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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#10

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Zitat:

Reino schrieb:
Zitat:
In den USA, Großbritannien und Schweden sind in den letzten Jahren, das belegen Studien, die Einkommen von Musikern im Durchschnitt gestiegen, weil sie viel höhere Preise für Konzerttickets verlangen können.

Aus den Zeilen spricht eine Ahnungslosigkeit, die dem Autor jegliche Kompetenz abspricht, sich ernsthaft zu dem Thema zu äußern. Wir reden hier von Urheberrecht, das hat mit Konzerten nichts zu tun. Zumal die Abrechnung der GEMA völlig unabhängig von der Anzahl der Zuhörer und der Höhe des Eintrittspreises ist. Wenn keine Einzelabrechnung erfolgt, bekommt jeder Urheber pro Lied und Aufführung einen Cent-Betrag.


Stimmt schon, nur - das Urheberrecht war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Gesprächsthema, sondern "nur" das Weiterbestehen der "Musikindustrie" oder der "Musikuinternehmen", was immer man auch darunter verstehen will.
Die Sachen, die ich allerdings an besagter Stelle ganz klar den beiden Gesprächspartnern vorhalten muß, ist zur einen Seite, daß nie klar gesagt wird, was überhaupt untersucht wurde (in welchem Rechtssystem bewegen wir uns? Amiland mit seinem Copyright, was ich offen gestanden vermute - s.u. -, Schweiz oder Österreich?), zur anderen Seite, daß da eine ziemlich sonderbare Vorstellung von der Musikbranche existiert (wie? kein Geld mehr aus dem Tonträgerverkauf? Egal - dann können wir die Ticketpreise anheben!). Vorrangig sind die Konzertveranstalter für die Ticketpreise verantwortlich und nur selten die Künstler oder diejenigen, die normalerweise den Vertrieb von CDs dispositionieren.

Nun gut, ich kenne die Studie nicht. Nach diesem Interview hier habe ich mir noch ein zweites mit Herrn Oberholzer-Gee durchgelesen:
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/370804
Das Interview ist deutlich kürzer, liefert noch weniger Fakten, relativiert aber einige Aussagen aus dem obigen Interview. Gleichzeitig belegt es aber auch, daß er sich bei seinen Äußerungen um die Strukturen der "Musikindustrie" nicht weiter schert.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 20.06.2010
_________________
"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#9

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Zitat:
Oberholzer- Gee: Zunächst war es kaum nachvollziehbar, daß es keinen Zusammenhang zwischen Umsatzzahlen und der Popularität von Titeln in Tauschbörsen gibt. Aber wenn man sich genauer anschaut, was da eigentlich im Internet passiert, ist es schon weniger überraschend. Mein Mitautor und ich, wir hatten zu Beginn diese romantische Vorstellung, daß das Netz diese unheimliche Vielfalt anbietet. Musik und Filme, die längst nicht mehr über den Ladentisch gehen, sind im Internet verfügbar. Aus unseren Daten haben wir allerdings gelernt, das in Tauschbörsen hauptsächlich jene Titel nachgefragt werden, die ganz an der Spitze der Hitparaden stehen, also auch kommerziell erfolgreich sind. Filesharing bezieht sich hauptsächlich auf ganz populäre Musik und richtet wirtschaftlich keinen Schaden an.

Das soll eine wissenschaftliche Studie sein? Was hat der Meister denn für Zusammenhänge erwartet? Zumal er offenbar ohne absolute Zahlen operiert. Wenn alle Titel nur die Hälfte verkaufen, weil die Hörer sich diese illegal besorgen, verändert sich die Reihenfolge der Charts ja nicht. Wer einfach nur das Verhalten des einen Kundenkreises (im Artikel nicht genau benannt. Welche Plattformen haben denn ihre internen Daten zur Untersuchung zur Verfügung gestellt?) mit den Chartplazierung vergleicht, kann nicht den Anspruch erheben, wissenschaftlich seriös zu arbeiten, zumal wenn er daraus weitreichende Schlüsse zieht. Und wieso Filesharing keinen wirtschaftlichen Schaden anrichtig, weil nur ganz populäre Titel geklaut werden, muß er mir mal erklären. Gerade wenn die gewinnbringenden Bereiche eines Geschäftszweiges betroffen sind, ist der Schaden besonders hoch.

