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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#1

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Liebe Nicole,

ich nehme an, Du meinst dieses Biermann-"Hurenlied", das mir jedenfalls bei Deinem Posting gleich in den Sinn kam, das ich 1986(?) live von Wolf Biermann hören durfte, und das mir sehr gut gefiel und gefällt. Die Version seiner Tochter Marie von Aber Küssen habe ich gerade eben erst gehört, auch sehr schön, zumal sie von Siegfried Gerlich auf dem Klavier begleitet wird, aber das ist eine andere Geschichte...

Wenn Marie Biermann, den Text in Ich-Form gesungen hatte, lautete er in etwa so:

"Ich schaffe an auf'm Autostrich am Fischmarkt in Altona
Ich frier' mir die nackten Äpfel ab im eisigen Janua'
Ich schaffe an auf'm Autostrich und spare mir Stück für Stück
Die Kohle zusammen für später, das goldene Eheglück

Kalt knarrt das Knie, wenn der Westwind weht
Aber dafür stinkt auch der Fisch
Nicht ganz so doll wenn ein Freier winkt
Die sind ja so wählerisch

Die woll'n ne Prinzessin mit Jungfernhaut
Für lumpige dreißig Mark
Die stehlen mir deine kostbare Zeit
Und quasseln mir Seelenquark

Die schlimmsten Schweine kommen mir mit
Moral: "Sie keuchen, mein Kind!
Verkauf sich nicht auf dem Fischmarkt,
Wo die Schweine auf Achse sind!"

Ja, da so'n Typ in seinem klapp'rigen Ford
Oder'n Geizkragen fett im Benz
Sie knall'n ihre Knüppel in zweiten Gang
Als wären es ihre Schwänz

Tja, ihre Notdurft verrichten sie
Sie schlagen ihr'n Samen ab
Und wer mal da war, der hält sein' Schwanz
Nicht mehr für ein' Zauberstab

Ich kleines Mädchen für wenig Geld
Ob sie clean sind oder breit
Ich weiß genau, was Liebe ist
Ich weiß im Leben Bescheid

Ich finger den Herrn die Hosen auf
Und habe ne Engelsgeduld
Wenn wer ein verrücktes Extra braucht
Es ist ja nicht seine Schuld

Ich mache für Geld die Beine auf
Aber niemals mein Menschengesicht
Ich mache des Herrn wohl dies und das
Aber Küssen? Das gibt es nicht!"


Nur wenig umgetextet, aber vorgestellt, Marie Biermann würde den Text so in Ich-Form präsentieren, würde ihr ernsthaft irgendwer unterstellen, am Fischmarkt in Altona auf dem Autostrich anschaffen zu gehen? Doch wohl eher nicht, oder?

Liedtexte in Ich-Form sind selbstverständlich nicht die eigene Biografie (mein Name ist übrigens auch nicht "Matula"), und ob ein Lied in Ich-Form geschrieben wurde oder nicht, ist bestimmt kein "Qualitäts-Kriterium" eines Songs... Überhaupt, wer bestimmt eigentlich bei einem Lied über dessen "Qualität"? Verkaufzahlen, Klicks im Internet, die Meinung von MusikkritikerInnen oder Jury-Mitgliedern bei irgendwelchen Wettbewerben? Das wiederum wäre wiederum ein anderes Thema...

Liebe Grüße
cARSCHti


Geschrieben: Heute 00:00
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Zurückmeldung und Information
#2

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Lieber Rüdiger,
schön, dass Du Dich mal wieder meldest! Wir hatten uns hier vor längerer Zeit ja schon mal geschrieben, aber ich hatte das fast aus dem Sinn verloren...
Am 8.+9.5. (vor dem LT) bin ich übrigens in Dresden. Hast Du Lust, dass wir uns mal persönlich kennenlernen?

Zu Deinem Lied: Sehr bedrückendes Thema, dass Du sehr einfühlsam und bewegend umgesetzt hast, finde ich. Danke!
Ich habe das Lied heute Nachmittag gehört, und es ist mir danach nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Zur Zeit wird ja auch die Fernsehserie "Weißensee" wiederholt, wo das Thema ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, so dass Du mich mit Deinem Lied gerade nicht ganz kalt erwischt hast, es geht mir also nicht erst seit heute Nachmittag durch den Kopf.
Der Schmerz der Eltern (besonders wahrscheinlich der Mütter) bei solchen Zwangsadoptionen muss unfassbar sein, so unfassbar, dass ich ihn als Nicht-Betroffener wahrscheinlich allenfalls theoretisch nachempfinden kann. Daher finde es genau wie Du total wichtig, dass dieser schlimme Bestandteil unserer (Darf ich als Nicht-DDR-Bürger überhaupt "unserer"?) Geschichte aufgearbeitet und nicht totgeschwiegen oder verharmlost wird!
Ich denke bei diesem Thema aber auch an die Kinder und deren Adoptiveltern. Wenn die Kinder bei der Adoption schon etwas älter waren, konnten sie sich an ihre biologischen Eltern erinnern? Was ist ihnen erzählt worden? Dass die leiblichen Eltern gestorben seien? Dass sie Republikflucht begangen und ihre Kinder im Stich gelassen hätten? Und was wussten die Adoptiveltern über die biologischen Eltern der Kinder, die sie adoptiert hatten? Ich stelle mir vor, die meisten haben (Adoption hin oder her) doch eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung miteinander aufgebaut, so wie andere Eltern, die ihre Kinder aus anderen Gründen adoptiert haben. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es jedenfalls mehrere, die als Kind adoptiert wurden, und die in ihrem (Adoptiv-) Elternhaus eine glückliche Kindheit hatten.
Und es stellt sich die Frage: Was geschieht, wenn die leiblichen Eltern mit ihrer Suche tatsächlich Erfolg haben und ihre leiblichen Kinder (die heute ja alle erwachsen sind) wiederfinden? Wie gehen die Beteilgten (biologische und Adoptiveltern, und vor allem die inzwischen erwachsenen Kinder) damit um? Was empfinden sie? Welche Konflikte und Zwiespälte entstehen möglicherweise daraus?
Ich finde auch diese Fragen einerseits bedrückend, aber anderseits auch inspirierend. Und zur Aufarbeitung dieses Themas gehört für mich irgendwie auch, was nach dem Ende der DDR mit den beteiligsten Menschen passiert ist...

