Aw: professionelles Video

Eingetragen von Gesch An 23.12.2017 00:12:48
N'Abend noch mal, lieber Helmut, lieber Carschti,

Klar hätt ich das Lied inhaltlich breiter anlegen können - wollt ich aber nicht, weil der Zweck und der Zusammenhang des Liedes für mich thematisch enger gefasst sinnvoller gewesen sind. Nicht Kapitalismus-Kritik war meine Absicht, sondern - wie gesagt - Widerstand oder zumindest Widerspruch gegen Heimatzerstörung aus Profitinteresse.

Der Braunkohletagebau ist ein aussterbender Wirtschaftszweig, so oder so, nicht nur im rheinischen Revier. Das Gebot der Stunde wäre Strukturwandel, doch solange sich RWE und dessen Aktionäre in zahlreichen Kommunen NRWs an gewesene Profite klammern und den Beschäftigten was vormachen, sie hätten noch eine Zukunft, tut sich nicht genug für diejenigen, die längst noch nicht am Ende ihres Berufslebens angekommen sind und Perspektiven brauchen. Aber die Beschäftigten (früher sagte man Arbeiter) in diesem Wirtschaftszweig sind nicht die ersten, denen man durch Werksschließungen den Boden unter den Füßen wegzieht. Das ist tragisch, aber tragisch finde ich auch, dass hier Gewerkschaftler ihren Kampf um Sicherung der Arbeitsplätze in einem klimaschädlichen Industriezweig ohne Rücksicht auf diejenigen führen, die in küstennahen Regionen der Welt oder auf Inseln um ihr Überleben fürchten müssen, weil der Meerespegel schneller ansteigt, als es noch vor nicht allzulanger Zeit erwartet wurde.
Die Heimatregion Rheinisches Braunkohle hat eh seit Jahrzehnten ihr Gesicht immer weiter selber entstellt - unübersehbar, auch für diejenigen, die dort ihren Lebensunterhalt verdient haben. Gebäude mögen da zweitrangig sein, Waldgebiete nach Ansicht mancher Leute vielleicht auch, aber Menschen sollten in der Lage sein, selbst Verantwortung für sich zu erkennen und sich entsprechend mitgestalterisch zu verhalten.

Der Hambacher Forst kann sich selbst ebensowenig wehren wie der Dom von Immerath gegen den Sand, den RWE in die Augen der Menschen streut mit der Behauptung, die Braunkohle sei unverzichtbar. Sie ist heute schon von gestern, und wer für die Arbeitnehmer hier Perspektiven erschließen will, muss andere Wege gehen, als auf Fortsetzung der Umweltzerstörung und Klimaschädigung zu setzen. Sonst kommt hier irgendwann womöglich auch ein tschechischer Investor und übernimmt den Tagebau mit vollmundigen Versprechen, während er trickreich mit entsprechenden Vertragsformulierungen seine Verhandlungspartner auf der Verkäuferseite über den Tisch zieht und sich aus jeder Verantwortung für Folgeschäden davonstiehlt. Dem Rheinischen Braunkohlerevier muss ja nicht dasselbe passieren wie den Lausitzer Seen...

Dann wäre echt Gute Nacht - und nicht wie jetzt nur der Tageszeit bzw Nachtzeit geschuldet...

Insofern hat das Lied eben seinen Zusammenhang und seinen Zweck im Widerstand.
LG
Gerd

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