich auch unabdingbar, was immer das konkret heißen mag... Selbstbewusstsein heißt ja nicht, dass man sich selbst für unfehlbar hält, sondern dass man sich selbst bewusst ist, mit allen Stärken und Schwächen, und dass man sich vielleicht eher seiner Stärken als seiner Schwächen besinnt.

Du, Nicole, schreibst eigene Lieder, und wir wissen von den LTs, dass Du sie auch vor Publikum vortragen kannst. Also betrachte das mal als Stärke. Punkt.

Trotzdem Frage an die anderen: Wie geht ihr mit Euren Selbstzweifeln um?

Liebe Grüße
Carschti

Geschrieben: 29.06.2015
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#15

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Interessante Frage Nicky !

Da gibt es sicher viele verschiedene Ansätze ...
Ich kann Dir da auch nur meine "Arbeitsweise" beschreiben.

Auf alle Fälle sehr interessant, auch für mich, wie denn andere Liedschreiber an das Schreiben, Dichten, Komponieren rangehen !

Als Autodidakt, der noch nie Gitarrenunterricht hatte, noch nie Gesangsunterricht nahm, ich kann nicht mal Noten lesen - oh Schande ... passiert es ganz einfach.
Es ist immer der selbe Vorgang, meist sind es Themen, Geschichten, Erlebnisse die mich im Moment berühren/beschäftigen.
Da sind dann diese kleinen gelben Spickzettelchen, da werden dann Stichwörter, Schüttelreime, Ein - bis Mehrzeiler notiert.
Das passiert meist dann wenn ich in meiner geliebten Lobau spaziere.

Manchmal sofort, wenn ich zu Hause angelangt weil mich der Drang dazu drängt ...
manchmal auch erst sehr viel später, da setz ich mich hin und form daraus einen Liedtext.
Dabei zupfe ich auf meiner Gitarre, die Akkorde und die Melodien fliegen mir da irgendwie zu, keine Ahnung warum das so ist.
Es ist so als ob ganz von alleine Text und Musik zueinander finden.

Wenn das Lied dann einmal soweit fertig, dann kommt erst die wirkliche Arbeit.
Den Text fertig ausformulieren, die Musik fertig arrangieren, das ist oft schwere zeitaufwändige Arbeit bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin,
manchmal dauert es auch mal weniger als eine Stunde ... aber leider viel zu selten

Also zusammen gefasst könnte ich meinen:
1.) Die Idee zum Lied die kommt ganz von alleine, das kann ich nicht erzwingen.
2.) Aus der Idee dann ein fertiges Lied formen, dass ich dann auch auf CD verewigen möchte, das ist echte Arbeit !
3.) Ich muss mich manchmal auch selber ein wenig unter Druck setzen,
z.B. grad jetzt habe ich 6 neue Lieder fertig geschrieben, fertig produziert und im Studio fertig aufgenommen.
auf die neue CD sollen 11-13 Lieder kommen, geplantes Releasdatum = noch heuer ...
also muss ich mich zwingen die vorhandenen Schnippsel fertig zu bringen
Wobei zwingen das falsche Wort, weil ich liebe diesen Zustand wo ich mich für Wochen und Monate so richtig in meine Musik hinein fallen lasse

Warum das bei mir so ist wie es ist ? Keine Ahnung hab ich eigentlich noch nie drüber nachgedacht ...
Ich nehme es dankbar so wie es ist und freue mich über jedes neue Lied, das dann fertig, wie über ein neues Baby

Liebe Grüße !
Peter

Geschrieben: 29.06.2015
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www.peter-duerer.at
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#14

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Ihr Lieben,
vielen Dank für eure Beiträge. So habe ich mir das vorgestellt, als ich das Thema eröffnet habe.
Musiker, die erzählen, wie sie beim schreiben vorgehen, welche Geschichten hinter ihren Liedern stehen und ob ihnen das einfach so zufliegt, ob sie daran arbeiten und eben auch richtig handwerken müssen, warum sie singen usw. Schön.

