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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#1

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Zitat:

olliwutzi schrieb:
C:
Die Quellenlage? Siehe B!
Ob das Lied in einem Liederbuch vollständig ist oder nicht: Hannes wird um die Existenz dieser Strophe wissen. Er wird sich doch wohl nicht auf ein bestimmtes Liederbuch beziehen? So nach dem Motto: In meinem Liederbuch fehlt die Strophe, also singe ich sie auch nicht...
Für mich ebenfalls nicht plausiblel.
Nebenaspekt:
Eine andere Melodie als im Original?
Da wäre es interessant zu wissen ob es denn autographe Noten dazu gibt.
Gibt es "Das Original" irgendwo auf Papier? Oder ist das alles mündliche Überlieferung? Ansonsten ist das denn wohl die künstlerische Freiheit, eine Melodie zu verändern ohne sie zu verunstalten.

Unabhängig von Geschs nachvollziehbarer Idee noch schnell zu diesen Punkten etwas, weil ich inzwischen nachgeschlagen und -gehört habe:
Die sechs Strophen der "Moorsoldaten" sind unverändert bis heute erhalten geblieben. Bei den Proben zur Uraufführung '33 wurden die Textblätter ausgegeben, die Texte wurden gelernt, Abschriften und erinnerte Zeilen verließen auf unterschiedlichen Wegen das KZ Börgermoor (Häftlinge wurden verlegt, die Textblätter von Freunden, aber auch vom Aufsichtspersonal nach draußen geschmuggelt etc.). Darüber, ob auf den ausgegebenen Blättern ebenfalls Noten zu finden waren, habe ich keine Informationen finden können. Wenn man mal davon ausgeht, daß bei der Uraufführung nicht nur Leute beteiligt waren, die Noten lesen konnten, kann man wahrscheinlich davon ausgehen, daß es einzelne Notenblätter mit Abschriften für die jeweiligen Stimmlagen gab, wenn auch nicht so häufig wie die reinen Textblätter.
Die Melodie nahm im Prinzip zwei Wege, wie Komponist Rudi Goguel in einem Interview mit dem Rundfunk der DDR anno 1974 resümmierte und Hanns Eisler selbst seinerseits einräumte: einmal denselben Weg wie die Textblätter über die KZs und deren Insassen, die das Lied ihren Freunden bei deren Besuchen vorsangen oder selbst bei Verlegungen in andere Konzentrationslager/Krankenhäuser/Institutionen Text und Melodie weitertrugen. Dabei blieb die Melodie größtenteils unverändert. Hanns Eisler dagegen lernte das Lied 1935 kennen, als es ihm ein Jemand, der bei der Uraufführung in Börgermoor zugegen war, vorsang. "Jemand" neutral gehalten, weil die Quellenlage unterschiedlich ist - mal war es ein (entflohener) Häftling, mal war es ein Aufseher, mal ein Spitzel. Hanns Eisler glaubte, in der vorgesungenen (Strophen-)Melodie eine Variation des Lieds "Horch, Kind, horch, wie der Sturmwind weht" (zeitlich zu verorten im Dreißigjährigen Krieg) zu erkennen, was ihm Rudi Goguel zumindest nicht zum Vorwurf macht. Erstens war die Übernahme bekannter Melodien unter Veränderung eines Textes in den Konzentrationslagern nichts Ungewöhnliches (auch zu diesem Thema sei die CD "Und weil der Mensch ein Mensch ist" von den Grenzgängern dringend empfohlen), zweitens gibt's tatsächlich an einzelnen Stellen Ähnlichkeiten in der Melodieführung und wenn da vielleicht nicht der musikalischste Mensch dem Eisler vorgeträllert hat ... Rudi Goguel kannte nach eigenem Bekunden das Lied "Horch, Kind, horch" ebenfalls. Hanns Eisler folgerte darüber hinaus, daß sich das Lied aus einer Art "Gemeinschaftsarbeit" mehrerer Sträflinge herauskristallisiert hat und fühlte sich daher frei, einige Anpassungen vorzunehmen, weil die Melodie sonst - Zitat - "zu trist" sei. Ironischerweise war die Tristheit der Strophe von Goguel exakt so beabsichtigt gewesen (Zitat Goguel, Rundfunk der DDR: "Die drei gleichlautenden Töne im ersten Takt sind bewußt monoton gehalten, um dieses schwere Los, den Marschtritt der Kolonnen im Moor zu versinnbildlichen").
Die Fassung von Hanns Eisler wurde in Prag (Arbeiterzeitung AIZ) anno 1935 veröffentlicht, das war die erste Veröffentlichung einer Text- und Notenkombination. Ernst Busch und Hanns Eisler waren ebenfalls dafür verantwortlich, daß die "Moorsoldaten" sich in der Eisler-Fassung international verbreiteten (Busch in Richtung Spanien, Eisler in Richtung USA), über diesen Umweg kam das Lied dann wieder nach Deutschland, insbesondere die DDR, zurück; in der BRD war das Lied lange Zeit unerwünscht. Rudi Goguel verbrachte praktisch die gesamte Zeit des Krieges in Gefangenschaft und kam erst am 8. Mai 1945 frei. Von dem Weg, den die "Moorsoldaten" in der Zwischenzeit genommen hatten, wußte er nichts, wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil er als Komponist nirgendwo namentlich genannt wurde. Wolfgang Langhoff, einer der Textdichter, hatte 1935 ein Buch veröffentlicht ("Die Moorsoldaten"), in dem auch eine vermutlich stark idealisierte Entstehungsgeschichte des Lieds geschildert wurde, allerdings vermied Langhoff in diesem Zusammenhang vermutlich aus mehreren guten Gründen die Nennung der Namen seiner Mitautoren Goguel und Esser - wäre wahrscheinlich auch ein Bärendienst gewesen.

Beim Durchhören meiner Bestände hat sich übrigens bestätigt, daß vollständige Einspielungen aller sechs Strophen Mangelware sind. Die früheste Einspielung der "Heimwärts"-Strophe taucht bei mir auf dem Album "Das Lied im Kampf geboren" (AMIGA, 1966) auf, in der Einspielung des Erich-Weinert-Ensembles. Alle sechs Strophen werden hier gesungen. Ob - abgesehen natürlich von der Interpretation durch Ernst Busch - noch weitere, wenigstens halbwegs vollständige Interpretationen in der DDR auf Tonträger verfügbar waren, weiß ich nicht, allerdings gehe ich davon aus, daß auch über den Rundfunk einige Einspielungen verbreitet wurden. Auf Veröffentlichungen im Westen finde ich die Strophe erst ab 1980 (Gruppe Carl-von-Ossietzky).

