Aw: professionelles Video

Eingetragen von cARSCHti An 22.12.2017 19:29:47
Lieber Gerd,

erstmal Danke für Dein Lied, mit dem es Dir selbst hier im relativ kleinen Kreis schon jetzt gelungen ist, eine spannende Diskussion anzuregen!

Da ich vor 4 Wochen in Hoyerswerda bei der "Hoyschrecke" war, musste ich bei Deinem Video spontan auch an den dortigen Tagebau denken, der bestimmend für diese Stadt und Region war und ist.
Und ich musste an Gerhard Gundermann denken, der nicht nur bei diesem "Hoyschrecke"-Festival mit seinem Leben und Werk bis heute omnipräsent ist, sondern gerade auch in dieser vom Tagebau geprägten Gegend zutiefst verwurzelt war. Gundi verkörpert für mich wie kein anderer auch die Widersprüche der Menschen in so einer Tagebau-Region.
Einerseits hat er über 20 Jahre als Baggerfahrer im Tagebau gearbeitet, es war sein Beruf und seine wirtschaftliche Existenzgrundlage.
Andererseits hat er sich aus Umweltschutzgründen schon zu DDR-Zeiten gegen diesen Tagebau engagiert und sich damit nicht nur bei der Staatsführung sondern vermutlich auch bei seinen Tagebau-KollegInnen unbeliebt gemacht.
Was ich meine, gibt dieses Lied viel besser wieder, als ich es selbst ausdrücken könnte:
Gundermann & Seilschaft - Engel über dem Revier

Klar haben Kirchen, die durch den Tagebau verschwinden, eine eine sehr persönliche Bedeutung für die Menschen aus einem Ort, der durch den Tagebau verschwindet, ebenso wie z. B. das Elternhaus oder der Baum, unter dem man vielleicht zum ersten Mal geknutscht hat. Aber das Verschwinden des Tagebaus in der rheinischen Braunkohleregion hat für die Menschen, die dort verwurzelt sind, eben auch eine ganz persönliche Bedeutung, nämlich den Verlust ihrer Arbeitsplätze, ihrer wirtschaftlichen Identität, die ihre Heimatregion seit mehreren Generationen prägt.

Ich finde, diese Fragen und Wiedersprüche sind eben nicht so einfach zu lösen, Gerd. Ich teile Deine Meinung, dass der Tagebau im rheinischen Braunkohlerevier möglichst bald für immer beendet werden sollte, aber ich teile auch die Sorgen der Menschen dort, die dadurch ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Irgendwelche Gebäude sind dagegen in meinen Augen zweitrangig.

LG cARSCHti

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