Mangels Talent muß ich mir meine Lieder hart erarbeiten. Da fehlt mir das Musiker-Gen. Ohne Handwerk passiert bei mir gar nichts. Macht mir aber jede Menge Spass Damit ich mit meinen Texten zufriedener werde, hatte mir Gerd beim LT allerhand Werkzeug mit auf den Weg gegeben. So schraube ich nun regelmäßig dran rum. Von daher hatte ich auch nicht im Sinn, den ultimativen Leitfaden hier zu finden, sondern bin einfach nur neugierig, wie ihr das so macht und nehme mir dann gerne das eine oder andere Werkzeug für meinen Lieder-schreib-Baukasten aus euren Beiträgen mit.

Die Idee vom Carschti, uns hier auch über die Geschichten unserer Lieder/Texte auszutauschen finde ich klasse und würde mich freuen, wenn das klappt.
Georg, deine Frage finde ich auch sehr interessant und bin gespannt auf die Antworten.

Alles Liebe
Nicole

Geschrieben: 29.06.2015
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...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...
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#13

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Zitat:

Bardou schrieb:

Meine Leitsätze: Weniger ist mehr - der richtige Ton an der richtigen Stelle macht Gänsehaut, das richtige Wort oder "Bild" öffnet den Zugang.


"Bild" ist das Stichwort, womit ich Nicoles Frageliste noch gern um einen Punkt erweitern möchte:

Sammelt Ihr im Alltag Beschreibungen, Bilder, Metaphern und / oder setzt Ihr diese bewußt in Euren Liedern ein ? Oder auch so Stilmittel wie Alliterationen ?

Wie ich mich kenne, würde ich hier und da schon mal nach suchen, um es dann einzusetzen (womit ich wieder beim Handwerk wäre )


Geschrieben: 29.06.2015
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"Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit."
[Herbert von Karajan]
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#12

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Was ist bei euch zuerst da? Der Text oder die Melodie?

Häufig eine Textzeile im Kopf, die sich bereits ungespielt in Musik verwandelt. Der Chorus ist nicht immer das erste. Das Rumprobieren auf der Gitarre mit einer Zeile oder vielleicht zwei bestimmt die Richtung. Variante: Du machst "den Hahn" auf, hast Gitarre und Block und Stift und arbeitest ganzheitlich - schreiben spielen schreiben spielen, oder Variante zwei: wenn die Musik steht hast du den Takt, das Versmaß und kannst nun entspannt drauflos schreiben. Ansonsten ist eben wie vorher beschrieben - du bist so voller Musik und Gedanken, dass es häufig einfach heraus WILL, manchmal weißt du hinterher nicht, wie das passieren konnte... kleine Wunder


Wie geht ihr vor, wénn der Text dann da ist? Spielt ihr die Melodie auf der Gitarre?

Nee gleich Akkorde Picks und riffs - Melodie ist im Kopf - was gefällt immerwieder singen und spielen - dann kommen gleich neue Ideen dazu.

Oder nur die Akkorde? Ergibt sich dadurch die Melodie?

Durch die Akkorde ergeben sich neue Möglichkeiten, die Melodie weiterzuentwickeln - manchmal muss man auch Akkorde erfinden, weil bestimmte Töne vorkommen sollen ( natürlich gibt es sie alle irgendwie schon)

Habt ihr beim Textschreiben vielleicht schon eine Melodie im Kopf oder kommt die erst danach?


Die Melodie ist oft schon da, entwickelt sich aber mit dem Text auch nochmal neu.

Macht ihr beides gleichzeitig?

Genau - Ideen im Kopf, ausprobieren, gucken was schneller ist ( Text oder Musik), zum Anfangen würde ich immer erst Melodie und Rhytmik bestimmen - es ist, glaube ich, leichter, auf eine Musik einen Text zu schreiben, als umgekehrt.

Wie entwickelt sich dann der Rhythmus? Wisst ihr beim Text schreiben schon, das es z.B. ein Blues wird?