Zitat:
In den USA, Großbritannien und Schweden sind in den letzten Jahren, das belegen Studien, die Einkommen von Musikern im Durchschnitt gestiegen, weil sie viel höhere Preise für Konzerttickets verlangen können.

Aus den Zeilen spricht eine Ahnungslosigkeit, die dem Autor jegliche Kompetenz abspricht, sich ernsthaft zu dem Thema zu äußern. Wir reden hier von Urheberrecht, das hat mit Konzerten nichts zu tun. Zumal die Abrechnung der GEMA völlig unabhängig von der Anzahl der Zuhörer und der Höhe des Eintrittspreises ist. Wenn keine Einzelabrechnung erfolgt, bekommt jeder Urheber pro Lied und Aufführung einen Cent-Betrag.

Zitat:
Oberholzer- Gee: In China haben die großen Musikunternehmen vor kurzem mit Google einen Deal abgeschlossen. Er erlaubt es, „Google“ Musik auf legale Weise zur Verfügung zu stellen. Das heißt: 1,3 Milliarden Konsumenten auf dem Planeten bekommen alle Arten von Musik gratis und legal zur Verfügung gestellt. Das ist ein interessantes Beispiel dafür, wie man den Zugang zu Musik anders monetarisieren kann, als wir das traditionell gewohnt sind.

Na holla, so einfach geht das. Einfach das Urheberrecht in China (bekanntlich einer der vorbildlichsten Rechtsstaaten) der ganzen Welt überstülpen, und alle sind glücklich!

Geschrieben: 20.06.2010
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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#8

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Liebe Leute,

ich habe beim Lesen von Reinos Posting es auch so empfunden, dass nicht Nordlicht gemeint war, sondern der Verfasser des Artikels über den hier diskutiert wird.

Aber um die Sache auf zu klären, sollte Reino sich noch mal dazu äußern.


@Barde

Danke für den Hinweis auf die Nettiquette. Wir haben sogar "was eigenes" hier im Forum
KlIcK kLiCk



Gruß Doro

Geschrieben: 19.06.2010
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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#7

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Lieber Olaf!

Es wurde Nordlicht zitiert, also nehme ich auch an, daß Reino ihn gemeint hat. Und selbst, wenn der Artikel gemeint war, kann man es anders formulieren.

Danke Michael!

Liebe Grüße

Ulli

Geschrieben: 19.06.2010
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Heute ist mein Lieblingstag.
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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#6

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Hallo Michael.

Ich denke, Reino meinte nicht Nordlicht, sondern den o.a. Artikel

Geschrieben: 18.06.2010
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Liebe Grüße
Olaf

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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#5

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Zitat:
reino schrieb:
Das ist ein unglaublicher Blödsinn von jemand, der keine Ahnung hat, wovon er schreibt.


http://de.wikipedia.org/wiki/Nettiquette

Freundliche Grüße

Michael X (Barde)

Geschrieben: 18.06.2010
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Ich bin nur verantwortlich für das, was ich sage, nicht für das, was du verstehst.
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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#4

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Zitat:

Nordlicht schrieb:

So etwas ähnliches hatte ich mir eigentlich schon immer gedacht, insofern bin ich nicht sonderlich überrascht. Schön ist nur, daß meine Meinung jetzt auch faktisch unterfüttert wurde. Ich hoffe nur, daß sich die Musik- Industrie der Auffassung des Schweizers anschließen wird.

Faktisch unterfüttert? Das ist ein unglaublicher Blödsinn von jemand, der keine Ahnung hat, wovon er schreibt. Allein schon das Urheberrecht mit der Musikindustrie zusammenzustümpern, ist hanebüchen. Das Urheberrecht schützt die Rechte der Urheber, nicht die der Industrie. Wenn letztere nun von der Umleitung der Kaufkraft der Musikhörer profitieren kann, ist das schön für sie. Aber was hat der Urheber davon? Soll er statt Lieder zu schreiben Ballerspiele entwickeln?