Ein gut 13-minütiger Auszug aus dem Interview mit Rudi Goguel, eine Passage aus Wolfgang Langhoffs Lesung aus seinem "Moorsoldaten"-Buch sowie die Interpretation durch die Gruppe Carl-von-Ossietzky - und nicht nur diese - findet sich auf dem Tonträger "Das Lied der Moorsoldaten", ebenso auch ein ausführliches Booklet mit Informationen zu Entstehung, Verbreitung und Stellenwert des Lieds. Ist zwar manchmal platzbedingt etwas komprimiert, aber lohnt trotzdem.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 09.12.2017
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"Ist wirklich wahr - ich hab's in meinen Träumen selbst geseh'n ..."
Herman van Veen - "Die Clowns"
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Aw: Hannes und die Moorsoldaten
#2

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Zitat:

olliwutzi schrieb:
C:
Die Quellenlage? Siehe B!
Ob das Lied in einem Liederbuch vollständig ist oder nicht: Hannes wird um die Existenz dieser Strophe wissen. Er wird sich doch wohl nicht auf ein bestimmtes Liederbuch beziehen? So nach dem Motto: In meinem Liederbuch fehlt die Strophe, also singe ich sie auch nicht...
Für mich ebenfalls nicht plausiblel.

Nebenaspekt:
Eine andere Melodie als im Original?
Da wäre es interessant zu wissen ob es denn autographe Noten dazu gibt.
Gibt es "Das Original" irgendwo auf Papier? Oder ist das alles mündliche Überlieferung? Ansonsten ist das denn wohl die künstlerische Freiheit, eine Melodie zu verändern ohne sie zu verunstalten.

Ohne nachgeschlagen zu haben: ich vermute, daß die erste gedruckte Version der Noten die Bearbeitung durch Hanns Eisler war. Rudi Goguel, der Komponist des Lieds, kannte diese Bearbeitung und hat sich später auch dazu geäußert, insbesondere über die kleine Veränderung der Melodie, die Hanns Eisler vorgenommen hat und die Hannes Wader übernimmt: die ersten drei Töne der Strophe ("Wo-hin-auch") sind bei Goguel identisch.

Ich kann ziemlich sicher sagen, daß die Versionen, die zeitlich vor Hannes Wader aufgenommen wurden und sich in meinem Bestand befinden, ebenfalls unvollständig sind. Ernst Busch sang wohl eine drei- und eine vierstrophige Variante ein. Eisler hat bei seiner Bearbeitung drei Strophen vorgesehen; die "Heimwärts"-Strophe fehlt konsequent und in beiden Fällen beginnt das Stück mit der offiziellen Strophe Nr. 2. Ob Wader diese Aufnahme damals kannte, weiß ich nicht. Ich gehe aber eher davon aus, daß er sich im näheren Kollegenkreis nochmal intensiver umgehört hat. Peter Rohland hat die "Moorsoldaten" 1966, also kurz vor seinem Tod, aufgenommen, sich dabei ein paar Freiheiten erlaubt in Sachen Melodieführung und Begleitung. Er nutzt zwar den veränderten Strophenbeginn von Hanns Eisler, aber überraschenderweise nicht dessen Strophenauswahl (Strophe 1 macht den Anfang). Rohland singt vier Strophen, die "Heimwärts"-Strophe fehlt allerdings. Hein & Oss haben das Lied der "Moorsoldaten" zweimal eingespielt, einmal für ihr '66er Album "Soldatenlieder" und einmal für die "Arbeiterlieder" von '75. Da die beiden sich häufiger mit Peter Rohland ausgetauscht haben, weiß ich nicht, wer hier bei wem abgeschaut hat; die Akkordfolgen von Peter Rohland findet man bei ihnen nicht, deren Fassungen klingen schon eher nach dem, was Wader später eingespielt hat, aber die Strophenauswahl ist in beiden Fällen identisch mit der von Peter Rohland (1, 2, 5, 6). Die unterschiedliche Spielzeit der beiden Versionen geht auf eine zusätzliche Einleitung durch Mundharmonika und eine neue Überleitung zwischen den Strophen bei der '75er Fassung zurück. 1976 kam dann "Live aus der Fabrik - Deutsche Volkslieder aus 5 Jahrhunderten" von Liederjan auf den Markt. Diese spielen die "Moorsoldaten" deutlich (!) gedrosselter und schwermütiger, aber auch vollständiger, denn bei ihnen finden sich fünf Strophen, abermals jedoch ohne ein "Heimwärts". Wenn die sich allerdings wider besseres Wissen eine Strophe gespart haben, will ich denen keinen Vorwurf machen, denn deren Version nimmt bereits ziemlich genau fünf Minuten ein.
Keine Ahnung, wer die erste vollständige Fassung eingespielt hat, ich bin auch gerade zu faul, alle mir vorliegenden Einspielungen durchzuhören, aber die vollständigen Versionen dürften deutlich in Unterzahl sein. Spontan würde ich nur die Hand für die Grenzgänger ins Feuer legen (Album "Und weil der Mensch ein Mensch ist").

Von Hannes Wader selbst liegen mir zwei Live-Einspielungen vor ("Live" und "Konzert für Victor Jara"), dort bleibt er ebenfalls bei der fünfstrophigen Fassung.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 05.12.2017
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Herman van Veen - "Die Clowns"
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Aw: Annett Kuhr nimmt Vorbestellungen entgegen
#3

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Das neue Album soll also nicht mehr "Von einfachen Dingen" handeln, sondern von einem "Sommerlandtraum". Darüber hinaus wurden zwei Titel gestrichen - eventuell auch ein titelgebendes Stück? -, nachdem sich Mängel bei der Aufnahme herauskristallisiert haben und diese aufgrund terminlicher Probleme nicht mehr beseitigt werden konnten.

Vorbestellen kann man es trotzdem noch. Man muß halt nur mit ca. 10 Minuten weniger Liedgut rechnen.

Aber wer setzt schon Qualität mit Quantität gleich?

Gruß
Skywise

Geschrieben: 05.12.2017
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Aw: Auf der Suche nach Akkorden von Hannes Wader...
#4

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Janek schrieb:
Zitat:

Also ist das hier ein Rechtsverstoß: http://www.matthias-ossmann.de/engel.htm ?

Auf den ersten Blick - ja. Und irgendwie rebelliert mein Bauchgefühl schon angesichts eines Links auf augenscheinlich urheberrechtlich nicht sauberes Material ... zu dem Thema gibt's eine Menge widersprüchlicher Gerichtssprüche, da müßte ich mich auch mal wieder auf den neuesten Stand bringen. Mein letzter Wissensstand war: solche Disclaimer wie "ich distanziere mich aufgrund des Urteils vom LG Hamburg vom 12. Mai 1998 ausdrücklich von allen verlinkten Inhalten" ist juristisch in Deutschland wirkungslos.

Zitat:
Zitat:
Zitat:
Gesetze müssen doch irgendwem dienen, sonst würden sie nicht gemacht. Wem dient dieses?

Den Urhebern. Deutschland ginge es wirtschaftlich ziemlich dreckig, wenn das Geistige Eigentum nicht wäre, schließlich hat unser Heimatland nicht so viel anzubieten außer schnödem oder angewandtem Know-How, also genießt es besonderen Schutz.
Gruß
Skywise


Glaubst du das wirklich?