Beim Text schreiben orientiere ich mich an der bereits vorhandenen Musik - es kommt aber eben auch vor, dass ich die Musik zum Text schreibe - keine befriedigende Auskunft - aber ist nun mal so. Rhythmen kann man vor allem ausprobieren - manch Stück habe ich noch Jahre später rhythmisch neu gesetzt und dann erst den Kick gekriegt, es gut zu singen.

Notiert ihr eure Melodien in Noten? Oder nehmt ihr sie auf? Oder braucht ihr vielleicht beides nicht, weil die Melodie gleich sitzt?

Musik habe ich prinzipiell im Kopf. Wenn ich für andere schreibe oder nur instrumental - gibt es eine komplette Notierung. Wenn hinzugefügte Instrumente die Führstimme brauchen schreibe ich sie auf, Arrangements gibt es immer auch in Noten - es sei denn ich spiele sie selbst...



Legt ihr Wert auf saubere Reime, auch wenn das, was ihr eigentlich ausdrücken wolltet dann weg ist? Oder andersrum?

Das Spiel mit Worten erlaubt beides - auch ohne passenden Endreim kann der Eindruck entstehen, das es passt - gewollte Reime sind gräßlich und oft naiv - manchmal will man aber auch genau damit etwas provozieren. Ein Muss gibt es jedenfalls schonmal garnicht. Mir ist der Inhalt bzw. Gehalt, die Athmossphäre des Stückes immer wichtiger als der passende Endreim - oft verzichte ich gerade drum auf zu erwartende Harmonie. Stimmig sein mit welcher Ausrichtung auch immer - auch unstimmig stimmig geht:) Meine Leitsätze: Weniger ist mehr - der richtige Ton an der richtigen Stelle macht Gänsehaut, das richtige Wort oder "Bild" öffnet den Zugang. Und :
Authentizität hilft, den eigenen Stil mit eigenen Möglichkeiten zu finden. Was Neues ist immer faszinierend! Meine Antworten auf deine Fragen - vielleicht bringt es dich weiter. Präzisionen auf Anfrage und am besten am Übungsobjekt
Herzlich
Bardou


Geschrieben: 29.06.2015
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#11

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Schönes Thema, Nicky

Ich schreib einfach mal nur von meinen Erfahrungen, nicht als "Beratung" gedacht, sondern als Beitrag zu einem interessanten Gedankenaustausch...

Bevor ich ein Lied schreibe, brauche ich erstmal ein Thema, an dem ich so hängengeblieben bin, dass ich ein Lied darüber schreiben möchte. Und so ein Thema kommt bei mir oft nicht so sehr von innen, sondern springt mich sozusagen von außen an.
Beispiel: 2004 trat Gerhard Schröder nach einer Landtagswahlniederlage als SPD-Vorsitzender zurück, und Franz Müntefering wurde sein Nachfolger. An sich für mich damals noch kein Anlass, ein Lied darüber zu schreiben... Aber in meiner Tageszeitung war eine Karikatur zum Thema, in der Schröder im Hintergrund sagte: "Die Partei braucht wieder unverbrauchte Gesichter." Im Vordergrund Müntefering mit seinem faltigen und überhaupt nicht mediengerechten Gesicht... An dieser Karikatur bin ich damals hängengeblieben, und besonders an diesem Satz, so dass ich in (für meine Verhältnisse) relativ kurzer Zeit meinen "Müntefering"-Song geschrieben habe... Wie ich darauf gekommen bin, "In the Ghetto" von Elvis als Musik zu verwenden? Ein Zufall, denn ich war zu dieser Zeit bei einer Varieté-Veranstaltung in Marburg, bei der auf "In the Ghetto"-Basis ein Song über einen Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt, vorgetragen wurde...

Das war eine kleine Geschichte, wie einer meiner Songs damals entstanden ist. Andere Lieder von mir haben eine andere Geschichte...