Geschrieben: 17.06.2010
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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#3

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Hallo Andreas,

Zitat:
Oberholzer- Gee: Das größte Problem für die Konsumenten besteht heutzutage nicht darin, an Musik heranzukommen, sondern in dem Überangebot eine Auswahl zu treffen. Auf „MySpace“ präsentieren sich Abertausende Bands. Es gibt meistens einen guten Grund, warum die meisten Bands nicht populär sind. Sie machen Musik, die dem Geschmack der wenigsten Menschen entspricht. Durch das Überangebot, das wir heute haben, ist die Fähigkeit, zu verstehen, was die Leute hören wollen und dann ihre Aufmerksamkeit zu lenken, viel wichtiger geworden. Das ist ein Bereich, der traditionell in der Hand der Musikindustrie liegt.


meine Vorstellung eines Ideals für die Zukunft wäre: es ist jederzeit möglich, die im Fernsehen, Internet und Radio gehörten Lieder sofort per "Klick" zu kaufen bzw. in Besitz zu nehmen. Das Problem ist ja nicht die Technik, sondern der Wille, eine einfache Lösung zu finden. Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass eine Firma wie Apple täglich mehrere Zehntausend Lieder über I-Tunes verkauft, und der Kunde nicht durch DRM-Gängeleien schikaniert wird. Diese Menschen sind nicht "besser" wie früher, weil sie für den Download heute bezahlen und früher vielleicht nicht dafür bezahlt haben. Apple hat ganz einfach eine Lösung im Angebot gefunden, die die heutigen Möglichkeiten optimal nutzt. Ich kaufe auch mehr und mehr Alben, Hörbücher und Filme online. Die Dateien werden jederzeit am MP3-Player, der heimischen Stereoanlage und dem Autoradio wiedergegeben, je nach Bedarf.

Mir persönlich ist es egal, auf welchem "Datenträger" die Datei gespeichert ist. Ich möchte einfach und jederzeit schnell darauf zugreifen können. Um sicher zu stellen, dass der Künstler von seinem Werk leben kann, sollte es aus meiner Sicht deshalb auch eine Art "Steuer" für alle geben. Wie diese "Steuer" ausgestaltet werden soll, kann ich jetzt auch nicht sagen, dazu gibt es aber sicher schon Ideen.

migoe

Geschrieben: 17.06.2010
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Aw: Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#2

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Zitat:
Als man es vor etwa 200 Jahren in den USA und den europäischen Ländern einführte, lautete die Ursprungsidee, daß man die Produktion von kulturellen Gütern nicht einfach dem Markt überlassen wollte. Dahinter stand der Wille der Gesellschaft, die größtmögliche Vielfalt an kulturellen Erzeugnissen zu gewährleisten. Die Prämisse lautet also, daß man künstlerische Erzeugnisse schützen muß, um den Menschen Anreize zu geben, künstlerisch tätig zu sein und daß zu wenig produziert würde, wenn Kulturgut gratis verfügbar wäre.

Das ist mir neu.
Eigentlich dachte ich, daß das Urheberrecht eingeführt wurde, um Plagiate zu unterbinden. Es sollte nicht darum gehen, den Menschen Anreize zu geben, künstlerisch tätig zu werden, sondern darum, daß nicht irgendwelche Schlaumeier die Gedanken, Bilder, Melodien etc. jener Künstler aufgreifen, als ihre eigenen ausgeben und dann damit ungehinderten Reibach zu machen.
Daß zu wenig produziert würde, wenn Kulturgut gratis verfügbar wäre, dürfte nicht das Problem gewesen sein, sondern eher, daß zu oft immer und immer wieder das Gleiche produziert wurde. Im Prinzip gibt es dafür auch ein passendes Beispiel in Form der Modebranche, in der das Urheberrecht praktisch nicht gilt.

Zitat:
Darüber hinaus kommen in den USA heute pro Jahr mehr als doppelt so viele neue Alben auf den Markt als zu Beginn der Tauschbörsenära vor zehn Jahren. Das heißt: Der Ursprungsgedanke, daß wir ein starkes Urheberrecht bräuchten, um die Vielfalt auf dem Markt zu fördern, stellt sich als vollkommen falsch heraus.

Hm. Seit wann bedeutet "doppelt so viele neue Alben" "Vielfalt"? Das kann auch "doppelt so viele Abklatsche" bedeuten oder "halb so gründlich produzierte Alben" ...

Gruß
Skywise

Geschrieben: 17.06.2010
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Filesharing, Musikindustrie und Urheberrecht
#1

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Liebe Mit- Foristen,

bereits des öfteren wurde ja an dieser Stelle darüber diskutiert, inwiefern die sog. "illegalen Downloads" ein Problem für die wirtschaftliche Entwicklung der Musikindustrie spielen, ob das ggw. gültige Urheberrecht Fluch oder Segen ist und wie mit Usern verfahren werden sollte, die die Möglichkeiten des www (auch und gerade kostenfrei) nutzen.