Jedenfalls sehr wichtiges und spannendes Thema, Rüdiger!

Liebe Grüße
cARSCHti

P. S. Erinnere uns bitte kurz vor dem Sendetermin 05.06.2018 nochmal an die Sendung, die würd' ich mir dann gerne anschauen, und vermutlich nicht nur ich...

Geschrieben: Gestern 22:19
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Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#3

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Lieber Gerd,

ich kann allem, was du geschriebenem, hast zustimmen. Wenn aber eines unserer Themen "so bin ich eben" heißt, dann muss ich nachfragen, ob das für das entsprechende Lied auch gilt.

Nicole hat meine Nachfrage erwartet und, wir müssen unser Programm nicht umwerfen, meine Einschätzung war richtig.

Jedenfalls, ich freu mich auf Nicole und ich glaube (oder hoffe), ein Wohnzimmer voll Leute tut das auch.

Gruß vom Inn
Helmut

Geschrieben: Gestern 22:08
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Nicht vergessen: Das Liedertreffen hängt am Liedermacher-Forum.
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#4

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Hallo zusammen,

Zitat:

Gesch schrieb:
Hat jemand ernsthaft geglaubt, Hannes Wader hätte die in Ich-Form erzählte[...] Geschichte[...] vom Schwein Monika [...] selbst erlebt?


Zumindest ist Hannes mal mit Monika aufgetreten (vgl. Foto im Anhang)!

Lieben Gruß!
Marc

PS: Perspektive hin oder her, Deinen Text finde ich stark, Nicole, aber das Frauenbild, wessen auch immer, von wann auch immer... nee...!

Datei anhängen:



jpg  Hannes & Monika.jpg (56.19 KB)
34_5ad8f52e953ce.jpg 450X612 px

Geschrieben: Gestern 22:00
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So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.


Hannes Wader
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#5

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Ihr Lieben,

ich halte gar nichts davon, mit zweierlei Maß die Qualität von Liedern mit der Wahrheitsmesslatte zu bewerten. Ich nehme Lieder als Lieder, und Biografien als Biografien und erwarte nicht, dass Liedermacher - egal ob Profis oder Amateure - sich in jedem "Ich"-Lied autobiografisch äußern.

Hat jemand ernsthaft geglaubt, Hannes Wader hätte die in Ich-Form erzählten Geschichten vom Schwein Monika, vom Tankerkönig oder vom Putsch oder von demjenigen, der sich noch so viel vorgenommen hatte, selbst erlebt? Sie waren genial erdacht, genauso wie viele in Ich-Form geschriebene Romane. Es ist eben eine Stilform, die zur Verfügung steht, aber nicht immer eine Selbstoffenbarung, die zur Lektüre wird.

Nicoles Lied über die Frau mit den sieben Kiez-Katzen ist ein grandioses "Bild", das sie entworfen hat, auf dem sie dieser erdachten Frau Erlebnisse, Erfahrungen, Aussehen und Eigenschaften andichtet, die sie sich vielleicht von vielen verschiedenen Personen zusammengeklaubt hat. Ist doch in Ordung - das Lied ist klasse - oder verliert "ihr Bild" an Qualität, nur weil es nicht mit der Wahrheit übereinstimmt. Einer bildet seine Phantasie mit Pinselstrichen ab, ein anderer mit Worten. Wenn das Ergebnis plastisch vor Augen steht oder wenn die Worte Bilder im Kopf entstehen lassen, ist es doch gelungen.

Ich finde es auch nicht bedauerlich, wenn sich jemand als Liedermacher von Fall zu Fall vorbehält, ob er in der Ich-Form schreibt, oder distanzierter in der Bildbeschreibung Sympathie oder Ablehnung gegenüber beschriebenen Personen oder Sachverhalten deutlich macht. Hauptsache ist doch, dass sich im Kopf der Zuhörer beim Anhören was bewegt - und nicht nur die Frage, ob denn der Sänger/die Sängerin das alles wirklich so erlebt hat.

Es gibt ja auch ne Menge Sängerinnen und Sänger, die nur Lieder anderer Autoren interpretieren - da spielt es dann doch auch keine Rolle, ob, und wenn ja, wer da das im Lied Geschilderte erlebt haben mag.

Ganz egal, ob Klaus Hoffmann mal eine Gerda, wie er sie besungen hat, mal kennenlernen konnte - man kann sich vorstellen, wie sie getanzt hat - oder hätte... auch wenn jemand anders dieses Lied singt.

Herzlich
Gerd

Geschrieben: Gestern 21:24
_________________
Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#6

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Hallo Carschti,

Zitat:
Jedenfalls hast Du mit Deinem Lied (hier im Forum) Diskussionen angeregt, und das ist ja der eigentliche Sinn der Sache, wenn man Lieder macht, oder?


Genau, Diskussionen und Gespräche und Auseinandersetzungen mit Liedern sind doch das beste, was einem Liederschreiber passieren kann. Dafür schreibe ich Und darüber freue ich mich

Allerdings will ich auch nochmal drauf hinweisen (mittlerweile sind ein paar PN´s zum Thema eingetrudelt) das natürlich nicht alle Lieder in der "Ich-Form" nicht der Wahrheit entsprechen. Natürlich gibt es auch Themen, und Geschichten, die genauso, oder so ähnlich passiert sind.