Absolut.
Als ehemaliger Angestellter eines Forschungsinstituts und als aktueller Mitarbeiter einer Verwaltung, die sich bei ihrem Treiben auch an geltendes Recht halten sollte, kann ich derzeit auch schlecht etwas Anderes glauben, schon mal gar nicht in der Öffentlichkeit und wider besseres Wissen, sonst muß ich Angst um meinen Job haben

Zitat:
Also ich seh es so: XY, dessen Song die Spatzen von den Dächern pfeifen, weil das Lied auf YT ist und der Text auf 20 Seiten veröffentlicht, der hat keinen Schaden, wenn das Lied hier unter Angabe der Quelle besprochen wird. Im Gegenteil - sein Stück wird bekannter, von weiteren Leuten gesungen usw. ...

Ganz ehrlich, ich glaube, der Hase hoppelt exakt andersrum. Dadurch, daß jemand Songtexte auf seine Homepage tackert, zieht er all die Leute zu sich, die die paar Bruchstücken, die sie aus dem Gedächtnis noch herauskramen können, bei Google eingeben. Nicht die Christina Stürmer, der Tom Albrecht, der Christian Neander und der Oliver Varga profitieren von dem Herrn Ossmann, sondern umgekehrt. Das mag er in diesem Fall nicht beabsichtigt haben, will ich ihm auch nicht unterstellen. Anders sähe es aus, wenn Herr Ossmann erkennbar mit diesen Liedern Auftritte absolviert, "Promo-Aufnahmen" versendet oder meinetwegen irgendwelche Werbebanner oder Links auf kommerzielle Angebote auf seiner Homepage einbindet. Dann wäre das eine Gewinnerzielungsabsicht, und die Kombination mit der augenscheinlich nicht abgesegneten Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material ist nur bei einer ausgezeichneten Rechtsschutzversicherung zu empfehlen, denn - ja, an dieser Stelle existiert ein Schaden für die Urheber, wenn ihr Material als Köder für Geldmacherei verwendet wird.

Ich sehe übrigens auch youtube in dieser Richtung nach wie vor extrem kritisch, aber das mag damit zusammenhängen, daß mir die Verträge zwischen youtube und der GEMA nicht im Detail bekannt sind. Kritisch übrigens aus demselben Grund: youtube profitiert ja von jedem Klick auf hochgelade Lieder. Insofern sollten die Urheber und Interpreten auch entsprechend entlohnt werden. Ob das der Fall ist, weiß ich nicht, glaub' ich auch nicht. Ich gehe davon aus, daß youtube nicht über die Transparenz verfügt, um das wirklich sicherzustellen.

Ich will den Text auch nicht auf 20+ Seiten haben. Und schon mal gar nicht solche Texte, die auf 19+ Seiten falsch wiedergegeben werden. Ich hatte da schon einige Male das Gefühl, als habe Beethoven persönlich den Text herausgehört und Stevie Wonder ihn dann unter Aufbietung sämtlicher Deutschkenntnisse Korrektur gelesen. Bedenklich erstens wegen wahrscheinlich nicht abgestimmter Änderung urheberrechtlich geschützten Materials, zweitens wegen - wer braucht so was und für wen soll das Visitenkarte sein? Der Text auf einer Seite, und zwar auf der Seite desjenigen, der den Text veröffentlichen darf, reicht doch eigentlich vollkommen aus.

Aber okay, ignorieren wir das mal.

Jeder versteht, daß ein Buchautor sich darüber aufregt, wenn ein übereifriger Internetuser seinen Text abtippt und im Internet zur Schau stellt. Sicher - das Buch würde bekannter, würde von vielen Leuten gelesen ... aber würde es auch von anderen Leuten gekauft werden? Jeder versteht, daß ein Filmemacher sich darüber aufregt, wenn sein Streifen bei einer Kinovorführung abgefilmt und später im Internet hochgeladen wird. Sicher - der Film würde bekannter, würde auch von vielen Leuten gesehen ... aber würden sich deshalb mehr Leute eine Eintrittskarte oder später eine DVD/BluRay leisten? Jeder versteht, daß ein Komponist sich darüber aufregt, wenn seine neueste Partitur als Scan im Internet landet. Sicher - das Werk würde bekannter, würde vielleicht auch von mehreren Leuten studiert werden ... aber würden sich deshalb mehr Leute die gedruckte Partitur kaufen oder sich bei einer Aufführung unter die Zuhörer mischen? Jeder versteht sicher, wenn ein Maler sich darüber aufregt, wenn seine Bilder abgelichtet und hochauflösend im Internet zur Schau gestellt werden. Sicher, ein bißchen Werbung kann nicht schaden, ein paar Kostproben sind auch nicht verkehrt, aber gleich die komplette Ausstellung ... würden sich danach noch mehr Leute für seine aktuell laufende Ausstellung interessieren und würde er deshalb mehr Bilder oder Drucke davon verkaufen?
Warum soll ein Textdichter also eine glückliche Ausnahme sein und sich darüber freuen, daß sein Beitrag zum Endergebnis von Leuten verbreitet wird, die dazu nicht autorisiert sind? Warum soll er nichts dagegen unternehmen dürfen, wenn er der Meinung ist, daß sein Text als Vollzitat auf der Seite eines aufrechten Deutschen nichts zu suchen hat? Weil das Lied dann ja hoffentlich von mehr Leuten gesungen wird? Warum soll er sich nicht wehren können, wenn jemand den Text, in den er Zeit sowie hoffentlich Hirnschmalz und Sprachgefühl investiert hat, versehentlich oder mutwillig abändert? Weil das Lied ja trotzdem durch diese Internetgeschichte bekannter wird? Weil ja irgendwo bestimmt in irgendeiner Ecke des Rattenschwanzes ganz, ganz sicher jemand ist, der hundertprozentig Geld in sein Erzeugnis stecken wird? Mal ganz krass, aber dennoch zutreffend formuliert: ein Urheber hat im Prinzip nicht viel mehr als die Rechte an seinem Werk; mit jeder öffentlichen Wiedergabe eines kompletten Werkes untergräbt man diese Rechte, sorgt man dafür, daß er stückweise enteignet wird. Das kann sogar darin enden, daß er am Ende überhaupt nichts mehr gegen einen einzelnen Mißbrauch seines Werkes unternehmen kann, da er kein Argument mehr hat, warum ausgerechnet die Plattform X seine Texte nicht nutzen darf, während das bei zig anderen verfügbaren Internetseiten augenscheinlich kein Problem darstellt. Das fällt dann schon fast unter die Sammelbezeichnung "Gewohnheitsrecht". Nein, dazu gibt's meines Wissens noch kein Urteil, das in diese Richtung abzielt, bislang blieb's nur bei einigen juristischen Kommentaren.
Darüber, daß der besagte Rattenschwanz von weiter oben nicht unbedingt mit einem finanziellen Ausgleich einher gehen muß, vor allem angesichts des wachsenden Konsums über Streaming-Flatrates oder über "freie Plattformen" wie youtube, bei denen nach ein paar Millionen Klicks immerhin schon mal eine Pizza für die beteiligten Urheber und Interpreten abfällt, brauchen wir uns hoffentlich nicht zu unterhalten

Zitat:
... wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Gesetz dem gesunden Menschen verstand widerspricht.

