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"Kleines Testament" - Spurensuche nach dem "Ur"-Cover

Titel: "Kleines Testament" - Spurensuche nach dem "Ur"-Cover
von Marc am 06.01.2018 20:50:18

Ihr Lieben,

ich möchte euch von einem – für mich – besonderen Fund und einer kleinen Spurensuche berichten. Jäger und Sammler wie ich werden vielleicht Freude daran haben.

Kürzlich fiel mir Hannes Waders LP „Kleines Testament“ von 1976 für wenig Geld in die Hände. Das Album genießt unter Wader-Kennern einen kleinen, aber feinen Kult-Status. Zum einen ist es allein wegen seiner vier Lieder ein Sonderling, darunter die verrückte, fast zwanzig Minuten lange Fortsetzung des für Wader-Fans legendären „Tankerkönigs“, zum anderen avancierten zwei dieser vier Lieder – das „Hotel zur langen Dämmerung“ und „Schon morgen“ – zu wahren Wader-Klassikern. Ein ziemlich ausdrucksstarkes Werk!

Populär wurde auch das schlicht-markante „weiße“ Cover des Albums. Die LP, die mir nun in die Hände gefallen war, hatte jedoch ein ganz anderes Cover, das ich bis dato noch nie gesehen hatte. Der Schriftzug entspricht dem des „weißen“ Covers, doch ein Foto zeigt Hannes nachdenklich-fragend an einem dunklen Tisch sitzend, rauchend, den Kopf auf die rechte Hand gestützt, vor sich eine Flasche Rotwein, eine Tasse Kaffee und ein Buch von Hanns Eisler; quasi ein Stillleben. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich, alles, was jemals von Hannes auf CD oder LP erschienen ist, zu haben. Die besondere Ausgabe weckte meine Neugierde, also legte ich mich auf Spurensuche.

In dem, was auf der Vorder- und Rückseite der LP-Hülle geschrieben steht, unterscheidet sich diese rare Ausgabe von der „herkömmlichen“ allein durch die Angabe des Fotografen des Cover-Fotos, Lars Buchmann. Ich gab den Namen bei Google ein. Ein Arzt? Wohl eher nicht. Ich landete schließlich auf der Homepage der Partei „Die Linke“ für HH-Nord. Jahrgang 1953, seit 1968 politisch aktiv – das muss er sein! Ich schrieb ihn an und bekam prompt eine sehr freundliche Antwort. Wir telefonierten und kamen ein wenig ins Plaudern. Er erinnerte sich an das Jahr 1976 und erzählte, dass das Foto in einer Pause von den Studioaufnahmen in der Hamburger Wohnung seines Kumpels Ulrich Maske entstanden sei. Hannes und Ulrich, der Hannes zu diesem Zeitpunkt künstlerisch eng begleitete, hatten noch keine Idee für ein Cover, also machte Ulrich den Vorschlag, ein Foto in seiner Bude zu machen – mit ein paar Büchern, Gegenständen und Texten zum Projekt, die sie damals beschäftigten. Lars hatte eine gute Kamera und Fotopraxis, also war er der richtige Mann für das Foto. Dass „sein“ Cover offenbar nur in sehr geringer Auflage erschienen war, wusste Lars Buchmann zu meiner großen Überraschung jedoch nicht – er hatte Hannes später etwas aus dem Auge verloren und war nun überrascht, dass das Album mit einem anderen Cover bekannt geworden war. Aber wie kam es dazu?

Ich mailte Robert Weißenberger an, der mittlerweile seine Künstler-Agentur SCALA geschlossen hatte, aber so freundlich war, mir dennoch bei meiner Spurensuche zu helfen. Ich war platt: Er kannte das Cover nicht einmal! War es vielleicht sogar ein Fake? Robert gab mir den Tipp, mich an Ulli Hetscher, Hannes’ neuen Ansprechpartner bei Westpark Music zu wenden, der kenne Hannes noch aus „Pläne“-Zeiten und habe vielleicht eine Antwort für mich parat. Gleichzeitig gab mir mein Komplize Viktor aus dem Liedermacher-Forum den Tipp, dass ich Ulrich Maske leicht über Facebook finden und anschreiben könnte. Ulrich Maske, der ja kein Unbekannter in unserer Szene ist, antwortete mir prompt und freundlich – und bestätigte und ergänzte die Informationen, die mir bereits der Fotograf Lars Buchmann gegeben hatte. Doch warum das „Buchmann“-Cover gegen das „weiße“ Cover ausgetauscht wurde, konnte auch er nicht mehr genau rekonstruieren. Vermutlich war man unzufrieden mit dem Cover – war es Hannes? Oder die Plattenfirma Phonogram? Klar war jetzt immerhin: Das „Ur“-Cover war das „Buchmann“-Cover. Wie lange es auf dem Markt war, wie oft es über den Ladentisch ging und warum es offenbar schnell durch das „weiße“ Cover ersetzt wurde, wusste ich noch immer nicht.

Und auch die sehr freundliche und interessierte Antwort Ulli Hetschers, Hannes’ neuem Ansprechpartner bei Westpark Music, brachte nicht mehr Licht ins Dunkel. Er erinnerte sich, dass es Ende der 1970er Jahre eine Reihe von Änderungen bei der Phonogram gegeben habe. Gab es Schwierigkeiten mit den Bildrechten? Wurde deswegen kurzerhand ein neues – das „weiße“ – Cover gestaltet? Waren eventuell bei der Nachpressung die Originalfotos nicht mehr auffindbar? Hat Hannes das Cover schlichtweg nicht mehr gefallen?

Die Antwort weiß vielleicht allein noch Hannes. Der hat sich nach dem Ende seines Tourneelebens zurückgezogen, aber mit ein bisschen Glück und Geduld wird er meine Spurensuche vielleicht doch noch abschließen können…

Lieben Gruß!
Marc
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