Ein bisschen kenn ich das von mir ja auch, dass ich denke, das viele Dinge über die andere gesungen haben der Wahrheit entsprechen. Ich erinnere mich gerade dran, dass ich Doris im letzten Jahr in Hamburg gefragt habe, wie heftig sie das Auto von Chrizz geschrottet hat, weil eine Strophe bei "Da liebe ich dich durch" davon handelte usw. Wenn ich mich recht erinnere war sie es gar nicht.... Ist eben nicht so, das jeder Liedermacher sein Tagebuch vertont. Auch das finde ich zwar interessant, aber eine Mischung von Wahrheit und Phantasie gefällt mir eben auch. Bei vielen Liedern (eben auch von Forumsmitgliedern) würde es mich auch interessieren, wieviel Wahrheit drin steckt, und was alles so dazugezaubert wurde. Vielleicht mag der eine oder andere seine Vorgehensweise ja hier auch mal lüften, oder wenn nicht hier, dann beim LT. Fände ich spannend

Am Wochenende werde ich übrigens mal wieder auf dem Kiez sein und mir ein aktuelles Bild davon machen
Zum Thema Hurenlieder fällt mir auch noch Biermann ein. Der hat auch so einige Hurenlieder, die Marie Biermann übrigens auch wunderbar und sehr glaubhaft singt. Gefällt mir sogar noch besser, als wenn Biermann selbst sie singt

Ziemlich sonnige Grüße aus Hamburg
Nicole

Geschrieben: Gestern 19:28
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...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...
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Zurückmeldung und Information
#7

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Ihr Lieben,

ich habe mich ja eine Weile hier nicht gemeldet, möchte Euch aber ein Thema nicht vorenthalten, das zu einem Film im MDR führt (Sendetermin 5.6.2018 um 21.15 Uhr) zu dem ich ein Lied nebst Musik geschrieben habe, und das mir sehr am Herzen liegt.

Das wenig bekannte Thema "Zwangsadoptionen in der DDR" wird dort behandelt, und die immer noch suchenden Menschen brauchen jede erdenkliche Unterstützung, damit sie überhaupt die Möglichkeit bekommen, nach Ihren Kindern, Eltern oder Geschwistern zu suchen. Der Einigungsvertrag zwischen der BRD und der DDR macht das - auch heute noch - unglaublich schwierig!

Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch mal "Gestohlene Kinder" auf Youtube anhören würdet, und natürlich habe ich nichts gegen einen Kommentar oder eine Bewertung dort. Am meisten würde mich allerdings freuen, wenn Ihr den Link dorthin in Eurem Freundeskreis teilen würdet, damit weiter für eine größere Bekanntheit des Themas geworben wird und der öffentliche Druck auf Politiker in Berlin steigt, um eine entsprechende Gesetzesänderung zu beschließen. Und wenn Ihr Eure Freunde noch bitten würdet, es auch zu teilen, dann wäre das die Krönung. Dafür danke ich Euch aus tiefstem Herzen.

Herzliche Grüße aus dem supersonnigen Dresden

Rüdiger


Gestohlene Kinder -> https://www.youtube.com/watch?v=uS1JRcvbhjw

Geschrieben: Gestern 13:20
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Die Liebe führt niemals etwas im Schilde...
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#8

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Jedenfalls hast Du mit Deinem Lied (hier im Forum) Diskussionen angeregt, und das ist ja der eigentliche Sinn der Sache, wenn man Lieder macht, oder?

„Besonders auffällig ist aber der Umgang der Paulianer untereinander. Herzlich, manchmal auch hart und deutlich aber doch immer irgendwie liebevoll. Da hilft einer dem anderen, weil man sich untereinander eben noch kennt und jeder weiss, wer sein Nachbar ist.....und all die blinkenden alten Neonreklamen.....und einfach die Geschichte, die St. Pauli hat und die man heute auch noch dort findet, wenn man einfach nur in die richtigen Ecken guckt.“ Damit hast Du genau das ausgedrückt, was ich selbst sagen wollte, Nicole, nämlich das, was ich an St. Pauli so schätze und warum ich immer wieder gerne da bin...

Dass das Leben der Sexarbeiterinnen auf der Reeperbahn und ihren Seitenstraßen in der Vergangenheit (vor 20, 50, 100 Jahren) so viel besser war als heute, glaube ich allerdings nicht. Brecht, Wedekind oder Tucholsky haben sich als Künstler jedoch dieser Thematik gewidmet und sich mit den Menschen beschäftigt, die Sexarbeiterinnen oder „Huren“ ebenso sind wie jeder andere Mensch, und das ist heutzutage vielleicht selten geworden, gerade auch unter uns LiedermacherInnen. Gut, dass Du mit Deinem Lied ein Gegenbeispiel setzt, Nicole!



Geschrieben: 18.04.2018 23:20
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#9

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Ihr Lieben,

in der Tat schreibe ich gerne Lieder in der "Ich-Form", weil sie irgendwie persönlicher wirken, auch wenn man mir die Lebensgeschichte von besagter Dame vermutlich in der Ich-Form nicht abnehmen würde.

Allerdings habe ich als Reaktion auf die Lieder die auf der CD sind, von vielen Leuten gehört, dass sie diese Texte alle für wahre Münze nehmen. Einige fragten besorgt, ob ich wirklich einen Burnout hätte, wie es um meine Depressionen steht und ob ich noch Kontakt zu dem Mann hätte, der dann doch die andere geheiratet hat usw. Und viele haben mir zurück geschrieben, dass sie die CD doch sehr persönlich, wenn nicht sogar zu persönlich finden.

Dabei habe ich doch damals - obwohl in Ich-Form geschrieben- bei vielen Liedern nur meine Beobachtungen bei anderen geschildert. Die Begleittexte im CD Booklet waren alle wahr und ehrlich, aber bei den Liedern an sich hab ich mir doch einige künstlerische Freiheiten genommen, wie es vermutlich jeder macht, der Lieder oder auch Romane schreibt.

In den Liedern steckt ein großer Teil von mir, aber nicht immer meine persönliche Geschichte und nicht immer die Wahrheit bis ins kleinste Detail. Immer,wenn ich dass erwähnt hatte, habe ich gemerkt, wie enttäuscht die Leute waren, weil sie glaubten, mich doch durch diese CD besser zu kennen. Selbst mein Vater sagte damals nach dem ersten hören der CD "Kind, wir haben überhaupt nichts mitgekriegt von deinen Depressionen.". Äh..... ich hatte ja auch keine, sondern hab über jemanden geschrieben, den ich kenne der Depressionen hat.....