Ob wir zuerst den Text oder Melodie schreiben, das handhaben wir unterschiedlich, und das ist auch gut so. Ich glaube nicht, dass es da irgendwelche Patentrezepte gibt (geben sollte). Wichtig ist (und da stimme ich Dir voll zu, Timbo), dass es authentisch ist, was wir machen, und genau in diesem Punkt unterscheiden wir uns eben von industriell gefertigter Massenware à la Dieter Bohlen, oder?

Ich würde mich freuen, wenn wir uns hier im Forum verstärkt auch über die Geschichte(n) unserer Lieder austauschen würden, und gerne auch beim nächsten LT, meinetwegen auch in Form eines wie auch immer "Workshops"...

Liebe Grüße aus Berlin
cARSCHti

Geschrieben: 29.06.2015
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#10

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hast recht, es sollte jedem selbst überlassen bleiben. und der ratschlag: macht doch einfach alle, was ihr wollt, lässt zumindest diejenigen ratlos, die nicht wissen, wie... deshalb ja deren frage, die man so oder so beantworten könnte... wäre mal spannend zu lesen, welche antwort der "meyster" parat hätte... nur auf inspiration zu warten? auch handwerkliche fähigkeiten zu schulen? wenn ja, welche? aber ich glaube, da richten sich die hoffnungen auch noch auf mehr leute, die eigenes liedgut anhäufeln... lassen wir die beratung suchenden interessenten im eigenen saft schmoren?
herzlich
gerd

Geschrieben: 29.06.2015
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Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#9

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@Gesch:

Nur noch so nebenbei, bevor wir uns zu weit von den ursprünglichen Fragen entfernen (die ich eh nur mit "keine Ahnung, mal so, mal so, es kommt, wie's kommt" beantworten könnte):
Stählin/SAGO ist ein gutes Beispiel. Ich habe schon mit vielen "Sagonauten" gesprochen, die - in weiten Teilen zumindest - recht angetan waren. Hatte selbst überlegt, mich dem mal anzuschließen. Aber je mehr Einzelheiten ich gehört habe, desto weniger hatte ich das Gefühl, dass das etwas für mich wäre. Es würde mich wohl in dem, was ich tue und wie ich es tue, nicht weiter bringen, sondern es allenfalls ändern, aber das will ich eigentlich gar nicht. (mal grob umschrieben)
Was halt am Ende schon wieder zu dem Punkt führt: Es gibt tausend Wege zu tausend Zielen. Oder auch: Macht doch einfach alle, was ihr wollt.

Geschrieben: 29.06.2015
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#8

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Lieber Timbo,
so weit wie's vielleicht scheint, sind wir gar nicht auseinander - scheint mir zumindest...

Ich nehme für mich auch in Anspruch, ganz persönliche Lieder zu schreiben, ebenfalls ohne Ausklammerung meiner Gefühlswelt. Dazu zähle ich allerdings auch Lieder, die sich emotional mit bestimmten Entwicklungen oder Begebenheiten der Tagesaktualität auseinandersetzen und mich dann entweder begeistern oder mir einen dicken Hals machen.

Herauskommen dabei eben - neben Liebesliedern und Liedern, die beispielsweise das Älter-Werden thematisieren und durchaus auch tagebuchartigen Charakter haben können, topical songs in guter alter Tradition, die schlagzeilenartig auf Aktualität reagieren. Hierzulande hatte man in den 6oer Jahren dafür den Begriff des Protestsongs verwendet, was nicht ganz die Sache trifft. Für mich ist es eben Journalismus, nur halt gesungen. Journalismus war ja auch ein halbes Leben mein Beruf, den ich - zumindest in anderer Darstellungsform, nämlich in Prosa und für aktelle Sendungen - handwerklich gelernt habe und nun in anderer Form fortsetze.