Zu diesem Themen- Bereich fand ich heute auf ORF.at einen interessanten Bericht, den ich Euch nicht vorenthalten möchte:




Zitat:
"Filesharing: Die wundersame Musikvermehrung


Der Harvard-Ökonom Felix Oberholzer- Gee hat mit seinen Studien die Annahme erschüttert, daß der unlizenzierte Musiktausch via Internet für sinkende Umsätze in der Medienindustrie verantwortlich sei. Der Musikindustrie sagte er im Gespräch mit „ORF.at“ trotz aller Schwierigkeiten eine glänzende Zukunft voraus. Der gebürtige Schweizer Oberholzer- Gee ist Associate Professor an der „Harvard Business School“ in der Strategieabteilung. Der Ökonom befaßt sich mit den ökonomischen Folgen der digitalen Wende in der Musik-, Film- und Zeitungsbranche. 2004 sorgte der Schweizer Ökonom Oberholzer- Gee gemeinsam mit seinem amerikanischen Kollegen Coleman Strumpf mit einer aufwendigen Studie zur Auswirkung von Tauschbörsen auf CD- Verkäufe für einiges Aufsehen. Die beiden Autoren fanden damals keinen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, wie oft ein Lied heruntergeladen wurde und wie oft es in traditioneller Form auf einem Datenträger über den Ladentisch ging. Sie schlossen daraus, daß Filesharing keine negativen wirtschaftlichen Auswirkungen habe. Heute findet der Harvard- Professor, daß von einer Krise der Musikindustrie wenig zu spüren sei, dafür aber das geistige Eigentumsrecht grundlegend reformiert werden müsse.
________________________________________

ORF.at: Ihre Studien aus dem Jahr 2004 und 2007, die unter dem Titel "The Effects of Filesharing on Record Sales" veröffentlicht wurden, hat unter Ökonomen sowie in der Musikbranche für sehr viel Wirbel gesorgt. Haben Sie die Reaktionen überrascht ?

Felix Oberholzer- Gee: Mich haben weniger die Reaktionen als das Resultat der Studie überrascht. Die Daten, die der Studie zugrunde liegen, stammen aus dem Jahr 2002, als Filesharing noch in den Kinderschuhen steckte. „Napster“ war zwar bereits ein Jahr von der Bildfläche verschwunden, aber dezentrale Netzwerke wie „Opennap“ wurden gerade erst populär. Damals galt unangefochten die Theorie, daß die Umsatzzahlen der Musikindustrie einzig und allein deshalb zurückgehen, weil viele Leute Musik gratis und unlizenziert im Netz herunterladen.

ORF.at: Wieso kamen Sie zu einem anderen Ergebnis ?

Oberholzer- Gee: Wir waren die Ersten, die sich nicht an Umfragedaten orientiert haben, die etwas unzuverlässig sind. Wir haben analysiert, wie die Leute wirklich die Tauschbörsen nutzen. Dafür haben wir die Logfiles von Millionen von Downloads untersucht. Daran konnte man sehen, wer sich wann einloggt, wonach gesucht wird und was tatsächlich heruntergeladen wird. Uns hat dabei die Frage interessiert, ob es einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, mit der ein bestimmtes Lied bei einer Tauschbörse heruntergeladen wurde und seinen Verkaufszahlen gibt.
ORF.at: Zu Ihrer Überraschung gab es keinen Zusammenhang.
Oberholzer- Gee: Zunächst war es kaum nachvollziehbar, daß es keinen Zusammenhang zwischen Umsatzzahlen und der Popularität von Titeln in Tauschbörsen gibt. Aber wenn man sich genauer anschaut, was da eigentlich im Internet passiert, ist es schon weniger überraschend. Mein Mitautor und ich, wir hatten zu Beginn diese romantische Vorstellung, daß das Netz diese unheimliche Vielfalt anbietet. Musik und Filme, die längst nicht mehr über den Ladentisch gehen, sind im Internet verfügbar. Aus unseren Daten haben wir allerdings gelernt, das in Tauschbörsen hauptsächlich jene Titel nachgefragt werden, die ganz an der Spitze der Hitparaden stehen, also auch kommerziell erfolgreich sind. Filesharing bezieht sich hauptsächlich auf ganz populäre Musik und richtet wirtschaftlich keinen Schaden an.