Kurzum, irgendwie wurde mir das zu anstrengend ständig verkannt zu werden. Und darum bemühe ich mich nicht mehr so viel in Ich-Form zu schreiben und vor allem auch nicht mehr soviel ganz persönliches reinzunehmen. Mal sehen, ob es mir auf Dauer gelingt

Zum Thema St. Pauli finde ich es noch wichtig zu sagen, dass mich diese ganzen komischen Menschen, die auf dem Kiez ihren Junggesellenabschiede feiern und die Kegelclubs, die verschämt kichernd aus irgendwelchen Sexshops kommen oder aber eben auch die Huren, die den Männern schon im vorbeigehen zwischen die Beine greifen, obwohl sie Hand in Hand mit ihrer Ehefrau über den Kiez schlendern auch nerven. Ja, auch das ist St. Pauli heutzutage.
Aber da gibt es auch noch die anderen, wenn man genau hinschaut. Die stolzen Huren (meist eher im Alter um die 60), die nett mit den Männern umgehen und vermutlich schon alles erlebt haben, was es zu erleben gibt, die Koberer, die teilweise schon um die 80 sind und die Touris auf charmante Weise in die einschlägigen Lokale kobern wollen, die alten, die am Abend aus den Fenstern raus hängen um dem bunten treiben zuzusehen, die alten Theater mit den roten Plüschsesseln, usw. Besonders auffällig ist aber der Umgang der Paulianer untereinander. Herzlich, manchmal auch hart und deutlich aber doch immer irgendwie liebevoll. Da hilft einer dem anderen, weil man sich untereinander eben noch kennt und jeder weiss, wer sein Nachbar ist.....und all die blinkenden alten Neonreklamen.....und einfach die Geschichte, die St. Pauli hat und die man heute auch noch dort findet, wenn man einfach nur in die richtigen Ecken guckt.
Ach, ich könnte noch ewig weiter schreiben. Aber vielleicht mach ich das nächste Lied einfach über St. Pauli

Liebe Grüße
Nicole

Geschrieben: 18.04.2018 17:24
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#10

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Liebe Nicole,

ein toller Text und eine tolle Idee. Die Sache mit der Ich-Form, die Carschti aufgebracht hat finde ich zwar sehr reizvoll, aber auch extrem schwierig. Ich glaube, ich wäre dran gescheitert.

Es ist schon recht mutig, gerade weil du an eine Zeit zurückerinnerst, als der Kiez noch ein ganz anderer war. Heute befremdet einen diese Sichtweise eher, so wie es auch Marc ergangen ist. Aber vor hundert Jahren haben die großen Dichter (Brecht, Wedekind, Tucholsky) Hurenlieder geschrieben und diesem Beruf ihre Ehre erwiesen. Da fiel einem das aber auch leichter.

Michael

Geschrieben: 18.04.2018 12:47
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Und vielleicht gibt es morgen ja schon den Crash,
dass die Kurse und Masken fallen.
Also laßt uns freuen und träumen davon,
wie die Racheposaunen erschallen.

Franz Josef Degenhardt
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#11

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Liebe Nicole,

es schmeichelt mir, dass Du glaubst, ich könnte Dein Lied "1000mal besser" rüberbringen als Du, aber wenn Du schon selbst beim LT bist, hoffe ich, dass Du Deine eigenen Lieder selbst rüberbringst... Kleiner Tipp, vesetz Dich in die Frau, über die Du singst, und versuche das Lied so zu singen, wie sie es selbst singen würde. Du hast diese Frau persönlich kennengelernt, gehört, wie sie spricht, und vielleicht kannst Du Dir vorstellen, wie sie dieses Lied singen würde...

Überhaupt, der Text käme authentischer rüber, wenn Du ihn in ICH-Form geschrieben hättest, finde ich. So ist der Blick irgendwie distanziert, aus der Sicht der Krankenschwester, die dieser Frau in ihrem Job begegnet ist, und deren Lenensgeschichte sie vielleicht betroffen gemacht hat - oder aus meiner Sicht als Sozialpädagoge, der diese Frau vielleicht nach ihrem Krankenhausaufenthalt betreut und sich Fragen stellt wie "Was könnte ich tun, um diese arme alte Frau von ihrem Dreck und den sieben Katzen zu befreien, damit sie glücklicher wird?" (Wäre sie ohne den Dreck und die Katzen tatsächlich glücklicher???) Oder aus der Sicht des Pflegers, die sie pflegen muss, dann gleich wieder weiter zum nächsten Patienten muss und leider keine Zeit hat, sich die die spannende Lebensgeschichte dieser fast 90jährigen Frau anzuhören... Man könnte auch allen Sichtweisen der jeweiligen Berufe ein Lied widmen, aber wirklich spannend finde ich in diesem Zusammenhang eher die Sichtweise dieser Frau selbst, so schräg sie vielleicht klingen mag...

Tja, und der Hamburger Stadteil St. Pauli. Mal ganz abgesehen von dem Fußballclub am Millerntor, mich ärgert es immer, wenn dieser Kiez auf Herbertstraße, Straßenstrich und Striplokale reduziert wird. Es gibt da auch weitaus Schlimmeres wie z. B. Musicals, zu denen nicht nur Touristen aus der Lüneburger Heide mit Reisebussen gekarrt werden, um sich hinterher in der Herbertstraße, auf dem Straßenstrich oder in den Striplokalen zu amüsieren... All das gibt es auf St. Pauli, unbestritten, aber es gibt eben auch viele Menschen dort, die mit all diesen Übeln selbst noch nie was zu tun hatten, aber gerade dort gern leben, nicht weg wollen, weil es St. Pauli eben auch ausmacht, dass man dort so sein kann, wie man ist, egal wie die jeweilige Lebensgeschichte gewesen sein mag... Das schätze ich an St. Pauli.