Das kommt drauf an. Oft genug ist ein Gesetz nur eine Frage der Perspektive.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 29.11.2017 14:07
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Aw: Film über Gerhard Gundermann
#5

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Zitat:

Janek schrieb:
danke, aber ich hatte noch einen anderen Kopf. Der war blau, und das Wasser strühte nach den Seiten ..

Jenen?
Anklicken, um das Original-Bild in einem neuen Fenster zu sehen

Gruß
Skywise

Geschrieben: 20.11.2017 09:27
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Árstíðir - Heyr himna smiður
#6

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*dereinst, im Bahnhof zu Wuppertal*

Höre, Schmied des Himmels,
was der Skalde bittet:
In meine Stille
komme Deine Gnade!
Also rufe ich Dich,
Du hast mich erschaffen.
Ich bin Dein Diener,
Du bist mein Herr.

Gott, ich rufe Dich an,
auf daß Du mich heilest.
Erinnere Dich meiner voll Gnade,
wie sehr brauchen wir Dich!
O König der Sonne, entreiße
in deiner Gnade und Größe
jede menschliche Sorge
aus der Herzensburg.

Wache über mich, sanfter König
Wie sehr brauchen wir Dich,
wahrlich, in jedem Augenblick
in der Welt des Menschen.
Sende uns, Sohn der Jungfrau,
gute Gründe,
alle Hilfe kommt von Dir
in mein Herz!

Übersetzung: Verfasser des Postings

Das Album dazu heißt "Live In Dresden 2013" (nicht verwirren lassen von der Angabe; bei dieser Aufnahme handelt es sich um Bonus-Material).
2016 gab's eine Studioversion mit Anneke van Giersbergen, ehemalige Sängerin der niederländischen Progressive-Rock-Band The Gathering. Ebenfalls recht gut anzuhören.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 21.08.2017 23:38
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Herman van Veen - "Die Clowns"
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Alan Gogoll - Mulberry Mouse
#7

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Der australische Gitarrist Alan Gogoll hat 2015 ein Album veröffentlicht namens "Grizzly Caterpillar". Darauf hat er neben eigenen Stücken auch einige Bearbeitungen traditioneller Lieder eingespielt, so auch die von der Mulberry Mouse.

Falls sich jemand Gedanken machen sollte: das Stück so zu spielen wie Alan Gogoll in dem Video, ist nicht so schwer wie es aussieht. Es ist viel schwerer.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 15.08.2017 23:20
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Aw: Mia Aegerter - Schwarzer Fleck
#8

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Zitat:

cARSCHti schrieb:
Frage: Schreibt sie ihre Lieder (Texte, Musik) selbst, oder ist sie "nur" diejenige, die diese als Sängerin präsentiert [...]?

Sie schreibt ihr Material größtenteils selbst. Ein paar Co-Autoren gibt's ab und an, auch auf dem neuen Album bei drei Stücken.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 08.08.2017 23:51
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Mia Aegerter - Schwarzer Fleck
#9

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Schwarzer Fleck

Wem der Name Mia Aegerter was sagt - möglich, daß man über sie als Schauspielerin schon mal gestolpert ist, beispielsweise als Xenia bei "Gute Zeiten - schlechte Zeiten". Kuckt hier natürlich keiner. Klar. Oder dereinst bei Tommy Ohrner in "Laß dich überraschen" als Imitatorin von Natalia Imbruglia ("Torn"). Oder als Moderatorin von Bravo TV. Kuckt hier natürlich auch keiner. Ich sag's nur. Na ja, oder danach in einigen Filmen und Serien ... da die gute Frau allerdings von Haus aus eher Musikerin ist, hat sie parallel eine Karriere als Sängerin eingeschlagen. Dabei hat sie zunächst englische Titel veröffentlicht, schwenkte allerdings sehr schnell auf Schwizerdütsch um, womit sie dann auch prompt in ihrer Schweizer Heimat Erfolge verbuchen konnte. Seit 2004 legte sie vier Alben in Schwizerdütsch vor, die sich allesamt recht ordentlich verkauften. Mittlerweile lebt und arbeitet sie in Berlin und veröffentlichte nach fünfjähriger Alben-Pause und immer wieder wechselnden Kostproben sowie ein paar Videos schließlich Ende Mai 2017 ihr erstes hochdeutsches Album "Nichts für Feiglinge".

Was ich von dem Album halte, kann ich trotz einiger Durchläufe noch nicht richtig sagen. Wahrscheinlich ist der Gesamteindruck sehr stimmungsabhängig - und eigentlich gehört das Album mit seinen größtenteils in sich ruhenden Liedern und seinen mal schelmischen, mal bedrückenden Texten nicht in den Sommer. Aber mal sehen, wie es sich entwickelt

Gruß
Skywise

Geschrieben: 08.08.2017 02:33
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Annett Kuhr nimmt Vorbestellungen entgegen
#10

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"Von einfachen Dingen" soll das neue Album von Annett Kuhr heißen, das am 6. Dezember auf das Volk losgelassen wird. Vorbestellungen sind bereits jetzt möglich.
Gang zur Kuhr

Ob das nachfolgende Stück darauf landen wird, halte ich für fraglich, allerdings war es in den letzten Monaten offenkundig fester Bestandteil ihres Konzertrepertoires.
Moorpackung

Gruß
Skywise

Geschrieben: 02.08.2017 09:28
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Gurrumul
#11

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Gurrumul
verstummt am 24. Juli im Alter von 46 Jahren.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 26.07.2017 21:44
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Aw: R. I. P. Andrea Jürgens
#12

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Text zu diesem Lied (und zu einigen anderen der ersten beiden Andrea-Jürgens-Alben) stammt von einem Herrn Jon Athan. Herr Athan ist im bürgerlichen Leben auch bekannt als Wolfgang Preuß, nur wenige Wochen davor noch Bestandteil von Inga & Wolf (um die Spannung zu erhalten, sei verschwiegen, welcher der beiden), die 1977 ihre letzte Single veröffentlichten und im Anschluß künstlerisch getrennter Wege gingen. Das Pseudonym hat er seinerzeit gebraucht für mitunter schlimme bis peinliche Sachen (erinnert sich wer an Tony Marshall "Auf der Straße nach Süden"? Verfasser: White/Athan). Seine Texte auf den ersten beiden Jürgens-Alben sind zwar nicht wirklich dumm, aber ziemlich plakativ, und bei einigen bin ich der Meinung, es gäbe sie nicht, wenn er seinen wirklichen Namen hätte druntersetzen müssen (unter anderem "Lieber Herr Bundeskanzler").
Die Nachfolgesingle von Andrea Jürgens ("Ich zeige dir mein Paradies") stammte ausschließlich von Jack White, die dritte Single des Debüts, das Schlagerdrama um ein wahrscheinlich wegen schlechter Noten weggelaufenes Schulmädchen, geschildert aus der Sicht der Freundin, "Tina ist weg" stammt ebenfalls noch von White/Athan, vom zweiten Album "Eine Rose schenk ich dir ... und dieses Lied" (es gibt Albentitel, die man unter Strafe stellen sollte) hat es dann kein Wolf-Titel mehr auf Single geschafft. Da hat man Lieder vorgezogen wie "Ein Herz für Kinder" (*hach*).