Künstlerische Kreativität - geb ich Dir völlig recht - ist da noch was völlig anderes. Die hatte ich auch schon vor meiner Berufslaufbahn anzuzapfen versucht und immerhin zwei LPs von Knut Kiesewetter produziert bekommen. Künstlerisch kreativ setze ich mich auch nicht unter Druck und lasse mich auch nicht mit "Bestellungen" (wie gelegentlich versucht wird) unter Druck setzen, sondern warte entspannt auf Inspiration, ohne nervös zu werden, wenn sie mal einen längeren Zeitraum nicht kommen mag. Auch bei mir hat das mal aufgrund berufs- und familienbedingten Umstände ein paar Jahre nahezu ausgesetzt. Aber dann sollte es wohl so sein. Solche Phasen gehen auch vorbei.

"Nette" Geschichten zu erzählen, nur um Geschichten zu erzählen, womöglich auch noch mit Blick auf leichtere Vermarktbarkeit, sind nun auch gar nicht mein Ding - wenn ich's darauf abgesehen hätte, wäre meine Berufswahl eine andere gewesen. Die Verfolgung solcher Absichten überlass ich arbeitsteilig also gerne anderen, auch wenn damit der Unterhaltungsfaktor meiner Lieder in der Gesamtschau eher unterdurchschnittlich sein mag.

Auch mir ging meine künstlerische Unabhängigkeit über die Hoffnung, meinen Lebensunterhalt nach Bohlens Rezeptur bestreiten zu können. Und wenn ich mich weigere, ein abschließendes Häkchen unter ein Lied zu setzen, um es damit fürderhin für unantastbar zu erklären, dann deshalb, weil ich mich durch niemanden - auch nicht durch mich selbst - daran hindern lasse, es zu optimieren, wobei damit nicht das Ziel wäre, die Texte "netter" klingen zu lassen. Manchmal werden sie so bösartiger und punktgenauer, vielleicht auch, weil das besungene Thema durch eine aktuelle Entwicklung eine Zuspitzung erfahren hat.

So gesehen bleibe ich auch ganz subjektiv bei mir und singe niemandem nach dem Munde, weder in Wohnzimmern, noch auf Kleinkunstbühnen oder Kundgebungs-Pritschenwagen. Lieder sind wie subjektive Kommentare und ich erhebe keinen Anspruch auf Objektivität. Da bin ich ganz entspannt und erhoffe mir bei denjenigen, die auf meine Lieder stoßen und sich daran reiben oder an ihnen erfreuen, eine vergleichbare Entspanntheit. Ist nur leider nicht immer so.

Wenn ich mich dazu hinreißen lasse, vielleicht den einen oder anderen Tipp zu geben, damit jemand vielleicht seine Schreibblockade überwindet oder sich einen Zugang erschließt, dann deshalb, weil ich in jungen Jahren selbst von solchen Tipps profitiert habe und auch weiß, dass zum Beispiel jemand wie der von mir sehr geschätzte Christof Stähling über Jahrzehnte hinweg eine ganze Generation zu inspirieren verstanden hat - durch seminarartige Treffen, wie er mir selber erzählt hat, auch mit Hinweisen, die so weit weg von handwerklichen Ratschlägen und methodischen Empfehlungen nicht gewesen sind. Andere - wie Moßmann - waren in ihren "Lehrmethoden" mit ihrer direkten Kritik durchaus ruppiger - oder man musste sich ihre Methoden aus ihren Liedern erschließen.

Beim wichtigsten Ratschlag sind wir nun komplett deckungsgleich: Einfach machen - ich empfehle nur zusätzlich, sich nicht den Weg zu verbauen, nachträglich bereits vermeintlich fertige geschriebene Lieder auch noch zu verbessern... Und wenn dann das Ergebnis auf den zweiten, dritten oder zwanzigsten Blick den eigenen Qualitätsmaßstäben nicht mehr genügt, hat man nicht nur was für die bunte Mappe in der Ablage, sondern vielleicht auch "handwerklich" was gelernt, was bei der nächsten "Inspiration" hilfreich sein könnte...

... meine ich, aber das kann ja jeder halten wie er mag...