Sorry Nicole, ich wollte Dein Lied mit meinem Posting auch nicht runtermachen, im Gegenteil, toll, dass Du Lieder über Themen und Menschen schreibst, die Dir wichtig sind, und das ist die Hauptsache!

Liebe Grüße
Carschti

Geschrieben: 17.04.2018 23:16
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#12

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Lieber Marc, lieber Helmut,
ich freue mich, dass der Text zu Überlegungen anregt
Es ist tatsächlich so, wie Helmut das Lied aufgenommen hat. Es sind die Worte und Gedanken der Frau.

Nun muß man bedenken, das das ganze vor knapp 60 Jahren stattgefunden hat. Da lief das noch etwas anders auf dem Kiez. Da haben den Job nicht irgendwelche Osteuropäische Damen gemacht, die das Elend zuhause nach Hamburg hat kommen lassen, sondern da waren die verruchten Frauen noch stolz auf ihren "Beruf". Und rückblickend auch stolz auf ihren Körper. ("früher war alles besser") Die Gute geht langsam auf die 90 zu und hadert heute mit ihren Körper. Sie würde auch nie von sich sagen, das sie "Stripperin" war, sondern sie nennt es "Schönheitstanz an der Stange" Also Strippen auf altmodisch

Aber insgesamt merkt man schon, das die alten Bewohner von St. Pauli schon von nem anderen Schlag sind. Die lieben ihren Kiez und alles was darin passiert oder eben vor 60 Jahren passiert ist.

Da kann man Geschichten hören.... Eine wunderbare Fundgrube. Man muss nur tief genug graben

@ Marc: ich habe auch direkt an Carschti denken müssen. Der würde das 1000 mal besser rüberbringen

Liebe Grüße
Nicole

Geschrieben: 17.04.2018 20:11
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#13

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Hallo Marc

Ich hab das so gelesen, wie wenn das die Worte der alten Frau wären. Für mich ist das Lied schlüssig, Nicole singt, was ihr erzählt wird.

Ich bin gespannt, was Nicole antwortet.

Gruß



Geschrieben: 17.04.2018 19:46
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#14

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Liebe Nicole,

ich mag skurrile Lieder! Manche Beschreibungen Deines Liedes finde ich großartig („Das Gefühl von Nerzen auf der Haut, schmiegt sich ein Kätzchen eng an sie“), und doch lässt mich der romantisch-verklärte Blick auf das „Berufsleben“ der alten Dame etwas irritiert zurück. „Die Reeperbahn war toll“? „Ein jeder lief ihr hinterher, kannt´ keine Einsamkeit“? „Den Busen stolz geschwellt?“ Irgendwie ist das mit meinem Männer- und Frauenbild nicht kompatibel.

Lieben Gruß aus Hannover!
Marc

PS: Dass ich das Lied beim LT unbedingt hören möchte, muss ich nicht extra erwähnen!? Seltsam, aber irgendwie würde ich mich über eine Interpretation des Liedes von Carschti freuen.

Geschrieben: 17.04.2018 19:25
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So vergeht Jahr um Jahr
und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt,
dass nichts bleibt,
wie es war.


Hannes Wader
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Aw: Informationen zu "3. Zelt-Lieder-Nacht in Müllheim"
#15

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Danke, Migoe, für die Weiterleitung. Ich fühle mich direkt angesprochen. Von WOGER (Wolfgang Gerbig) habe ich schon gehört, hatte aber bislang noch keine Gelegenheit, ihn zu erleben. Auch die anderen Künstler aus meiner Gegend interessieren mich und Dominik Plangger ja sowieso.

Da mach ich mir doch gleich mal ein dickes Kreuz in den Kalender.

Viele Grüße von Petra

Geschrieben: 17.04.2018 17:32
_________________
Man würde nie mehr Waffen schärfen,
wenn man folgendes bedenkt:
Es braucht die Flinte nicht ins Korn zu werfen,
wer sie beizeiten an den Nagel hängt!
(Christian Grote - Chrizz)
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Informationen zu "3. Zelt-Lieder-Nacht in Müllheim"
#16

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Diese Informationen erreichten mich vor ein paar Tagen per Mail direkt von Wolfgang Gerbig und ich gebe sie gerne hier auf dem Forum an Interessierte weiter:

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Liebe Freunde der Liedermacher Musik!!!

Es ist wieder soweit. Die 3. Markgräfler Zelt-Lieder-Nacht steht vor der Tür. Am Samstag, 28. April dürft ihr Euch wirklich nichts vornehmen. Denn: Ihr kommt alle nach Müllheim ins Zirkuszelt des Zirkus Ragazzi e.V.. Um 18:30 Uhr ist Einlass um 19:00 Uhr geht es pünktlich auf der Zeltbühne los. Bühne und Manege frei für eine sehr gefühlsbetonte, poetische und musikalische Reise mit meinen Gästen:

Oliver Scheidies aus Freiburg. Begleitet von Anna Schaarschmidt an der Geige singt Oliver über seine Erlebnisse mit Menschen in Berlin, Hamburg und anderswo. Witzig, erzählerisch wortgewandt lädt er seine Zuhörer auch öfter zum mitsingen ein.

Florijan van der Holz. Der gebürtige Markgräfler kommt aus Stuttgart und spricht mit seinen modernen Texten und mit der Art seiner musikalischen Darbietungen auch gerne jüngere Menschen an.

Auch Eva Sauter aus Tübingen, die gerade an der Popakademie studiert, begeistert mit Ihren lyrischen Texten und abwechslungsreichen Musikbegleitungen sowohl jüngere als auch ältere Zuhörer.

Dominik Plangger wohnt mittlerweile in Wien, kommt aber aus Bayern. Nächstes Jahr steht er seit 10 Jahren als Profi auf der Bühne. Seine ausdrucksstarken Lieder, seine eingängige warme Stimme und auch seine Ausstrahlung haben nicht nur Konstantin Wecker begeistert. Er wird auch uns betören und wir werden ihn mit viel Applaus empfangen!