Nur um einen Bezug zu Liedermachern herzustellen ...

Gruß
Skywise

Geschrieben: 21.07.2017 09:44
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Sarah "Chansonedde" Lesch - Da draußen
#13

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*'n Video*
Neues Album von Sarah Lesch: "Da draußen" ist noch nicht draußen, kann aber vorbestellt werden.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 14.07.2017 17:48
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Mai Horlemann
#14

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Mai Horlemann hat bei der Hoyschrecke 2016 zwar keinen Preis mit nach Hause nehmen dürfen, aber immerhin hat sie mit ihren Titeln für Heiterkeit gesorgt.

*klick mich, ich bin ein Video-Link*

Nun ja, die Tonqualität ist nicht die beste bei dieser Aufnahme, aber aus dem Studio scheint es derzeit noch nichts zu geben, daher ist gerade eine Krautpfann-Ding-oder-so-ähnlich-Aktion am Start, mit der das Debüt finanziert werden soll.

Ich erwähn's nur.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 05.07.2017 21:47
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Aw: Auf der Suche nach Akkorden von Hannes Wader...
#15

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Gruß
Skywise

Geschrieben: 25.04.2017 14:05
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Aw: Auf der Suche nach Akkorden von Hannes Wader...
#16

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Zitat:

Janek schrieb:
Texte sind eh klar, weil zu hören und zig mal veröffentlicht, die kompletten Stücke meist auf YT ...

Schöne neue Welt ...
Also, jetzt mal abgesehen davon, daß ein gigantischer Brocken Texte und Musikstücke sich nicht im Internet finden läßt, da eine große Menge Interpreten, gerade aus der Liedermacher-Szene, dem Vergessen anheimgefallen sind: Youtube soll ja seit einer Einigung mit der GEMA an die Urheber und Interpreten zahlen, und die meisten Liedtextsammlungen liegen auf Seiten bzw. Servern außerhalb der Reichweite des deutschen Urheberrechts.

Zitat:
Und muß nicht ein Abmahner, der sich darauf beruft, einen solchen Schaden nachweisen?

Schaden - nein. Den braucht man, wenn eine Schadenersatzklage angestrebt wird. Ohne Schaden keine Entschädigung und so.
Eine Abmahnung ist eigentlich nichts Anderes als ein mahnender Zeigefinger: "Ey, ich hab' mitbekommen, daß Du einen Rechtsverstoß begangen hast! Mach das weg oder ich fahre schwerere Geschütze auf!"
Für dieses nette Schreiben berechnet der Anwalt eine entsprechende Pauschale als Bearbeitungsentgelt und gut ist.

Und eine öffentliche Wiedergabe eines urheberrechtlich geschützten Textes außerhalb der Regelungen und ohne Rückendeckung ist nun mal ein Rechtsverstoß.

Zitat:
Gesetze müssen doch irgendwem dienen, sonst würden sie nicht gemacht. Wem dient dieses?

Den Urhebern. Deutschland ginge es wirtschaftlich ziemlich dreckig, wenn das Geistige Eigentum nicht wäre, schließlich hat unser Heimatland nicht so viel anzubieten außer schnödem oder angewandtem Know-How, also genießt es besonderen Schutz.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 25.04.2017 00:30
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Aw: Auf der Suche nach Akkorden von Hannes Wader...
#17

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Zitat:

Janek schrieb:
Wo genau werden Hannes´ Rechte verletzt, wenn ein paar Zeilen aus einem seiner Stücke mit Quellenangabe hier zitiert werden?

Wenn sie korrekt zitiert werden, werden die Rechte gar nicht verletzt.
Aber wenn der Rest des Beitrags keine eigene Schaffenshöhe aufweist, handelt es sich um ein "falsches Zitat".
Das Zitat kann meinetwegen als Beleg gebraucht werden ("ich stelle folgende These auf, und wie ich bei Hannes Wader gesehen habe, scheine nicht nur ich dieser Meinung zu sein, siehe hier ..."), zur Erläuterung des Inhalts oder - das ist wiederum Richtersprech - "als Ausdruck der geistigen Auseinandersetzung mit dem zitierten Werk" ("Manfred Maurenbrecher spielt in dem Text auf folgende historische Ereignisse an: ..."), gerne auch als kleiner Verweis/als augenzwinkernde Anmerkung innerhalb einer eigenen Erzählung ("und dann habe ich mich gefühlt wie in einem Lied von Reinhard Mey, in dem er ebenfalls ..."), und man kann ein Zitat auch als künstlerisches Mittel verwenden, aber bei letzterem sind die Vorgaben und Ideen derart schwammig formuliert, daß ich's nicht drauf ankommen lassen würde.
Ein paar Textzeilen und die dazugehörigen Akkorde sind nach meiner Einschätzung nicht abgedeckt.

Zitat:
Und dann dazu ein Vorschlag, wie das akkordmäßig zu begleiten wäre?

Die Akkorde selbst sehe ich nicht unbedingt als Problem an; ich bezweifle nur, daß die Akkordfolge eine ausreichende "Eigenleistung" darstellt, um ein Zitat auf sichere Beine zu stellen.

Zitat:
Wo genau ist der Schaden für den Urheber?

Na ja, wenn ein urheberrechtlich geschütztes Werk (oder ein Teil davon) in der Öffentlichkeit verwendet wird, werden automatisch die Rechte des Urhebers wenigstens berührt. Um keinen Schaden anzurichten, sollte man sich an die rechtlichen Voraussetzungen halten (Zitat korrekt verwenden), den Urheber/den Verlag um Erlaubnis fragen und/oder darüber nachdenken, sich über die jeweilige Verwertungsgesellschaft das Okay abzuholen. Kommt auf die jeweilige Situation an.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 24.04.2017 01:36
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Инна Ищенко - Плине кача (Inna Ishchenko - Das Entlein schwimmt)
#18

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Ich weiß nicht, wem Euromaidan (noch) etwas sagt. Unter diesem Begriff faßte man die Bürgerproteste in der Ukraine Ende 2013/Anfang 2014 zusammen, die sich vor allem gegen die Regierung, insbesondere Präsident Wiktor Janukowytsch, richteten.
Ich will keine Geschichtsstunde abhalten; die Angelegenheit ist ohnehin komplex genug und die Lawine, die mit diesen Ereignissen losgetreten wurde, ist noch nicht zum Stillstand gekommen. Da gibt's also qualifiziertere Leuts als mich. Und wahrscheinlich auch solche, die genügend Abstand mitbringen und neutralere Bemerkungen fallen lassen, insbesondere über die glorreichen Leistungen der EU und nicht zuletzt Deutschlands in diesem Zusammenhang.
Vielleicht sind auch noch einige blutrote Bilder im Gedächtnis geblieben. Bei den Protesten kam es zu über 100 Todesopfern, insbesondere auf Seite der Demonstranten, aber auch Polizisten kamen ums Leben. Unschön auch, daß sogar Scharfschützen die Menschen aufs Korn nahmen. Über die Anzahl derjenigen, die mit Einschüssen oder anderen Verletzungen davon kamen, reden wir besser nicht. Einige Demonstrationsteilnehmer verabschiedeten sich von ihren toten Mit-Demonstranten, den "Himmlischen Hundert", am 21. Februar 2014 mit einem Volkslied: "Плине кача по Тисині", Das Entlein schwimmt auf dem Theiß (Theiß is'n Fluß, ukrainisch "Тиса", also Tyssa - "Тисині" ist genau genommen eine Verkleinerung). Was so goldig klingt, ist ein Dialog zwischen Mutter und Sohn, letzterer verabschiedet sich gerade in den Krieg.