ORF.at: In Anlehnung an Ihre Studie und weitere Untersuchungen, etwa zur Einkommenssituation von Künstlern, gehen Sie so weit, daß Sie den Untergang der Musikindustrie infrage stellen.

Oberholzer- Gee: Wir können lange darüber streiten, welcher Teil des Umsatzrückganges im Tonträgergeschäft durch Filesharing verursacht wird oder was andere Faktoren für den Rückgang sind. Die Leute spielen Videospiele und tun viele Dinge, die sie nicht tun konnten, solange es kein Internet gab. Der entscheidende Punkt ist, daß wenn ein Produkt in einer Volkswirtschaft günstiger wird, die Zahlungsbereitschaft für sogenannte komplementäre Güter steigt. Das heißt, wenn Musik sehr günstig wird, nimmt meine Zahlungsbereitschaft für iPod, Konzerttickets und Merchandising-Produkte zu. Die Geschäftsmöglichkeiten verlagern sich von einem Bereich in einen anderen. Man muß deshalb die verschiedenen Einkommensströme zusammenrechen. Da wird schnell klar, wer in einer Krise steckt. Es sind die großen Musikunternehmen, die sich traditionell darauf verlassen haben, daß das Einkommen aus dem Verkauf von Tonträgern kommt. In der Tat sinken dort die Umsätze, da gibt es nichts schönzureden. Was man aber auch sehen muß: Der Markt für Komplementärgüter hat sich in den letzten Jahren ganz toll entwickelt. In den USA, Großbritannien und Schweden sind in den letzten Jahren, das belegen Studien, die Einkommen von Musikern im Durchschnitt gestiegen, weil sie viel höhere Preise für Konzerttickets verlangen können. Der Komplementärmarkt macht also den Verlust wett, der durch den Einbruch auf dem Tonträgermarkt entstanden ist. Wenn man eine nicht ganz enge Vorstellung davon hat, was die Musikindustrie ist und womit sie Geld einnimmt, muß man sagen, daß die Wertschöpfung in der Musikindustrie in den letzten Jahren unheimlich stark gestiegen ist. Der Musikindustrie geht es besser denn je zuvor.

ORF.at: In einem aktuellen Essay beschäftigen Sie sich mit den Wechselwirkungen von Filesharing und Urheberrecht. Das Urheberrecht in seiner jetzigen Form gehört abgeschafft, sind Sie überzeugt. Wie kommen Sie zu so einem radikalen Schluß ?

Oberholzer- Gee: Das Urheberrecht gehört zum Eigentumsrecht. Als man es vor etwa 200 Jahren in den USA und den europäischen Ländern einführte, lautete die Ursprungsidee, daß man die Produktion von kulturellen Gütern nicht einfach dem Markt überlassen wollte. Dahinter stand der Wille der Gesellschaft, die größtmögliche Vielfalt an kulturellen Erzeugnissen zu gewährleisten. Die Prämisse lautet also, daß man künstlerische Erzeugnisse schützen muß, um den Menschen Anreize zu geben, künstlerisch tätig zu sein und daß zu wenig produziert würde, wenn Kulturgut gratis verfügbar wäre. Im Zusammenhang mit Filesharing hat sich allerdings herausgestellt: Wenn der Schutz, den das Urheberrecht bietet, wesentlich schwächer wird, wenn da plötzlich Milliarden von nicht lizenzierten Musikdateien ausgetauscht werden, dann ergeben sich komplementäre Märkte, die den Einkommensverlust der Künstler beschränken oder sogar wettmachen. Darüber hinaus kommen in den USA heute pro Jahr mehr als doppelt so viele neue Alben auf den Markt als zu Beginn der Tauschbörsenära vor zehn Jahren. Das heißt: Der Ursprungsgedanke, daß wir ein starkes Urheberrecht bräuchten, um die Vielfalt auf dem Markt zu fördern, stellt sich als vollkommen falsch heraus. Natürlich gibt es da Einschränkungen: Vielleicht müssen wir bestimmte Musikformen durchaus schützen. Vielleicht brauchen wir ein Urheberrecht für Oper oder für neue ernste Musik. Es sollte abhängig davon gemacht werden, ob die Musik im Wettbewerb überleben kann.