WOGER....Ach ja, als Gastgeber werde auch ich Euch zusammen mit meinem Musikerfreund Martin Krüger ein paar meiner neuen Lieder vortragen. Da ich in jedem Jahr dabei sein darf, bin ich immer bemüht, Euch ein paar meiner Lieder vorzustellen, die ihr noch nicht kennt. Ich freue mich auf meine Gäste und auf Euch. Wir Künstler wünschen uns ein volles Zelt und einen nie endenden tollen Liederabend mit einem tollen Publikum.

Bitte, bitte, bitte schickt diese Mail an möglichst viele Freunde und Bekannte weiter. Begeistert Sie für eine Nacht der Lieder voller Emotionen. Denn das ist im Grunde die Idee: Die Menschen für einen Abend etwas wegzuführen von kommerzieller Musik, die uns jeden Tag im Radio ertönt und die Ohren der Menschen wieder mehr für handgemachte Lieder zu gewinnen, bei denen sie eigene Erlebnisse, Wünsche, Träume und Hoffnungen wiedergespiegelt bekommen und bei denen sie sich mit sowohl politischen, gesellschaftlichen, ökologischen als auch mit eigenen persönlichen Themen auseinandersetzen können. Für all diese Menschen garantieren wir Künstler eine unvergessliche Liedernacht in einer einzigartigen Zeltatmosphäre.

Euer WOGER, Wolfgang Gerbig

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Grüße vom Postboten migoe

Datei anhängen:



jpg  Oliver-Scheidies.jpg (39.38 KB)
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jpg  Florijan-van-der-Holz.jpg (13.10 KB)
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jpg  Eva-Sauter.jpg (12.82 KB)
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jpg  Dominik-Plangger.jpg (15.07 KB)
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jpg  woger.jpg (137.60 KB)
1_5ad5e1142eb31.jpg 560X720 px

Geschrieben: 17.04.2018 13:46
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Ich denke, also bin ich...denk ich positiv, gewinn ich | thomas d....

Die Erfahrung lehrt, wer die Wahrheit sagt, braucht ein verdammt schnelles Pferd | Reinhard Mey

www.liedermacher-forum.de | www.diekoerbers.de
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Aw: Georg Kreisler Lied - Karsten Troyke - Dreh das Fernsehen ab!
#17

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Hallo,Carschti

Danke für das Lied -in diese Rolle passt der Troyke ja auch und so viel Text ...!!
Dabei denke ich an ALLE,die Ihr schon fleißig für das LT lernt und übt und wie immer nicht genügend Zeit dafür habt

Es grüßt Euch lieb
LUISE.

Geschrieben: 15.04.2018 15:26
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Und wo immer auch ein Fettnapf steht,da tapp`ich voll hinein...
R.M.
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#18

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Ihr Lieben,
anbei mein Lied zum Sonntag
Zugegeben, eines der derberen Art.
In meinem Job lernt man unglaublich viele Menschen kennen und wenn man sich ein bisschen Zeit nimmt sie kennen zu lernen (die Zeit gibt es in meinem Job leider viel zu selten) dann kann man spannende Lebensgeschichten erfahren. Das folgende Lied besteht allerdings aus den Geschichten von zwei verschiedenen Frauen, die ich zusammen gemixt habe.
Die eine hat die Katzen, die andere war die Stripperin. Doch beide wohnen sie auf St. Pauli, da, wo die spannendsten Geschichten in Hamburg zu finden sind.

Alles Liebe
Nicole


mit sieben katzen auf dem kiez


um sechs uhr früh, da steht sie auf und schleppt sich zum wc
die beine woll´n schon lang nicht mehr der rücken tut ihr weh
und schaut sie in den spiegel rein dann wird ihr schwer ums herz
sie war mal eine schöne frau trug ketten und auch nerz
es war´n die wilden sechziger da war sie jung und schlank
zog nächtelang im striplokal nicht nur die brüste blank
die männer damals liebten sie und schwang sie mit dem po
dann steckten sie ihr scheine zu sie lieferte die show

doch heute lebt sie ganz verarmt und faltig, dick und krank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank

was war das für ne heiße zeit sankt pauli so verrucht
und sie war mittendrin dabei von männern oft besucht
und lichter, glitzer überall die reeperbahn war toll
aus jedem schuppen drang musik und sie war sehnsuchtsvoll
sie war umgarnt und sehr gefragt im rotlicht zu der zeit
ein jeder lief ihr hinterher kannt´ keine einsamkeit
die herbertstraße, ihr revier verdiente hier das geld
im fenster sich zur schau gestellt den Busen stolz geschwellt

doch heute lebt sie ganz verarmt und faltig, dick und krank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank

heut bleibt ihr nur noch das gefühl von nerzen auf der haut
schmiegt sich ein kätzchen eng an sie ist ihr das fell vertraut
und manchmal an nem guten tag da schminkt sie sich im bett
sie fühlt sich wie sie früher war und lächelt dann kokett
so wie sie´s auch schon damals tat sah´n ihr die männer zu
ist´s auch schon sechzig jahre her sie kannte kein tabu
im schummerlicht erfüllte sie wohl jedem seinen traum
in strömen der champagner floss bereut hat sie es kaum

doch heute lebt sie ganz verarmt und faltig, dick und krank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank

um zehn uhr kommt der pfleger dann und hilft ihr ambulant
zu waschen und auch aufzustehn und ist dabei charmant
sie sitzt dann vor ihm nackt und dick die brüste hängen tief
sie kann ihm nicht den kopf verdrehn und schaut sie auch lasziv
doch eines macht sie heute noch sie zieht sich niemals an
liegt nackt in ihrer wohnung rum und hofft es kommt ein mann
wie damals als sie jung und schön sich um die stange wand
im striplokal hier auf dem kiez noch nicht so abgebrannt

denn heute lebt sie ganz verarmt und faltig dick und krank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank
mit sieben katzen auf dem kiez im dreck und im gestank

Geschrieben: 15.04.2018 13:07
_________________
...sag nichts, ich seh's dir an, Kinder erkennen sich am Gang...
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Georg Kreisler Lied - Karsten Troyke - Dreh das Fernsehen ab!
#19

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Geschrieben: 14.04.2018 22:27
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"Wenn man als junger Mensch aussah wie ein Hippie und sich einigermaßen treu geblieben ist, sieht man als alter Sack halt aus wie ein Penner und nicht wie Joschka Fischer."
Harry Rowohlt (1945-2015)
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Aw: Antigone: Das neue Theaterstück von Bodo Wartke (Vorverkauf läuft)
#20

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Hallo Rike,
schön, mal wieder einen Funkspruch von dir zu lesen.
Viel Spaß heute Abend dann!