Mal grob, aber unsauber übersetzt (die Übersetzung orientiert sich eher an einer englischen Fassung als am Original, aber eine halbwegs sinnvolle deutsche Übersetzung ist mir nicht über den Weg gelaufen und in der Not und so ... verläßliche Übersetzungen aus dem Ukrainischen werden gerne gesehen):
"Das Entlein schwimmt auf dem Theiß,
das Entlein schwimmt auf dem Theiß,
oh Mutter, schelte mich nicht.
Oh Mutter, schelte mich nicht.

Oh, wenn du mich zur dunklen Stunde schimpfst,
wenn du mich zur dunklen Stunde schimpfst,
weiß ich nicht, wo ich sterben werde,
weiß ich nicht, wo ich sterben werde.

Oh, ich werde im fremden Land sterben,
ich werde im fremden Land sterben,
wer wird mein Grab für mich bereiten?
Wer wird mein Grab für mich bereiten?

Oh, andere Leute werden es bereiten.
Fremde werden es bereiten.
Wirst du das nicht bedauern, Mutter?
Wirst du das nicht bedauern, Mutter?

Oh mein Sohn, wie könnte ich das nicht bedauern?
Wie könnte ich das nicht bedauern?
Du liegst mir im Herzen.
Du liegst mir im Herzen."

Dieses Lied wurde daraufhin eines, das in der Ukraine mit den Protesten und nicht zuletzt mit den Todesopfern in Verbindung gebracht wird.

Ich glaube, diese Informationen braucht man nicht, um die Aussage des Lieds zu verstehen.
Aber wahrscheinlich braucht man sie, um die Reaktionen nachvollziehen zu können.

*klick*

Gruß
Skywise

Geschrieben: 19.04.2017 03:14
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Aw: Auf der Suche nach Akkorden von Hannes Wader? Hier lang!
#19

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Zitat:

olliwutzi schrieb:
Aber wieso darf ich dann, ohne den Texter und/oder den Komponisten zu fragen, fremde Lieder singen und sogar gegen Eintritt aufführen?

Weil bei jeder öffentlichen Veranstaltung (man darf davon ausgehen, daß es sich um eine öffentliche Veranstaltung handelt, wenn man Eintritt verlangt) die GEMA die Hand aufhält. Die GEMA, also die Verwertungsgesellschaft der (Musik)Urheber, erhält neben dem Geld auch noch eine Liste mit Liedern, die an diesem Abend gespielt wurden (oder ordentlicher: "gespielt werden sollen", denn die Liste ist eigentlich im Vorfeld abzugeben), und verteilt dann ihre Einnahme nach Abzug einer Pauschale an die einzelnen Urheber. Mit dieser Zahlung ist gewissermaßen die Lizenzierung erfolgt und die Aufführung erfolgt mit Erlaubnis der Vertreter des Urhebers.

Reine Theorie übrigens. In der Praxis läuft's etwas komplexer, aber für den Einstieg ...

Und noch nebenbei, zur Sicherheit: es gab auch schon den Fall, daß mir einige Leute erzählt haben, sie hätten als Interpreten an die GEMA gezahlt/zahlen müssen, um bestimmte Lieder da und dort aufführen zu können. Die Zahlung an die GEMA bei einer Veranstaltung ist die Sache desjenigen, der den Eintritt kassiert oder die Veranstaltung aus anderen Gründen ausrichtet, und das ist im Regelfall der Veranstalter, nicht der Interpret.

Zitat:
Nun, so habe ich mal gehört, aufführen darf ich alles ungefragt wenn ich es nicht verändere an Text oder Melodie.

Korrekt.
Eine Übersetzung gilt übrigens als Bearbeitung.

Zitat:
Nur selber veröffentlichen darf ich es nicht, weil es ja nicht meine eigenen Lieder seien. Aha!

Veröffentlichen darfst Du es schon, Du solltest halt nicht unbedingt sagen, daß das Lied von Dir stammt. Und wenn Du es veröffentlichst, müssen halt die Lizenzen geklärt sein.

Zitat:
Und was ist denn nun mit Heino und seinen "freundlichen Grüßen?"
Da singt er doch auch ungefragt fremde Lieder, und sie wurden sogar veröffentlicht auf Tonträger.
Wie ging das und wie geht das?
Oder hat das eine nichts mit dem anderen zu tun?

Im Prinzip genau dasselbe. Auch bei der Vervielfältigung eines Tonträgers steht die GEMA Gewehr bei Fuß und erteilt die notwendigen Lizenzen für die Verwendung der Lieder, in diesem Fall an das produzierende Label. Also - ein Farin Urlaub als Verfasser von "Junge" verdient an dem Heino-Album ebenfalls mit. Und da Heino den Text nicht verändert hat, kann's sein, daß Farin Urlaub bis zuletzt nichts von dieser Idee mitbekommen hat.
Dasselbe in Grün übrigens bei einem gewissen rechten Liedermacher, der sich an Werken von Hannes Wader oder Reinhard Mey vergriffen hat, ohne die Texte zu verändern. Kann man machen. Hat halt ein Geschmäckle, aber - geht. Die Verfasser haben kaum eine Chance, etwas dagegen zu unternehmen, solange ihr Werk nicht verändert wird (und bei jeder Neuauflage der betreffenden Alben die Zahlungen an die GEMA erfolgen).

Zitat:
Mir ging es darum ohne Erlaubnis des Komponisten/Textdichters Lieder singen zu dürfen versus ein paar Sätze zu zitieren zwecks Akkordanalyse wie von Viktor geschehen.