ORF.at: Das Urheberrecht ist in Europa und den USA traditionell ein sehr starkes. Was lässt sich denn über Länder wie China und Indien sagen, die historisch bedingt über ein schwächeres Urheberrecht verfügen ?

Oberholzer- Gee: In China haben die großen Musikunternehmen vor kurzem mit Google einen Deal abgeschlossen. Er erlaubt es, „Google“ Musik auf legale Weise zur Verfügung zu stellen. Das heißt: 1,3 Milliarden Konsumenten auf dem Planeten bekommen alle Arten von Musik gratis und legal zur Verfügung gestellt. Das ist ein interessantes Beispiel dafür, wie man den Zugang zu Musik anders monetarisieren kann, als wir das traditionell gewohnt sind. Der Hintergrund ist natürlich der, daß „Google“ sich mit diesem Deal einen Vorsprung gegenüber seinem größten chinesischen Konkurrenten der Suchmaschine „Baidu“ verschaffen wollte.

ORF.at: Welche Rolle sollte die Musikindustrie Ihrer Meinung nach übernehmen ?

Oberholzer- Gee: Das größte Problem für die Konsumenten besteht heutzutage nicht darin, an Musik heranzukommen, sondern in dem Überangebot eine Auswahl zu treffen. Auf „MySpace“ präsentieren sich Abertausende Bands. Es gibt meistens einen guten Grund, warum die meisten Bands nicht populär sind. Sie machen Musik, die dem Geschmack der wenigsten Menschen entspricht. Durch das Überangebot, das wir heute haben, ist die Fähigkeit, zu verstehen, was die Leute hören wollen und dann ihre Aufmerksamkeit zu lenken, viel wichtiger geworden. Das ist ein Bereich, der traditionell in der Hand der Musikindustrie liegt. Wenn ich mit meinen Studenten über die Zukunft der Musikindustrie diskutiere, höre ich oft den Satz: ‚Die Musikindustrie wird total verschwinden.‘ Das glaube ich überhaupt nicht. Wenn die sich Musikindustrie als Aufmerksamkeitsmaschinerie begreift, steht ihr eine tolle Zukunft bevor. Allerdings: Wenn man Filesharing- Dienste verbietet und kriminalisiert, wenn man die Menschen in immer dunklere Bereiche des Internets drängt, wird es zunehmend schwieriger, zu beobachten, was Konsumenten wollen und tun.

ORF.at: Zum Abschluß noch ein Blick in die Kristallkugel: Wohin wird sich die Musikindustrie in den nächsten fünf bis zehn Jahren entwickeln ?

Oberholzer- Gee: Rückblickend wird es in ein paar Jahren interessant sein festzustellen, ob die Flut an neuen Bands und neuer Musik angehalten haben wird. Möglicherweise verhält es sich ähnlich wie mit der frühen Internet-Euphorie. Als in den späten 1990ern jeder dachte, er könne online einfach und ohne Kapital ein Unternehmen starten, kam die Ernüchterung vergleichsweise schnell. Die Blase platzte. Es könnte sein, daß es sich mit der Musikproduktion und dem Internet ähnlich verhält. Momentan sind alle begeistert, weil man Songs schnell und einfach ins Internet stellen kann und dann stellt sich heraus, daß sich vielleicht anderthalb User für die Lieder interessieren. Technologisch gesehen werden in den nächsten Jahren die Such- und Empfehlungsmaschinen für Musik besser werden. Da sind wir noch ganz am Anfang, wie man Informationen suchen kann.
________________________________________

(Quelle: http://futurezone.orf.at/stories/1650741 = 17.06.2010 | 06:00 Uhr)




So etwas ähnliches hatte ich mir eigentlich schon immer gedacht, insofern bin ich nicht sonderlich überrascht. Schön ist nur, daß meine Meinung jetzt auch faktisch unterfüttert wurde. Ich hoffe nur, daß sich die Musik- Industrie der Auffassung des Schweizers anschließen wird.

In diesem Sinne liebe Grüße aus Ober- von

ANDREAS.



(...dem die Schweizer nach dem tollen Sieg gegen Spanien sowieso immer noch sympathischer werden...)

Geschrieben: 17.06.2010
_________________
"But as long as I can see the morning,
in miracles, much more than I can say,
it´s enough to keep me still believing
in drifting hearts, so far away."

(''Book of golden stories''/ RUNRIG)
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