Am Sonntag war es sehr schön.
Die Tatsache, dass es eine "öffentliche Generalprobe" war, hat man nur daran gemerkt, dass Sven Schütze - eine Spontanentscheidung - vorher kurz eine Ansage machte, um klarzustellen, dass das nur ein psychologischer Trick ist, um Premieren-Stress abzudämpfen: "Streicht 'öffentliche Generalprobe' auf euren Tickets durch und schreibt 'inoffizielle Premiere' hin..."

Ein kleiner Bericht von meinen Eindrücken zum Stück - ohne allzuviel verraten zu wollen...
Es ist wohl kein großer 'Spoiler', wenn ich sage, dass mir Melanie Haupts Schauspielleistung besonders imponiert hat. Nicht, dass ich geringeres erwartet hätte, aber die Rollenvielfalt, sportliche/tänzerische Leistung usw. waren schon sehr beeindruckend. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Szene, in der sie ein längeres Zwiegespräch in zwei Rollen spielt, zwischen der verurteilten Antigone und einem treudoofen Wächter des Königs: Sehr unterschiedliche Charaktere und trotz Humor-Anteil nicht ins Alberne abgedriftet.
Von der Musik sind mir zwei Stücke im Speziellen im Gedächtnis geblieben - eines von Melanie an der Ukulele gesungen ("Er war mein Vater..."), leicht abgehangener, bluesiger Sound; und ein düsteres Stück aus der Erzähler-Perspektive mit dem Refrain "Die Zeit wird knapp" (und/oder "Die Zeit läuft ab"), das durchweg langsam und recht monoton blieb, aber durch ein Duett am Ende an Power gewann - das hätte ich mir mit derselben Prämisse aber anderem Inhalt auch also "echtes" Bodo-Stück vorstellen können.
Die minimalistischen Kostüme und Bühnerequisiten haben mir ebenfalls gut gefallen. Ein Treppenstufenblock wird bei Szenenwechseln von den beiden selbst an unterschiedliche Stellen geschoben: Das saß am Sonntag noch nicht so perfekt, zum Amüsement aller.
Eine andere kleine witzige Panne war, dass einmal nicht die richtige Mundharmonika bereitlag, was Bodo - natürlich in seiner Rolle in diesem Moment - dem Team mitteilen musste. Ist ja entsprechend lustig, wenn also ein Priester sagt: "Ich weiß auch nicht, wo die richtige liegt; gleich kommt bestimmt ein Techniker auf die Bühne."

Allen, die erst in den kommenden Wochen und Monaten dann in den Genuss des Stücks kommen, wünsche ich ebenfalls viel Spaß. Auf weitere Eindrücke wäre ich gespannt!

Falls jemand auf die Rahmendaten neugierig ist: Am Sonntag in Hamburg ging es um 19:20 Uhr los und war um 22:00 vorbei. Der erste Akt ist etwas länger als der zweite.
Wer sich am Merchandise-Stand eine "Minotaurus"-Handpuppe kaufen möchte, muss 37€ einplanen - EC-Kartenzahlung ist vor Ort aber möglich...

Schöne Grüße,
Viktor

Geschrieben: 10.04.2018 09:05
_________________
...
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Aw: Radio Liederlicht
#21

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Geschrieben: 09.04.2018 19:56
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Projekt "entwaffnende Lieder"
#22

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Ihr Lieben,
mal ein aktueller Blick in meine Liederwerkstatt:

Ich bin vor einigen Wochen auf ein Projekt der US-Singer/Songwriterin Mary Gauthier gestoßen, das mich fasziniert hat. Mir war die Sängerin von ein paar früheren Platten bereits als Roots-Sängerin bekannt, die mit sparsamen Arrangements unter die Haut gehende Lieder zu schreiben versteht.

Mary Gauthier hatte sich in einer Liederschreib-Werkstatt mit Veteranen der US-Army aus dem Irak-Krieg und deren Angehörigen dem Versuch gewidmet, die Traumata dieser Kriegsteilnehmer und die Erfahrungen ihrer Angehörigen mit den tramatisierten Heimkehrern in Liedern zu verarbeiten. Heraus kam dabei die CD Rifles & Rosary Beads, die ich mir aus den USA bestellt habe. Manche Kritiker halten sie schon jetzt für den wichtigsten Tonträger, der mutmaßlich in diesem Jahr in den USA erschienen ist/sein wird.

In den vergangen beiden Wochen habe ich die elf Lieder ins Deutsche zu übertragen versucht, hab dabei Anregungen erhalten, die in eigene Lieder zu diesem Themenkomplex mündeten und Mary Gauthiers Lieder - wie ich finde - gut ergänzen.

Es ist gewiss kein unterhaltsames oder fröhliches Programm, und ich bin mir auch nicht sicher, ob es überhaupt komplett konzerttauglich ist, weil es eher Betroffenheit als Fröhlichkeit bewirkt. Aber in Zeiten, in denen die Herrscher waffenstarrender Nationen wieder mit den Ketten rasseln, ist es vielleicht ein kleiner Beitrag, ohne Kriegserklärung Erklärendes zum Krieg zu schreiben und zu singen, um so größere Friedenssehnsucht auch bei denen zu wecken, die Krieg - wie ich - nur aus der Tagesschau kennen.