Im Grunde ist es fast genauso wie beim Singen des Liedes: für eine öffentliche Wiedergabe bzw. Verwendung urheberrechtlich geschützten Materials steht dem/den Urheber/n ein Obolus zu. Das betrifft natürlich nicht nur komplette Werke, sondern auch einzelne Bestandteile daraus (also z. B. Samples oder halt Textproben). Unterschiede gibt's höchstens bei der Organisation. Aufführung/mechanische Vervielfältigung ist Sache der GEMA, Textauszüge wohl eher Angelegenheit der VG Musikedition.
Bei den Textauszügen gibt's noch ein paar zusätzliche Möglichkeiten, indem man sie als Zitate nutzt. Dazu muß aber der Rest des Beitrags, wie der Richterlichkeit eingefallen ist, "eine eigene Schaffenshöhe" aufweisen. Man kann also nicht sagen "Hier der gewünschte Text", sondern man muß das Zitat so einbinden, daß es nicht in der Luft hängt. Also beispielsweise, wenn man eine Geschichte erzählt, die man mit Installateuren erlebt hat, kann Reinhard Mey als Verfasser gar nichts dagegen machen, wenn ein paar Zeilen von "Ich bin Klempner von Beruf" eingeflochten werden, selbst wenn er wöllte. Für die Verwendung als Zitat steht ihm auch kein Obolus zu. Er bzw. Anwälte sähe/n es allerdings höchstwahrscheinlich ganz gerne, wenn diese Passagen auch mit Urheberangabe bzw. Quellenverweisen versehen werden. "Zitat" meint übrigens "Textauszug". Komplette Liedtexte sind tabu bzw. höchstens in ganz wenigen Zusammenhängen in Ordnung, meist auf elitär-universitärer Ebene.
Nebenbei noch: neben dem Text ist natürlich auch die Melodie urheberrechtlich geschützt. Ich weiß von Abmahnungen, weil eine Melodie oder genauer: die Griffe auf einer Gitarre zur Wiedergabe einer Melodie, wiedergegeben wurde. Die Einzeltöne ("sach ma, auf was für einem Ton endet denn die Melodie in Zeile 4?"), Rhythmen, Pausenzeichen und die Akkorde bzw. Akkordfolgen oder sonstige Einzelschicksale dagegen sind nicht schutzfähig. Nach deutschem Urheberrecht, wie's anderswo ausschaut, weiß ich nicht (zuverlässig).

Gruß
Skywise

Geschrieben: 13.04.2017 14:51
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Aw: Auf der Suche nach Akkorden von Hannes Wader? Hier lang!
#20

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Zitat:

Janek schrieb:
Wie kann ein Text, der an zig Ecken öffentlich ist, eine Urheberrechtsverletzung sein?

Nun ja, der Verfasser des Lieds liegt noch keine siebzig Jahre unter der Erde, insofern sind Melodie und Text nicht gemeinfrei, also gelten noch die Bestimmungen des Urheberrechts. Und da im Urheberrecht nichts geregelt ist im Sinne von "sobald genügend Leute auf das Recht eines Urhebers ihren Haufen gesetzt haben, spielt's ohnehin keine Rolle mehr, ob sich noch jemand daran hält", wäre derjenige, der eine urheberrechtlich geschützte Passage veröffentlicht (d. i. der Betreiber dieses Forums), gehalten, sich entweder an die Vorgaben des Zitatrechts zu halten oder, sofern nicht möglich, mit dem Urheber oder seinem Stellvertreter (dem Verlag beispielsweise) über die Veröffentlichung zu einigen. Geschieht das nicht, kann im Grunde genommen jeder Rechtsgelehrte, der einen Verstoß gegen das Urheberrecht findet, eine Abmahnung schreiben.
Und weil eine solche Einigung mit dem Rechteinhaber nach Wissen der Mods nicht existiert, sie aber ihren Forenbetreiber ganz dolle lieb haben, wollen sie ihn vor solcher Post bewahren.

Es ist sicher richtig, daß in der jüngeren Zeit verschiedene Gerichte den gescholtenen "Abmahnanwälten" einen Riegel vorgeschoben haben, der dieses Vorgehen deutlich erschwert, aber damit haben sie natürlich nicht die Regelungen des Urheberrechts außer Kraft gesetzt, also ...

Zitat:
Leude leude, man kanns auch übertreiben.

Stimmt. Aber man muß den Ärger auch nicht heraufprovozieren. Anwälte und Richter können während ihrer Arbeitszeit fürchterlich humorlos sein.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 12.04.2017 23:31
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Aw: "Poesie und Widerstand" erscheint am 26. Mai 2017 (CD / limitiertes Box-Set)
#21

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Zitat:

Viktor schrieb:
- Sage Nein (Bonus Version) (feat. Pippo Pollina [Gesang], ASP [Gesang], Conchita Wurst [Gesang], Cetin Oranger [Gesang])


"Asp". Zur Unterscheidung: die Band schreibt sich selbst ASP in Großbuchstaben, Gründer, Vorturner und Sänger Alexander Spreng als Person schreibt sich "Asp". Da ich davon ausgehe, daß nicht die komplette Band mitsingt, sind ein paar Großbuchstaben weniger wohl richtiger

Gruß
Skywise

Geschrieben: 06.04.2017 17:49
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Tim Edler - 21 Gramm
#22

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Tim Edler (Homepage)

"21 Gramm" (Hörbeispiel)

Gute Atmosphäre, gepaart mit beeindruckender Stimme.
Derzeit läuft eine Crowdfunding-Aktion, um die Stücke auf Tonträger zu bannen. Dabei bin ich über diesen Namen gestolpert.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 25.03.2017 00:19
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Kraja - Nu är det synd om de döda
#23

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mal ohne Bild

Es ist traurig um die Toten,
die den Frühling nicht erleben
und sich nicht zwischen hellen, lieblichen Blumen
von der Sonne wärmen lassen können.
Aber vielleicht flüstern die Toten
der Schlüsselblume und dem Veilchen etwas zu,
das kein Lebender versteht.

Die Toten wissen mehr als andere
und vielleicht werden sie, wenn die Sonne untergeht,
trotzdem mit tieferer Freude als unserer
zwischen den Schatten des Abends wandeln
in Gedenken an das Geheimnis,
das nur das Grab kennt.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 07.03.2017 00:12
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Wer sagt eigentlich ...
#24

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..., daß ein ESC-Lied nicht auch mal gesellschaftskritisch sein darf?

https://www.youtube.com/watch?v=XYj0zjZ3XCQ

Gruß
Skywise

Geschrieben: 20.02.2017 18:12
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Krysztof Daletski - Circulus terroris
#25

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... will auch mal ...



https://www.youtube.com/watch?v=LetYSLqF-Ac

Hier übrigens weitere Anmerkungen.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 09.02.2017 01:05
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Aw: Knut Kiesewetter (1941–2016)
#26

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Die WDR 4-Schatzkiste hat ein Interview zwischen Dirk Schortemeier und Knut Kiesewetter aus dem Jahr 1979 ausgegraben - am kommenden Dienstag, 3. Januar, 20.00 bis 21.00 Uhr kann man es sich anhören.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 01.01.2017 22:58
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Knut Kiesewetter (1941–2016)
#27

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Multitalent Knut Kiesewetter ist tot. Er starb im Alter von 75 Jahren in Garding (Kreis Nordfriesland).
Während er selbst sich in verschiedenen musikalischen Bereichen probierte, sei es Folk (hier insbesondere mit verschiedenen Generationen von Familienmitgliedern), Soul, Gospel, Schlager oder die von ihm ins Scheinwerferlicht gerückten Lieder in plattdeutscher Mundart, galt seine große Liebe immer dem Jazz. Als von Jack Teagarden inspirierter Posaunist und Sänger begann er seine musikalische Karriere, und er beendete sie auch damit, nachdem er Mitte der Nuller Jahre verkündete, nicht mehr mit seinen Schlagern oder "Fresenhof"-Liedern auftreten zu wollen, sondern nur noch als Posaunist und Jazzsänger. Sein letztes Album erschien 1991, im Anschluss erschienen einige Kompilationen aus den Werken, an denen er die Rechte hatte.

