Aw: ansagen/zwischentexte/moderationen

Eingetragen von cARSCHti An 03.11.2016 22:09:57
"... und dann hab ich mir ein Klappfahrrad gekauft und bin durchs schöne Sauerland gefahren, ziemlich bergige Gegend übrigens..." Diese Ansage von Reinhard Mey (auf der Live-LP von 1970) habe ich als Kind rauf und runter gehört, als er seinen "Germano-Western" ankündigt... Welches Lied? Ihr eingefleischte Reinhard-Mey-Fans werdet es wissen, aber seine Ansage beschreibt nicht im mindesten den Inhalt des Liedes, das auch für sich selbst stehen könnte, ohne jede Ansage... Diese Doppel-LP, wegen der ich überhaupt erst (sehr früh in meinem Leben) Reinhard-Mey-Fan geworden bin, ist ein (wenn nicht DER) Maßstab für mich, wie ein gutes Live-Konzert ablaufen könnte, Lieder, die für sich sprechen, incl. richtig guter Ansagen. Ich würde nichts davon "wegschneiden", wenn ich meine Plattensammlung auf mp3 speichern täte, ebenso wenig wie aus der Doppel-LP des Kölner Biermann-Konzerts 1976, bevor er aus der DDR ausgebürgert wurde. Auch da sprechen die Lieder natürlich für sich, aber was dieses einzigartige Konzert ausmacht, ist Biermanns Interaktion mit dem Publikum, finde ich...

Und dann bin ich endlich auch da, wo ich eigentlich hin wollte, und worum es in diesem Thread eigentlich geht, nämlich um Live-Konzerte oder Live-Auftritte, und nicht um Ton- oder Bildaufnahmen solcher...
Live auf der Bühne (egal ob "nur unterhalten" oder "ernsthafte Botschaften" vermitteln wollen) bedeutet immer, in direkte Interaktion mit dem jeweiligen Publikum (das ich vorher vielleicht nicht kenne, wenn ich in "fremder Umgebung" spiele) zu treten und mich idealeweise auch darauf einzulassen... Bei großen Konzerten in großen Hallen ist diese direkte Interaktion mit dem Publikum schwierig, weil man auf der Bühne vielleicht noch die Reaktionen der "Masse" wahrnehmen kann, aber eher nicht die Zwischenrufe, -fragen, -anmerkungen von irgendwem aus dem Publikum (Ausnahme Biermann Köln 1976)... Bei "kleineren Auftritten" in "kleineren Locations", wie ich sie in der Regel habe, ist das anders. Ich schaue meinem Publikum in die Augen und sehe, wie sie auf das, was ich auf der Bühne mache, reagieren. Und ich kann/muss spontan reagieren, wenn aus dem Publikum Zwischenrufe, -fragen, -anmerkungen kommen, während ich auftrete...

Manfred Maurenbrecher soll in einem Hoyschrecke-Workshop zum Thema "Ansagen" übrigens dazu geraten haben, in der Ansage eines Songs nicht den Inhalt des Songs rezitieren, sondern eine eigenständige Geschichte dazu zu erzählen... Ich kann das zwar nicht belegen (hab ich bloß erzählt bekommen), denn ich war bei dem Workshop (leider) nicht dabei, aber ich kann dem nur zustimmen...

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