Doch dass Krieg uns mittlerweile doch hautnah rückt, erleben wir an den Menschen, die bei uns Schutz und Zuflucht gesucht und einige ja auch gefunden haben. Hinzu kommen die posttraumatischen psychischen Schäden, mit denen mittlerweile auch junge deutsche Soldaten von ihren Kriegseinsätzen zurückgekehrt sind und mitten unter uns leben. So gesehen wäre dieses Programm mit "entwaffnenden Lieder" vielleicht etwas für den Volkstrauertag... Aber eine CD ist natürlich auch in Arbeit.

Herzlich
Gerd

Geschrieben: 08.04.2018 20:19
_________________
Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
denn eh sich was tut, muss man selber was tun.
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Aw: Eure Lieder und die Geschichten dahinter
#23

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na ja, liebe Nicole,

wenn mir jemand mit so viel Lerninteresse auf die Lieder machenden Finger gucken möchte, und sich damit zufrieden gibt, dass ich meine Karten auf den Tisch lege und offenbare, wie ich es handhabe - ohne daraus eine allgemein gültige Methode ableiten zu wollen -, dann darf ich mich auch darüber freuen, wenn meine Tipps und Tricks, Wege und Umwege auch in der Anwendung einer "Kollegin" Wirkungen zeigen, die wiederum zu Lob und Beifall führen.

Mach weiter so - und du wirst Deine eigenen Tipps und Trick, Wege und Umwege zu Liedern finden, die Dich zufrieden stellen. Ich freue mich auf die Ergebnisse.

Herzlich
Gerd

Geschrieben: 08.04.2018 19:49
_________________
Damit was geschieht, muss zunächst was passiern.
Muss man, eh sich was ändert, denn erst was verliern?
Eh man sich erholt, bleibt keine Zeit auszuruhn,
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Anna Depenbusch - Tango
#24

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Hier ein Tango zur Nacht...

Geschrieben: 08.04.2018 02:32
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Aw: Antigone: Das neue Theaterstück von Bodo Wartke (Vorverkauf läuft)
#25

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Hallo,
ja und wir müssen noch bis Juni warten ,die Karten liegen auch schon ein 1/2 Jahr in der Schublade.
Wann gehst Du eigentlich,Georg , am 13. oder 14.06. ? Wir am 2.Tag.
Liebe Grüße von
Luise u.Steffen.

Geschrieben: 07.04.2018 22:24
_________________
Und wo immer auch ein Fettnapf steht,da tapp`ich voll hinein...
R.M.
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Aw: Antigone: Das neue Theaterstück von Bodo Wartke (Vorverkauf läuft)
#26

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Hallo Viktor,
danke für den Tipp

Wir haben unsere Karten für Dienstag schon vor Monaten besorgt. Aber dank deines Hinweises haben sich Bekannte von mir doch noch Tickets sichern können.

Dir viel Spaß bei der Generalprobe morgen
Herzliche Grüße von
Rike

Geschrieben: 07.04.2018 10:46
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Aw: Antigone: Das neue Theaterstück von Bodo Wartke (Vorverkauf läuft)
#27

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Hallo Bodo-Fans,

nächste Woche ist Premiere!
(Für Kurzentschlossene: Es wurden offenbar kleine Kartenkontingente zurückbehalten; für die Mo/Di/Mi-Termine im Schmidt Theater gibt es jetzt wieder ziemlich gute Restkarten im vorderen Parkett.)

Vor einer Weile wurden auch drei Appetit-Happen auf Bodos Seite / YouTube / Vimeo eingestellt, in denen man einen ersten Eindruck von dem Stück bekommen kann.
(Ich selbst möchte mir die Neugier bis zur Generalprobe am Sonntag erhalten und habe nicht ausführlich reingeschaut. Zumindest der erste Ausschnitt scheint aber ziemlich lang zu sein und ein Musikstück zu beinhalten...)

Viele Grüße,
Viktor

Geschrieben: 05.04.2018 12:00
_________________
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Aw: Matula in den Alpen - Vorfreude aufs LT
#28

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Hallo zusammen,

vielleicht gibt's ja den Alpenrap. Aber das war in der Obersteiermark

Das ist der Agent, mit dem richtigen Trend.

Das war Anfang der 80-er. Ich finde es herrlich schräg.

Liebe Grüße, Marianne

Er sagt good bye ihr Doller, kriegt den Höhenkoller und stürzt sich in die Schlucht...

Geschrieben: 31.03.2018 12:13
_________________
At the risk of offending an atheist: God bless you.

Leonard Cohen
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Aw: Matula in den Alpen - Vorfreude aufs LT
#29

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hallo carschti,
ich habe erst ne stunde zu spät eingeschaltet, weil ich erst den film im ersten sehen wollte. musste gestern abend aber auch direkt an dein lied denken, als ich matula gesehen habe. den knaller fand ich ja, das sein hund dr. renz hiess. eine schöne erinnerung an günter strack damals.
nur noch ein paar wochen bis zu unseren wiedersehen in den bergen. dann aber ohne mord und totschlag
liebe grüsse
nicole

Geschrieben: 31.03.2018 10:35
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Matula in den Alpen - Vorfreude aufs LT
#30

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Karfreitag - Tanzverbot in allen (deutschen) Bundesländern, nicht mal Monty Pythons "Das Leben des Brian" darf gezeigt werden ...

Ich hatte trotzdem einen unterhaltsamen Feiertag, denn im ZDF kam eine neue Matula-Folge, in der es ihn diesmal in die Alpen verschlagen hatte, um die dortigen Abgründe auf seine Weise zu ermitteln...

Ich glaube, das nächste LT, das ja bekanntlich auch in den Alpen stattfindet, wird auf keinen Fall langweilig werden...
Matula - Der Schatten des Berges

Matula? Das ist der... Vielleicht ist er ja auch beim LT zu hören...

Geschrieben: 31.03.2018 00:07
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Harry Rowohlt (1945-2015)
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