Neben seinen eigenen musikalischen Aufnahmen machte er sich einen Namen als Witzeerzähler und als Entdecker und Produzent anderer Interpreten wie Volker Lechtenbrink, Fiede Kay und Hannes Wader, dessen ersten Plattenvertrag er der Legende nach aus den Verantwortlichen der Phonogram abrang, indem er androhte, anderenfalls keine weiteren Witzeplatten mehr auf den Markt bringen zu wollen.

In den letzten Jahren wurden ihm einige Ehrungen zuteil, so wurde er 2000 symbolisch zum Ritter geschlagen ob seiner Verdienste um den deutschen Jazz, darüber hinaus erhielt er 2012 für seine Verdienste um die niederdeutsche bzw. friesische Sprache den Verdienstorden des Landes Schleswig-Holstein.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 28.12.2016 21:07
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Aw: zum lkw-anschlag auf dem berliner breitscheid-platz
#28

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Zitat:

Helmut schrieb:
Und noch eins: Sure 9 Vers 5: "Sind aber die heiligen Monate, in welchen jeder Kampf verboten ist, verflossen, dann tötet die Götzendiener, wo ihr sie auch finden mögt; oder nehmt sie gefangen oder belagert sie und lauert ihnen auf allen Wegen auf." Das ist nicht meine Erfindung, das ist Sure 9 Vers 5 im heiligen Buch der Moslems. Diese Sure ist doch für jedes muslemische Arschloch eine Rechtfertigung, zum Terroristen zu werden.

Eigentlich nicht. Die Definition eines "Götzendieners" schließt nämlich zwei Religionen explizit aus: das Judentum und insbesondere das Christentum.

"Christen und Juden haben für ihren Glauben und ihre Taten ihren Lohn bei Gott." (Sure 2, Vers 62)

"Muslime sollen Christen wegen ihres Glaubens und ihrer Demut schätzen." (Sure 5, Vers 82)

Wenn's nach dem Koran ginge, wären die Christen Vorbilder, keine Feinde.
Ich weiß, daß sich das an anderen Stellen wieder anders anhört, solche Widersprüche finden sich auch in der Bibel. Aber als "Ungläubige" werden die Christen meines Wissens nirgendwo in den Schriften bezeichnet, insofern dürften sie auch nicht Ziel des Terrors werden. Daß die Christen des angehenden 21. Jahrhunderts andere Christen sind als die zur Entstehungszeit des Korans - geschenkt.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 24.12.2016 00:52
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Aw: zum lkw-anschlag auf dem berliner breitscheid-platz
#29

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Zitat:

Helmut schrieb:
Der Mann hat sich nicht in einer politischen Gruppe, sondern in einer Moschee radikalisiert. Moschee hat eben etwas mit Religion zu tun.

Hm. Moschee hat vor allem was mit dem Islam zu tun.
Ich sag's mal so: wenn man die beiden Extreme des Islams mal beschreiben würde, dann sähe das ungefähr so aus, daß ein Teil der Muslime seine Heilige Schriften ungefähr so "lasch" handhabt wie viele Christen hierzulande heutzutage die ihre. Stehen ein paar kluge Sachen drin, ist aber in weiten Teilen faktisch unzuverlässig bzw. überholt, daher muß man einige Aussagen im übertragenen Sinne verstehen. Ein anderer Teil dagegen sieht die Heilige Schrift als das unverrückbare Wort Gottes an, das heute immer noch so gilt, wie es dereins niedergeschrieben wurde. Und genau an dieser Stelle ist der Islam hochpolitisch. Wäre das Christentum übrigens auch.

Zitat:
Warum wurde die Moschee nicht geschlossen und der Verein verboten?

Nehmen wir an, der Tuntenhausener Motorradclub "Motorkutte e. V." hat ein paar Mitglieder, deren ausgewiesenes Hobby es ist, jedes Wochenende in den Nachbarort zu scheppern und dort dem ungeliebten Volk ein paar auf Schnauze zu geben. Dann ist das erst mal keine Sache, für die man den Verein zur Rechenschaft ziehen muß.
Nehmen wir weiterhin an, bei der "Motorkutte" kommen neue Mitglieder an, die sich kurze Zeit später ebenfalls in den Nachbarort begeben, um sich dort auffällig zu verhalten. Dann wird man wahrscheinlich mal mehr oder weniger dezent die Vereinsführung darauf ansprechen, daß sie gefälligst für Ordnung in ihrem Laden zu sorgen habe, aber deshalb wird er noch nicht vom Staat zur Rechenschaft gezogen.
Nehmen wir an, der nächste Schritt bestünde darin, daß eine Person bei der Polizei die Angabe macht, in den Reihen der "Motorkutten" befänden sich Mitglieder, die sehr gezielt Leute, die gerne mal bei diesen Touren mitmachen würden, im Club einführen, damit sich die Ausflüge leichter koordinieren lassen. Oder wahlweise: die die Fressepolieraktionen strategisch planen. An dieser Stelle ist die Grenze. Hier kann man über Maßnahmen gegen den Club nachdenken, wobei die Auflösung oder das Verbot dieses Vereins eine ziemlich extreme Lösung wäre.
Nehmen wir an, bei denen, die sich um neue, gewalttätige Mitglieder bemühen, die Vertrimmungsaktion aktiv planen oder sogar entsprechendes Handwerkzeug bereitstellen, handele es sich um ein paar leitende "Motorkutten". In so einem Fall kann man davon ausgehen, daß Tuntenhausen die allerlängste Zeit einen Motorradclub "Motorkutte" gehabt hat, denn hier steht einem Verbot oder einer Auflösung absolut nichts mehr im Weg.
Wenn man allerdings niemandem etwas nachweisen kann ...

Zitat:
Warum muss erst was passieren, bevor was geschieht?

Was ist leichter: jemandem nachzuweisen, daß er etwas getan hat, oder jemandem nachzuweisen, daß er etwas ganz sicher getan hätte, wenn man ihm nicht zuvor in die Quere gekommen wäre?

Zitat:
Warum tut sich der Rechtsstaat so schwer mit den Feinden des Rechtsstaates?

Unter anderem, weil die Kollateralschäden sehr groß sein können. Oder anders: ich halte die Frage für berechtigt, ob ein Rechtsstaat, der konsequent gegen seine Feinede vorgeht, wirklich noch ein Rechtsstaat ist.

Gruß
Skywise

Geschrieben: 23.12.2016 10:50
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Aw: Revolte Springen - Lieselotte Meyer
#30

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Weitermachten. Die Revolte Springen hat sich (*auf uhr schau*) letztes Jahr aufgelöst. Das Repertoire geht jetzt wahrscheinlich größtenteils wieder auf Yok (Quetschenpaua) zurück, der es bei seinen Auftritten singen wird (natürlich ohne die Theatereinlagen, die Revolte Springen ausgezeichnet haben).

Gruß
Skywise

Geschrieben: 21.12.2016 02:07
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