Geschrieben: 29.06.2015
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#7

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@Gesch:

Der Unterschied zwischen uns ist wohl der, dass meine Lieder enorm persönlich sind.
Ich will nicht irgendeine nette Geschichte erzählen. Ich will den Moment festhalten, genau das in Worte packen, was da eben gerade ist.
Manchmal vergleiche ich das mit einem Tagebuch. Das würde ja auch seinen Sinn und Zweck verlieren, würde man die Einträge später noch "verbessern", weil sie dann netter klingen. Das würde dem Ganzen dann nämlich doch eher schaden.
Wenn man natürlich eher "objektiv" schreibt, dann ist das relativ wurscht. Dann kann man auch später noch feilen und immer weiter verändern, schadet ja nichts.

Daher bin ich nicht "beratungsresistent", ich schreibe nur auf einer ganz anderen Basis und mit einem ganz anderen Selbstverständnis.
Und ich persönlich plädiere in diesem Bereich für Vielfalt und Freiheit statt für Handwerk und Methoden. Vor allem aber für Entspanntheit im Umgang mit dem eigenen Schaffen.
Einfach machen.
Und keine Sorge, deswegen gefällt mir noch lange nicht alles, was dabei raus kommt. Im Gegenteil.
Aber wenn es "echt" klingt, hat es bei mir definitiv einen Bonus gegenüber "Gewolltem".

(ich wiederhole außerdem: das ist nur MEINE Auffassung und Art; wer was anders machen will, soll was anders machen)

Geschrieben: 29.06.2015
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#6

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@Westwind:

Siehst Du, ich würde gar nicht wollen, dass es "Handwerk" wird.

Ich vermute, es kommt sehr darauf an, was man eigentlich vor hat, wohin man damit will.
Geht es nur darum, dass das Lied gut ankommt (was natürlich niemand zugibt, aber sicher nicht selten der Fall ist), kann ich auch mit Dieter-Bohlen-Bausatz arbeiten. Hat absolut nichts Individuelles mehr, wird aber voraussichtlich funktionieren. Und dann ist es pures Handwerk. Mal so als Extrembeispiel.

Ich bin vielleicht das andere Extrem: es ist mir erst mal egal, ob es irgendwem gefallen könnte. Ich schreibe ein Lied, weil ich gerade Lust habe, dieses Lied zu schreiben. Weil hin und wieder mal eines "raus muss".
Wenn man mal angefangen hat, damit aufzutreten, und weiß, was "läuft" und was nicht, gerät man immer wieder in Versuchung, sich in die entsprechende Richtung zu bewegen, aber ich bemühe mich, das so gut wie möglich auszublenden und bei mir zu bleiben. Ob es ein Lied auf die Bühne schafft oder nur geschrieben wird, um geschrieben zu sein, und hinterher in meinem lustigen gelben Ordner vergammelt (ja, solche gibt's) - das sehe ich dann hinterher.

Das geht natürlich nur, wenn man unter keinerlei Druck steht. Wenn man beispielsweise meint, davon Leben zu wollen, muss man produzieren. Dann braucht man unzweifelhaft mehr "Handwerk", um Lieder fertig zu klopfen.
Ich hab solchen Druck nicht (und bin sehr froh drum). Wenn ich monate- oder gar jahrelang kein neues Lied zustande kriege, dann ist halt gerade nichts zu schreiben, und dann erzwinge ich es auch nicht, Vorrat hab ich ja genug. Dafür gibt es dann wieder Phasen, da kommt eines nach dem anderen auf die Welt, fast wie von alleine...

Ich bin einfach - für meine Zwecke und unter meinen Voraussetzungen - skeptisch gegenüber dem "Handwerksbegriff". Und dementsprechend auch gegenüber irgendwelchen Seminaren o.ä., die das "Handwerk" zu vermitteln versprechen.
Für mich ist das Liederschreiben eine sehr persönliche Sache. Und wenn die Lieder anderer "echt" rüberkommen, ist das für mich als Zuhörer schon die halbe Miete.

Geschrieben: 29.06.2015
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#5

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liebe beratungsoffene und beratungsresistente mitlesendinnen und -de,

mal soviel aus meinem nähkästchen:
meine lieder sind nie fertig, und wenn mir eine verbesserung einfällt, weigere ich mich nicht, sie anzunehmen, auch wenn ich das lied dann seines magischen entstehungsmomentes beraube...

und arbeit am text kann nie schaden, auch wenn sie einem noch so kreativen schub folgen mag.
manchmal hilft schon die verschiebung eines buchstabens, um aus einer eher furchtbaren, wenn auch einer inspiration entsprungenen formulierung mit hilfe eine nachfolgenden fruchtbaren inspiration ein gelungenes werk, bzw eine gelungene zeile zu machen...

und nicht ausbremsen lassen!!!
ob aus einer idee was werden konnte, sieht man erst hinterher ... frau übrigens auch...
herzlich
gerd

Geschrieben: 29.06.2015
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#4

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Hallo Timbo,

danke für Deinen BeitraG

Zitat:
Wartet nicht auf Leitfäden, besucht keine Seminare, macht einfach.


Ja, da stimme ich prinzipiell zu: einfach machen und probieren. Andererseits möchte ich nicht eine aus meiner Sicht gute Idee in einem sehr schlechten Lied verewigen, das mir nach 3 Monaten schon selbst nicht mehr gefällt.

Zitat:
Meiner bescheidenen (ausgesprochen subjektiven) Meinung nach führt ein "Arbeiten" am Lied zu nichts. Es muss einfach passen.


Interessante Sichtweise. Ich habe von anderen beispielsweise schon mal gehört, daß zwar Grundidee, ggf der Refrain und die Hauptmelodie einer gewissen Kreativität unterliegen (auch sollten), aber viele Bearbeitungsschritte dennoch als "Handwerk" bezeichnet werden.

Wahrscheinlich wie bei fast allen anderen Dingen im Leben auch: die gesunde Mischung macht's

Viele Grüße
Georg



Geschrieben: 29.06.2015
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[Herbert von Karajan]
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Aw: Wie geht ihr vor beim Lieder schreiben?
#3

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Ein immer wiederkehrendes Thema, das ich mittlerweile irgendwie witzig finde. Nicht, weil ich die Fragestellung nicht verstehe, sondern weil ich mich zunehmend wundere, warum ich mir diese Fragen nie gestellt habe, sie aber sonst so oft gestellt werden.

Mir kommen Textideen in den Kopf, die schreib ich auf.
Mir kommen Melodien / Akkordfolgen in den Kopf, die merke ich mir.
Wenn jeweils eines davon zum anderen passt, kann ein Lied draus werden. Das kann noch am gleichen Tag passieren oder auch erst ein paar Jahre später, wenn mir die Textidee wieder in die Finger kommt und es plötzlich "bing" macht und der Rest dazu erscheint.

Meiner bescheidenen (ausgesprochen subjektiven) Meinung nach führt ein "Arbeiten" am Lied zu nichts. Es muss einfach passen.
Ich schraube auch nicht daran herum, denn es gilt die Maxime: "Wenn sich das Lied nicht wie von alleine schreibt, ist es nicht der richtige Moment, es zu schreiben."
Ich ändere meine Lieder auch nicht nachträglich, selbst wenn sie mir nach einiger Zeit nicht mehr gefallen. Damals, als dieser "Moment" war, da hab ich es eben so geschrieben, und nur so ist es wahr, ob es nun taugt oder nicht. Alles andere wäre Kosmetik und mir irgendwie zu "technisch".

Ist das nun eine Antwort auf irgendeine der Fragen?
Nö.
Eigentlich sagt es nur: Wartet nicht auf Leitfäden, besucht keine Seminare, macht einfach.

(womit ich nichts gegen irgendwelche Anleitungen, Seminare oder sonstwas gesagt haben will, wer so was toll findet / braucht, bittesehr, aber ich finde es im Sinne der persönlichen Note überflüssig und eher schade, wenn sich "Einheitsmethoden" durchsetzen - ganz subjektivst)

Geschrieben: 29.06.2015
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